Psalm 29

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 03.12.2012, aktualisiert: 29.01.2018

Ermutigung für die Gottesfürchtigen, wenn sie von den Großen auf Erden bekämpft werden. Derjenige, der für sie sorgt, ist mächtiger als die Mächtigen dieser Welt.

Psalm 29 ist kein Gebet der Gläubigen, auch kein Offenlegen ihrer Not und auch kein Ausdruck ihrer Seelenübungen. Er ist ein entschiedenes Zeugnis für die Kraft und die Herrlichkeit des Herrn zu Ermutigung seines Volkes, wenn es in den letzten Tagen von den mächtigen Gewalten dieser Welt unterdrückt wird.

Verse 1.2

Ps 29,1.2: 1 Ein Psalm von David. Gebt dem HERRN, ihr Söhne der Starken, gebt dem HERRN Herrlichkeit und Stärke! 2 Gebt dem HERRN die Herrlichkeit seines Namens; betet den HERRN an in heiliger Pracht!

Der Psalm beginnt mit einer Aufforderung an die Mächtigen auf Erden, den Herrn anzuerkennen: Ihm „Herrlichkeit“ und „Kraft“ zu geben und Ihn „in heiliger Pracht“ anzubeten. [In der englischen Übersetzung lautet die Anrede „o ihr Mächtigen“, die Luther als „ihr Himmlischen“ und die Elberfelder Übersetzung als „ihr Göttersöhne“ wiedergibt. (Anm. d. Übers.)]

Die wörtliche Bedeutung des Wortes „Mächtigen“ ist „Götter“ — ein Wort, das, wie wir lesen, niemals „Gott“ bedeutet, sondern immer „die Götter“ (2Mo 15,11; Dan 11,36). Es bezieht sich nicht auf Engelwesen, sondern auf die mächtigen Menschen, die Gott gegenüber verantwortlich sind als seine Stellvertreter in der Herrschaft auf Erden (Joh 10,34.35). Diese haben ausnahmslos versagt: erstens, indem sie danach trachteten, aus eigener Kraft zu herrschen, und zweitens, indem sie ihre Machtstellung nutzten, um ihre eigene Ehre zu erhöhen. So rühmte sich Nebukadnezar, das erste Oberhaupt der Nationen, der Stärke seiner Macht und der Ehre seiner Herrlichkeit zu seinem eigenen Verderben (Dan 4,27.28). So wird in der nahen Zukunft die letzte heidnische Macht, die auf ihre eigene Stärke und Herrlichkeit vertraut, dazu aufgerufen werden, den anzubeten, „der den Himmel und die Erde und Meer und Wasserquellen gemacht hat“. Trotz des Gerichts, das über die Völker hereinbrechen wird, wissen wir, dass die Menschen nicht Buße tun werden, um Gott die Ehre zu geben (Off 14,6.7; 16,9). Diese Weigerung, Gott Ehre zu geben, wird zu dem letzten erdrückenden Gericht über die lebenden Völker bei Harmagedon führen.

Verse 3-9a

Ps 29,3-9a: 3 Die Stimme des HERRN ist über den Wassern; der Gott der Herrlichkeit donnert, der HERR über großen Wassern. 4 Die Stimme des HERRN ist gewaltig, die Stimme des HERRN ist majestätisch. 5 Die Stimme des HERRN zerbricht Zedern, ja, der HERR zerbricht die Zedern des Libanon; 6 und er macht sie hüpfen wie ein Kalb, den Libanon und Sirjon wie einen jungen Wildochsen. 7 Die Stimme des HERRN sprüht Feuerflammen aus. 8 Die Stimme des HERRN erschüttert die Wüste, der HERR erschüttert die Wüste Kades. 9 Die Stimme des HERRN macht Hirschkühe kreißen und entblößt die Wälder; …

Dieses große und erdrückende Gericht am Tag des Herrn wird durch das Bild eines Sturms dargestellt, der von Norden nach Süden durch das Land Israel fegt. Es stellt uns die unaufhaltsame Macht des Herrn beim Gericht vor Augen. Wie hören die Stimme des Herrn im Brausen der Wasser und dem Donner der Wellen, während der Sturm auf die Küste trifft und in all seiner Heftigkeit über die Berge Libanon und Hermon hereinbricht und die mächtigen Zedern zerbricht. Auf den gabelig gespaltenen Blitz [Ps 29,7 in der englischen Übersetzung: „Die Stimme des Herrn zerteilt die Feuerflammen“ (Anm. d. Übers.)] folgt das Brüllen des Donners, der in die Wüste Kadesch davonrumpelt. Hinter diesen zerstörerischen Naturkräften steht die starke Macht Gottes, die die Völker in dem kommenden Sturm des Gerichts erdrücken wird. Jesaja verwendet beim Beschreiben des Gerichts, das den Tag des Herrn einleitet, ähnliche Bilder. Er spricht von den Zedern des Libanon als Stellvertreter der Großen auf Erden. Auch er sagt, dass der Herr am Tag seines Gerichts „die Erde schrecklich erschüttern“ wird (Jes 2,12.13.19) [Ausschnitt aus Vers 19 zitiert nach der englischen Übersetzung].

Vers 9b

Ps 29,9b: … und in seinem Tempel spricht alles: Herrlichkeit!

Im letzten Teil von Vers 9 werden wir über den Sturm hinaus getragen in die vollkommene Ruhe des Tempels des Herrn, um dort festzustellen, dass alles „Ehre“ und „Herrlichkeit“ ruft. Dies jedoch ist die Ehre des Herrn. In seinem Tempel wird die Herrlichkeit Gottes sichtbar gemacht.

Verse 10.11

Ps 29,10.11: 10 Der HERR thront auf der Wasserflut, und der HERR thront als König in Ewigkeit. 11 Der HERR wird Stärke geben seinem Volk, der HERR wird sein Volk segnen mit Frieden.

Die Schlussverse geben die segensreiche Folgen für diejenigen wieder, die im Tempel gewesen sind und den Herrn in heiliger Pracht angebetet haben. Sie erkennen, dass, wie auch immer die Stürme dieser Welt sein mögen, der Herr über ihnen steht. Wie groß die Macht der Mächtigen auch sein mag, der Herr ist mächtiger. Sie mögen eine Zeit lang mächtig sein; Jahwe ist ein „König in Ewigkeit“.

Derjenige, der mächtiger ist als die Mächtigen, kann seinem Volk Kraft geben und es in vollkommenem Frieden erhalten.

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Übersetzung: S. Bauer


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