Psalm 38

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 31.12.2012, aktualisiert: 18.10.2016

Die gottesfürchtige Seele, verlassen von ihren Lieben und ihren Freunden und von Feinden getadelt, wenn sie um ihrer eigenen Sünde willen unter der Strafe des Herrn leidet

Die Psalmen 38 und 39 zeigen uns das Herrschaftshandeln des Herrn an einem Gläubigen als direkte Folge seiner eigenen Sünde und seines eigenen Versagens und nicht, wie in vielen anderen Psalmen, als Auswirkung der Sünde des ganzen Volkes. Diese Erfahrungen der Seele unter der Züchtigung beschreiben zweifellos die Übungen des gottesfürchtigen Überrestes aus den Juden an einem späteren Tag, während sie wichtige Prinzipien enthalten, die für einen Heiligen voller Versagen zu jeder Zeit gültig sind.

Verse 2-6

Ps 38,2-6: 2 HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! 3 Denn deine Pfeile sind in mich eingedrungen, und deine Hand hat sich auf mich herabgesenkt. 4 Nichts Heiles ist an meinem Fleisch wegen deines Zürnens, kein Frieden in meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. 5 Denn meine Ungerechtigkeiten sind über mein Haupt gegangen, wie eine schwere Last sind sie zu schwer für mich. 6 Es stinken, es eitern meine Wunden wegen meiner Torheit.

Der Gottesfürchtige erkennt ganz klar, dass seine Leiden einerseits von dem Herrn kommen und andererseits die direkte Auswirkung seiner eigenen Sünde sind. Er kann sagen: „Deine Hand lastet auf mir“; und die Züchtigung geschieht „wegen meiner Verfehlung“ und „wegen meiner Sünden“ und „wegen meiner Torheit“.

Verse 7-9

Ps 38,7-9: 7 Ich bin gekrümmt, über die Maßen gebeugt; den ganzen Tag gehe ich trauernd umher. 8 Denn voller Brand sind meine Lenden, und nichts Heiles ist an meinem Fleisch. 9 Ich bin ermattet und über die Maßen zerschlagen, ich heule vor Gestöhn meines Herzens.

Der versagende Heilige darf das Elend, die Demütigung und die Ermattung seines Zustandes als Folge seiner Sünde sowohl fühlen als auch zum Ausdruck bringen. Er muss sagen: „Ich bin gekrümmt, sehr gebeugt“; „Ich bin ermattet und ganz zerschlagen.“

Verse 10-13

Ps 38,10-13: 10 Herr, vor dir ist all mein Begehr, und mein Seufzen ist nicht vor dir verborgen. 11 Mein Herz pocht, verlassen hat mich meine Kraft; und das Licht meiner Augen, auch das ist nicht bei mir. 12 Meine Lieben und meine Genossen stehen fernab von meiner Plage, und meine Verwandten stehen von fern. 13 Und die nach meinem Leben trachten, legen mir Schlingen; und die mein Unglück suchen, reden von Schadentun und sinnen auf Trug den ganzen Tag.

Dennoch darf sein Glaube nicht nachlassen. Der Gottesfürchtige findet seine Hilfsquelle in dem Herrn. Er findet Trost in der Tatsache, dass, wenn auch seine Sünde vor dem Herrn ist, ebenso auch sein Seufzen nicht vor dem Herrn verborgen ist. Er wendet sich an den Herrn, wenn seine eigene Kraft ihn verlassen hat (Ps 38,11); wenn seine Lieben, seine Gefährten und seine Verwandten sich fernhalten (Ps 38,12) und wenn seine Feinde seinen Fall zum Anlass nehmen, ihn zu tadeln, sein Unglück zu suchen, vom Verderben zu reden und auf Hinterlist ihm gegenüber zu sinnen.

Verse 14-16

Ps 38,14-16: 14 Ich aber, wie ein Tauber, höre nicht und bin wie ein Stummer, der seinen Mund nicht öffnet. 15 Und ich bin wie ein Mann, der nicht hört und in dessen Mund keine Gegenreden sind. 16 Denn auf dich, HERR, harre ich; du wirst antworten, Herr, mein Gott.

Was auch immer der Feind sagen oder tun mag – der Gottesfürchtige ist stumm und kann keinen Vorwurf äußern, denn er ist sich der Tatsache bewusst, dass er selbst gesündigt hat. Daher überlässt er sich der Hand des Herrn, der, wenn Er es für angebracht hält, dem Feind antworten kann – „Denn auf dich, Herr, harre ich; du, du wirst antworten, Herr, mein Gott.“

Verse 17-21

Ps 38,17-21: 17 Denn ich sprach: „Dass sie sich nicht über mich freuen!“ Beim Wanken meines Fußes tun sie groß gegen mich. 18 Denn ich bin nahe daran zu fallen, und mein Schmerz ist beständig vor mir. 19 Denn ich tue meine Ungerechtigkeit kund; ich bin bekümmert wegen meiner Sünde. 20 Meine Feinde aber leben, sind stark, und zahlreich sind die, die ohne Grund mich hassen; 21 und Böses für Gutes vergeltend, feinden sie mich an, weil ich dem Guten nachjage.

Der Feind, ohne Liebe zum Guten oder Hass gegen das Böse, nimmt das Wanken des Gottesfürchtigen zum Anlass, sich über seinen Sturz zu freuen und selbst groß zu tun. Was den Gottesfürchtigen betrifft, so hat seine Sünde ihn seine eigene Schwäche erkennen lassen: nämlich dass er „nahe am Straucheln“ ist. Er ist sich stets seiner Sünde bewusst und ist darüber bekümmert. Seine Feinde nehmen seine Sünde zum Anlass, ihn zu verfolgen; doch nicht wegen seines Versagens, sondern weil er dem Guten nachjagt.

Verse 22.23

Ps 38,22.23: 22 Verlass mich nicht, HERR; mein Gott, sei nicht fern von mir! 23 Eile zu meiner Hilfe, Herr, meine Rettung!

Alle mögen ihn verlassen haben, aber er vertraut darauf, dass der Herr ihn nicht verlassen wird. Er erwartet von dem Herrn Hilfe und Rettung.

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Übersetzung: S. Bauer


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