Die Entrückung der Gläubigen
1. Thessalonicher 4,13-18

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 10.09.2018

Einleitung

Unter dem Volk Gottes herrscht ein ganz bestimmtes Empfinden, dass der Tag der Gnade bald zu Ende geht. Wie der Prophet können wir sagen: „Der Tag hat sich geneigt, denn die Abendschatten strecken sich!“ (Jer 6,4). Und als Christen können wir mit den Worten des Apostels noch hinzufügen: „Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe“ (Röm 13,12).

Sogar die Menschen dieser Welt haben ein vages, unbehagliches Gefühl, dass eine große Krise bevorsteht. Welche Form sie annehmen wird und wie man ihr begegnen kann, wissen sie nicht. Als Christen sind wir jedoch nicht in der Finsternis gelassen: Wir haben die Bibel in der Hand, Christus im Herzen und den Heiligen Geist, der uns leitet. Wir wissen, dass Christus kommt und dass sein Kommen sehr nahe ist. Wir erkennen in gewissem Maß die tiefe Not dieser armseligen Welt, und wir wissen, dass alle Bemühungen der Menschen, dieser Not zu begegnen, vergebens sein werden. Könige und Diktatoren, Parlamente und Komitees mögen für eine gewisse Zeit und in begrenztem Umfang regionale Not lindern, aber sie können das universelle Elend einer Welt unter Sünde und Tod nicht beseitigen. Weder Konferenzen und Organisationen noch Verträge und Pakte werden die Probleme des Juden, die Missregierung des Heiden oder die Verderbtheit der Christenheit beenden.

Es gibt nur Einen, der mit all dem Bösen fertig werden, die Nöte der Erde beenden, das Seufzen der Schöpfung zum Schweigen bringen, die Herrlichkeit Gottes aufrechterhalten und den Menschen universellen Segen bringen kann. Ob sie es wissen oder nicht: Das, was der Jude, der Heide und die Kirche Gottes brauchen, ist das Kommen Christi, so wie wir manchmal singen:

Lord, Lord Thy fair creation groans,
The air, the earth, the sea
In unison with all our hearts,
And calls aloud for Thee.
[1]

(Herr, deine Schöpfung seufzt und stöhnt –
die Erde, Luft und Meer –;
auch unsre Herzen stimmen ein:
Alles ruft laut nach Dir.)

Das Vorbild des alttestamentlichen Volkes Gottes

Der Zustand des bekennenden Volkes Gottes kann in diesen letzten Tagen unsere Herzen mit Ernst erfüllen und uns im Staub demütigen. Dieser Zustand wurde in der Geschichte der letzten Tage des alttestamentlichen Volkes Gottes vorgeschattet, denn Geschichte hat eine eigentümliche Art, sich zu wiederholen. Damals hatte Israel völlig versagt, auch der kleine Überrest, der aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war. Aber inmitten all des Verderbens gab es einige gottesfürchtige Seelen, die den Herrn fürchteten, seines Namens gedachten und sich miteinander unterredeten. Eines kennzeichnete sie vor allem: Sie erwarteten das Kommen Christi. Sie erwarteten nicht, dass die Welt sich bessern würde; sie dachten nicht daran, die Dinge in Israel in Ordnung zu bringen; sie gaben nicht vor, selbst etwas zu sein – sondern sie erwarteten die Sonne der Gerechtigkeit, die mit Heilung in ihren Flügeln aufgeht (Mal 3,20). Ihre einzige Hoffnung war das Kommen Christi. Unter ihnen war alles Schwachheit, hinter ihnen war alles Versagen, um sie herum war alles Verderben; aber vor ihnen erstreckte sich die Herrlichkeit, die durch das Kommen Christi eingeführt werden würde.

Ihre Lage ist in vielerlei Hinsicht die des heutigen Volkes Gottes. Der Jude hat seinen Messias gekreuzigt und ist über die ganze Welt zerstreut; der Heide hat in der Regierung so völlig versagt, dass die Zivilisation kurz davorsteht, in einer Flut von Begierde und Gewalt verlorenzugehen; die Kirche hat in ihrer Verantwortung als Zeuge für Christus völlig versagt; und auch diejenigen, die inmitten des Niedergangs versucht haben, den Gedanken Gottes zu entsprechen, haben völlig versagt. Das Versagen des Menschen ist vollständig und endgültig. Aber unsere einzige Hoffnung bleibt: Christus kommt; und trotz allen Versagens hinter uns und um uns her liegt die Herrlichkeit vor uns.

Das Kommen Christi: unsere große Hoffnung

Wenn das Kommen Christi die große Hoffnung ist, die in Tagen des Niedergangs eine besondere Ermutigung und Trost für uns ist, dann tun wir gut daran, die Schrift zu untersuchen; doch nicht mit dem Gedanken, ein Datum für das Kommen Christi festzulegen – das wäre ein vergebliches Unterfangen –; auch nicht, um der fleischlichen Neugier nachzugeben, in die Zukunft zu blicken; sondern mit dem Wunsch, unsere Zuneigung zu dem, der kommen wird, zu erwecken.

Zuerst wollen wir die Schriftstellen betrachten, die über zwei große Tatsachen sprechen: Der Herr Jesus kommt, um in Herrlichkeit zu herrschen; und wenn Er kommt, werden seine Heiligen mit Ihm kommen.

Danach können wir die Schriftstellen betrachten, die uns berichten, wie die Heiligen zu Christus gebracht werden, um mit Ihm zu kommen.

Das Beispiel Henochs

Wenn wir uns dem letzten Brief im Neuen Testament zuwenden, stellen wir fest, dass der Brief des Judas uns zum ersten Buch in der Bibel zurückbringt. Wir sollen erfahren, dass in weniger als siebenhundert Jahren nach der Erschaffung des Menschen die Welt abgefallen war. In den Tagen Henochs näherte sich die Welt der großen Katastrophe der Sintflut. Es gab keine Hoffnung für eine abgefallene Welt; aber angesichts des kommenden Gerichts haben wir die erste große Prophezeiung über das Kommen Christi. Henoch sagte: „Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende“ (Jud 14). Die Welt geht dem Gericht entgegen; die Heiligen werden bewahrt, um mit Christus in Herrlichkeit zu kommen.

Das Beispiel Sacharjas

Wenn wir zu dem Propheten Sacharja kommen, der am Tag des Niedergangs Israels am Ende der alttestamentlichen Geschichte wirkte, stellen wir fest: Er hatte keine Hoffnung, dass die Nation wiederhergestellt würde; doch angesichts einer weiteren großen Katastrophe wird den Heiligen wieder die Hoffnung auf das Kommen Christi in Aussicht gestellt. Der Prophet sagt: „Kommen wird der HERR, mein Gott, und alle Heiligen mit dir“ (Sach 14,5). Wieder geht die Welt dem Gericht entgegen, doch die Gläubigen werden bewahrt, um mit Christus zu kommen.

Das Beispiel der Offenbarung

Hören wir nun auf das Zeugnis des Apostels Johannes aus Offenbarung 19,11-16. Seine Prophezeiungen schließen das Zeugnis des Neuen Testamentes ab. Johannes spricht angesichts einer weiteren großen Katastrophe in der Weltgeschichte: dem völligen Zusammenbruch der Nationen und der Christenheit. Wie in den Tagen Henochs vor dem Untergang der alten Welt und wie in den Tagen Sacharjas vor dem Ende des Alten Testamentes, so ist es auch in den Tagen, die den Lauf dieser gegenwärtigen Welt abschließen werden: Es gibt keine Hoffnung; die einzige Hoffnung liegt im Kommen Christi; und wenn der „Himmel geöffnet wird“ und der „König der Könige“ hervortritt (Off 19,11.16), werden die himmlischen Heerscharen Ihm folgen. So lernen wir wieder, dass die gegenwärtige Welt dem Gericht entgegeneilt; doch die Heiligen werden bewahrt, um mit Christus zu kommen.

Wie wird Christus mit seinen Heiligen kommen?

Diese Schriftstellen (zusammen mit vielen anderen, die zitiert werden könnten) beweisen jedem, der dem Wort Gottes gehorsam ist: Der Herr Jesus wird zum zweiten Mal auf die Erde kommen – diesmal in Macht und Herrlichkeit –, und wenn Er kommt, werden seine Heiligen mit Ihm kommen. Wenn man jedoch sieht, dass vom Anfang der Geschichte bis heute Generationen von Gläubigen gestorben sind und ihr Leib ins Grab gelegt worden ist und dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt Millionen von Gläubigen auf der Erde leben, während Christus im Himmel ist, stellt sich natürlich die Frage: Wie werden die Heiligen mit Christus zusammentreffen, um mit Ihm zu kommen?

Die Thessalonicher bekommen diese Frage erklärt

Gott hat erlaubt, dass diese wichtige Frage schon sehr früh in der Geschichte der Kirche aufkam, damit wir durch den Apostel Paulus eine inspirierte Antwort erhalten. Er schrieb seinen ersten Brief an die Thessalonicher, um uns die Antwort zu geben. Im ersten Kapitel dieses Briefes wird uns gesagt, dass die Gläubigen aus Thessalonich sich „von den Götzenbildern zu Gott bekehrt hatten, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten … – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn“ (1Thes 1,9.10). Wenn Christus das zweite Mal erscheint, wird das zum Gericht über die Nationen sein, die Ihn verworfen haben; doch gleichzeitig wird sein Volk, das um seines Namens willen verfolgt wurde, vollständig befreit werden. Diese gläubigen Thessalonicher wurden inmitten ihrer Verfolgungen aufrechterhalten, indem sie zu Recht eine glorreiche Antwort auf all ihre Leiden bei der Erscheinung Christi erwarteten, wenn sie mit Ihm die Herrlichkeit seines Königreiches teilen würden.

Was ist mit den Entschlafenen?

Diese Hoffnung wird nicht enttäuscht werden; doch als die Zeit verging und das Kommen Christi sich verzögerte, „entschliefen“ einige von ihnen. Das beunruhigte die Thessalonicher, weil sie dachten, dass die Gläubigen, die gestorben waren, möglicherweise alle Segnungen und Herrlichkeiten der Herrschaft Christi versäumen würden, die jene genießen würden, die bei der Erscheinung des Herrn auf der Erde lebten. Sie hatten wahrscheinlich keine Zweifel daran, ob jene ewigen Segen erfahren oder den himmlischen Segen des Vaterhauses genießen würden, aber sie befürchteten, dass die entschlafenen Gläubigen die Herrlichkeiten des Königreiches versäumen würden. Der Apostel begegnet dieser Schwierigkeit im vierten Kapitel des Briefes. Zuerst beruhigt er sie in Bezug auf diejenigen, die ihnen genommen wurden. Er wollte nicht, „dass wir, was die Entschlafenen betrifft, unwissend sind“ (1Thes 4,13).

Die Auferstehung Christi als Vorbild

Diese Gläubigen waren unwissend, und das Ergebnis ihrer Unwissenheit war Trauer. Der Apostel möchte ihre Ungewissheit vertreiben und ihre Tränen abwischen. Und der Weg, den er geht, ist der einzig wirksame Weg, um die Wolken zu vertreiben und die Trauer zu beenden: Er präsentiert Christus. Er erinnert uns daran, dass Jesus gestorben und wieder auferstanden ist und dass sein Tod und seine Auferstehung das große Abbild derer ist, die entschlafen sind. Die Auferstehung Christi fand im Verborgenen statt; und so wird auch die Auferstehung seiner schlafenden Heiligen sein. So wie wir das eine glauben, so können wir auch das andere glauben. Die Welt wird nichts davon mitbekommen, wenn die schlafenden Gläubigen wieder auferweckt werden, damit Gott sie mit Jesus bringen kann (1Thes 4,14).

Wie wir zum Herrn gebracht werden

Doch die Frage bleibt: Wie werden diese auferstandenen Gläubigen und wie werden die dann lebenden Gläubigen zum Herrn gebracht werden, damit sie mit Ihm kommen? Diese Frage beantwortet der Apostel in den eingeschobenen Versen[2] 15 bis 18 des vierten Kapitels (1Thes 4,15-18). Der Apostel betont, wie bedeutsam dieser Abschnitt ist, indem er uns eigens daran erinnert, dass er „im Wort des Herrn“ spricht. Wir wissen, dass alle seine Briefe inspiriert sind, aber es gibt Wahrheiten, die so außerordentlich wichtig sind, dass er sie einführt, indem er daran erinnert, dass er durch besondere Offenbarung spricht. Auf diese Weise eingeführt werden: die Wahrheit des Evangeliums, die Wahrheit des Geheimnisses, das Mahl des Herrn und, in diesem Abschnitt, die Wahrheit der Entrückung der Gläubigen (Gal 1,12; 1Kor 11,23; Eph 3,3; 1Thes 4,15).

Dies ist vielleicht die einzige Schriftstelle, die uns unmittelbar sagt, wie wir aufgenommen werden, um mit dem Herrn zu sein. Bevor wir den Abschnitt im Thessalonicherbrief weiter untersuchen, möchte ich mich jedoch noch auf zwei weitere Schriftstellen beziehen, die für unser Thema sehr nützlich sind.

Wir werden verwandelt werden

Die erste Schriftstelle ist 1. Korinther 15,51-53. Das große Thema in diesem Kapitel ist die Auferstehung. Das Kommen des Herrn wird nicht erwähnt, obwohl wir aus 1. Thessalonicher 4 wissen, dass die Ereignisse, von denen diese Verse im Korintherbrief sprechen, beim Kommen des Herrn stattfinden werden. Der Apostel sagt: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis“, und dann lüftet er das Geheimnis: „Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden“ (1Kor 15,51). Dass wir mit dem Herrn kommen, war kein Geheimnis, denn wie wir gesehen haben, hatten Henoch und die Propheten über dieses große Ereignis gesprochen. Doch kein Prophet hatte je angedeutet, dass einige Gläubige niemals durch den Tod gehen würden. Dies war tatsächlich ein Geheimnis, das der Zeit des Neuen Testamentes vorbehalten war. Aber auch wenn nicht alle Gläubigen durch den Tod gehen, so werden doch alle Gläubigen verwandelt werden. Die entschlafenen Heiligen werden „unverweslich auferweckt werden“ (1Kor 15,52) und die sterblichen Körper der dann Lebenden werden „Unsterblichkeit anziehen“ (1Kor 15,54). Der Abschnitt geht jedoch nicht weiter. Wenn wir nur diese Schriftstelle hätten, würden wir weder wissen, in welches Bild wir verwandelt werden, noch, was mit uns geschehen wird, wenn wir verwandelt werden. Dies ist also der erste Schritt in dem großen Ereignis, das dazu führt, dass wir mit Christus sein werden: „Wir werden verwandelt werden“ (1Kor 15,52).

Wir erhalten einen Herrlichkeitsleib

In der zweiten Schriftstelle lesen wir in Philipper 3,20.21: „Wir erwarten den Herrn Jesus Christus als Retter aus den Himmeln, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit.“ Diese Schriftstelle wirft weiteres Licht auf dieses bedeutsame Ereignis. Der Brief an die Korinther hat uns gezeigt, dass wir umgestaltet werden. Dieser Abschnitt sagt uns nun, dass wir in das Bild Christi verwandelt werden. Wir werden nicht nur moralisch sein wie Er, sondern wir werden auch einen Leib der Herrlichkeit haben, wie Er einen Herrlichkeitsleib hat. Im Licht dieser Offenbarung können wir uns fragen: Warum diese erstaunliche Gnade? Warum werden die Leiber der Niedrigkeit von armen Sündern, wie wir waren, in einen Leib der Herrlichkeit verwandelt, wie ihn der Herr Jesus hat? Wir kennen die Antwort: Wir werden sein wie Er, damit wir das ewige Zeugnis für den Wert seiner Person und die Wirksamkeit seines Werkes sein können. Denken wir an den armen, erniedrigten Dieb am Kreuz, an den stolzen Pharisäer Saulus von Tarsus, der Christus hasste; gehen wir dann in Gedanken in den Himmel – und dann sehen wir, dass diese Menschen an dem kommenden Tag verherrlichte Heilige sein werden. Dann werden wir die erstaunliche Wirksamkeit des Werkes Christi erkennen, das jede Spur von Sünde beseitigt und diese Menschen passend macht, damit sie in das Bild Christi verwandelt werden. Und was für diese Menschen gilt, wird für alle Heiligen in dieser unermesslichen Szene der Herrlichkeit gelten. Wenn wir nach seinem Bild sind, dann wird das „nach dem Reichtum seiner Gnade“ und „zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade“ sein (Eph 1,6.7).

Wir werden bei Ihm sein

Wir lernen also aus dem Philipperbrief, dass wir in das Bild Christi verwandelt werden, aber dieser Abschnitt sagt nicht, was mit uns geschehen wird, wenn wir verwandelt werden. Für diese weiterführende Wahrheit müssen wir zum vierten Kapitel des ersten Briefes an die Thessalonicher zurückkehren. Dort lesen wir, dass „der Herr selbst vom Himmel herabkommen“ wird (1Thes 4,16). Hier wird angedeutet, dass der Herr zu uns kommen wird. Die Sprache ist klar und eindeutig. Es wird nicht einfach gesagt, dass der Herr herabkommen wird, sondern dass der Herr selbst herabkommen wird. Das stimmt mit den Worten des Herrn überein, die Er selbst an seine Jünger richtet: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen“ (Joh 14,3). Er wird nicht von dem großen Heer seiner heiligen Engel begleitet werden, wie wenn Er auf die Erde kommt. Er wird allein kommen, um seinen Heiligen zu begegnen. In dem schönen Vorbild von Isaak und Rebekka geht Isaak am Abend allein aus, um seiner Braut zu begegnen, als sie von ihrer Reise durch die Wüste ankommt.

Dann wollen wir noch beachten, dass es kein Herabkommen zur Erde ist, wie wenn Er erscheint, um zu herrschen, und seine Füße wieder auf dem Ölberg stehen. Es heißt hier tatsächlich, dass Er herabsteigen wird, aber es wird sehr genau gesagt, dass es ein Herabkommen vom Himmel ist, nicht ein Herabkommen zur Erde.

Der Herr Jesus holt uns persönlich

Außerdem erfahren wir, dass es im Moment seines Kommens eine dreifache Aufforderung gibt: den Ruf zum Versammeln, die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes. Aus 1. Korinther 15 wissen wir, dass die Posaune Gottes die schlafenden Heiligen aufweckt. Die Stimme des Erzengels bedeutet nicht, dass der Erzengel anwesend ist oder spricht, wie unsere Übersetzung vermuten lässt. Richtig muss übersetzt werden: „mit einem gebietenden Zuruf, mit Erzengels Stimme und mit Posaune Gottes“ (1Thes 4,16). Vor „Erzengel“ und „Posaune“ steht [im griechischen Grundtext] kein Artikel[3]; es ist einfach kennzeichnend, wesenseigen für die Stimme des Herrn. Er spricht auf diese Weise – mit Erzengels Stimme –, und vielleicht verwandelt gerade diese Stimme die lebenden Heiligen, während die Posaune Gottes die Toten auferweckt. Dann versammelt Er mit einem Versammlungsruf beide Klassen von Heiligen und ruft sie zu sich.

Er entrückt alle Heiligen

Nachdem Er seine Heiligen versammelt hat, werden wir zusammen entrückt werden. Wie wunderbar zu wissen: In diesem glücklichen Augenblick, der so bald kommen wird, werden all die Dinge verschwinden, die die Gläubigen getrennt haben, und die demütigenden Spaltungen, die die Kirche Gottes zerrissen und das Volk Gottes zerstreut haben, werden für immer vorbei sein. Es scheint, dass sein Volk für einen kurzen Augenblick gerade in der Szene des Versagens endlich zusammen sein wird. Denn wir werden nicht in kleinen Gesellschaften oder Gruppen von Heiligen aufgenommen werden. Es wird keine Teilentrückung geben, bei der Gläubige getrennt von anderen Gläubigen entrückt würden, so wie es einige heute fälschlicherweise lehren, denn das Wort lautet: „Wir … werden zugleich mit ihnen entrückt werden“ (1Thes 4,17).

Außerdem erfahren wir, dass die Begegnung in der Luft stattfinden wird, und es endet damit, dass  „wir allezeit bei dem Herrn sein werden“. Es ist der Herr, der uns zusammenbringt, und der Herr, der uns zusammenhält, damit wir nie mehr voneinander und nie mehr vom Herrn getrennt sind. Der Apostel sagt: „So ermuntert nun einander mit diesen Worten“ (1Thes 4,18).

Hier haben wir also das Geheimnis seines Kommens, die geheime Entrückung der Heiligen, wodurch sie von der Erde genommen werden, um Christus in der Luft zu begegnen, damit sie bei Ihm sein können, wenn Er kommt.

Wir werden im Vaterhaus sein

Doch dieser großartige Abschnitt geht nicht über die Begegnung in der Luft hinaus. Er schweigt darüber, was nach dieser wundersamen Begegnung geschieht. In Johannes 14,1-3 hören wir von einer weiteren Etappe auf unserer Reise zur Herrlichkeit des Königreiches. Hier sagt uns der Herr, dass Er hingegangen ist, um uns eine Stätte im Haus des Vaters zu bereiten, und dass Er uns zu sich zu nehmen wird, wenn Er wiederkommt. Diese Begegnung wird in der Luft stattfinden, wie wir aus 1. Thessalonicher 4 wissen. Nachdem Er uns zu sich genommen hat, wird Er uns in das Haus des Vaters führen, „damit“, wie Er sagt, „wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,3). Er führt uns auf dem Weg des Lebens, den Er selbst gegangen ist und der für alle Ewigkeit zu einer Fülle von Freude und Wonne im Haus des Vaters führt.

Christus wird seine Herrschaft antreten

Der letzte Schritt auf dem Weg zur Herrlichkeit wird sein, dass Christus kommt, um seine Herrschaft anzutreten. Bei seinem ersten Kommen kam Er in Niedrigkeit und Schwachheit. Bei seinem zweiten Kommen wird sich der Himmel öffnen und Er wird als König der Könige und Herr der Herren hervortreten. Seine mächtigen Engel werden Ihn begleiten, die himmlischen Heerscharen werden Ihm folgen, und Henochs Prophezeiung wird sich erfüllen: „Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende“ (Jud 14).

Schluss

Das sind die Etappen auf unserem Weg zur Herrlichkeit: Zuerst begegnen wir dem Herrn in der Luft; dann gehen wir in die Freuden des Hauses des Vaters ein; schließlich kommen wir mit Christus heraus, um sein Reich und seinen Thron zu teilen.

Das also ist die gesegnete Hoffnung, die vor uns liegt: die Freude über die Gegenwart des Herrn, die Fülle des Hauses des Vaters und die Herrlichkeit des ewigen Reiches.

Wir könnten noch hinzufügen, dass in der Ewigkeit hernach im neuen Himmel und auf der neuen Erde der ewige Zustand ist, wo „Gott alles in allem“ sein wird (1Kor 15,28).

Wenn wir nun diese kommenden Herrlichkeiten erwarten, können wir wahrhaftig sagen: „Welche solltet ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit! – indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes“ (2Pet 3,11.12).

 

Anmerkungen

[1] Anm. d. Red.: Aus dem Lied „Light of the Lonely Pilgrim’s Heart“ von Sir Edward Denny (1796–1889).

[2] Anm. d. Red.: In der Elberfelder Übersetzung (Hückeswagen) stehen diese Verse in einer Klammer.

[3] Anm. d. Red.: In der Elberfelder Übersetzung (Hückeswagen) stehen die Artikel vor „Stimme“ und „Posaune“ in kleiner Schrift. Die Herausgeber erklären dazu im Vorwort: „Kleindruck bedeutet, dass … [der Artikel] im Grundtext nicht vorhanden sind, aber aus sprachlichen Gründen im deutschen Text hinzugefügt wurde.“


Originaltitel: „The Rapture“
Auszug aus Scripture Truth, Jg. 42, 1965–7, S. 49–54
Quelle: www.stempublishing.com

Übersetzung: Stephan Isenberg


Hinweis der Redaktion:

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