Psalm 80

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 20.12.2013, aktualisiert: 29.01.2018

Eine dreifache Bitte an Gott, sein Volk wiederherzustellen und es von seinen Feinden zu retten (Ps 80,4.8.20)

Verse 2-4

Ps 80,2-4: 2 Hirte Israels, nimm zu Ohren, der du Joseph leitest wie eine Herde, der du thronst zwischen den Cherubim, strahle hervor! 3 Vor Ephraim und Benjamin und Manasse erwecke deine Macht und komm zu unserer Rettung! 4 Gott, führe uns zurück und lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet werden!

Am Ende des letzten Psalms brachte der Psalmist vor, dass das Volk Israel – so tief es auch gefallen ist – immer noch das Volk des Herrn ist und die Herde seiner Weide. In diesem Psalm steigen die Gottesfürchtigen, während sie weiterhin die Sünde des Volkes bekennen, höher auf in den Gründen für ihre Bitte. Wenn Israel die Herde des Herrn ist, folgt daraus, dass der Herr der Hirte Israels ist, derjenige, auf den die Schafe schauen sollten. So steigt der Schrei auf zu dem Hirten Israels, der einst sein Volk wie eine Herde führte und in ihrer Mitte auf den Cherubim wohnte, Er möge wieder vor den Stämmen erstrahlen und in seiner Macht kommen, um sie von ihren Feinden zu befreien und sein Angesicht wieder wohlwollend über ihnen leuchten lassen.

Verse 5-8

Ps 80,5-8: 5 HERR, Gott der Heerscharen, bis wann raucht dein Zorn gegen das Gebet deines Volkes? 6 Du hast sie mit Tränenbrot gespeist und sie maßweise getränkt mit Tränen. 7 Du setztest uns zum Streit unseren Nachbarn, und unsere Feinde spotten untereinander. 8 Gott der Heerscharen, führe uns zurück und lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet werden!

Sie bekennen, dass ihr gegenwärtiger niedriger Zustand eine Folge ihrer Sünden und der diesen zuzuschreibenden Züchtigung durch den Herrn ist. Wie im vorangegangenen Psalm fragen sie: „Bis wann?“ Der Glaube erkennt, dass Gottes Züchtigungen ein Ende haben müssen. Kann Gott dem Gebet seines Volkes gegenüber taub sein, gleichgültig gegenüber seinen Tränen und ungerührt von seinem Leid durch die Hände der Menschen, für die sie einen Zankapfel und ein Gegenstand der Verspottung sind? Erneut bitten sie den Gott der Heerscharen, sie wiederherzustellen, ihnen sein Wohlwollen zu erweisen und sie zu retten.

Verse 9-17

Ps 80,9-17: 9 Einen Weinstock zogst du aus Ägypten, vertriebst Nationen und pflanztest ihn. 10 Du machtest Raum vor ihm, und er schlug Wurzeln und erfüllte das Land; 11 die Berge wurden bedeckt von seinem Schatten, und seine Äste waren wie Zedern Gottes. 12 Er streckte seine Reben aus bis ans Meer, und bis zum Strom hin seine Schösslinge. 13 Warum hast du seine Mauern niedergerissen, so dass ihn alle berupfen, die auf dem Weg vorübergehen? 14 Es zerwühlt ihn der Eber aus dem Wald, und das Wild des Feldes weidet ihn ab. 15 Gott der Heerscharen, kehre doch wieder! Schau vom Himmel und sieh, und nimm dich dieses Weinstocks an 16 und des Setzlings, den deine Rechte gepflanzt hatte, und des Reises, das du dir gestärkt hattest! 17 Er ist mit Feuer verbrannt, er ist abgeschnitten; vor dem Schelten deines Angesichts kommen sie um.

Des Weiteren machen sie geltend, dass sie Gottes Weinstock sind, herausgeholt aus Ägypten, abgesondert von der Welt und im Land eingepflanzt. Warum also, wenn Israel Gottes Weinstock ist, hat Gott die Mauern niedergerissen und den Völkern erlaubt, ihn zu zertrampeln? Sie flehen Gott an, vom Himmel herabzuschauen und den Weinstock heimzusuchen (bzw. zu besuchen) – den Weinstock, den Gott gepflanzt hatte, und den Zweig [nach der englischen Übersetzung statt „Sohn“ in Psalm 80,16], den Gott sich hatte stark werden lassen. Kann es nicht sein, dass dieser Zweig eine Anspielung auf David und seine Familie ist, von dem Christus dem Fleisch nach abstammte? Sie geben zu, dass all dieses Leid durch das Schelten des Herrn über sie gekommen ist, was ein Eingeständnis ihrer Sünde bedeutet, die dieses Schelten nötig machte.

Verse 18-20

Ps 80,18-20: 18 Deine Hand sei auf dem Mann deiner Rechten, auf dem Menschensohn, den du dir gestärkt hast! 19 So werden wir nicht von dir abweichen; belebe uns, und wir werden deinen Namen anrufen. 20 HERR, Gott der Heerscharen, führe uns zurück! Lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet werden.

Hier bringen sie nun den höchsten Grund für ihre Bitten vor: „Deine Hand sei über dem Mann deiner Rechten, über dem Menschensohn, den du dir hast stark werden lassen.“ Dies ist nun ganz sicher eine Anspielung auf Christus, das Heil Gottes zur Behebung der Not des Menschen und zur Wahrung der Ehre Gottes.

Wenn es durch Christus in den Segen eingeht, wird das Volk nicht mehr von Gott abweichen. So wird zum dritten Mal der Refrain wiederholt: „Herr, Gott der Heerscharen! Stelle uns wieder her! Lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet.“ Als Erstes berufen sie sich darauf, dass Gott der Hirte Israels ist; als Zweites darauf, dass Gott ihrem Leid nicht gleichgültig gegenüberstehen kann; und als Letztes berufen sie sich auf Christus, den Mann von Gottes rechter Hand.

Vorheriger Teil Nächster Teil


Übersetzung: S. Bauer


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...