Psalm 106

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 11.03.2014, aktualisiert: 18.10.2016

Die unermüdliche Güte und ewig währende Gnade des HERRN seinem irdischen Volk gegenüber trotz dessen Versagens

Der Psalm betrachtet prophetisch die Zeit, wenn Israels lange Gefangenschaft unter den Völkern ihr Ende erreicht und Gott kurz davor steht, das Volk unter der Herrschaft Christi wieder zu versammeln. Zu dieser Zeit werden die Gottesfürchtigen erkennen, dass aller Segen des Volkes von der ewig währenden Gnade des HERRN abhängt. Im Lichte der Güte und der Gnade des HERRN bekennt der Psalmist die Sünde von Gottes Volk (Ps 106,6), er gesteht jede Phase seines Versagens ein (Ps 106,7-46) und wendet sich schließlich mit der Bitte an Gott, das Volk zu Gottes eigenen Lob zu retten und wieder zu versammeln (Ps 106,47.48).

Verse 1-5

Ps 106,1-5: 1 Lobt den HERRN! Preist den Herrn, denn er ist gut, denn seine Güte währt ewig! 2 Wer wird aussprechen die Machttaten des HERRN, hören lassen all sein Lob? 3 Glückselig, die das Recht bewahren, der Gerechtigkeit übt zu aller Zeit! 4 Gedenke meiner, HERR, mit der Gunst gegen dein Volk; wende dich mir zu mit deiner Rettung, 5 dass ich anschaue das Wohlergehen deiner Auserwählten, mich erfreue an der Freude deiner Nation, mich rühme mit deinem Erbteil.

Die Einführungsverse stellen das Thema des Psalms vor: die Güte und Gnade des HERRN, die ewig währt und die Fähigkeit des Menschen übersteigt, sie in Worte zu fassen oder zu preisen

Glücklich ist man also, wenn man zu denen gehört, die moralisch geeignet sind für Jahwe, indem sie das Recht bewahren und zu aller Zeit Gerechtigkeit üben. Der Psalmist wünscht sich, dass der HERR seiner gedenkt und ihn aus der gegenwärtigen Not errettet, damit er das Glück der Auserwählten sehen und an der Freude von Gottes Volk teilhaben kann an dem Tag, an dem es in Gottes Erbteil eingeht.

Vers 6

Ps 106,6: Wir haben gesündigt samt unseren Vätern, haben unrecht getan, haben gottlos gehandelt.

Im Lichte dieser Gnade identifiziert sich dieser Vertreter des gottesfürchtigen Überrestes mit dem Volk und bekennt die Sünde, das Unrecht und die Gottlosigkeit, die das Volk im Lauf seiner Geschichte von der Zeit der Väter an gekennzeichnet haben.

Verse 7-12

Ps 106,7-12: 7 Unsere Väter in Ägypten beachteten nicht deine Wundertaten, erinnerten sich nicht an die Menge deiner Gütigkeiten und waren widerspenstig am Meer, beim Schilfmeer. 8 Aber er rettete sie um seines Namens willen, um seine Macht kundzutun. 9 Und er schalt das Schilfmeer, und es wurde trocken; und er ließ sie durch die Tiefen gehen wie durch eine Wüste. 10 Und er rettete sie aus der Hand des Hassers und erlöste sie aus der Hand des Feindes. 11 Und die Wasser bedeckten ihre Bedränger, nicht einer von ihnen blieb übrig. 12 Da glaubten sie seinen Worten, sie sangen sein Lob.

Nach diesen allgemeinen Bekenntnis der Sünde wird die Geschichte von Israels Versagen ausführlich nachgezeichnet, von der Knechtschaft in Ägypten bis zur Gefangenschaft in Babylon. Zu Beginn der Geschichte des Volkes verstanden die Israeliten weder Gottes Wunder gegen die Ägypter noch seine Barmherzigkeit ihnen selbst gegenüber. Am Roten Meer begehrten sie auf und wären am liebsten nach Ägypten und in die Knechtschaft zurückgegangen. Doch Gott „ließ sie durch die Fluten gehen“, rettete und erlöste sie und richtete ihre Feinde. Dann glaubten sie und sangen sein Lob.

Vers 13

Ps 106,13: Schnell vergaßen sie seine Taten, warteten nicht auf seinen Rat;

Angesichts der Schwierigkeiten in der Wüste vergaßen sie schnell seine Taten und warteten nicht auf seinen Rat. Sie vergaßen Gottes Fähigkeit zu retten und unterließen es, Gott um Rat zu fragen.

Verse 14.15

Ps 106,14.15: 14 und sie wurden lüstern in der Wüste und versuchten Gott in der Einöde. 15 Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen.

Wegen ihrer Missachtung von Gottes Rat blieben sie ihrem eigenen Willen überlassen, was ihnen zwar eine kurze Erfüllung ihrer Begierde verschaffte, letztlich aber Schwindsucht in ihre Seele sandte.

Verse 16-18

Ps 106,16-18: 16 Und sie wurden eifersüchtig auf Mose im Lager, auf Aaron, den Heiligen des HERRN. 17 Die Erde öffnete sich und verschlang Dathan und bedeckte die Rotte Abirams; 18 und ein Feuer brannte unter ihrer Rotte, eine Flamme verzehrte die Gottlosen.

Nachdem sie es verabsäumt hatten, Gott um Rat zu fragen, beneideten und missachteten sie die Diener Gottes, nur um sich die Züchtigung des HERRN zuzuziehen.

Verse 19-23

Ps 106,19-23: 19 Sie machten ein Kalb am Horeb und bückten sich vor einem gegossenen Bild; 20 und sie tauschten ihre Herrlichkeit gegen das Bild eines Stieres, der Gras frisst. 21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der Großes getan hatte in Ägypten, 22 Wundertaten im Land Hams, Furchtbares am Schilfmeer. 23 Da sprach er, dass er sie vertilgen wollte, wenn nicht Mose, sein Auserwählter, vor ihm in den Riss getreten wäre, um seinen Grimm vom Verderben abzuwenden.

Von der Entehrung der Diener Gottes gingen sie zu der noch größeren Sünde über, die Ehre Gottes selbst anzugreifen, indem sie einen Götzen errichteten – eine Sünde, die ein schnelles Verderben über sie gebracht hätte, wäre Mose nicht vor Gott für sie eingetreten.

Verse 24-27

Ps 106,24-27: 24 Und sie verschmähten das kostbare Land, glaubten nicht seinem Wort; 25 und sie murrten in ihren Zelten, hörten nicht auf die Stimme des HERRN. 26 Da schwor er ihnen, sie niederzuschlagen in der Wüste 27 und ihre Nachkommen niederzuschlagen unter den Nationen und sie zu zerstreuen in die Länder.

Die Gleichgültigkeit der Ehre Gottes gegenüber führte sie dazu, das Land Gottes zu verschmähen. Dieser Unglaube führte zu ihrer Niederwerfung in der Wüste. Diese wiederum führte dazu, dass ihre Nachkommen sich unter den Völkern verloren und in viele Länder versprengt wurden.

Verse 28-31

Ps 106,28-31: 28 Und sie hängten sich an Baal-Peor und aßen Schlachtopfer der Toten; 29 und sie erbitterten ihn durch ihre Handlungen, und eine Plage brach unter ihnen aus. 30 Da stand Pinehas auf und übte Gericht, und die Plage wurde abgewehrt. 31 Und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet von Geschlecht zu Geschlecht bis in Ewigkeit.

Indem sie sich mit anderen Völkern vermischten, konnten sie ihre Heiligkeit nicht aufrechterhalten. Sie wurden durch ihre Verbindungen verunreinigt, was das schnelle Gericht des Herrn über sie brachte, das nur durch das feste Handeln eines Menschen, dessen Tat Gott für alle Zeiten mit Billigung auszeichnete, aufgehalten wurde.

Verse 32.33

Ps 106,32.33: 32 Und sie erzürnten ihn an dem Wasser von Meriba, und es erging Mose übel ihretwegen; 33 denn sie reizten seinen Geist, so dass er unbedacht redete mit seinen Lippen.

Des Weiteren führte die Sünde des Volkes zum Versagen des Führers des Volkes. Durch die Halsstarrigkeit des Volkes gereizt, redete Mose unbedacht und hatte für seine übereilten Worte zu leiden.

Verse 34-39

Ps 106,34-39: 34 Sie vertilgten die Völker nicht, von denen der HERR ihnen gesagt hatte; 35 und sie vermischten sich mit den Nationen und lernten ihre Werke; 36 und sie dienten ihren Götzen, und sie wurden ihnen zum Fallstrick. 37 Und sie opferten ihre Söhne und ihre Töchter den Dämonen, 38 und sie vergossen unschuldiges Blut, das Blut ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten; und das Land wurde durch Blut entweiht. 39 Und sie verunreinigten sich durch ihre Werke und hurten durch ihre Handlungen.

Nachdem er Israels Versagen in der Wüste nachgezeichnet hat, bekennt der Psalmist nun noch dessen Sünden in dem Land. Die Israeliten vermischten sich mit den Völkern der Welt. Die Folge davon war, dass die anderen Völker nicht die Wege Gottes kennenlernten, sondern dass Gottes Volk den Wegen der Welt verfiel. Nachdem es sich ihre Wege angeeignet hatte, folgte Israel ihren bösen Bräuchen, was zur Folge hatte, dass seine Kinder darunter litten und unschuldiges Blut vergossen wurde.

Verse 40-42

Ps 106,40-43: 40 Da entbrannte der Zorn des HERRN gegen sein Volk, und er verabscheute sein Erbteil; 41 und er gab sie in die Hand der Nationen, und ihre Hasser herrschten über sie; 42 und ihre Feinde bedrückten sie, und sie wurden gebeugt unter ihre Hand. 43 Oftmals errettete er sie; sie aber waren widerspenstig in ihrem Plan, und sie sanken hin durch ihre Ungerechtigkeit.

Wegen all dieser Sünden legte sich die züchtigende Hand des HERRN auf sein Volk. So wurde das Land verwüstet und Gottes Volk geriet in Gefangenschaft. Die Israeliten wurden gebeugt und von den Heiden unterdrückt, und sie „verkamen wegen ihrer Ungerechtigkeit“.

Verse 44-46

Ps 106,44-46: 44 Und er sah ihre Bedrängnis an, wenn er ihr Schreien hörte; 45 und er gedachte ihretwegen seines Bundes, und es reute ihn nach der Menge seiner Gütigkeiten. 46 Und er ließ sie Erbarmen finden vor allen, die sie gefangen weggeführt hatten.

Doch inmitten des Gerichts erinnerte sich Gott an seine Barmherzigkeit. Er „sah an“ das Elend seines Volkes, „als er ihr Schreien hörte“. Er gedachte seines Bundes mit Abraham. Er erwies seinem Volk Gnade und ließ diejenigen, die es gefangen hielten, Mitleid empfinden und sich der Gefangenen erbarmen.

Verse 47.48

Ps 106,47.48: 47 Rette uns, HERR, unser Gott, und sammle uns aus den Nationen, dass wir deinen heiligen Namen preisen, dass wir uns rühmen deines Lobes! 48 Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und alles Volk sage: Amen! Lobt den HERRN!

Nachdem er also die Sünden des Volkes bekannt hat, wendet sich der Psalmist an Jahwe mit der Bitte, sein Volk zu retten und es aus den Heidenvölkern zu sammeln und es zu einem preisenden Volk zu machen. Im Vorgriff auf die Erhörung dieses Gebets wird das gesamte Volk dazu aufgerufen, Gott, den HERRN, zu loben, der von Ewigkeit zu Ewigkeit gepriesen wird.

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Übersetzung: S. Bauer

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