Psalm 73

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 15.12.2013, aktualisiert: 18.10.2016

Die Güte Gottes Israel gegenüber; obwohl eine Zeitlang die heiligen Wege Gottes es zulassen, dass sein Volk leidet, während die Gottlosen erfolgreich sind

Die Wege Gottes mit Israel werden durch die Erfahrungen eines gottesfürchtigen Menschen dargestellt, der, wenn er das Gedeihen der Gottlosen sieht, dazu verleitet wird zu sagen, dass Gottesfurcht vergeblich ist. Diese Wege Gottes, die der Seele zunächst so überaus seltsam erscheinen, werden klar und deutlich, sobald das Heiligtum betreten wird.

Vers 1

Ps 73,1: Ein Psalm von Asaph. Gewiss, Gott ist Israel gut, denen, die reinen Herzens sind.

Das große Thema des Psalms wird im ersten Vers dargelegt: „Fürwahr, Gott ist Israel gut“ – dem wahren Israel – „denen, die reinen Herzens sind.“ Die Umstände mögen diese große Wahrheit scheinbar bestreiten, daher wird diese Überzeugung nur durch schmerzliche Erfahrungen erlangt. Das Ergebnis des Ringens wird festgestellt, bevor der Seelenkampf beschrieben wird.

Verse 2.3

Ps 73,2.3: 2 Ich aber – wenig fehlte, so wären meine Füße abgewichen, um nichts wären meine Schritte ausgeglitten. 3 Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah.

Wenngleich Gott seinem Volk gut ist, mögen Umstände eintreten, die die Seele dazu verleiten, die Güte Gottes in Frage zu stellen. Der gottesfürchtige Mensch ist nahe daran, in seinem geistlichen Leben zu wanken, denn er stellt fest, dass er dem Leid überlassen ist, während es den Gottlosen wohl ergeht (vgl. Mt 11,2-6).

Verse 4-12

Ps 73,4-12: 4 Denn keine Qualen haben sie bei ihrem Tod, und wohlgenährt ist ihr Leib. 5 Nicht sind sie im Ungemach der Sterblichen, und mit den Menschen werden sie nicht geplagt. 6 Deshalb umgibt sie der Hochmut wie ein Halsgeschmeide, Gewalttat umhüllt sie wie ein Gewand. 7 Es tritt aus dem Fett hervor ihr Auge; sie wallen über in den Einbildungen des Herzens. 8 Sie höhnen und reden in Bosheit von Bedrückung; von oben herab reden sie. 9 Sie setzen in den Himmel ihren Mund, und ihre Zunge ergeht sich auf der Erde. 10 Deshalb wendet sich hierher sein Volk, und Wasser in Fülle wird von ihnen geschlürft. 11 Und sie sprechen: Wie wüsste es Gott, und wie sollte der Höchste davon Kenntnis haben? 12 Siehe, diese sind Gottlose, und immerdar sorglos, erwerben sie sich Vermögen.

Der Psalmist fährt damit fort, das Gedeihen der Gottlosen zu beschreiben. Augenscheinlich geht es ihnen besser als dem Volk Gottes. Der Tod verursacht ihnen „keine Schmerzen“ (nach Darbys Übersetzung) und das Leben hält für sie keine Plagen bereit. Sie tragen ihren Hochmut wie ein Schmuckstück und ihre Gewalttätigkeit ist wie ein Gewand von allen zu sehen. Ihre Augen zeigen ihre Selbstzufriedenheit und die Erfüllung jedes Wunsches. In ihrem Herzen sind sie verdorben; mit Worten sprechen sie von oben herab verächtlich über andere; in ihrer Arroganz urteilen sie sowohl über die Dinge im Himmel als auch über die auf der Erde. Die Menschenmenge folgt ihnen, gibt sich der Zügellosigkeit hin und verachtet Gott, der, wie sie sagt, kein Wissen über die Wege der Menschen hat. So sind die Gottlosen, die „immer sorglos“ in der Welt vorankommen und sich „Vermögen erwerben“.

Verse 13.14

Ps 73,13.14: 13 Gewiss, vergebens habe ich mein Herz gereinigt und meine Hände in Unschuld gewaschen, 14 da ich ja geplagt wurde den ganzen Tag und jeden Morgen meine Züchtigung da war.

Wenn er das äußerliche Wohlergehen der Gottlosen dem Leiden der Gottesfürchtigen gegenüberstellt, ist der Gottesfürchtige versucht zu denken, dass es nutzlos war, sein Herz rein gehalten und seine Hände in Unschuld gewaschen zu haben. Was bringt es, ein reines Herz und saubere Hände zu haben, wenn man den ganzen Tag geplagt und jeden Morgen gezüchtigt wird, während die, die gottlos sind, gedeihen?

Verse 15.16

Ps 73,15.16: 15 Wenn ich gesagt hätte: Ich will ebenso reden, siehe, so wäre ich treulos gewesen dem Geschlecht deiner Söhne. 16 Da dachte ich nach, um dies zu begreifen: Eine mühevolle Arbeit war es in meinen Augen,

Die Betrachtung des Wohlergehens der Gottlosen mag diese ungläubigen Gedanken nahelegen; doch der Psalmist widersteht ihnen sofort. „Wenn“, so schreibt er, „ich gesagt hätte: Ich will ebenso reden, siehe, so hätte ich treulos gehandelt an dem Geschlecht deiner Söhne.“ Dennoch ist die Beantwortung dieser ungläubigen Fragen eine mühevolle und schmerzliche Aufgabe für den Gottesfürchtigen.

Verse 17-20

Ps 73,17-20: 17 bis ich hineinging in die Heiligtümer Gottes und jener Ende gewahrte. 18 Gewiss, auf schlüpfrigen Grund setzt du sie, stürzt sie hin zu Trümmern. 19 Wie sind sie so plötzlich verwüstet, haben ein Ende genommen, sind umgekommen durch Schrecknisse! 20 Wie einen Traum nach dem Erwachen wirst du, Herr, beim Aufwachen ihr Bild verachten.

Diese schmerzlichen Zweifel bleiben, obwohl er ihnen widersteht, unbeantwortet, bis der Psalmist in das Heiligtum hineingeht. Dort in der Gegenwart Gottes wird alles klar und deutlich. Sofort ändert sich die Perspektive des Psalmisten vollkommen. Er hatte das äußerliche Wohlergehen der Gottlosen betrachtet; nun sieht er ihr Ende. Er hatte über das nachgedacht, was die Menschen sagen und tun; nun sieht er, was Gott in Bezug auf die Gottlosen tut. Sie schienen zu gedeihen, doch, so sagt der Psalmist, „auf schlüpfrige Wege stellst du sie, du lässt sie in Täuschungen fallen“. Ihre Vernichtung kommt in einem kurzen Augenblick und sie „haben ein Ende gefunden, sind umgekommen in Schrecken“. Wenn der Herr zum Gericht erwacht, wird Er ihr Bild verachten, so wie ein Mensch nach dem Aufwachen nicht mehr viel von einem schrecklichen Traum hält.

Verse 21-23

Ps 73,21-23: 21 Als mein Herz sich erbitterte und es mich in meinen Nieren stach, 22 da war ich dumm und wusste nichts; ein Tier war ich bei dir. 23 Doch ich bin stets bei dir: Du hast mich erfasst bei meiner rechten Hand;

Das Heiligtum hält noch weitere Lektionen für den Psalmisten bereit. Er hat die Wahrheit über die Gottlosen erfahren; nun erfährt er andere und wichtigere Wahrheiten über sich selbst. Er sieht nun, dass er, als es in seinem Herzen „gärte“ (nach Darbys Übersetzung), dumm war wie ein Tier, das nicht an Gott denkt. Dennoch erfährt er in dem Heiligtum, dass er, obwohl er Gott vergessen hatte, Gott niemals aus dem Sinn ging. Inmitten der Prüfungen war er stets bei Gott; und als seine Füße fast ausgeglitten wären und seine Schritte beinahe gewankt hätten, hielt Gott ihn, wie er nun sieht, fest an der Hand.

Verse 24-26

Ps 73,24-26: 24 durch deinen Rat wirst du mich leiten, und nach der Herrlichkeit wirst du mich aufnehmen. 25 Wen habe ich im Himmel? Und neben dir habe ich an nichts Lust auf der Erde. 26 Vergeht mein Fleisch und mein Herz - der Fels meines Herzens und mein Teil ist Gott auf ewig.

In der festen Überzeugung, dass Gott ihn in all seinen Prüfungen aufrechterhalten hat, blickt er voller Zuversicht in die Zukunft und sagt: „Nach deinem Rat wirst du mich leiten, und nach der Herrlichkeit wirst du mich aufnehmen“ (nach Darbys Übersetzung). Wenn die Herrlichkeit des Herrn offenbart werden wird, wird der Gottesfürchtige seinen Anteil im Königreich bekommen. Wenn er das ernste Ende der Gottlosen trotz ihres gegenwärtigen Wohlergehens sieht, so sieht er auch das herrliche Ende der Gottesfürchtigen trotz ihres gegenwärtigen Leidens. So wird Gott selbst zur Zuversicht seiner Seele. Sein Leib und sein Herz mögen vergehen, aber Gott ist der Fels und die Kraft seines Herzens.

Verse 27.28

Ps 73,27.28: 27 Denn siehe, es werden umkommen, die dir fern sind; du vertilgst alle, die treulos von dir abweichen. 28 Ich aber, Gott zu nahen ist gut für mich; ich habe meine Zuversicht auf den Herrn, HERRN, gesetzt, um alle deine Taten zu erzählen.

Die fern von Gott leben, werden dem Gericht verfallen; die sich Gott nahen, werden mit Sicherheit feststellen, dass Gott Israel gut ist (Ps 73,1).

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Übersetzung: S. Bauer


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