Psalm 119

Hamilton Smith

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Inhalt

Die Erfahrungen eines gottesfürchtigen Menschen als Ergebnis davon, dass das Gesetz in sein Herz geschrieben ist

Der Schreiber dieses Psalms ist ein Knecht des HERRN (Ps 119,17), ein Genosse derer, die den HERRN fürchten (Ps 119,63), und ein Fremder im Land (Ps 119,19). Er ist umgeben von Treulosen, die seinen Geist betrüben (Ps 119,158), und von Feinden, die ihn bedrücken (Ps 119,134). Fürsten bereden sich gegen ihn (Ps 119,23) und verfolgen ihn grundlos. Die Stolzen verspotten ihn (Ps 119,51), haben Lügen gegen ihn erdichtet (Ps 119,69) und ihm Gruben gegraben, damit er stürzt  (Ps 119,85). Die Bösen haben seinen Füßen Fallen gestellt (Ps 119,110) und lauern ihm auf, um ihn  zu vernichten (Ps 119,95). Man bringt ihm Hohn und Verachtung entgegen (Ps 119,22), in den Augen der Welt ist er gering und verächtlich  (Ps 119,141). Er wird durch inneres Begehren und durch Eitelkeiten von außen versucht (Ps 119,36.37). In der Vergangenheit war er in die Irre gegangen (Ps 119,67) und irrte umher wie ein verlorenes Schaf (Ps 119,176). Er war durch Leiden gegangen (Ps 119,71) und hatte sein Leben in die Hand genommen (Ps 119,109). Zuweilen ist seine Seele schwermütig, kurz vor dem Zusammenbruch (Ps 119,28.81), und erfährt Not und Qual.

Aber in all seinem Versagen und seinen Versuchungen, durch all seine wechselnden Erfahrungen hindurch ist doch das Wort Gottes die unfehlbare Quelle seiner Seele; es ist seine Freude und sein Trost, der Gegenstand seiner Gebete und das Thema seines Lobpreises. Es ist Leuchte seinem Fuß und Licht für seinen Pfad. Es ist seinem Gaumen süßer als Honig und ist ihm lieber als Tausende von Gold und Silber. Durch das Wort Gottes wird er in seiner Seele wiederhergestellt, in seiner Schwachheit gestärkt und in seinem Verstand erleuchtet. Durch dieses Wort wird sein Weg bereitet, entkommt er der Versuchung und antwortet seinen Widersachern.

So ist also das Wort Gottes das große Thema dieses Psalms; es wird im Herzen gehegt, im Leben ausgedrückt und mit den Lippen bezeugt. Unter verschiedenen Namen gibt es in jedem Vers einen Bezug zum Wort Gottes, mit Ausnahme von Psalm 119,122 und 119,132.

Prophetisch zeigt dieser Psalm die Erfahrungen der Gottesfürchtigen in Israel während der Trübsalszeit; diese geht ihrer Befreiung von ihren Feinden voraus, die durch das Kommen Christi bewirkt wird, um zu herrschen. Der Psalm ist weiterhin reich an moralischer Belehrung, was das praktische Leben der Gottesfürchtigen zu allen Zeitaltern betrifft.

Entsprechend der Anzahl der Buchstaben und ihrer Reihenfolge des hebräischen Alphabets ist der Psalm in 22 Abschnitte eingeteilt. Jeder Abschnitt besteht aus acht Versen, wobei jeder Vers mit dem jeweiligen Buchstaben des Alphabets beginnt.   

Es fällt auf, dass das Gesetz bzw. die Offenbarung Gottes mit zehn unterschiedlichen Begriffen mit ganz verschiedenartigen Bedeutungen benannt wird:

  1. Gesetz (torah): 25-mal; bezeichnet das Gesetz Mose als Ganzes
  2. Gebote (mitsvah): 22-mal; die Zehn (moralischen) Gebote
  3. Zeugnisse (edal oder eduth): 23-mal; das Gesetz als Zeugnis Gottes
  4. Vorschriften (piqqud): 21-mal; das Gesetz als Forderung an den Menschen
  5. Satzungen (choq): 22-mal; das dauerhaft geschriebene Gesetz im Gegensatz zu geltenden ungeschriebenen Gesetzen
  6. Rechte (mischpat): 20-mal; etwas, was mit Autorität bestimmt ist
  7. Weg (orach): 5-mal: ein gewöhnlicher Pfad (Ps 119,9.15.101.104.128)
  8. Weg (derek): 13-mal; ein ausgetretener Pfad
  9. Wort (dabar oder logos): 23-mal; das Wesen / die Substanz des Gesagten
  10. Wort (imrah): 19-mal; das aktuell Gesagte / die Rede
    (Ps 119,11.38.41.50.58.76.82.103.116.123.133; Ps 119,140.148.154.158.162.170.172)

Teil 1 (Alef): Psalm 119,1-8

Der Segen derer, die im Weg untadelig sind

Verse 1-3

Ps 119,1-3: 1 Glückselig, die im Weg untadelig sind, die da wandeln im Gesetz des HERRN! 2 Glückselig, die seine Zeugnisse bewahren, die von ganzem Herzen ihn suchen, 3 die auch kein Unrecht tun, in seinen Wegen wandeln!

Die einleitenden Verse präsentieren das Thema des ganzen Psalms: des Gesegnetsein derer, die in dem vom HERRN vorgegebenen „Weg“ gemäß seinem Gesetz auf dem Weg durch diese Welt gehen, die seine Zeugnisse bewahren und Ihn von ganzem Herzen suchen.

Das im Herzen bewahrte Gesetz führt zu einem praktischen Wandel, in welchem die Ungerechtigkeit abgelehnt wird. So werden die Gottesfürchtigen von ihrem Eigenwillen befreit, um Gottes Willen zu tun.

Verse 4-8

Ps 119,4-8: 4 Du hast deine Vorschriften geboten, damit sie fleißig beachtet werden. 5 O dass meine Wege gerichtet wären, um deine Satzungen zu beachten! 6 Dann werde ich nicht beschämt werden, wenn ich achthabe auf alle deine Gebote. 7 Preisen werde ich dich in Aufrichtigkeit des Herzens, wenn ich gelernt habe die Rechte deiner Gerechtigkeit. 8 Deine Satzungen werde ich beachten; verlass mich nicht ganz und gar!

Der Psalmist wendet sich im Gebet an Gott. Dabei hat er den Segen der Wege Gottes vor Augen und erkennt die Autorität Gottes an, mit der Er „befiehlt“; ebenso unsere Verantwortung, seine Vorschriften zu „halten“. Darüber hinaus gibt es das sehnliche Verlangen, dass dies trotz aller menschlichen Schwachheit erfüllt werde – was möglich wird, indem der Gottesfürchtige auf Gott sieht, damit seine Satzungen gehalten werden (Ps 119,5). Wer so wandelt, bewahrt ein gutes Gewissen (Ps 119,6). Und wenn das Gewissen in Ruhe ist, fließt Lobpreis von den Lippen: nicht nur äußerlich, sondern aus einem aufrichtigen Herzen kommend (Ps 119,7).

Da der Psalmist sich ganz auf Gott geworfen hat, kann er mit Zuversicht sagen: „Deine Satzungen werde ich beachten“ – obwohl er sich dabei auch an vergangenes Versagen erinnert. Dies führt zu dem Schrei: „Verlass mich nicht ganz und gar!“

Teil 2 (Bet): Psalm 119,9-16

Das Verlangen des Gottesfürchtigen, sich am Segen derer zu erfreuen, die auf ihrem Weg untadelig wandeln, und wie sich das auswirkt sowie das Ergebnis desselben

Verse 9-12

Ps 119,9-12: 9 Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort. 10 Mit meinem ganzen Herzen habe ich dich gesucht: Lass mich nicht abirren von deinen Geboten! 11 In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige. 12 Gepriesen seist du, HERR! Lehre mich deine Satzungen!

Nachdem das Verlangen geweckt ist, wird die Frage gestellt: Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Die Antwort folgt umgehend:

  1. Erstens: durch die wachsame Sorge, alle seine Wege unter das alles durchleuchtende Licht Gottes zu bringen (Ps 119,9).

  2. Zweitens: indem er sich völlig auf die Kraft Gottes verlässt, um vor dem Wandeln auf den Pfaden eigener Lust und Eigenwillens bewahrt zu werden. Er ist sich seiner Schwachheit bewusst als auch der Tatsache, dass sein richtiges und ehrliches Verlangen nicht in sich selbst die Kraft hat, ihn auf diesem Segenspfad zu bewahren. Darum wirft er sich mit ganzem Herzen auf Gott (Ps 119,10).                   

  3. Drittens wird er vor dem heimlichen Sündigen gegen Gott bewahrt, indem er Gottes Wort in seinem Herzen verwahrt (vgl. 1Joh 2,14).                       

  4. Viertens erwartet er als jemand, der unter dem Segen Gottes steht und somit im Vertrauen auf Ihn hofft, von Gott belehrt zu werden.

Verse 13-16

Ps 119,13-16: 13 Mit meinen Lippen habe ich erzählt alle Rechte deines Mundes. 14 An dem Weg deiner Zeugnisse habe ich mich erfreut wie über allen Reichtum. 15 Über deine Vorschriften will ich sinnen und achthaben auf deine Pfade. 16 An deinen Satzungen habe ich meine Wonne; dein Wort werde ich nicht vergessen.

Nachdem der Weg des jungen Mannes von Sünde gereinigt ist, kann er anderen Zeugnis ablegen (Ps 119,13) – und zwar mit einem Herzen, das sich an den Zeugnissen Gottes erfreut (Ps 119,14), über sie nachsinnt (Ps 119,15) und sie in Erinnerung hält (Ps 119,16).

Teil 3 (Gimmel): Psalm 119,17-24

Der Knecht des HERRN als ein ausgestoßener Fremder in einer feindlichen Welt

Verse 17.18

Ps 119,17.18: 17 Tu wohl an deinem Knecht, so werde ich leben; und ich will dein Wort beachten. 18 Öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in deinem Gesetz!

Der junge Mann, der seinen Weg reinigt, ist bereit und fähig zum Dienst des Herrn (2Tim 2,21). Er bekennt, dass bei Gott alle Dinge des Lebens stehen: Er verlässt sich auf die freigiebige Barmherzigkeit des Herrn, ihn zu verschonen, ihn auf einem Weg des Gehorsams zu führen und seine Augen für die wundervollen Dinge in seinem Gesetz zu öffnen. Dies ist mehr, als lediglich eine Lebensregel im Gesetz zu entdecken. Der natürliche Mensch kann Letzteres tun, aber nur der Knecht, dessen Augen geöffnet worden sind, vermag wundervolle Dinge zu erblicken.

Verse 19-24

Ps 119,19-24: 19 Ein Fremder bin ich im Land, verbirg deine Gebote nicht vor mir! 20 Zermalmt ist meine Seele vor Verlangen nach deinen Rechten zu aller Zeit. 21 Gescholten hast du die Übermütigen, die Verfluchten, die abirren von deinen Geboten. 22 Wälze von mir Hohn und Verachtung! Denn deine Zeugnisse habe ich bewahrt. 23 Sitzen auch Fürsten und bereden sich gegen mich, dein Knecht sinnt über deine Satzungen. 24 Deine Zeugnisse sind auch meine Wonne, meine Ratgeber.

Diese Verse zeigen die Wirkung eines gehorsamen Wandels eines Knechtes des Herrn in einer sündigen Welt.

  1. Zum einen wird sich derjenige, der Gott dient und Ihm gehorsam ist, in dieser rebellischen Welt notwendigerweise als Fremder auf der Erde empfinden. Aber die Fremden dieser Erde sind Gottes Freunde, und deshalb hat so jemand auch ein Verlangen nach innigster Vertrautheit mit Gott. „Verbirg deine Gebote nicht vor mir!“ (vgl. 1Mo 18,17) – wer so redet, weiß die Vertrautheit mit Gott zu schätzen. Sie erfüllt seine Seele nicht nur gelegentlich, sondern es ist ein beständiges Sehnen (Ps 119,20).

  2. Weiterhin erlebt der Knecht Gottes nicht nur, dass er ein Fremder auf Erden ist, sondern auch, dass die Bösen ihn bekämpfen. Diese verhöhnen und verachten in ihrem Stolz und ihrem Reichtum denjenigen, der demütig im Gehorsam Gottes wandelt. Der Gottesfürchtige weiß dies aber zu beurteilen und erkennt, dass Gott solche tadelt und dass sie unter einem Fluch stehen. Es ist nicht nötig, solchen zu antworten. Und so kann der Psalmist im Angesicht ihrer harten Reden ruhig sein, da er seine Freude und seine Hilfe in den Zeugnissen Gottes findet.

Teil 4 (Dalet): Psalm 119,25-32

Der HERR ist die einzige Zuflucht in schwieriger Zeit

Vers 25

Ps 119,25: Am Staub klebt meine Seele; belebe mich nach deinem Wort!

Die Mächte des Bösen streiten gegen die Seele des Gottesfürchtigen. Er versucht währenddessen nicht, diesem Druck zu entkommen, um Erleichterung zu erhalten, sondern er sieht einzig auf den Herrn, der ihm Hilfe verschaffen kann. Er betet, dass Gott seine matte Seele aufrichten möge, wie es sein Wort verheißt.

Vers 26

Ps 119,26: Meine Wege habe ich erzählt, und du hast mich erhört; lehre mich deine Satzungen!

Ein solches Vertrauen auf Gott ist das Ergebnis des Bekenntnisses zu Gott. Die Seele, die sich Gott vollständig geöffnet hat, war sich bewusst, dass sie auch erhört worden ist: „Meine Wege habe ich erzählt, und du hast mich erhört.“

Verse 27.28

Ps 119,27.28: 27 Lass mich verstehen den Weg deiner Vorschriften, und sinnen will ich über deine Wundertaten. 28 Vor Traurigkeit zerfließt in Tränen meine Seele; richte mich auf nach deinem Wort!

Nachdem der Psalmist seine eigenen Wege bekannt hat, sehnt er sich danach, über Gottes Weg und seine Wundertaten belehrt zu werden, um so durch Gottes Stärke Erleichterung von seiner Schwachheit zu erfahren.

Verse 29-32

Ps 119,29-32: 29 Wende von mir ab den Weg der Lüge und gewähre mir dein Gesetz! 30 Den Weg der Treue habe ich erwählt, habe vor mich gestellt deine Rechte. 31 Ich halte an deinen Zeugnissen fest; HERR, lass mich nicht beschämt werden! 32 Den Weg deiner Gebote werde ich laufen, wenn du meinem Herzen Raum gemacht haben wirst.

Die Seele, die sich nach Gottes Weg sehnt, betet, um vom Weg des Menschen, dem Weg der Lüge, frei zu werden. Der Psalmist hat seinen Weg erzählt (Ps 119,26), Gottes Weg erfahren (Ps 119,27), den Weg des Menschen abgelehnt (Ps 119,29) und Gottes Weg erwählt (Ps 119,30) – den Weg der Wahrheit. Aus dem Vertrauen heraus, das aus dieser klaren Wahl für den Weg der Wahrheit hervorgeht, fleht die Seele nun zum Herrn, sie möge nicht beschämt werden. Da ihm nun Raum gemacht und er vom Schwermut befreit wurde, ersehnt er nun ferner, den Weg der Gebote des Herrn mit neuer Energie laufen zu können. 

Teil 5 (Hej): Psalm 119,33-40

Eine dringende Bitte um göttliche Belehrung und Verständnis, um „zu gehen auf dem Weg“ des HERRN, fern von aller Habsucht und Eitelkeit

Verse 33.34

Ps 11,33.34: 33 Lehre mich, HERR, den Weg deiner Satzungen, und ich will ihn bewahren bis ans Ende. 34 Gib mir Einsicht, und ich will dein Gesetz bewahren und es halten von ganzem Herzen.

Es ist das Verlangen der Seele, vom Herrn über den Weg seiner Satzungen belehrt zu werden: „Lehre mich, HERR.“ Dennoch ist Belehrung allein nicht genug: Wir benötigen neben einem geöffneten Herzen auch die geöffnete Schrift; deshalb das Gebet: „Gib mir Einsicht“ (vgl. Lk 24,27.45; 2Tim 2,7).

Vers 35

Ps 119,35: Lass mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote, denn an ihm habe ich Gefallen!

Weiterhin sind wir vom Herrn abhängig für alle praktischen Ergebnisse, die auf die göttliche Belehrung hin folgen mögen. Daher das anschließende Gebet: „Lass mich wandeln.“ Es ist wirklich gut, wenn jeder Heilige diese drei Gebete in ihrer göttlichen Reihenfolge betet: „Lehre mich, Herr“, „Gib mir Einsicht“, und: „Lass mich wandeln.“

Verse 36.37

Ps 119,36.37: 36 Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zum Gewinn! 37 Wende meine Augen ab, dass sie Eitles nicht sehen! Belebe mich in deinen Wegen!

Nach diesen Bitten erinnert sich der Psalmist an die beiden großen Hindernisse auf dem Weg der praktischen Frömmigkeit: einerseits der Wurzel des Übels von innen, nämlich die Begierde, und andererseits der Reiz des Bösen von außen, die allgegenwärtige Eitelkeit. Der Gottesfürchtige betet, dass sein Herz von dieser Begierde und dass eine Augen vom Ansehen dieser eitlen Dinge verschont bleiben mögen.

Verse 38-40

Ps 119,38-40: 38 Bestätige deinem Knecht deine Zusage, die deiner Furcht entspricht! 39 Wende ab meine Verhöhnung, die ich fürchte, denn deine Rechte sind gut! 40 Siehe, ich verlange nach deinen Vorschriften; belebe mich in deiner Gerechtigkeit!

Derart vom Bösen von innen und vom Eitlen von außen verschont, betet er, nun in der Wahrheit gefestigt zu werden. Er will, Gott hingegeben, in seiner Furcht wandeln und sich auch selbst nichts vorwerfen müssen. In dem Wissen, dass Gottes Gerichte gut sind, sehnt sich der Gottesfürchtige danach, auf dem Pfad der Gerechtigkeit innerlich gestärkt zu werden. Dabei hat er ein tiefes Verlangen nach den Vorschriften des Herrn.  

Teil 6 (Waw): Psalm 119,41-48

Ein Gebet um Befreiung durch den HERRN, damit der Gottesfürchtige die Vorwürfe der Bösen zum Schweigen bringen kann

Verse 41-43

Ps 119,41-43: 41 Und lass über mich kommen deine Gütigkeiten, HERR, deine Rettung nach deiner Zusage! 42 So werde ich Antwort geben dem, der mich verhöhnt; denn ich vertraue auf dein Wort. 43 Und entziehe meinem Mund nicht ganz und gar das Wort der Wahrheit, denn ich harre auf deine Rechte!

Der Psalmist blickt auf den Herrn, um von seinen Feinden befreit zu werden, wie sein Wort es sagt. So wird er denjenigen eine Antwort geben, die ihm vorwerfen, er sei von Gott verlassen. Er hatte sein Vertrauen auf Gottes Wort gesetzt, und falls er nun von Gott verlassen wäre, würde das Wort Gottes aus seinem Mund genommen werden. Er hätte dann auf die Vorwürfe der Bösen keine Antwort. Doch er vertraut ja auf die rettende Gnade, denn seine Hoffnung richtet sich auf Gottes Gerichte.

Verse 44-48

Ps 119,44-48: 44 Und halten will ich dein Gesetz beständig, immer und ewig. 45 Und ich werde wandeln in weitem Raum; denn nach deinen Vorschriften habe ich getrachtet. 46 Und vor Königen will ich reden von deinen Zeugnissen und mich nicht schämen. 47 Und ich werde meine Wonne haben an deinen Geboten, die ich liebe, 48 und werde meine Hände aufheben zu deinen Geboten, die ich liebe; und über deine Satzungen will ich sinnen.

Im Vertrauen auf eine Antwort auf sein Gebet erwartet der Psalmist den Segen der Befreiung Gottes. Der befreite Mensch hält gerne fortwährend das Gesetz und wandelt in Freiheit, da er nun frei von Widerstand und von Vorwürfen des Feindes ist. In der Freiheit seiner Seele schämt er sich nun nicht, von Gottes Zeugnissen vor den Großen der Erde zu reden. Das ist sicher der beständige Befehl Gottes an seine Knechte: erstens das Wort in der Seele zu bewahren, gefolgt von einem entsprechenden Wandel, damit das Wort seine praktische Wirkung im Leben entfaltet. Und schließlich: es anderen weiterzusagen, so dass die Lippen von dem reden, was im Leben praktisch ausgedrückt wird.

Darüber hinaus hat das Herz des Gottesfürchtigen Freude an dem, wovon er spricht. Weil er die Gebote des Herrn liebt, schämen sich seine Lippen auch nicht, von dem zu reden, was sein Herz erfüllt (vgl. Ps 14,1). Er bekennt offen und gerne seine Treue zu Gott, was der Kraft entspricht, die Hände zu erheben. Dies aber nicht nur als bloßes Lippenbekenntnis, sondern als gesetzmäßiges Bekenntnis, weil er das Gesetz liebt. Außerdem ist das, was er liebt, auch der Gegenstand seines Nachdenkens.

Teil 7 (Sajin): Psalm 119,49-56

Vertrauen auf das Wort des HERRN in Gegenwart des Spotts der Bösen

Verse 49.50

Ps 119,49.50: 49 Gedenke des Wortes an deinen Knecht, auf das du mich hast harren lassen! 50 Dies ist mein Trost in meinem Elend, dass deine Zusage mich belebt hat.

Gott hat seinen Knecht dazu gebracht, auf sein Wort zu vertrauen. Deshalb kann er auch mit dem größtmöglichen Vertrauen zu Gott aufschauen, um sein Wort zu erfüllen. Er weiß, dass Gott treu zu seinem Wort stehen muss. Diese Zuversicht in die Sicherheit des Wortes Gottes war auch inmitten von Leid sein Trost gewesen. Sein Vertrauen in das Wort war das Ergebnis seiner Belebung durch dasselbe.

Vers 51

Ps 119,51: Die Übermütigen haben mich über die Maßen verspottet; von deinem Gesetz bin ich nicht abgewichen.

Dennoch hat das Vertrauen in das Wort Gottes aus dem Knecht des Herrn ein Objekt des Spottes der Stolzen dieser Welt gemacht – derer, die ihr Vertrauen auf Gott und sein Wort weggeworfen hatten. Aber trotz Spott wurde die Seele nicht in ihrem Vertrauen erschüttert.

Verse 52.53

Ps 119,52.53: 52 Ich gedachte, HERR, deiner Rechte von alters her, und ich tröstete mich. 53 Zornglut hat mich ergriffen wegen der Gottlosen, die dein Gesetz verlassen.

Im Angesicht des Spotts wurde der Gottesfürchtige getröstet und in seiner Standhaftigkeit gestärkt, weil er sich an Gottes Gerichte über die Bösen in früherer Zeit erinnert. Gottes zurückliegende Gerichte lassen die Seele mit Entsetzen vor denen zurückschrecken, die Gottes Gesetz verlassen hatten.

Verse 54-56

Ps 119,54-56: 54 Deine Satzungen sind meine Gesänge gewesen im Haus meiner Fremdlingschaft. 55 Des Nachts habe ich deines Namens gedacht, HERR, und ich habe dein Gesetz gehalten. 56 Dies ist mir geschehen, weil ich deine Vorschriften bewahrt habe.

Während sich der Gottesfürchtige immer noch im Haus der Fremdlingschaft befand und von der Dunkelheit der Nacht umgeben war, hat er sich dennoch am Wort und am Namen des Herrn erfreut. Dieses Vertrauen war das Ergebnis des Gehorsams gegenüber Gottes Wort.

Teil 8 (Chet): Psalm 119,57-64

Segen, weil die Seele vom HERRN erfüllt ist

Verse 57.58

Ps 119,57.58: 57 Mein Teil, HERR, habe ich gesagt, ist, deine Worte zu halten. 58 Von ganzem Herzen habe ich dich angefleht; sei mir gnädig nach deiner Zusage!

Der Gottesfürchtige erkennt an, dass sein Herz dem Herrn gehört. Das unmittelbare Ergebnis ist, dass er den Willen dessen zu tun wünscht, dem er gehört: „Ich habe gesagt, deine Worte zu halten.“ Außerdem sehnt er sich danach, in der Gunst dessen zu stehen, dessen Worten er gehorcht: „Von ganzem Herzen habe ich dich angefleht; sei mir gnädig nach deiner Zusage!“

Verse 59.60

Ps 119,59.60: 59 Ich habe meine Wege überdacht, und meine Füße zu deinen Zeugnissen gekehrt. 60 Ich eile und säume nicht, deine Gebote zu halten.

Der Wunsch, dem Wort zu gehorchen und sich an der Gunst des Herrn zu erfreuen, führt notwendigerweise zu Herzensübungen bezüglich der Wege Gottes. Doch ist so etwas noch für jemand notwendig, der dem Herrn bereits angehört? Ja, gerade deshalb spricht er: „Ich habe meine Wege überdacht“ – mit dem praktischen Ergebnis, dass er seine Füße zu den Zeugnissen des Herrn gekehrt hat – nicht mit Zurückhaltung, sondern mit eifriger Eile.

Verse 61.62

Ps 119,61.62: 61 Die Fesseln der Gottlosen haben mich umgeben; dein Gesetz habe ich nicht vergessen. 62 Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen wegen der Rechte deiner Gerechtigkeit.

Wer entschlossen ist, dem Herrn zu gehorchen, wird sehr schnell herausfinden, dass die Bösen gegen ihn sind. Da er jedoch den Herrn auf seiner Seite hat, ist er standhaft und unbewegt. Egal, wie stark das Böse ihn bedrängt: Er vergisst das Wort doch nicht. Um Mitternacht, dem dunkelsten Moment, kann er sich erheben und den Herrn preisen.

Verse 63.64

Ps 119,63.64: 63 Ich bin der Genosse aller, die dich fürchten, und derer, die deine Vorschriften halten. 64 Von deiner Güte, HERR, ist die Erde erfüllt; lehre mich deine Satzungen!

Befreit von den Banden der Bösen erkennt er, dass Gott, der sein Teil ist, ihn mit anderen Gottesfürchtigen in Gemeinschaft bringt, die ebenfalls Gottes Wort halten. So kann er auch inmitten des Bösen die Güte des Herrn erkennen, die größer ist als die Bosheit des Menschen: „Die Erde, Herr, ist erfüllt von deiner Güte.“

Teil 9 (Tet): Psalm 119,65-72

Segen durch die Züchtigung des HERRN

Verse 65-67

Ps 119,65-67: 65 Du hast Gutes getan an deinem Knecht, HERR, nach deinem Wort. 66 Gute Einsicht und Erkenntnis lehre mich; denn ich habe deinen Geboten geglaubt. 67 Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich; jetzt aber halte ich dein Wort.

Der Knecht des Herrn gibt Gott in allem recht, auch wenn es schmerzhaft ist. „Du hast Gutes getan an deinem Knecht.“ Es gab eine Zeit, da der Knecht unrecht gegen Gott gehandelt hat, denn er sagt: Da „irrte ich“. Doch dann hat der gnädige Gott ihn gezüchtigt: „Ich wurde gedemütigt.“ Und nachdem sein Wille durch das Leiden gebrochen wurde, unterwirft er sich nun Gottes Willen.

Vers 68

Ps 119,68: Du bist gut und tust Gutes; lehre mich deine Satzungen!

Er erkennt an, dass hinter allen Züchtigungswegen Gottes die Güte Gottes steht, so dass er sagen kann: „Du bist gut und tust Gutes.“ Und so ersehnt er, von Gott, der gut ist, belehrt zu werden.

Verse 69.70

Ps 119,69.70: 69 Lügen haben die Übermütigen gegen mich erdichtet; ich bewahre deine Vorschriften von ganzem Herzen. 70 Ihr Herz ist dick geworden wie Fett; ich habe meine Wonne an deinem Gesetz.

Als der Gottesfürchtige in die Irre ging, waren die Bösen ihm gegenüber gleichgültig. Nun aber, da er auf den Weg des Gehorsams zurückgekehrt ist, verbreiten sie Lügen über ihn. Aber die Lügen des Feindes treiben den Psalmisten nur umso mehr an, mit ganzem Herzen bei der Wahrheit zu bleiben. Die Bösen in ihrem Reichtum sind gegenüber dem Gesetz Gottes völlig gleichgültig; die wiedergeborene Seele hingegen erfreut sich daran.

Verse 71.72

Ps 119,71.72: 71 Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Satzungen lernte. 72 Besser ist mir das Gesetz deines Mundes als Tausende von Gold und Silber.

In seinem Leid hat er gelernt, das Wort Gottes höher zu schätzen als Tausende von Gold und Silber, mit denen sich die Stolzen rühmen. So kann er sagen: „Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde,“

Teil 10 (Jud): Psalm 119,73-80

Gott wird als der Schöpfer anerkannt und in jedem Handeln mit seinen Geschöpfen gerechtfertigt

Verse 73.74

Ps 119,73.74: 73 Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; gib mir Einsicht, und ich will deine Gebote lernen. 74 Die dich fürchten, werden mich sehen und sich freuen; denn ich habe auf dein Wort geharrt.

Der Knecht des Herrn anerkennt, dass er eine Schöpfung aus den Händen Gottes ist. Er bittet um Einsicht, den Willen Gottes zu erlernen, damit er vor seinem Schöpfer wohlgefällig wandeln kann. Wer Gott so gut kennt und seinem Wort vertraut, der wird auch von all denen freudig anerkannt, die den Herrn fürchten.

Verse 75-77

Ps 119,75-77: 75 Ich weiß, HERR, dass deine Gerichte Gerechtigkeit sind und dass du mich gedemütigt hast in Treue. 76 Lass doch deine Güte mir zum Trost sein, nach deiner Zusage an deinen Knecht! 77 Lass deine Erbarmungen über mich kommen, so werde ich leben; denn dein Gesetz ist meine Wonne.

Darüber hinaus erkennt er nicht nur an, dass Gott ihn erschaffen hat, sondern auch, dass Gott in all seinem Handeln mit ihm gerecht ist. Gott hat sogar in den Leiden, mit denen Er ihn heimgesucht hat, in Treue mit ihm gehandelt. Während er sich diesem treuen Handeln Gottes unterwirft, kann er selbst inmitten des Leidens auf Gottes barmherzige Freundlichkeit zählen, um ihn zu trösten, und ebenso auf seine zärtliche Gnade, um ihn zu verschonen. So kann er nun völlig lauter bitten, denn Gottes Gesetz ist seine Freude. Es gab eine Zeit, da er auf falschem Weg war und seinen eigenen Willen suchte. Doch jetzt erfreut er sich an Gottes Willen.

Vers 78

Ps 119,78: Lass beschämt werden die Übermütigen, denn sie haben mir ohne Grund Unrecht getan: Ich sinne über deine Vorschriften.

Gott hat mit ihm in Treue zu seinem Besten gehandelt, aber die Stolzen haben ihn ohne jeden Grund schlecht behandelt. Er trachtet danach, dass sie beschämt werden.

Verse 79.80

Ps 119,79.80: 79 Lass sich zu mir wenden, die dich fürchten und die deine Zeugnisse kennen! 80 Lass mein Herz untadelig sein in deinen Satzungen, damit ich nicht beschämt werde!

In seinem Leiden hat er den Trost des Herrn gesucht. Nun erwünscht er die Zuneigung der Heiligen: „Lass sich zu mir wenden, die dich fürchten.“ Derart ermutigt ersehnt er, dass sein Herz in Gottes Wort als vollkommen erfunden werde und dass er sich nicht schämen muss wie die Stolzen.

Teil 11 (Kaf): Psalm 119,81-88

Die Herzensübungen eines Heiligen, dessen Gebet zeitweise unbeantwortet bleibt

Verse 81-84

Ps 119,81-84: 81 Meine Seele schmachtet nach deiner Rettung, ich harre auf dein Wort. 82 Meine Augen schmachten nach deiner Zusage, indem ich spreche: Wann wirst du mich trösten? 83 Denn wie ein Schlauch im Rauch bin ich geworden; deine Satzungen habe ich nicht vergessen. 84 Wie viele werden der Tage deines Knechtes sein? Wann wirst du Gericht üben an meinen Verfolgern?

Der gottesfürchtige Mensch hatte in seiner Not auf den Herrn geschaut, um von Ihm Trost zu empfangen, aber die Antwort verzögert sich und der Druck nimmt zu. Er schmachtet nach Befreiung, und seine Augen vermögen die Erfüllung des Wortes nicht mehr zu sehen. Seine Seele verschmachtet und vertrocknet wie ein Schlauch im Rauch. Und dennoch dient diese demütigende Prüfung einzig dazu, sein Vertrauen auf Gott an den Tag zu bringen. Seine Seele mag verschmachten, aber die Hoffnung auf Gottes Wort bleibt doch bestehen. Seine Augen mögen ebenfalls verschmachten, aber der Glaube ist immer noch auf den Trost Gottes gerichtet. Auch seine Seele mag vertrocknen, aber trotzdem vergisst sie nicht die Satzungen Gottes. Das Leben ist kurz, die Tage huschen vorbei: Wann wird Gott diese Prüfung beenden?   

Verse 85-87

Ps 119,85-87: 85 Die Übermütigen haben mir Gruben gegraben, sie, die nicht nach deinem Gesetz sind. 86 Alle deine Gebote sind Treue. Sie haben mich ohne Grund verfolgt: Hilf mir! 87 Wenig fehlte, so hätten sie mich vernichtet auf der Erde; ich aber, ich habe deine Vorschriften nicht verlassen.

Mit zuversichtlichem Herzen breitet die angefochtene Seele die ihr auferlegte Prüfung vor Gott aus. Die Stolzen haben ihm Fallen gestellt, um ihn zu fangen. Sie haben ihn grundlos verfolgt und ihn fast vom Erdboden vertilgt. Außerdem haben sich die Bösen nicht nur den Gläubigen widersetzt, sondern Gott selbst. Ihr Handeln entspricht nicht Gottes Gesetz; sie sind falsch in den Augen Gottes, sie verachten Gottes Vorschriften. Und Gott lässt der Kummer der Heiligen nicht unberührt; ebenso kann Er die üblen Wege der Bösen nicht unbeachtet lassen.

Vers 88

Ps 119,88: Belebe mich nach deiner Güte, und ich will das Zeugnis deines Mundes beachten.

Im Bewusstsein all dessen wendet sich der Heilige an Gott; nicht nur, um äußerlich Befreiung zu erfahren, sondern für eine inwendige Belebung seiner Seele.

Teil 12 (Lamed): Psalm 119,89-96

Die anhaltende Treue Gottes zu seinem unveränderlichen Wort und die Stütze des Gottesfürchtigen inmitten von Leiden

Vers 89

Ps 119,89: In Ewigkeit, HERR, steht dein Wort fest in den Himmeln.

Der gottesfürchtige Mensch blickt über seine Leiden hinaus und sieht: Gottes Wort „steht … fest in den Himmeln“. Außerhalb allen menschlichen Zugriffs bleibt es unbeeinflusst von allem, was auf der Erde geschieht.

Verse 90.91

Ps 119,90.91: 90 Von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Treue; du hast die Erde festgestellt, und sie steht. 91 Nach deinen Verordnungen stehen sie heute da, denn alle Dinge dienen dir.

Gottes Wort steht nicht nur fest in den Himmeln, sondern Gott erfüllt treu sein Wort durch alle Generationen hindurch. Darüber hinaus ist die Schöpfung der fortwährende Zeuge von Gottes Treue zu seinem Wort. Alle geschaffenen Dinge bewegen sich in den von Gott festgesetzten Bahnen und folgen seinem Befehl. So ist der Zweck Gottes in den Himmeln festgesetzt. Und die Treue Gottes setzt sich zur Ausführung seiner Absicht auf Erden fort, so dass alle geschaffenen Dinge, sei es im Himmel oder auf Erden, beständig Zeugen dieser Treue sind.

Verse 92.93

Ps 119,92.93: 92 Wäre nicht dein Gesetz meine Wonne gewesen, dann würde ich umgekommen sein in meinem Elend. 93 Auf ewig werde ich deine Vorschriften nicht vergessen, denn durch sie hast du mich belebt.

So drückt der Psalmist sein Vertrauen in Gottes Wort aus. Dennoch kommt eine Zeit, in der sein Glaube geprüft wird. Es werden widrige Umstände zugelassen, die so schlimm sind, dass man den Eindruck hat, sie seien außerhalb der Kontrolle Gottes. Wird die angefochtene Seele in diesen Umständen im Glauben an Gott nun nachlassen? Nein, sie wird getragen, denn inwendig erfreut sich der Psalmist an Gottes Wort, obwohl er Gottes Hand in den äußeren Umständen nicht mehr erkennen kann. Durch diese inwendige Freude an Gottes Wort wird die Seele neu belebt.

Verse 94-96

Ps 119,94-96: 94 Ich bin dein, rette mich, denn ich habe nach deinen Vorschriften getrachtet. 95 Die Gesetzlosen haben mir aufgelauert, um mich umzubringen; ich achte auf deine Zeugnisse. 96 Von aller Vollkommenheit habe ich ein Ende gesehen; sehr ausgedehnt ist dein Gebot.

So erquickt und wiederbelebt kann der gottesfürchtige Mensch sagen: „Ich bin dein.“ Er hatte um Trost gebeten (Ps 119,76) und darauf gewartet (Ps 119,82). Jetzt erhält er diesen Trost, indem er den von Gott bestimmten Zweck in allem erkennt. Dennoch erwartet er die endgültige Befreiung von seinen Feinden, die darauf gewartet haben, ihn zu zerstören. Während er auf Gottes Rettung wartet, findet er seine gegenwärtige Kraft im Nachsinnen über Gottes Zeugnisse (Ps 119,95). Um ihn herum erblickt er nur den weltweiten Zusammenbruch, und unter den Menschen ist nichts vollkommen. Trotzdem erkennt er Gottes Wort als „sehr ausgedehnt“ an – ausgedehnt genug, um jeden Bereich des Lebens zu erreichen und durch jeden nur möglichen Lebensumstand hindurchzuführen.

Teil 13 (Mem): Psalm 119,97-104

Die Wirkung des Wortes Gottes, wenn es um seiner selbst willen geliebt wird

Vers 97

Ps 119,97: Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Sinnen den ganzen Tag.

Der Gottesfürchtige drückt seine Zuneigung für Gottes Wort aus. Es wird nicht nur wegen seines Segens geliebt oder wegen der Wirkungen, die es erzeugt, sondern um seiner selbst willen. Das, was der Psalmist liebt, ist der Gegenstand seines täglichen Nachsinnens.

Vers 98-100

Ps 119,98-100: 98 Weiser als meine Feinde macht mich dein Gebot, denn immer ist es bei mir. 99 Verständiger bin ich als alle meine Lehrer, denn deine Zeugnisse sind mein Sinnen. 100 Mehr Einsicht habe ich als die Alten, denn deine Vorschriften habe ich bewahrt.

Das Ergebnis dieses Nachdenkens bleibt nicht aus: Es macht den Gottesfürchtigen weiser als alle seine Feinde; so auch Petrus und Johannes, als sie vor den jüdischen Führern standen, und ebenso Stephanus: Seine Feinde „vermochten der Weisheit und dem Geist, durch den er redete, nicht zu widerstehen“ (Apg 4,14; 6,10).

Außerdem steht das Wort Gottes im Herzen über jeder sonstigen Belehrung, egal, wie gut und richtig sie sonst sein mag. Der gottesfürchtige Mensch kann durch Gottes Wort ein Verständnis erlangen, das über die Einsicht seiner Lehrer hinausgeht. Nochmals: Wenn das Wort Gottes geliebt und ihm gehorcht wird, wird es mehr Verständnis geben als alle menschliche Erfahrung der Alten zusammen.

Vers 101

Ps 119,101: Von jedem bösen Pfad habe ich meine Füße zurückgehalten, damit ich dein Wort halte.

Doch die Liebe zum Wort hat nicht nur eine innere Wirkung auf die Seele, sondern auch ganz praktische Wirkung auf den Wandel: Es wendet die Füße ab vom bösen Weg, so dass man im Abstehen vom Bösen dem Wort auch gehorchen kann.

Vers 102

Ps 119,102: Nicht bin ich von deinen Rechten gewichen, denn du hast mich unterwiesen.

Vor allem bringt das Wort Gottes den Gläubigen, wenn es dessen Zuneigung hat, in direkten Kontakt mit Gott: „Du hast mich unterwiesen“ (vgl. Lk 10,39; 2Tim 2,7). Dies ist das Geheimnis einer Weisheit, die über allem steht, was von Menschen, Lehrern oder menschlicher Erfahrung erworben werden kann. Es ist eine Weisheit, die in der Gegenwart Gottes erworben und im Glauben festgehalten wird.

Verse 103.104

Ps 119,103.104: 103 Wie süß sind meinem Gaumen deine Worte, mehr als Honig meinem Mund! 104 Aus deinen Vorschriften empfange ich Einsicht; darum hasse ich jeden Lügenpfad.

Wer das Wort Gottes so liebt und seine segnenden Wirkungen erkennt, dem wird es in der Seele kostbarer als irgendwelche natürlichen Dinge, wie süß sie auch sein mögen. Wer die Süßigkeit des göttlichen Wortes kennt, der kann nicht nur zwischen Gut und Böse unterscheiden, sondern er lernt auch, „Nein!“ zum Bösen zu sagen und auszusprechen: Ich hasse jeden falschen Weg.

Teil 14 (Nun): Psalm 119,105-112

Die Wirkung von Gottes Wort auf den Pfad des Gläubigen

Vers 105

Ps 119,105: Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad.

Im letzten Teil hat das Wort das Herz erfüllt, und nun wird es als ein Führer der Füße anerkannt. Das Wort bewahrt die Füße nicht nur vom Bösen, sondern es markiert auch einen Pfad für den Heiligen durch diese Welt hindurch.

Vers 106

Ps 119,106: Ich habe geschworen und halte es aufrecht, zu beachten die Rechte deiner Gerechtigkeit.

Um aber vom Licht dieses Wortes einen Nutzen zu haben, muss man ihm gehorchen. Und deshalb gibt der Heilige sich hin, das Wort auch in die Tat umzusetzen; dies wird hier auf des Herrn „Rechte deiner Gerechtigkeit“ bezogen. Im Gegensatz dazu stehen die ungerechten Wege der Menschen.

Verse 107.108

Ps 119,107.108: 107 Ich bin über die Maßen gebeugt; HERR, belebe mich nach deinem Wort! 108 Lass dir doch wohlgefallen, HERR, die freiwilligen Opfer meines Mundes, und lehre mich deine Rechte!

Und dennoch ist der Pfad, auf dem der Gläubige gehen muss, oftmals ein Pfad tiefer Leiden. Und gerade deshalb offenbart das Licht des Wortes Gottes einen Pfad durch diese Prüfung hindurch. So ist das Gebet hier keine Bitte um Befreiung, sondern das Verlangen, in dieser Prüfung gestärkt zu werden, um dennoch Gott wohlgefällig zu preisen und von Ihm, auch inmitten dieser Prüfung, belehrt zu werden.

Verse 109.110

Ps 119,109.110: 109 Mein Leben ist stets in meiner Hand, aber dein Gesetz habe ich nicht vergessen. 110 Die Gottlosen haben mir eine Schlinge gelegt, aber von deinen Vorschriften bin ich nicht abgeirrt.

Die Prüfung ist so real, dass das Leben des Gottesfürchtigen tatsächlich beständig in seiner Hand ist, während er von den Schlingen der Bösen umgeben ist (1Sam 19,5; Hiob 13,14). Dennoch führt die fortwährende Gegenwart des Bösen nicht dazu, dass das Wort Gottes vergessen wird: Die Seele entkommt den Schlingen der Bösen, weil sie das Licht des Wortes Gottes hat.

Verse 111.112

Ps 119,111.112: 111 Deine Zeugnisse habe ich mir als Erbteil genommen auf ewig, denn sie sind die Freude meines Herzens. 112 Ich habe mein Herz geneigt, deine Satzungen zu tun auf ewig, bis ans Ende.

Das Wort, das den Gottesfürchtigen durch alle Prüfungen hindurchleitet, bleibt auch sein ewiges Erbe, selbst wenn die Prüfungen für immer vorüber sind. Er hat große Freude darüber. Er hat sich in seinem Herzen fest vorgenommen, „bis ans Ende“ im Gehorsam zu wandeln.

Teil 15 (Samech): Psalm 119,113-120

Gott und sein Wort sind die Quelle desjenigen, der nichtige Menschengedanken ablehnt

Verse 113.114

Ps 119,113.114: 113 Die Doppelherzigen hasse ich, und ich liebe dein Gesetz. 114 Mein Bergungsort und mein Schild bist du; auf dein Wort harre ich.

Der Gläubige hasst die Gedanken dessen, der geteilten Herzens ist und der zwischen zwei Meinungen hinkt oder hin und her schwankt (vgl. 1Kön 18,21; Jak 1,6-8). Im Gegensatz zu solchen liebt er das Wort, das die Gedanken Gottes offenbart. Und es sind dieser Hass auf Gedanken von Menschen und die Liebe zu Gottes Wort, die den Hass der Menschen erregen. Im Angesicht dieses Widerstandes sind Gott und sein Wort die einzige Zuflucht und Zuversicht für die Seele: „Mein Bergungsort und mein Schild bist du; auf dein Wort harre ich.“

Vers 115

Ps 119,115: Weicht von mir, ihr Übeltäter: Ich will die Gebote meines Gottes bewahren.

Gott als Schild zu haben bedeutet jedoch Trennung vom Bösen. Deshalb ersehnt man das Weichen der Übeltäter, denn der Gottesfürchtige hat sich eindeutig dazu entschieden, im Gehorsam Gott gegenüber zu wandeln.

Verse 116.117

Ps 119,116.117: 116 Unterstütze mich nach deiner Zusage, so werde ich leben; und lass mich nicht beschämt werden in meiner Hoffnung! 117 Stütze mich, so werde ich gerettet werden; und ich will stets schauen auf deine Satzungen.

Als vom Bösen abstehender Mensch kann er mit Zuversicht darauf vertrauen, dass Gott ihn auch in Gegenwart des Bösen aufrechterhält, so dass er vor seinen Widersachern auch nicht durch ein Versagen seinerseits zuschanden wird. Und nur so wie Gott ihn aufrechterhält, ist er auch sicher, um immerwährend aufmerksam auf Gottes Satzungen zu achten.

Verse 118-120

Ps 119,118-120: 118 Verworfen hast du alle, die von deinen Satzungen abirren; denn Lüge ist ihr Trug. 119 Wie Schlacken hast du hinweggeräumt alle Gottlosen der Erde; darum liebe ich deine Zeugnisse. 120 Vor deinem Schrecken schaudert mein Fleisch, und ich fürchte mich vor deinen Gerichten.

Er erkennt, dass alle, die von Gottes Satzungen abirren, verworfen werden; sie scheitern völlig und werden aus Gottes Sicht wie Schlacken behandelt. Das Gericht über solche erfüllt die Seele mit heiliger Gottesfurcht.

Teil 16 (Ajin): Psalm 119,121-128

Inmitten des Bösen, das reif ist für das Gericht, blickt die aufrichtige Seele auf Gott, um bewahrt zu werden

Verse 121.122

Ps 119,121.122: 121 Ich habe Recht und Gerechtigkeit geübt; überlass mich nicht meinen Bedrückern! 122 Sei Bürge für deinen Knecht zum Guten; lass die Übermütigen mich nicht bedrücken!

Der Psalmist ist sich seiner eigenen Aufrichtigkeit bewusst und kann deshalb mit gutem Gewissen auf Gott sehen, um nicht verlassen zu werden: „Lass die Übermütigen mich nicht bedrücken!“ Doch während der Knecht aufgrund seiner eigenen Lauterkeit Gott anruft, wendet er sich gleichzeitig an Ihn, um ihn selbst hinsichtlich Stolz und Bedrückung zu rechtfertigen; das sollte nicht nur seine eigene Einschätzung bezüglich seiner persönlichen Gerechtigkeit sein (vgl., 1Kor 4,4.5).

Verse 123-125

Ps 119,123-125: 123 Meine Augen schmachten nach deiner Rettung und nach der Zusage deiner Gerechtigkeit. 124 Handle mit deinem Knecht nach deiner Güte, und lehre mich deine Satzungen! 125 Dein Knecht bin ich; gib mir Einsicht, so werde ich deine Zeugnisse erkennen.

Nachdem er sich Gott zugewandt hat, wartet er nun auf Gottes Wort der „Gerechtigkeit“, damit Er ihn von seinen Feinden befreit, und auch auf Gottes „Güte“, um an ihm selbst zu handeln. Als Gottes Knecht sehnt er sich nicht nur danach, vom Bösen befreit zu werden, sondern er will auch in der Wahrheit unterrichtet werden. Dadurch wird sein Verständnis geöffnet, um Gottes Zeugnisse zu erkennen und Gottes Gedanken zu erfahren.

Vers 126

Ps 119,126: Es ist Zeit für den HERRN, zu handeln: Sie haben dein Gesetz gebrochen.

Weiterhin beurteilt der Knecht des Herrn die Zeit (vgl. Lk 12,54-59). Er erkennt, dass Gottes Autorität aufrechterhalten werden muss und dass das Böse reif ist für das Gericht. Da das Böse bis zum Äußersten ausgereift ist, gibt ihm dies gleichzeitig die Sicherheit, dass die Rettung kurz bevorsteht.

Verse 127.128

Ps 119,127.128: 127 Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold und gediegenes Gold; 128 darum halte ich alle deine Vorschriften in allem für recht; jeden Lügenpfad hasse ich.

Die Erkenntnis, dass Gott nun im Begriff ist, durch Gericht zu handeln, lässt die aufrichtige Seele das Wort Gottes nur umso mehr wertschätzen. Dessen Wert übersteigt bei weitem den Wert des Goldes, das die Menschen so hoch schätzen. Gottes Vorschriften „in allem“ werden für recht erkannt und alles Falsche wird abgelehnt.

Teil 17 (Pej): Psalm 119,129-136

Die Wirkung des Wortes ist wie Licht in der Seele

Vers 129

Ps 119,129: Wunderbar sind deine Zeugnisse, darum bewahrt sie meine Seele.

Der gottesfürchtige Mensch drückt seine Wertschätzung des Wortes Gottes an sich aus, abgesehen von dem Segen, den es bringt. Es ist wunderbar, deshalb wird es hochgeachtet.

Verse 130-132

Ps 119,130-132: 130 Die Eröffnung deines Wortes erleuchtet, gibt Einsicht den Einfältigen. 131 Ich habe meinen Mund weit aufgetan und gelechzt, denn ich habe Verlangen nach deinen Geboten. 132 Wende dich zu mir und sei mir gnädig, wie es recht ist für die, die deinen Namen lieben!

Es werden weitere Wirkungen des Wortes beschrieben: Es gibt Licht und Einsicht: Licht dort, wo es hineinleuchtet, und Einsicht dort, wo es Einfalt gibt. Darüber hinaus schafft es einen Durst und ein Verlangen, die nur durch die Barmherzigkeit Gottes gestillt werden können, in der Gott sein Wort erfüllt. Auf diese Weise handelt Er stets an denen, die seinen Namen lieben.

Verse 133-136

Ps 119,133-136: 133 Befestige meine Schritte in deinem Wort, und lass kein Unrecht über mich herrschen! 134 Erlöse mich von der Bedrückung des Menschen, und ich will deine Vorschriften beachten. 135 Lass dein Angesicht leuchten über deinen Knecht, und lehre mich deine Satzungen! 136 Wasserbäche fließen herab aus meinen Augen, weil sie dein Gesetz nicht halten.

Da, wo das Licht Einlass findet, ist auch das Verlangen aufseiten des Gläubigen, in einem Zustand zu sein, der mit all dem in  Übereinstimmung ist, was dieses Licht offenbart.

  1. Soweit es ihn selbst betrifft, sehnt sich der Gottesfürchtige danach, dass seine Schritte durch die Wahrheit beherrscht werden und nicht – wie beim natürlichen Menschen – durch die Sünde (vgl. Joh 8,32).

  2. Was seine Umstände betrifft, so ersehnt er die Befreiung von aller menschlichen Unterdrückung, damit er Gott gehorchen kann.

  3. Drittens sehnt er sich im Hinblick auf Gott danach, als Lernender im Angesicht seiner Gunst zu seinen Füßen zu sitzen.

  4. Schließlich ist er viertens im Hinblick auf die Bösen mit Kummer erfüllt, weil er daran denkt, was ihr Lohn für den Ungehorsam dem Wort gegenüber sein wird.

Teil 18 (Zadi): Psalm 119,137-144

Die Aufrechterhaltung der Anrechte Gottes in einer bösen Welt

Verse 137.138

Ps 119,137.138: 137 Gerecht bist du, HERR, und gerade sind deine Gerichte. 138 Du hast deine Zeugnisse in Gerechtigkeit geboten und in sehr großer Treue.

Der Psalmist anerkennt, dass Gott gerecht ist und dass all seine Gerichte in Übereinstimmung mit Ihm selbst sind. Seine Zeugnisse – das Zeugnis seiner selbst und seiner Wege – sind gemäß seiner Gerechtigkeit und entsprechen seiner Treue. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Zeugnisse der Menschen, die viel zu oft nur zur Täuschung dienen.

Vere 139-141

Ps 119,139-141: 139 Verzehrt hat mich mein Eifer, denn meine Bedränger haben deine Worte vergessen. 140 Wohlgeläutert ist dein Wort, und dein Knecht hat es lieb. 141 Gering bin ich und verachtet; deine Vorschriften habe ich nicht vergessen.

Die Anerkennung der Gerechtigkeit Gottes und die Treue seiner Zeugnisse bringt den gottesfürchtigen Menschen in Konflikt mit solchen, die Gottes Worte vergessen. Sein ernsthafter Eifer in der Auseinandersetzung mit dem Bösen liegt nicht im simplen Hass des Bösen begründet, sondern vielmehr in seiner Liebe zur Wahrheit. Er kann von Gottes Wort sagen: „Dein Knecht hat es lieb.“ Trotzdem wird jemand, der in böser Umgebung eifrig für Gottes Wort ist, in den Augen der Welt unbedeutend und verachtet sein. Doch gerade deshalb vergisst der Knecht des Herrn Gottes Vorschriften nicht.

Verse 142-144

Ps 119,142-144: 142 Deine Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit, und dein Gesetz ist Wahrheit. 143 Angst und Bedrängnis haben mich erreicht; deine Gebote sind meine Wonne. 144 Gerechtigkeit sind deine Zeugnisse auf ewig; gib mir Einsicht, so werde ich leben.

Er weiß, dass die Wahrheit sich durchsetzen wird und dass Gottes Gerechtigkeit immerwährend ist. Feinde mögen ihn umringen, Schwierigkeiten und Unglück mögen ihn ergreifen – aber Prüfung und Leid gehen vorüber, während die Gerechtigkeit der Zeugnisse Gottes bleiben wird. Deshalb findet er seine Freude an Gottes Geboten und blickt auf Gottes Führung auf dem Pfad, der zum Leben führt, jenseits von aller Not und allem Elend.

Teil 19 (Kuf): Psalm 119,145-152

Mit ganzem Herzen abhängig sein vom HERRN, während man von Feinden umringt ist, die nur darauf aus sind, einem Schaden zuzufügen

Verse 145.146

Ps 119,145.146: 145 Von ganzem Herzen habe ich gerufen; erhöre mich, HERR! Ich will deine Satzungen bewahren. 146 Zu dir habe ich gerufen; rette mich, und ich will deine Zeugnisse beachten.

Der Psalmist bringt zum Ausdruck, dass er mit ganzem Herzen vom Herrn abhängig ist. So will er gewiss sein, dass sein Gebet erhört wird. Wahre Abhängigkeit führt zu Gehorsam; deshalb fügt er hinzu, dass er seine „Satzungen bewahren“ will. Weiterhin wünscht er, nicht nur erhört zu werden, sondern dass sein Gebet mit einer vollständigen Befreiung beantwortet werde, die ihn frei macht, den Zeugnissen des Herrn ohne Einschränkung zu gehorchen. 

Verse 147.148

Ps 119,147.148: 147 Der Morgendämmerung bin ich zuvorgekommen und habe geschrien; auf dein Wort habe ich geharrt. 148 Meine Augen sind den Nachtwachen zuvorgekommen, um zu sinnen über dein Wort.

Seine Abhängigkeit ist nicht ein bloß passives Anerkennen der generellen Schuld Gott gegenüber, sondern es ist eine aktive, ganzherzige Abhängigkeit, die Gott um Hilfe anruft. Er tut das mit solch einem Eifer, dass er schon vor der Morgendämmerung aufsteht, um zum Herrn zu schreien. Ferner ist seine Abhängigkeit das Ergebnis seines Vertrauens, denn er kann sagen: „Auf dein Wort habe ich geharrt.“ Die Kennzeichen eines Gottesfürchtigen sind somit Abhängigkeit, Gehorsam und Vertrauen. Und das Wort Gottes, in das sein Vertrauen gesetzt ist, wird in der Stille der Nachtwachen somit zum Gegenstand der Betrachtung seines Herzens.

Verse 149.150

Ps 119,149.150: 149 Höre meine Stimme nach deiner Güte; HERR, belebe mich nach deinen Rechten! 150 Es haben sich genaht, die bösen Plänen nachjagen; fern sind sie von deinem Gesetz.

Doch dass er mit ganzem Herzen befleißigt ist, ist nicht die Ursache für seine dringende Bitte an Gott; vielmehr ist es die Güte im Herzen Gottes. Das ist es, worauf er blickt, um mit der belebenden Energie gestärkt zu werden. Und dies, obwohl sich seine Feinde nähern, die böse Pläne im Herzen hegen.

Verse 151.152

Ps 119,151.152: 151 Du bist nahe, HERR; und alle deine Gebote sind Wahrheit. 152 Von alters her habe ich aus deinen Zeugnissen gewusst, dass du sie gegründet hast auf ewig.

Als Ergebnis seiner völligen Herzensabhängigkeit vom Herrn erkennt er, dass der Herr trotz seiner nahenden Feinde, die ihm Böses antun wollen, nahe ist, um ihn zu bewahren, und dass seine Gebote Wahrheit und auf ewig fest gegründet sind.

Teil 20 (Resch): Psalm 119,153-160

Treue in Verfolgung, Hass des Bösen und Liebe zur Wahrheit

Verse 153.154

Ps 119,153.154: 153 Sieh an mein Elend und befreie mich! Denn dein Gesetz habe ich nicht vergessen. 154 Führe meinen Rechtsstreit und erlöse mich! Belebe mich nach deiner Zusage!

Der Psalmist ist sich bewusst, dass Gott die Anfechtungen derer, die treu gegenüber seinem Wort bleiben, nicht gleichgültig sind. Deshalb bittet er den Herrn, auf sein Leid zu sehen. Außerdem muss Gott auch an dem Anteil nehmen, was die Seinen bewegt. Und so kann der Psalmist diese Angelegenheit in Gottes Hände legen. Ohne dass er versucht, seinen Feinden zu antworten, trachtet er danach, dass Gott sich seiner Sache annimmt, ihn von seinen Leiden befreit und seine Seele lebendig erhalten wird.

Verse 155-157

Ps 119,155-157: 155 Fern ist von den Gottlosen die Rettung, denn nach deinen Satzungen trachten sie nicht. 156 Deine Erbarmungen sind zahlreich, HERR; belebe mich nach deinen Rechten! 157 Zahlreich sind meine Verfolger und meine Bedränger; von deinen Zeugnissen bin ich nicht abgewichen.

Er bleibt Gott treu, obwohl er von den Bösen umgeben ist, die keine Achtung vor Gottes Wort haben und die Gottesfürchtigen hassen und verfolgen. So spricht er: „Von deinen Zeugnissen bin ich nicht abgewichen.“ Er stellt fest, dass seine Feinde „zahlreich“ sind“. Erneut bittet er Gott, dass Er ihn beleben, ihn durchtragen möge gemäß seinem Wort.

Verse 158

Ps 119,158: Die Treulosen habe ich gesehen, und es ekelte mich an, weil sie dein Wort nicht hielten.

Weil er dem Herrn und seinem Wort gegenüber treu ist, schreckt er vor den Wegen der Übertreter zurück, denen Gottes Wort völlig egal ist. Ihre Wege sind für den gottesfürchtigen Menschen ein Grund für Traurigkeit.

Verse 159.160

Ps 119,159.160: 159 Sieh, dass ich deine Vorschriften liebe; nach deiner Güte, HERR, belebe mich! 160 Die Summe deines Wortes ist Wahrheit, und alles Recht deiner Gerechtigkeit währt ewig.

Der Grund, warum das Böse der Übertreter gehasst wird, ist in der Liebe zur Wahrheit begründet. Deshalb kann der Psalmist sagen, dass er Gottes Vorschriften liebt. Das Böse, das er hasst, geht vorüber; aber die Wahrheit, die er liebt, bleibt ewig.

So ist es ein Kennzeichen des Gottesfürchtigen, dass er in Verfolgung treu ist, das Böse hasst und die Wahrheit liebt.

Teil 21 (Schin): Psalm 119,161-168

Der Segen dessen, der das Wort als höchste Autorität anerkennt und der sich in seinem Wandel dem Wort unterordnet

Vers 161

Ps 119,161: Fürsten haben mich verfolgt ohne Ursache; aber vor deinem Wort hat mein Herz sich gefürchtet.

Die Großen dieser Welt mögen die Gottesfürchtigen ohne Grund verfolgen, aber für den Gläubigen steht die Autorität des Wortes Gottes über der Autorität von Menschen. Er zittert vor Gottes Wort eher, als dass er in Ehrfurcht vor mächtigen Fürsten steht. Für ihn ist Gottes Wort die höchste Autorität (vgl. Apg 4,19.20).

Verse 162-168

Ps 119,162-168: 162 Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute findet. 163 Lüge hasse und verabscheue ich; ich liebe dein Gesetz. 164 Siebenmal am Tag lobe ich dich um der Rechte deiner Gerechtigkeit willen. 165 Großen Frieden haben die, die dein Gesetz lieben, und kein Fallen gibt es für sie. 166 Ich habe auf deine Rettung gewartet, HERR; und deine Gebote habe ich getan. 167 Meine Seele hat deine Zeugnisse bewahrt, und ich liebe sie sehr. 168 Deine Vorschriften und deine Zeugnisse habe ich beachtet, denn alle meine Wege sind vor dir.

Der Psalmist zählt die Segnungen auf, die derjenige genießt, dessen Leben von der höchsten Autorität des Wortes regiert wird:

  1. Das Wort wird die Freude seines Herzens, da er die in ihm enthaltenen Schätze entdeckt. Es ist gerade so wie bei jemand, der große Beute findet (Ps 119,160).

  2. Es befähigt ihn, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, so dass er das Falsche verabscheut und die Wahrheit liebt (Ps 119,163).

  3. Es ruft einen den ganzen Tag andauernden Lobpreis hervor (Ps 119,164).

  4. Es schafft einen großen Frieden in seinem Leben, so dass er nicht länger von äußeren Umständen beherrscht wird noch in seinen Prüfungen fällt (Ps 119,165).

  5. Es befähigt die Seele, über den Widerstand von Fürsten und über die Prüfungen in seinen Umständen hinwegzusehen. Er wartet voller Hoffnung auf die Rettung des Herrn (Ps 119,166).

  6. Während er auf seine Befreiung wartet, ordnet er sich den Worten des Herrn gehorsam unter (Ps 119,167).

  7. Derart im Gehorsam an den Herrn wandelnd, gibt es nichts in seinem Leben, was vor Gott verborgen wäre. Er kann sagen: „Alle meine Wege sind vor dir“ (Ps 119,168).

Weil das Wort den höchsten Platz in seiner Seele einnimmt, lebt der gottesfürchtige Mensch in Freude am Wort, im Hass zum Bösen hin, im fortlaufenden Lobpreis, in der Hoffnung und im Gehorsam an den Herrn und ebenso in der Offenheit vor dem Herrn.

Teil 22 (Taw): Psalm 119,169-176

Lobpreis zu Gott und Zeugnis gegenüber Menschen von einer wiederhergestellten und befreiten Seele

Verse 169.170

Ps 119,169.170: 169 Lass mein Schreien nahe vor dich kommen, HERR; gib mir Einsicht nach deinem Wort! 170 Lass mein Flehen vor dich kommen; errette mich nach deiner Zusage!

Der gottesfürchtige Mensch bittet um einen von Gottes Wort geprägten Verstand und um die Befreiung aus seinen Prüfungen durch den Herrn.

Verse 171-172

Ps 119,171.172: 171 Meine Lippen sollen dein Lob hervorströmen lassen, wenn du mich deine Satzungen gelehrt hast. 172 Meine Zunge soll laut reden von deinem Wort, denn alle deine Gebote sind Gerechtigkeit.

Seine Befreiung wird Lobpreis zu Gott und Bezeugung gegenüber Menschen zur Folge haben. Doch Lobpreis und Zeugnis können nur von einer von Gott gelehrten Seele kommen. Darum spricht der Psalmist: „Meine Lippen sollen dein Lob hervorströmen lassen, wenn du mich deine Satzungen gelehrt hast.“ Und sofort fügt er hinzu: „Meine Zunge soll laut reden von deinem Wort.“

Dieser Psalm beginnt mit Gebet und führt über Lobpreis hin zum Zeugnis. Diese Reihenfolge entspricht stets der göttlichen Ordnung.

Verse 173.174

Ps 119,173.174: 173 Lass deine Hand mir zu Hilfe kommen, denn ich habe deine Vorschriften erwählt. 174 Ich sehne mich nach deiner Rettung, HERR; und dein Gesetz ist meine Wonne.

Derjenige, der in einer feindlichen Welt Zeugnis ablegt, wird überdies auf Widerstand stoßen. Dies führt zum Ruf nach Hilfe; darum steigt der Schrei auf: „Lass deine Hand mir zur Hilfe kommen.“ Er kann um diese Hilfe bitten, weil er ganz bewusst sein Herz auf die Dinge des Herrn gerichtet hat. Sein Entschluss, sein Verlangen und sein Sehnen konzentrieren sich auf das Wort und auf die Rettung des Herrn.

Verse 175.176

Ps 119,175.176: 175 Lass meine Seele leben, und sie wird dich loben; und deine Rechte mögen mir helfen! 176 Ich bin umhergeirrt wie ein verlorenes Schaf; suche deinen Knecht, denn ich habe deine Gebote nicht vergessen!

Sein einziges Verlangen ist es, zur Ehre des Herrn zu leben, der ihn durchträgt – ganz im Gegensatz zu seinem früheren Leben, in dem er seinem eigenen Willen folgte und wie ein verlorenes Schaf in die Irre ging. Wenn er aber nun vom Weg abkam, dann suchte der Herr ihn, und immer noch kann er sagen: „Suche deinen Knecht.“ Darum kann er – im Gegensatz zu seinen früheren falschen Wegen – nun hinzufügen: „Ich habe deine Gebote nicht vergessen.“

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Übersetzung: Frank Cisonna


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...