Der vollkommene Diener
Markus 1,21-45

Hamilton Smith

© Beröa-Verlag, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 17.10.2018

Der Weg des Herrn ist vorbereitet und die Gefährten seines Pfades des Dienstes sind ausgewählt worden. In dem nun folgenden Abschnitt werden uns gewisse Ereignisse mitgeteilt, die in sehr gesegneter Weise den vollkommenen Diener vorstellen. Die Herrlichkeit seiner Person gehört Ihm allein; aber in seinem Dienst haben wir das vollkommene Vorbild für jeden Diener des Herrn. Petrus gibt uns einen sehr schönen Abriss des Markusevangeliums, wenn er sagt: „Jesus, den von Nazareth, wie Gott ihn mit Heiligem Geiste und mit Kraft gesalbt hat, der umherging, wohltuend und heilend alle, die vom Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm“ (Apg 10,38). Wir sind allerdings nicht berufen, Wunder von Heilungen zu vollbringen. Aber wir sind berufen, Ihm in der Art seines Dienstes zu folgen.

Mk 1,21.22: Und sie gehen nach Kapernaum hinein. Und sogleich am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und sie erstaunten sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.

In Begleitung seiner Jünger trat der Herr in die Synagoge von Kapernaum ein und lehrte am Sabbath. Sofort sehen wir ein hervorstechendes Kennzeichen des vollkommenen Dieners; denn wir lesen, dass Er im Gegensatz zu den Schriftgelehrten „lehrte wie einer, der Gewalt hat“. Sein Wort bestand nicht aus bloßen Erörterungen, die sich an die Vernunft wenden. Er sprach mit der Autorität eines Menschen, der die Wahrheit in überzeugender Macht verkündigt. In unseren Tagen und Verhältnissen werden wir aufgefordert, die gottgegebenen Gaben mit Autorität auszuüben, denn, sagt Petrus in seinem ersten Brief, „wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes“ (Mk 4,10.11). Wenn wir eine Lehre in Verbindung mit allen Behauptungen, die es dafür und dawider gibt, vorstellen und es dabei unseren Hörern überlassen, zu beurteilen, ob es die Wahrheit sei oder nicht, dann werden wir kaum mit Autorität reden, sondern vielmehr als solche, die nach der Wahrheit tasten. Wir sollen als solche reden, die aus Gnaden die Gewissheit der Wahrheit kennen, die sie verkündigen. Dies steht nicht im Widerspruch mit einer demütigen Gesinnung; denn es sind gerade die Niedriggesinnten, welche die Gedanken Gottes kennenlernen werden, denn wir lesen: „Er lehrt die Sanftmütigen seinen Weg“ (Ps 25,9). 

Mk 1,23-28: Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist; und er schrie auf und sprach: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du gekommen, um uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes. Und Jesus gebot ihm ernstlich und sprach: Verstumme und fahre von ihm aus! Und der unreine Geist zerrte ihn hin und her und rief mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus. Und sie entsetzten sich alle, so dass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist dies? Was ist dies für eine neue Lehre? Denn mit Vollmacht gebietet er sogar den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm. Und die Kunde von ihm ging sogleich aus in das ganze Gebiet von Galiläa.

Die Austreibung des unreinen Geistes offenbart ein anderes Kennzeichen des vollkommenen Dieners. Wenn Er mit Gewalt spricht, ist sein Wort von Kraft begleitet. Am Ort des religiösen Bekenntnisses befand sich ein Mann mit einem unreinen Geist. Für einen solchen ist die Gegenwart des Herrn Jesus unerträglich. So „schrie er auf und sprach: Lass ab!“ Was immer auch die Unwissenheit des Menschen sein mag, die Dämonen wissen, dass dieser demütige Diener – Jesus von Nazareth – niemand weniger als der Sohn Gottes ist. Der Herr will jedoch nicht, dass der Teufel ein Zeugnis von Ihm ablegt. Deshalb bedroht Er den Dämon, bringt ihn zum Schweigen und gebietet ihm, von dem Mann auszufahren. Der Dämon muss, nachdem er seine Macht über den Mann gezeigt hat, indem er ihn zerrte und mit lauter Stimme schrie, sich der größeren Macht des Herrn unterwerfen und aus dem Mann ausfahren.

Die Zuschauer, die schon staunten, dass Er mit Gewalt lehrte, sind jetzt über die Kraft entsetzt, die sein Wort der Autorität begleitet und der sich sogar unreine Geister zu unterwerfen haben. 

Mk 1,29-34: Und sogleich gingen sie aus der Synagoge hinaus und kamen in das Haus von Simon und Andreas, mit Jakobus und Johannes. Die Schwiegermutter Simons aber lag fieberkrank danieder; und sogleich sagen sie ihm von ihr. Und er trat hinzu und richtete sie auf, indem er sie bei der Hand ergriff; und das Fieber verließ sie [sogleich], und sie diente ihnen. Als es aber Abend geworden und die Sonne untergegangen war, brachten sie alle Leidenden und Besessenen zu ihm; und die ganze Stadt war an der Tür versammelt. Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten; und er trieb viele Dämonen aus und erlaubte den Dämonen nicht zu reden, weil sie ihn kannten.

In der folgenden Begebenheit kommt noch ein anderer Zug des vollkommenen Dieners vor uns. Obwohl dieser Gesegnete alle Macht und Gewalt hat, ist Er doch für alte erreichbar. Wenn Er in das einfache Haus eines Fischers eintritt und dort jemand ist, der seiner heilenden Kraft bedarf, lesen wir: „Und alsbald sagen sie ihm von ihr.“ Und etwas später, als die Sonne unterging, „brachten sie alle Leidenden und Besessenen zu ihm“. Mit den großen Männern dieser Weit ist es ganz anders. Je größer ihre Gewalt  und Macht ist, umso weniger zugänglich sind sie für den Armen und Bedürftigen. Der Herr ist heute nicht anders als damals. Obwohl Er droben in der himmlischen Herrlichkeit ist, können wir Ihm alles sagen und Ihm alle unsere Sorgen und Nöte bringen.

Er heilte nicht nur Menschen von verschiedenen Leiden, Er befreite sie auch von der Macht der Dämonen. Aber währenddem Er seine vollständige Macht über die Dämonen offenbarte, „erlaubte er den Dämonen nicht zu reden, weil sie ihn kannten“. Wie jemand gesagt hat: Er verweigerte ein Zeugnis, das nicht von Gott war. Es mochte wahr sein, aber Er wollte das Zeugnis des Feindes nicht annehmen. 

Mk 1,35: Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus; und er ging hin an einen öden Ort und betete dort. 

Auf den arbeitsreichen Abend folgt ein früher Morgen, an dem es uns vergönnt ist, den Herrn zu sehen, wie Er lange vor Tagesanbruch hinausgeht an einen öden Ort, um zu beten. Da lernen wir, dass die Abhängigkeit von Gott, ausgedrückt durch das Gebet, ein anderes Merkmal des vollkommenen Dieners ist. Die Kraft des Dieners in der Öffentlichkeit wird im Gebet, das im Verborgenen geschieht, gefunden. Wir hören die Stimme des Herrn Jesus durch den Propheten, der diesen Augenblick vorausempfand, als er sagte: „Der Herr, HERR, hat mir eine Zunge der Belehrten gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre gleich solchen, die belehrt werden“ (Jes 50,4). Wir haben den Herrn gesehen, wie Er die Zunge der Belehrten gebraucht hat. Jetzt sehen wir Ihn mit geöffnetem Ohr, um zu hören wie einer, der belehrt wird. So lernen wir, dass das Gebet sowohl hinter seiner Belehrung (Mk 1,21) als auch hinter seinem Predigen stand (Mk 1,39). Wie gut für uns, wenn wir dem vollkommenen Beispiel zu folgen trachten und unsern Tag mit Gott im Gebet beginnen, bevor wir unsern Mitmenschen in der Öffentlichkeit begegnen; denn es ist schwierig, im Betrieb und in der Hitze des Tages einen „öden Ort“ zu finden. 

Mk 1,36-39: Und Simon eilte ihm nach, mit denen, die bei ihm waren; und sie fanden ihn und sagen zu ihm: Alle suchen dich. Und er spricht zu ihnen: Lasst uns woandershin gehen in die nächsten Ortschaften, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen. Und er predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.

Die Jünger gehen Ihm nach, und nachdem sie den Herrn gefunden haben, sagen sie: „Alle suchen dich.“ Das bringt ein weiteres Merkmal des vollkommenen Dieners ans Licht – die Ablehnung reiner Beliebtheit. Die Natur mag einwenden, dass, wenn alle uns suchen, dies die Zeit sei zu bleiben; aber das war der Augenblick, in dem der Herr sagte: „Lasst uns anderswohin in die nächsten Flecken gehen.“ Als der Knecht des HERRN war Er nicht hier, um Beliebtheit zu erlangen, sondern um den Willen Gottes zu tun. 

Mk 1,40-42: Und ein Aussätziger kommt zu ihm, bittet ihn und kniet [vor ihm] nieder und spricht zu ihm: Wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und innerlich bewegt streckte er seine Hand aus, rührte ihn an und spricht zu ihm: Ich will; werde gereinigt! Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde gereinigt. 

Wir haben die Kraft des Dieners und das Geheimnis der Kraft gesehen. Jetzt dürfen wir die Gnade sehen, die diese Kraft dem gemeinsten Sünder zugänglich macht. Ein armer Aussätziger, der von seiner Not getrieben und durch eine Kraft angezogen wird, von der er merkt, dass sie seiner Not entsprechen kann, kommt zum Herrn. Aber er zweifelt, ob seine Gnade die Kraft auch auf ihn anwenden will, dessen abscheuliche Krankheit ihn zu einem Ausgestoßenen der Menschen gemacht hat. So sagt er: „Wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Wenn er auf Christus blickte, zweifelte er nicht an seiner Macht; betrachtete er aber sich selbst; stellte er die Gnade des Herrn in Frage. So geht es auch uns bisweilen, wenn wir die Schwärze unserer Herzen zu sehen bekommen. Dann stellen wir die Gnade seines Herzens in Frage, bis wir, wie der Aussätzige, in seiner Gegenwart entdecken, dass das Herz des Herrn Jesus „innerlich bewegt“ ist gegenüber dem gemeinsten Sünder, der zu Ihm kommt. So fanden auch die Frau an der Quelle und der Räuber am Kreuz im Herrn Jesus den Einen, der das Schlimmste von ihnen wusste und doch Gnade in seinem Herzen für sie hatte. Seine Gnade ist größer als unsere Sünden. Im Fall des Aussätzigen zerstreut der Herr die Zweifel mit seinen Worten: „Ich will.“ Sie drücken die Liebe und das Mitgefühl eines Herzens aus, das bereit ist, seine Macht zugunsten des bedürftigen Menschen zu gebrauchen. 

Mk 1,43-45: Und er gebot ihm ernstlich und schickte ihn sogleich fort und spricht zu ihm: Gib acht, dass du niemand etwas sagst; sondern geh hin, zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Er aber ging weg und fing an, es vielfach kundzumachen und die Sache zu verbreiten, so dass er nicht mehr öffentlich in die Stadt gehen konnte; sondern er war draußen in öden Gegenden, und sie kamen von allen Seiten zu ihm.

Ein anderer schöner Zug des vollkommenen Dieners wird in dem gesehen, was folgt. Er sucht nicht seine eigene Ehre, sondern die Ehre dessen, dem Er dient. So hören wir den Herrn zu dem geheilten Aussätzigen sagen: „Siehe zu, sage niemand etwas.“ Dennoch muss er sich dem Priester zeigen, und so wird das Gesetz zu einem Zeugnis für die Gegenwart Gottes in Gnade. Unter dem Gesetz konnte Gott allein den Aussätzigen heilen, und der Priester konnte nur das bestätigen, was Gott getan hatte.

So zieht zu Beginn des Weges des demütigen Dienstes unseres Herrn seine Vollkommenheit als Diener an uns vorüber. Sein Dienst ist gekennzeichnet durch Autorität, begleitet mit Macht. Seine Kraft ist verbunden mit Zugänglichkeit für den Niedrigen und Bedürftigen und wird in Abhängigkeit von Gott ausgeübt. Er weigert sich, seine Macht zu benützen, um beliebt zu werden. Seine Macht ist verbunden mit zartem Mitgefühl, und Er gebraucht sie nie, um einfach sich zu erhöhen.


Aus dem Buch Siehe, mein Knecht, Beröa-Verlag, S. 15–21


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