Psalm 105

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 11.03.2014, aktualisiert: 29.01.2018

Die Treue des HERRN zu dem mit den Vätern geschlossenen Bund zeigt sich durch seine Fürsorge für sein Volk Israel und durch sein Gericht über dessen Feinde während seiner gesamten Geschichte.

Verse 1-7

Ps 105,1-7: 1 Preist den HERRN, ruft seinen Namen an, macht kund unter den Völkern seine Taten! 2 Singt ihm, singt ihm Psalmen; sinnt über alle seine Wunderwerke! 3 Rühmt euch seines heiligen Namens! Es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen! 4 Trachtet nach dem HERRN und seiner Stärke, sucht sein Angesicht beständig! 5 Erinnert euch an seine Wunderwerke, die er getan hat, an seine Wunderzeichen und an die Gerichte seines Mundes! 6 Du Same Abrahams, seines Knechtes, ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten: 7 Er, der HERR, ist unser Gott; seine Gerichte sind auf der ganzen Erde.

Der Psalm beginnt mit einem Aufruf an Israel, dem HERRN zu danken [nach der englischen Übersetzung], seinen Namen anzurufen und seine Taten unter den Völkern kundzumachen. So soll das wiederhergestellte Israel ein preisendes Volk, ein abhängiges Volk und ein bezeugendes Volk sein.

Das Volk wird dazu aufgerufen, den HERRN zu preisen, und zwar sowohl für das, was Er getan hat, als auch für das, was Er in der Herrlichkeit seiner Person ist. Er hat Wunder gewirkt, und sein Name beschreibt, wie Er ist – Er ist heilig.

Das Volk soll Ihn anrufen bzw. „den HERRN suchen“, weil es schwach ist und „Stärke“ bei Ihm liegt. Diese Abhängigkeit muss dauerhaft sein: das Volk soll „sein Angesicht beständig“ suchen (vgl. Joh 15,5).

Um ein Zeuge unter den Völkern zu sein, muss Israel der Wunder gedenken, die Er getan hat; der Urteile seines Mundes und der Urteile, die Er auf der ganzen Erde gesprochen hat.

Verse 8-15

Ps 105,8-15: 8 Er gedenkt ewig seines Bundes – des Wortes, das er geboten hat auf tausend Geschlechter hin –, 9 den er geschlossen hat mit Abraham, und seines Eides, den er Isaak geschworen hat. 10 Und er stellte ihn Jakob zur Satzung, Israel zum ewigen Bund, 11 indem er sprach: Dir will ich das Land Kanaan geben als Schnur eures Erbteils; 12 als sie ein zählbares Häuflein waren, nur wenige und Fremde darin. 13 Und sie wanderten von Nation zu Nation, von einem Reich zu einem anderen Volk. 14 Er ließ keinem Menschen zu, sie zu bedrücken, und ihretwegen strafte er Könige: 15 „Tastet meine Gesalbten nicht an, und meinen Propheten tut nichts Böses!“

Die Geschichte Israels wird betrachtet, um die Treue Gottes seinem Bund gegenüber, den Er mit Abraham und Isaak machte und Jakob gegenüber bekräftigte, zu beweisen. Die Verheißung des Landes für Israel gab Gott zu einer Zeit, als ihre Erfüllung nach menschlichem Ermessen unmöglich schien, da diejenigen, die die Verheißung erhielten, von geringer Zahl und Fremde in dem Land waren. Dennoch standen sie unter der beständigen Fürsorge des HERRN. Sie zogen von einem Volk zum anderen, von Land zu Land, aber niemand durfte ihnen Unrecht tun, ohne von Gott zurechtgewiesen zu werden.

Verse 16-22

Ps 105,16-22: 16 Und er rief eine Hungersnot über das Land herbei; jede Stütze des Brotes zerbrach er. 17 Er sandte einen Mann vor ihnen her, Joseph wurde zum Knecht verkauft. 18 Man presste seine Füße in den Stock, er kam in das Eisen, 19 bis zur Zeit, als sein Wort eintraf; das Wort des HERRN läuterte ihn. 20 Der König sandte hin und ließ ihn los, der Herrscher über Völker, und befreite ihn; 21 er setzte ihn zum Herrn über sein Haus und zum Herrscher über all sein Besitztum, 22 um seine Fürsten zu fesseln nach seiner Lust und dass er seine Ältesten Weisheit lehre.

Der Psalmist erinnert an verschiedene Abschnitte in der Geschichte des Volkes, um Gottes Fürsorge für es inmitten der Prüfungen aufzuzeigen. In der Zeit der Erzväter rief Gott eine Hungersnot herbei, schickte aber auch Josef, um sie in dieser Drangsal zu bewahren. Derjenige jedoch, durch den die Rettung kommt, muss selbst ein Leidender sein, bevor er zum Retter wird und nach seinem Leid in eine ehrenvolle Stellung erhoben wird. So wird Josef zu einem eindrucksvollen Vorbild desjenigen, den der Vater schickte, um der Retter der Welt zu sein.

Verse 23-36

Ps 105,23-36: 23 Und Israel kam nach Ägypten, und Jakob hielt sich auf im Land Hams. 24 Und er machte sein Volk sehr fruchtbar und machte es stärker als seine Bedränger. 25 Er wandelte ihr Herz, sein Volk zu hassen, Arglist an seinen Knechten zu verüben. 26 Er sandte Mose, seinen Knecht, Aaron, den er auserwählt hatte. 27 Sie taten unter ihnen seine Zeichen, und Wunder im Land Hams. 28 Er sandte Finsternis und machte finster; und sie waren nicht widerspenstig gegen seine Worte. 29 Er verwandelte ihre Wasser in Blut und ließ ihre Fische sterben. 30 Ihr Land wimmelte von Fröschen in den Gemächern ihrer Könige. 31 Er sprach, und es kamen Hundsfliegen, Stechmücken in ihr ganzes Gebiet. 32 Er gab ihnen Hagel als Regen, flammendes Feuer in ihrem Land; 33 und er schlug ihre Weinstöcke und Feigenbäume und zerbrach die Bäume ihres Landes. 34 Er sprach, und es kamen Heuschrecken und Grillen ohne Zahl; 35 und sie fraßen alles Kraut in ihrem Land und fraßen die Frucht ihres Bodens. 36 Und er schlug alle Erstgeburt in ihrem Land, die Erstlinge all ihrer Kraft.

Die Geschichte Israels in Ägypten wird uns als Nächstes vor Augen geführt, um nicht nur Gottes Fürsorge für sein Volk, sondern auch sein Gericht aufzuzeigen über alle, die sich ihm entgegenstellen und es unterdrücken. Auf acht der Plagen, die über Ägypten kamen, wird Bezug genommen. Die Plagen werden dabei nicht in ihrer historischen Reihenfolge gegliedert, sondern auf eine Weise, die die verheerende Natur dieser Urteile hervorhebt:

  • Die ersten beiden Plagen, die erwähnt werden – die Finsternis und das in Blut verwandelte Wasser –, betreffen die beiden Hauptquellen von Ägyptens Existenz und Wohlstand. Die Sonne wurde verdunkelt und das Wasser des Flusses wurde in Blut verwandelt. Wenn dieser Zustand angehalten hätte, hätte dies dem Land ein schnelles Verderben gebracht.

  • Die nächsten drei Plagen – die Frösche, die Fliegen und die Stechmücken – betrafen die Menschen in Ägypten, demütigten ihren Stolz und machten ihnen das Leben unerträglich.

  • Die beiden folgenden Plagen – der Hagel und die Heuschrecken – zerstörten ihren Besitz und stürzten sie in Armut.

  • Die letzte Plage befiel ihre Nachkommen, und wenn diese Plage angedauert hätte, hätte dies zur Ausrottung der gesamten Rasse geführt.

Verse 37.38

Ps 105,37.38: 37 Und er führte sie heraus mit Silber und Gold, und kein Strauchelnder war in seinen Stämmen. 38 Froh war Ägypten, dass sie auszogen; denn ihr Schrecken war auf sie gefallen.

Das Volk von Ägypten erlitt die Zerstörung seines Landes, aber das Volk Gottes wurde errettet, und trotz der Unterdrückung, die es hatte erdulden müssen, wurde es mit Gold und Silber herausgeführt. Nicht ein Gebrechlicher oder Strauchelnder fand sich unter seinen Stämmen.

Verse 39-41

Ps 105,39-41: 39 Er breitete eine Wolke aus zur Decke, und ein Feuer, die Nacht zu erleuchten. 40 Sie forderten, und er ließ Wachteln kommen; und mit Himmelsbrot sättigte er sie. 41 Er öffnete den Felsen, und es flossen Wasser heraus; sie liefen an dürren Orten wie ein Strom.

In drei kurzen Versen wird uns die Reise der Israeliten durch die Wüste vor Augen geführt, um Gottes Fürsorge für sein Volk aufzuzeigen. Er schützte sie tagsüber vor der Hitze und gab ihnen Licht bei Nacht. Er ernährte sie mit Himmelsbrot und gab ihnen Wasser aus dem Felsen.

Verse 42.43

Ps 105,42.43: 42 Denn er gedachte seines heiligen Wortes, Abrahams, seines Knechtes; 43 und er führte sein Volk heraus mit Freuden, mit Jubel seine Auserwählten.

Bei all diesen Umgang mit seinem Volk – in den Tagen der Erzväter, in der Zeit der Knechtschaft Israels oder auf seiner Reise durch die Wüste – finden die Sünden der Israeliten keine Erwähnung, auch nicht ihr Murren oder ihre Auflehnung. Alles wird nacherzählt, um Jahwes wunderbare Werke und seine Treue zu seinem Bund in Erinnerung zu rufen. Mit diesem Leitgedanken wird der Rückblick auf Israels Geschichte eröffnet, wie wir in Psalm 105,8 lesen: „Er gedenkt ewig seines Bundes.“ Und mit demselben Gedanken schließt die Geschichte, denn wir lesen wieder: „Denn er gedachte seines heiligen Wortes, Abrahams, seines Knechtes.“

Verse 44.45

Ps 105,44.45: 44 Und er gab ihnen die Länder der Nationen, und das von den Völkerschaften Errungene nahmen sie in Besitz, 45 damit sie seine Satzungen hielten und seine Gesetze bewahrten. Lobt den HERRN!

So kommt es, dass die Verheißung an Abraham – „Dir will ich das Land Kanaan geben“ (Ps 105,11) – endlich erfüllt wird; denn nun lesen wir: „Er gab ihnen die Länder der Nationen, und die Mühe der Völkerschaften nahmen sie in Besitz.“ So betrachtet der Psalm die Zeit, wenn die langen Jahrhunderte des Exils für Gottes irdisches Volk vorbei sein werden und die Unterdrückung durch die Heiden dadurch enden wird, dass Israel die Länder der Völker in Besitz nehmen und das mühsam Errungene der Völkerschaften erben wird. Fern liegt es den Heidenvölkern, zu glauben, dass die verachteten Juden schließlich das Land der Heiden besitzen und die Früchte von deren Arbeit erben werden. Doch genau so wird es auf den Wegen Gottes kommen als Erfüllung des ewigen Bundes mit Abraham. Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar [Röm 11,29]. Überdies wird der HERR sich, wenn Israel mit dem Land gesegnet ist, ein irdisches Volk bereitet haben, das seinen Willen tun und zu seinem Lob da sein wird.

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Übersetzung: S. Bauer


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