Psalm 13

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 24.10.2012, aktualisiert: 29.01.2018

Der Glaube des gottesfürchtigen Überrestes in Umständen, in denen er scheinbar von Gott vergessen ist

Im Verlauf dieser Gruppe von Psalmen (Ps 11–15) vertieft sich die Not der gottesfürchtigen Seele. In Psalm 11 sieht sie, wie die „Grundpfeiler“ umgerissen werden; in Psalm 12 haben die Gottesfürchtigen in ihrer Zahl abgenommen und sind die Treuen geschwunden unter den Menschenkindern; in diesem Psalm (Ps 13) kommt die Seele an den absoluten Tiefpunkt ihrer Not, denn die Umstände lassen es so aussehen, als ob Gott selbst sie vergessen hat.

Vers 2

Ps 13,2: Bis wann, HERR, willst du mich für immer vergessen? Bis wann willst du dein Angesicht vor mir verbergen?

Wenngleich die Seele durch das Böse von außen und innere Ängste geprüft wird, erhält die Gnade Gottes sie aufrecht. Daher der Ruf: „Wie lang?“ Dies ist die Sprache des Glaubens, der sich an Gott klammert in dem Wissen, dass Er den Plagen seines Volkes und der Sünde der Gottlosen ein Ende setzen wird. Der Glaube kann fragen: „Wie lange willst Du vergessen?“, umgeben von Umständen, die zu sagen scheinen: „Für immer.“

Vers 3

Ps 13,3: Bis wann soll ich Pläne in meiner Seele hegen, Kummer in meinem Herzen bei Tag? Bis wann soll sich mein Feind über mich erheben?

Unter dem Druck der Umstände kehrt sich die Seele nach innen – sie hält Rat mit sich selbst und nicht mit Gott. [Anm. d. Übers.: Nach der englischen Übersetzung und einer Anmerkung der Elberfelder lautet der erste Halbsatz: „Wie lang soll ich mit meiner Seele zu Rate gehen?“] Diese ermattenden Gedankengänge bringen keine Erleichterung. Die Folge einer Beschäftigung mit sich selbst ist es stets, das Herz mit Leid zu erfüllen und dem Feind Gelegenheit zu geben, über die Seele zu triumphieren.

Vers 4

Ps 13,4: Schau her, antworte mir, HERR, mein Gott! Erleuchte meine Augen, dass ich nicht entschlafe zum Tod, …

Erleichterung ist im Gebet zu finden, das die Seele weg von sich selbst zu Gott hin wendet, mit der sofortigen Folge, dass die Augen erleuchtet werden – es entsteht eine klare geistliche Sicht. Einkehr nach innen verdunkelt das Herz mit Leid; der Blick auf Gott erleuchtet die Augen.

Verse 5.6

Ps 13,5.6a: … dass mein Feind nicht sage: Ich habe ihn überwältigt!, meine Bedränger nicht frohlocken, wenn ich wanke. 6a Ich aber, ich habe auf deine Güte vertraut; mein Herz soll über deine Rettung frohlocken.

Mit erleuchteten Augen sieht die Seele deutlich die Ziele des Feindes und dass die Hilfsquelle der Gottesfürchtigen in der Gnade und Hilfe des Herrn zu finden ist. Wenn man mit sich selbst beschäftigt ist, kann man nur die eigene Schwäche und die Macht des Feindes im Vergleich zu einem selbst sehen. Nachdem man sich aber dem Herrn zugewendet hat, sieht man den Feind im Vergleich zu dem Herrn. Während das Herz voller Kummer war, als es mit seinen eigenen Gedankengängen beschäftigt war (Ps 13,3), frohlockt es nun mit Blick auf die Gnade und Hilfe des Herrn.

Vers 6b

Ps 13,6b: Ich will dem HERRN singen, denn er hat wohlgetan an mir.

Nachdem er sich dem Herrn zugewendet hat, erkennt der Glaube der Seele und vertraut auf die liebende Freundlichkeit des Herrn und nicht auf persönliche Verdienste oder auf die Gerechtigkeit seiner Sache. Dies bringt Erleichterung, so dass die Seele von der Not, die die Beschäftigung mit den Umständen hervorgerufen hat, zum Jubel angesichts der Errettung durch den Herrn übergeht. Die Freude des gottesfürchtigen Herzens drückt sich im Lobgesang der Lippen aus. Die Seele bricht in ein Loblied auf den Herrn aus, weil der Herr wohlgetan hat an ihr. Die Beschäftigung mit den Taten des Feindes hatte den Gottesfürchtigen in die tiefste Not gestürzt. Als er sich mit den Wohltaten des Herrn beschäftigt, bricht er in Lobgesang aus.

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Übersetzung: S. Bauer


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