Psalm 104

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 11.03.2014, aktualisiert: 29.01.2018

Ein Lob für den HERRN als den Schöpfer
Ein Lobgesang der Gottesfürchtigen im Tausendjährigen Reich, wenn die Feinde aus dem Land verschwunden sein werden und die Gottlosen nicht mehr sind

In 1. Mose 1 lesen wir den Bericht über die Schöpfung, in diesem Psalm das Lied der Schöpfung. Der Psalm folgt in seiner Gliederung der Schöpfungsgeschichte. Der Bericht stellt die Schöpfung zu ihrem Beginn dar; das Lied beschreibt die Schöpfung in ihrer gegenwärtigen lebendigen Ausgestaltung. „Das eine ist eine Schilderung des Anfangs der ewigen Ordnung, das andere ist ihr fortwährendes lebendes Schauspiel. Daher ist auch die Ode viel lebendiger als der Bericht. Letzterer ist das Bild eines Stilllebens; in Ersterer drängen sich Gestalten voller Regung und Bewegung.“ (Perowne)

Verse 1-4

Ps 104,1-4: 1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß, mit Majestät und Pracht bist du bekleidet, 2 du, der in Licht sich hüllt wie in ein Gewand, der die Himmel ausspannt wie eine Zeltdecke, 3 der seine Obergemächer in den Wassern erbaut, der Wolken zu seinem Gefährt macht, der auf den Fittichen des Windes einherzieht, 4 der seine Engel zu Winden macht, seine Diener zu flammendem Feuer.

Der Psalm beginnt mit einem Lob des Schöpfers durch einen, der nach dem vorhergehenden Psalm Jahwe bereits als Erlöser kennt und daher sagen kann: „HERR, mein Gott, du bist sehr groß.“ In den Anfangsversen zeigt sich dem Psalmisten ein Blick auf die Schöpfung, entsprechend dem ersten und zweiten Tag der Schöpfung. Gott, der Licht ist, trennt Wasser von Wasser und spannt die Himmel über dem Wasser darunter aus. Bei all diesem großen Werk ist Gott zu sehen, nicht nur beim Erschaffen, sondern auch dabei, wie Er sich in seiner eigenen Schöpfung bewegt. Er macht Wolken zu seinem Wagen und zieht einher auf den Flügeln des Windes. Engel warten Ihm auf als seine Diener. [Psalm 104,4 lautet in der englischen Übersetzung: ‚Er macht zu seinen Boten (bzw. Engeln) Geister (bzw. Winde); und Feuerflammen zu seinen Dienern‘ (Anm. d. Übers.).]

Verse 5-9

Ps 104,5-9: 5 Er hat die Erde gegründet auf ihre Grundfesten; sie wird nicht wanken immer und ewig. 6 Mit der Tiefe hattest du sie bedeckt wie mit einem Gewand; die Wasser standen über den Bergen. 7 Vor deinem Schelten flohen sie, vor der Stimme deines Donners eilten sie weg – 8 die Berge erhoben sich, es senkten sich die Täler – an den Ort, den du ihnen festgesetzt hattest. 9 Du hast ihnen eine Grenze gesetzt, die sie nicht überschreiten werden; sie werden nicht zurückkehren, die Erde zu bedecken.

In den folgenden Versen erinnert der Psalmist an den ersten Abschnitt der Arbeit des dritten Tages. Er denkt an den Tag, an dem die Wasser sich vor dem „Schelten“ des HERRN an einem Ort versammelten und das trockene Land erschien; als die Berge sich erhoben und die Täler sich an den Ort senkten, den Gott ihnen bestimmt hatte; als Gott den Meeren eine Grenze setzte, die sie nicht überschreiten dürfen.

Verse 10-18

Ps 104,10-18: 10 Du, der Quellen entsendet in die Täler: Zwischen den Bergen fließen sie dahin; 11 sie tränken alle Tiere des Feldes, die Wildesel stillen ihren Durst; 12 an ihnen wohnen die Vögel des Himmels; zwischen den Zweigen hervor lassen sie ihre Stimme erschallen. 13 Du, der die Berge tränkt aus seinen Obergemächern; von der Frucht deiner Werke wird die Erde gesättigt. 14 Der Gras hervorsprossen lässt für das Vieh, und Kraut zum Dienst der Menschen, um Brot hervorzubringen aus der Erde, 15 und damit Wein das Herz des Menschen erfreut; um das Angesicht glänzen zu lassen von Öl, und damit Brot das Herz des Menschen stärkt. 16 Es werden gesättigt die Bäume des HERRN, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat, 17 worin die Vögel nisten; der Storch – Zypressen sind sein Haus. 18 Die hohen Berge sind für die Steinböcke, die Felsen eine Zuflucht für die Klippdachse.

Im Weiteren singt der Psalmist von der reichen Versorgung, die Gott für seine Geschöpfe erschaffen hat. Er sieht die Flüsse aus der Erde entspringen und den Regen aus seinen Obergemächern auf die Berge fallen und zur Erde herunterfließen, um den Durst seiner Geschöpfe zu löschen (Ps 104,10-13). Er sieht das Gras und die Pflanzen als Nahrung für seine Geschöpfe und die Bäume und die Berge als Unterkunft für sie (Ps 104,14-18). Dies alles beschreibt den letzten Abschnitt der Arbeit des dritten Tages unter dem Gesichtspunkt, wie Gott seine Geschöpfe versorgt. Überdies denkt der Psalmist nicht nur im Hinblick an seine vergangene Arbeit als Urheber des Ganzen an den Schöpfer, sondern im Hinblick auf seine gegenwärtige Arbeit als Erhalter seiner Schöpfung. Daher kann der Psalmist sagen: „Du lässest Wasser in den Tälern quellen“ [nach Luther]; nicht einfach, dass Er sie in der Vergangenheit quellen ließ, sondern Er tut es auch jetzt noch. Wiederum sagt der Psalmist: „Du feuchtest die Berge“, und: „Du lässest Gras wachsen“ [nach Luther]. Es ist die gegenwärtige erhaltende Gnade des Schöpfers, die die Seelen mit Lob erfüllt. Außerdem wird die Schöpfung in der Fülle ihres Lebens und ihrer Bewegung betrachtet. Die Quellen sind nicht einfach erschaffen, sie fließen zwischen den Bergen dahin. Die wilden Tiere löschen ihren Durst an den Bächen; die Vögel singen und machen ihre Nester in den Zweigen der Bäume.

Verse 19-23

Ps 104,19-23: 19 Er hat den Mond gemacht für bestimmte Zeiten; die Sonne weiß ihren Untergang. 20 Du machst Finsternis, und es wird Nacht; in ihr regen sich alle Tiere des Waldes; 21 Die jungen Löwen brüllen nach Raub und fordern von Gott ihre Nahrung. 22 Die Sonne geht auf: Sie ziehen sich zurück und lagern sich in ihren Höhlen. 23 Der Mensch geht aus an sein Werk und an seine Arbeit, bis zum Abend.

Der Psalmist geht dazu über, das Lob Gottes in Bezug auf die Himmelskörper aus der Arbeit des vierten Tages zu singen, die hier in ihrer gegenwärtigen ununterbrochenen Tätigkeit in Bezug auf die Bedürfnisse von Gottes Geschöpfen betrachtet werden.

Vers 24

Ps 104,24: Wie viele sind deiner Werke, HERR! Du hast sie alle mit Weisheit gemacht; die Erde ist voll deiner Reichtümer.

Der Psalmist unterbricht seine Beschreibung der Werke Gottes für einen Ausruf über die große Zahl derselben, die alle die Weisheit ihres Schöpfers und den Reichtum seiner Möglichkeiten widerspiegeln.

Verse 25-30

Ps 104,25-30: 25 Dieses Meer, groß und ausgedehnt nach allen Seiten hin: Dort wimmelt es, ohne Zahl, von Tieren klein und groß. 26 Dort fahren Schiffe; dort ist der Leviatan, den du gebildet hast, um sich darin zu tummeln. 27 Sie alle warten auf dich, dass du ihnen ihre Speise gibst zu seiner Zeit. 28 Du gibst ihnen: Sie sammeln ein. Du tust deine Hand auf: Sie werden gesättigt mit Gutem. 29 Du verbirgst dein Angesicht: Sie erschrecken. Du nimmst ihren Odem weg: Sie hauchen aus und kehren zurück zu ihrem Staub. 30 Du sendest deinen Odem aus: Sie werden erschaffen, und du erneuerst die Fläche des Erdbodens.

Der Psalmist nimmt sein Lied wieder auf und beschreibt das Meer, was uns zur Arbeit des fünften Tages bringt. Im Meer sind große und kleine Tiere, die alle für ihre Existenz, ihre Nahrung und ihre Vermehrung gänzlich auf Gott angewiesen sind.

Verse 31-35

Ps 104,31-35: 31 Die Herrlichkeit des HERRN wird ewig sein, der HERR wird sich an seinen Werken erfreuen, 32 der die Erde anschaut, und sie bebt; er rührt die Berge an, und sie rauchen. 33 Singen will ich dem HERRN mein Leben lang, will meinem Gott Psalmen singen, solange ich bin. 34 Möge ihm angenehm sein mein Sinnen! Ich werde mich in dem HERRN erfreuen. 35 Die Sünder werden von der Erde verschwinden, und die Gottlosen werden nicht mehr sein. Preise den HERRN, meine Seele! Lobt den HERRN!

Von der Herrlichkeit der Schöpfung wendet sich der Psalmist nun der Herrlichkeit Schöpfers zu. Die gesamte Schöpfung wird ihrem Schöpfer zur ewigen Herrlichkeit gereichen und der HERR wird sich seiner Werke freuen. Die Erlösung hat die stöhnende Schöpfung aus der Knechtschaft der Sünde befreit, so dass sich der HERR wieder über seine Werke freuen kann. Seine Majestät ist so groß, dass Er die Erde nur anschauen muss, und sie bebt; Er muss die Berge nur anrühren und sie rauchen. So schließt der Psalm damit, dass der HERR sich über seine Werke freut; dass die Gottesfürchtigen sich über den HERRN freuen, die Sünder von der Erde verschwinden und die Gottlosen keinen Ort mehr haben.

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Übersetzung: S. Bauer


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