Psalm 44

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 04.10.2013, aktualisiert: 29.01.2018

Der Glaube des gottesfürchtigen Überrestes, der auf das zählt, was Gott in der Vergangenheit für sein Volk getan hat, und Gott als seinen König anerkennt, erwartet von Gott, sich zu erheben, um seinem Volk zu helfen und es von all seinen Feinden zu erretten

Verse 2-4

Ps 44,2-4: 2 Gott, mit unseren Ohren haben wir gehört, unsere Väter haben uns erzählt die Großtat, die du gewirkt hast in ihren Tagen, in den Tagen der Vorzeit. 3 Du, mit deiner Hand hast du Nationen vertrieben, und sie hast du gepflanzt, Völkerschaften hast du vertilgt, und sie hast du ausgebreitet. 4 Denn nicht durch ihr Schwert haben sie das Land in Besitz genommen, und nicht ihr Arm hat sie gerettet, sondern deine Rechte und dein Arm und das Licht deines Angesichts, weil du Wohlgefallen an ihnen hattest.

Der gottesfürchtige Überrest, wenngleich aus dem Land vertrieben und von seinen Feinden unterdrückt, klammert sich in schlichtem Glauben an das, was er von seinen Vätern über Gottes mächtige Werke zu Gunsten seines Volkes in der Vergangenheit gehört hat. In jenen Tagen geschah es nicht durch eigene Kraft, dass Gottes Volk in das Land gebracht und seine Feinde enteignet wurden. Durch Gottes rechte Hand und Gottes Arm kam es in diesen Segen, weil Gott Wohlgefallen an seinem Volk hatte und ihm wohlgesonnen war.

Verse 5-9

Ps 44,5-9: 5 Du selbst bist mein König, o Gott; gebiete die Rettungen Jakobs! 6 Durch dich werden wir unsere Bedränger niederstoßen; durch deinen Namen werden wir die zertreten, die gegen uns aufstehen. 7 Denn nicht auf meinen Bogen vertraue ich, und nicht wird mein Schwert mich retten. 8 Denn du rettest uns von unseren Bedrängern, und unsere Hasser machst du beschämt. 9 In Gott rühmen wir uns den ganzen Tag, und deinen Namen werden wir preisen in Ewigkeit. – Sela.

Nun, da der Feind wieder im Besitz des Landes und Gottes Volk vertrieben ist, verkündet der gläubige Überrest Gott als seinen König und erwartet von Ihm, dass Er ihn abermals durch seine Macht von seinen Feinden befreit. Die Übriggebliebenen werden ihr Vertrauen nicht auf ihren Bogen oder ihr Schwert setzen, sondern auf den Gott, der sie in vergangenen Zeiten vor ihren Feinden gerettet hat. In Gott werden sie sich rühmen, und seinen Namen werden sie ewig preisen.

Verse 10-17

Ps 44,10-17: 10 Doch du hast uns verworfen und uns zuschanden gemacht und zogst nicht aus mit unseren Heeren. 11 Du ließest uns zurückweichen vor dem Bedränger, und unsere Hasser haben für sich geraubt. 12 Du gabst uns hin wie Schlachtschafe, und unter die Nationen hast du uns zerstreut. 13 Du verkauftest dein Volk für ein Geringes und hast ihren Preis nicht hoch gesetzt. 14 Du machtest uns zum Hohn unseren Nachbarn, zum Spott und Schimpf denen, die uns umgeben. 15 Du machtest uns zum Sprichwort unter den Nationen, zum Kopfschütteln unter den Völkerschaften. 16 Den ganzen Tag ist meine Schande vor mir, und die Scham meines Angesichts hat mich bedeckt 17 wegen der Stimme des Schmähers und Lästerers, wegen des Feindes und des Rachgierigen.

Sie beschreiben vor Gott den gegenwärtigen Zustand von Gottes bekennendem Volk und Gottes Wege mit ihnen, die so gänzlich im Gegensatz zu seinen früheren Wegen stehen. Sie sind nicht nur verworfen, besiegt, von ihren Feinden beraubt und unter die Heiden zerstreut; sondern es ist Gott selbst, der früher zu ihren Gunsten wirkte, der sie jetzt verworfen hat, sie hat zurückweichen lassen vor ihren Bedrängern und sie zerstreut hat. Sie bekennen, dass Gottes Hand in der Herrschaft auf ihnen liegt; dass Gott sein Volk in die Gefangenschaft verkauft und es zum Hohn, zu Spott und Schimpf und zum Sprichwort gemacht hat. So steht die gottesfürchtige Seele ständig der Schande und Scham von Gottes Volk gegenüber, denn die Stimme der Schmäher und Lästerer ist immer gegen es erhoben.

Verse 18-23

Ps 44,18-23: 18 Dies alles ist über uns gekommen, und wir haben dich nicht vergessen und nicht betrügerisch gegen deinen Bund gehandelt. 19 Unser Herz ist nicht zurückgewichen, und unsere Schritte sind nicht abgebogen von deinem Pfad, 20 obgleich du uns zermalmt hast am Ort der Schakale und uns bedeckt hast mit dem Schatten des Todes. 21 Wenn wir den Namen unseres Gottes vergessen und unsere Hände zu einem fremden Gott ausgestreckt hätten, 22 würde Gott das nicht erforschen? Denn er kennt die Geheimnisse des Herzens. 23 Doch um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wie Schlachtschafe sind wir geachtet.

Doch inmitten all ihrer Schande und Scham können die Gottesfürchtigen ihre Rechtschaffenheit geltend machen. Sie haben Gott nicht vergessen. Im Angesicht der Schmähungen und Lästerungen der Feinde können sie nichts sagen, denn sie sind sich des völligen Versagens des Volkes bewusst; aber im Angesicht Gottes können sie sich immer noch darauf berufen, dass sie Gott nicht vergessen haben und nicht von seinem Bund oder von seinem Pfad abgewichen sind.

Sie sind „zermalmt“ und „bedeckt mit Finsternis“; dennoch haben sie den Namen Gottes nicht vergessen und ihre Hände nicht zu einem fremden Gott ausgestreckt. Hätten sie das getan, hätte Gott es gewusst, „denn er erkennt die Geheimnisse des Herzens“. So berufen sie sich auf das vollkommene Wissen Gottes. Weit davon entfernt, sich einem fremden Gott zuzuwenden, leiden sie den ganzen Tag lang und sind dem Tod ausgesetzt, weil sie an dem wahren Gott festhalten.

Verse 24-27

Ps 44,24-27: 24 Erwache! Warum schläfst du, Herr? Wache auf! Verwirf uns nicht auf ewig! 25 Warum verbirgst du dein Angesicht, vergisst unser Elend und unsere Bedrückung? 26 Denn unsere Seele ist in den Staub gebeugt, unser Bauch klebt an der Erde. 27 Steh auf, uns zur Hilfe, und erlöse uns um deiner Güte willen!

Sie bitten Gott zu erwachen und für sie einzutreten und sie nicht auf ewig zu verwerfen. Sie bekennen ihre eigene tiefe Not und berufen sich auf seine überschwängliche Gnade. Sie sind elend und unterdrückt, gebeugt und niedergeschmettert; aber bei Gott ist Hilfe und Güte.

Dieser Psalm enthüllt Prinzipien von hoher Wichtigkeit, die für Gottes Volk zu jeder Zeit des Verfalls gelten:

  1. Erstens sollten wir in einer bösen Zeit die Macht und Güte Gottes anhand der Art und Weise einschätzen, wie Er am Anfang des Zeitalters für sein Volk gehandelt hat, und uns davor hüten, Gott nach den niedrigen Zustand zu beurteilen, in dem es sich aufgrund seines Versagens finden mag (Ps 44,2-4).

  2. Zweitens sollte sein Volk trotz all seines Versagens auf Gott als den Einen, der allein Rettung bringen kann, vertrauen und sich davor hüten, seinen Zustand durch eigene Anstrengungen verbessern zu wollen (Ps 44,5-9).

  3. Drittens ziemt es sich für Gottes Volk, sich in einer Zeit des Versagens unter die züchtigende Hand des Herrn zu beugen, über alle zweitrangigen Ursachen hinauszuschauen und zu erkennen, dass Gott selbst es erlaubt hat, dass es zu einem Schimpf und zu einem Sprichwort wird (Ps 44,10-17).

  4. Viertens sollen sie trotz alles Versagens und der daraus folgenden Züchtigung durch den Herrn niemals die Wahrheit aufgeben oder auch nur einen Augenblick lang denken, dass das Versagen sie der Verantwortung enthebt, dem Wort zu gehorchen oder auf Gottes vorgeschriebenem Weg zu wandeln. Es ist auch in einer Zeit des Verfalls ihr Vorrecht und ihre Verantwortung, den Bund zu halten, auf Gottes Weg zu wandeln, an seinem Namen festzuhalten und um seinetwillen zu leiden (Ps 44,18-23).

  5. Schließlich sollen sie, während sie ihr Versagen eingestehen, auf Gott schauen und von Ihm allein erwarten, ihnen zur Hilfe aufzustehen (Ps 44,24-27).

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Übersetzung: S. Bauer


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