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Leitverse: 1. Korinther 11,5.10
1Kor 11,5.10: Jede Frau aber, die betet oder weissagt mit unbedecktem Haupte, entehrt
ihr Haupt; denn es ist ein und dasselbe, wie wenn sie geschoren wäre. ... Wenn es
aber für eine Frau schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten oder
sie geschoren werde, so lass sie sich bedecken. Darum soll die Frau eine Macht
auf dem Haupte haben, um der Engel willen ... Urteilet bei euch selbst: Ist es
anständig, dass eine Frau unbedeckt zu Gott bete?
Inhalt
Einleitung An wen ist dieser Brief gerichtet? Hat das Kopftuch nur kulturelle Hintergründe? Exkurs: Die Einbettung dieses Themas in die allgemeine Schöpfungsordnung Pro und Contra A) Die Kopfbedeckung der Frau außerhalb der Gemeinde B) Die Kopfbedeckung der Frau in den Gemeindestunden Kontra Kopfbedeckung in der Gemeinde Pro Kopfbedeckung in der Gemeinde Weitere Pro-Kopfbedeckungs-Argumente in der Gemeinde C) Die Kopfbedeckung der Frau beim persönlichen Gebet Schluss
Was sagst du? Die Frau soll ihren Kopf bedecken? In welcher Zeit lebst
du
eigentlich? Sind wir hier etwa bei den Muslimen? So oder ähnlich kann man es
hören, wenn man das Thema Kopfbedeckung der Frau aus christlicher Sicht
anschneidet. Es ist daher nicht leicht, in einer Zeit wie heute über solch ein
Thema einen Artikel zu verfassen. Aber sollten wir schweigen, wenn die Bibel
darüber redet? Sollten wir besser dieses Thema umgehen? Muss man zu allem und
jedem Stellung beziehen? Aber immer wieder wird diese Frage unter Christen
diskutiert. Und wir meinen nicht zu Unrecht. Schließlich läuft eine Frau Gefahr,
durch ein falsches Verhalten in dieser Sache ihr Haupt zu entehren (V. 5),
etwas zu tun, was in Gottes Augen und vor den Engeln schändlich
(V. 10)
und unanständig (V. 10) ist. Deshalb wollen wir doch einige Zeilen zu
diesem Thema schreiben.
Unmöglich können wir an dieser Stelle auf jede Argumentation eingehen, die im
Laufe der Kirchengeschichte vorgebracht wurde. Dennoch wird der Leser merken, dass wir so manche vorgebrachten Überzeugungen für haltlos, hinterfragbar oder
auch überdenkbar halten. Dieser Artikel soll allerdings kein neues Gebot
einführen, sondern zum Nachdenken über ein nicht unwichtiges Thema anregen.
Um den Geltungsbereich dieses Themas zu verstehen, müssen wir uns darüber
unterhalten, an wen dieser erste Brief an die Korinther geschrieben wurde. Die
Beantwortung dieser Frage wird uns bereits zeigen, dass der Gedanke, diese
Botschaft gelte nur den Korinthern, haltlos ist. Bereits in den ersten zwei Versen
des 1. Korintherbriefes heißt es:
1Kor 1,1-2: Paulus, berufener Apostel Jesu Christi durch Gottes
Willen, und Sosthenes, der Bruder, der Versammlung Gottes, die in Korinth ist,
den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an
jedem Orte den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, sowohl
ihres als unseres Herrn.
Dass die Botschaft des 1. Korintherbriefes nicht allein an Korinth gerichtet
war, erkennen wir auch aus vielen anderen Stellen dieses Briefes z.B. 4,17;
7,17; 14,33.37; 16,1. Es ist schon interessant zu sehen, dass diese Beweislast
in keinem Brief so stark ist als gerade in jenem Brief, der in der
Kirchengeschichte so sehr angefochten wurde — nicht allein wegen der Stelle in
1. Korinther 11, wo es um die Kopfbedeckung geht, sondern z.B. auch wegen der
Stellen in 1. Korinther 14,34-37, wo es um das Schweigegebot für Frauen in der
Gemeinde geht.
Der Brief ist also nicht nur für griechische Zeitgenossen, sondern für alle
Christen, die sich auf die Bibel als alleinige Quelle von Mitteilungen
göttlicher Offenbarungen stützen. Aber, sagst du, die Kopfbedeckung war nur für
die damalige Kultur gedacht. Wie wir eben gesehen haben, gelten die Anweisungen
des ersten Korintherbriefes für alle Orte, wo man den Namen des Herrn anruft.
Und schon damals gab es Versammlungen in völlig unterschiedlichen Kulturkreisen.
Somit ist es völlig unsinnig, hier an Anweisungen für eine ganz bestimmte Kultur
in Korinth oder Griechenland zu denken. Bedenkt man zudem, dass Paulus in Vers 10
schreibt: "Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben, um der Engel
willen", dann wird es noch deutlicher, denn es heißt "um der Engel willen".
Sollten Engel denn kulturabhängige Wesen sein?
Sollte die Frage der Kopfbedeckung wirklich kulturabhängig gewesen sein, wer
gibt uns dann die Garantie, dass nicht viele Dinge in diesem Brief und überhaupt
in der Bibel auch lediglich kulturabhängig sind? Warum war es noch bis in die
Anfänge des 20. Jahrhunderts völlig selbstverständlich, dass eine Frau ihren Kopf
im Gottesdienst bedeckte? Mal bewusst ganz extrem gefragt: War der Weg zur
Erlösung vielleicht auch nur kulturabhängig und können wir heute das Heil auch
auf einem anderen Wege erlangen? Im gleichen Brief warnt der Apostel Paulus vor
vielen Dingen: vor dem Götzendienst, vor der Gleichgültigkeit gegenüber
moralisch bösen Menschen, vor dem Missbrauch der Gaben usw. Waren diese Dinge nun
wirklich nur für die korinthischen Ohren gedacht? Waren diese Dinge nur
kulturabhängig und sind sie für uns heute nicht mehr relevant? Sicher ist der
Götzendienst heute in der Regel ein anderer als damals, sicher ist das moralisch
Böse heute oftmals anderer Art als damals, und sicher sollte sich die Frau auch
in ihrem ganzen Leben fragen, wo sie eventuell ihre Position als Frau verlässt
und die des Mannes einnimmt (oder umgekehrt!). Aber der gleiche Götzendienst würde auch heute noch
verwerflich sein, das gleiche moralisch Böse würde heute genauso böse sein.
Würde Paulus, wenn er heute diesen Brief zu schreiben hätte, wirklich auf diesen
Abschnitt in 1. Korinther 11 verzichten? Bestimmt nicht!
Warum haben wir keine Probleme mit den allermeisten Äußerungen und
Ermahnungen des Apostels Paulus in diesem Brief, nur bei dem Thema 'Kopfbedeckung'
und 'Schweigen der Frauen in der Gemeinde' fangen wir an zu zweifeln? Müssen wir
uns nicht ehrlich eingestehen, dass diese Dinge [Kopfbedeckung und das
Schweigegebot für Frauen] einfach völlig unzeitgemäß sind und wir innerlich
dagegen widerstreben? Vielen fällt es nicht leicht, diese Prinzipien in einer
Zeit wie heute zu praktizieren, wo die Kultur dem völlig entgegengesetzt ist.
Wollen wir nicht einfach versuchen, ehrlich zu unserem Gott zu gehen und Ihm
sagen: "Herr, unser Gott, du siehst unsere Zeit, in der wir leben. Es war für
unsere Vorfahren viel einfacher, diese Dinge zu praktizieren, weil früher alle
Frauen mit Kopfbedeckung in die Kirche gingen, aber heute, Herr, werden wir
komisch angesehen und wir werden gleich als Muslime kategorisiert. Herr, bitte
hilf uns, dein Wort auch heute noch ernst zu nehmen. Bitte hilf uns, wenn wir oft
in diesen Punkten Angst haben, wirklich dem biblischen Muster zu entsprechen."
Wäre solch ein Gebet nicht aufrichtiger, als die ganzen theologischen Versuche,
die wir Gott anbieten, nur damit wir unsere Gewissen beruhigen?
Hier möchten wir einen Auszug aus einer Betrachtung von F.B. Hole zitieren,
da wir es für sehr wichtig halten, zu verstehen, dass es sich nicht um irgendein
nebensächliches Detail handelt, sondern um die Darstellung der Schöpfungsordnung
Gottes.
Der neue Abschnitt beginnt mit Vers 2, der in direktem Gegensatz zu Vers 17
steht. ... hier gab es etwas, worüber die Korinther unwissend waren. Anscheinend
hatten sie die Überlieferungen beachtet, die ihnen über das Verhalten von
Männern und Frauen in Verbindung mit Gebet und Weissagung gegeben worden waren,
ohne die Wahrheit zu verstehen, die diesen Weisungen zugrunde lag. Dass der Mann
diese geistlichen Tätigkeiten mit unbedecktem Haupt verrichten sollte und die
Frau mit bedecktem Haupt, war nicht etwa ein launenhafter Einfall oder eine
willkürliche Anordnung. Es stand im Gegenteil in Einklang mit der göttlichen
Ordnung, die in Verbindung mit Christus errichtet ist. Vers 3 erwähnt drei
Beziehungen, in denen das jeweilige Haupt eine Führungsfunktion hat.
Die höchste von ihnen beruht darauf, dass der Herr Jesus, als Er Mensch wurde, um
den Dienst des Mittlers antreten zu können, den Platz der Unterwürfigkeit
einnahm. Jesaja hatte von dem kommenden Knecht des HERRN geweissagt, dass Er das
Ohr eines Belehrten haben und nie von der göttlichen Weisung abweichen würde.
Also würde der HERR Sein Haupt und Sein Leiter in allen Dingen sein. Dies war in
Christus vollkommen erfüllt, und die Tatsache, dass Er jetzt auferstanden und
verherrlicht ist, hat Seine Stellung nicht verändert. Er ist noch immer der
Diener des Willens Gottes (obwohl Er niemals geringer ist als Gott Selbst), und
in Ewigkeit wird das Wohlgefallen des HERRN in Seiner Hand gedeihen. In dieser
Hinsicht ist Gott das Haupt des Christus.
Aber dann ist Christus das Haupt des Mannes, als von der Frau unterschieden.
Eine gewisse Ordnung wurde bereits in der Schöpfung errichtet, weil "Adam zuerst
gebildet wurde, danach Eva". Auf diese Ordnung wird auch in den Versen 8 und 9
dieses Kapitels hingewiesen. Sie teilte mit ihm seinen Platz und seine Würde,
doch selbst in den Tagen der Unschuld war die Führung Adam übertragen. Die Sünde
hat diese Führerschaft nicht verändert und die in Christus erschienene Gnade
Gottes auch nicht. So ist Christus das Haupt des Mannes, und zwar jedes Mannes.
Und das Haupt der Frau ist der Mann.
Jedes Glied des menschlichen Körpers wird vom Haupt aus gesteuert. Das Bild ist
darum sehr einfach und ausdrucksvoll. Es ist eine Frage der Führung. Die Frau
soll sie vom Mann annehmen.
Der Mann soll die Führung von Christus annehmen. Und Christus nimmt die Führung
von Gott an, und Er tut das in vollkommener Weise. Bei allen anderen geschieht
das sehr unvollkommen. Der größte Teil der Menschheit erkennt Christus überhaupt
nicht an, und in der gegenwärtigen Zeit ist viel Aufruhr in der Frauenwelt gegen
die Leitung und Führerschaft der Männer, und das —
bezeichnend genug — besonders
in der Christenheit. Doch keine dieser Erscheinungen verändert das göttliche
Ideal und die göttliche Ordnung.
Wenn nun irgendein Gläubiger, Mann oder Frau, mit Gott und Seinen Dingen zu tun
hat, sei es beim Beten (das heißt, wenn er sich an Ihn wendet) oder im Weissagen
(das heißt, wenn er Worte von Ihm ausspricht), dann sind diese Weisungen
hinsichtlich des unbedeckten oder bedeckten Hauptes zu beachten als Zeichen
dafür, dass Gottes Ordnung anerkannt und befolgt wird. Die Verse 14 und 15 zeigen
ferner, dass in Verbindung damit der Mann kurzes und die Frau langes Haar trägt
(F.B. Hole, Grundzüge des Neuen Testaments, Band 3, S. 149-151).
Nun aber zu den eigentlichen Argumenten für bzw. gegen die Kopfbedeckung.
Diese Argumentation müssen wir in zwei Kategorien einteilen.
A) Die Kopfbedeckung der Frau beim öffentlichen Beten außerhalb der Gemeinde
B) Die Kopfbedeckung der Frau in den Gemeindestunden
C) die Kopfbedeckung der Frau bei dem persönlichen Gebet
Schon bei diesem ersten Punkt stellt sich die Frage: Wie müssen wir den
Abschnitt über die Kopfbedeckung in 1. Korinther 11 verstehen? Schreibt Paulus
hier allein im Hinblick auf die Gemeindestunden oder galt das, was er schreibt,
auch für das normale tagtägliche Leben einer christlichen Frau? Wenn wir sagen,
dies galt nur für die Gemeindestunden — schließlich geht es in 1. Korinther 10 um
die Bedeutung der Zusammenkunft zum Brotbrechen und der weitere Verlauf des
Kapitels 11 handelt von den Zusammenkünften als Gemeinde und auch die Kapitel 12
und 14 haben die Gemeindezusammenkunft im Blick —, dann stellt sich die Frage,
warum der Apostel Paulus schreibt: "Jede Frau aber, die betet oder weissagt mit
unbedecktem Haupt, entehrt ihr Haupt" (V. 5). Heißt es nicht in Kapitel
14,34, die Frauen sollen schweigen in der Gemeinde? Hier heißt es aber: "...
jede
Frau aber, die ... weissagt." — Die Schlussfolgerung liegt zumindest sehr nahe und
eigentlich auf der Hand, dass der Apostel Paulus hier nicht direkt von den
Gemeindezusammenkünften spricht. Denn weissagen kann sie nach 1. Korinther 14 in der
Gemeindestunde nicht. Aber auch Kapitel 10,23-33 — der vorhergehende Abschnitt
— ist schon nicht auf Gemeindestunden bezogen, sondern allgemeingültig, und in dem
folgenden Abschnitt ab Kapitel 11,17 kommt der Apostel explizit darauf zu
sprechen: "... wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt." Ob die Frage der Kopfbedeckung
überhaupt etwas mit der Gemeinde zu tun hat, werden wir unter Punkt B) versuchen
zu klären. Jedenfalls meinen wir, dass man aus dem Vers 5 zwingend schließen
muss, dass Paulus hier nicht ausschließlich von den sogenannten Zusammenkünften als
Gemeinde spricht.
Manchmal kann man das Argument hören, dass die Frau in der Gemeinde nicht
lehren sollte, aber beten und weissagen sei erlaubt. Wir zweifeln aber
ernsthaft an dieser Auslegung. Denn wenn man sich 1. Korinther 14,34 genauer
ansieht, bleibt dort eigentlich kein Raum für die Möglichkeit, dass eine Frau in
der Gemeinde beten oder weissagen kann. Interessant ist hier auch, dass es in 1.
Timotheus 2,1 heißt, dass die Männer an jedem Ort beten sollten. Weiter
können wir hier jedoch auf diese Problematik nicht eingehen. Das haben wir auch
an anderer Stelle bereits ausführlich getan [siehe Das Schweige-Gebot der
Frauen].
In jedem Fall bezieht sich Vers 5 mindestens auf Veranstaltungen außerhalb
der Gemeinde z.B. in seelsorgerlichen Gesprächen, in Kinderstunden, bei
Frauentreffen, wenn die Mutter mit den Kindern betet, usw. Die Frau sollte
immer dort, wo sie die Stellung eines Mannes einnimmt und betet oder weissagt,
ihr Haupt bedecken. Damit zeigt sie vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt,
bzw. Engelwelt, dass sie ihre von Gott gegebene Position wertschätzt und damit
zufrieden ist. Das gilt natürlich besonders dann, wenn Männer anwesend sind.
Natürlich wissen wir, wie schwer es ist, dies in der Praxis umzusetzen. Wir
haben selbst Frauen, die nicht weniger Schwierigkeiten mit diesen Dingen haben.
Doch gebt diese Frage nicht auf, macht nicht zu schnell einen Haken dahinter,
sondern versucht immer wieder, auch in dieser Frage nach dem Willen des Herrn zu
fragen und um Kraft zu bitten, ihn dann auch zu tun. Aber so wie die Männer
aufgefordert sind, an jedem Ort zu beten — und viele Männer sind dieser Aufgabe noch
nicht nachgekommen —, so wäre es aber fatal, wenn diese Männer für sich ein
für alle Mal beschließen würden, ihrer Aufgabe grundsätzlich nicht nachzukommen.
So solltet auch ihr, liebe Schwestern, euch nicht grundsätzlich vor diesen
Gedanken verschließen. Sprecht es doch einfach einmal offen an, wenn ihr
Frauenkreis oder dergleichen habt und ihr fürchtet, dass ihr komisch angesehen
werdet, wenn ihr auf einmal beim Beten den Kopf bedeckt oder beim Weissagen, d.h. wenn man von Gott etwas zu den Menschen sagt. Oft hat man auch ganz
unbegründet Angst. Also, wir wollen nicht entmutigen, wir wollen euch Mut
machen.
Wie bereits erwähnt, müssen wir die Frage stellen, ob die Verse 5 und 10 auf
die Gemeindestunden zutreffen. Was uns recht sicher erscheint, ist, dass wir
diesen Abschnitt nicht auf Gemeindestunden beschränken können. Allerdings könnte
eine Frau argumentieren, dass sich das Beten und Weissagen auf hörbare Äußerungen
beziehen müsse. Wie will man auch im Geiste oder in der Stille weissagen? Das
mag mit dem Beten funktionieren, aber mit dem Weissagen wird es doch sehr
schwierig.
Weiter wird gegen die Kopfbedeckung im Gottesdienst noch das kulturelle
Argument gebracht, welches wir aber weiter oben bereits widerlegt haben.
Leider stellt man jedoch in der Praxis oft fest, dass solche, die gegen eine
Kopfbedeckung im Gottesdienst sind, dies nicht aus biblischer Überzeugung sind,
sondern weil dies einfach nicht mehr zeitgemäß erscheint. Diese Gefahr ist
natürlich in vielen Bereichen unseres christlichen Lebens sehr groß, und, ob Mann
oder Frau, wir müssen uns wohl fragen, inwieweit wir uns durch den Zeitgeist
statt durch den Geist Gottes leiten lassen.
Drei Argumente sind gegen dieses "Kontra Kopfbedeckung in der Gemeinde"
angeführt worden:
- dass eine Schwester doch hoffentlich in der Gemeindestunde im Stillen
betet,
- dass sie dadurch, dass sie die Lieder mitsingt, die oft Gebets-Charakter
haben, doch auch betet,
- dass, wenn ein Bruder ein Gebet laut ausspricht, er dies tut als Mund der
Versammlung und sie dadurch mitbetet.
Anmerkungen zu diesen Pro-Argumenten von der Kontra-Seite
-
Gegen Punkt 1 kann kann man
anführen, dass eine Schwester doch sicherlich auch bei ihrer täglichen Arbeit
öfter im Stillen betet und sie dann doch auch
dort — also sicherheitshalber immer — eine Kopfbedeckung tragen müsse. Wer
also Punkt 1 vertritt, müsse, um konsequent zu sein, den ganzen Tag eine
Kopfbedeckung tragen. Das kann jedoch u.E. nicht nach den Gedanken Gottes
sein, weil der Apostel Paulus dann nicht die Einschränkung gegeben hätte
"wenn
sie betet oder weissagt". Diese Bemerkung wäre überflüssig gewesen, wenn die
Frauen sowieso den ganzen Tag das Haupt bedecken müssten. Andererseits wissen
wir, dass unser Herr ständig in Gemeinschaft mit Seinem Gott und Vater war, und
doch lesen wir von speziellen Zeiten, wo Er im Gebet war — wie wir zum
Beispiel auch von Daniel lesen, dass er dreimal des Tages betete. Wir müssen
hier also auch aufpassen, dass wir nicht in die Falle geraten, ein Argument
bewusst ad absurdum zu führen.
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Gegen Punkt 2 kann man anführen,
dass das Singen von Liedern doch sonst in
der Schrift auch vom Gebet getrennt besprochen wird.
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Gegen Punkt 3 kann man anführen,
dass wir es nicht deutlich in der Schrift
finden, dass wenn ein Bruder betet, er dies grundsätzlich als Mund der
Versammlung tut. Allerdings finden wir ein Beispiel in der Schrift, dass das
mindestens so sein kann. So finden wir in der Apostelgeschichte den
Hinweis, dass von der Versammlung ein anhaltendes Gebet zu Gott emporstieg. Das
deutet sicher daraufhin, dass derartige Gebete in der Versammlung gefunden
werden. Aber es ist natürlich kein Beweis, dass das immer bei jedem Gebet eines
Bruders so sein muss. Auch die Gedanken über den Priesterdienst der Gläubigen
bringen uns dazu, einen Repräsentations-Charakter in vielen Diensten/Gebeten
der Brüder in den Gemeindestunden zu erkennen. Wir geben allerdings zu, dass
wir uns hier ganz deutlich auf dem Gebiet von Schlussfolgerungen bewegen.
Dennoch gibt es weitere Argumente, die auch
für die Kopfbedeckung der Frau
in der Gemeinde sprechen.
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Zum einen heißt es in Vers 10: "...
darum soll eine Frau
eine Macht auf dem Haupte haben, um der Engel willen." In Verbindung mit der
Belehrung des Epheserbriefes, dass die Engel in der Gemeinde die mannigfache
Weisheit Gottes sehen, sollten sie dann auch besonders, wenn man als Gemeinde
zusammenkommt, sehen können, wie die Frauen durch das Tragen einer
Kopfbedeckung ihrer Zustimmung zur Schöpfungsordnung Gottes Ausdruck geben.
Wenn auch die Existenz der Gemeinde unabhängig von dem Zusammenkommen ist, so
gilt es doch zu bedenken, dass der Charakter der Gemeinde besonders dann
deutlich wird, wenn man auch als Gemeinde zusammenkommt. Der Gedanke, dass die
Schwestern dann ein besonderes Zeichen für die Engel haben sollten, passt
sicherlich in diesen geistlichen Zusammenhang.
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Ein weiterer Gedanke in diesem
Zusammenhang ist der, dass es sich beim
Beten und Weissagen um die zwei Eckpunkte der christlichen Tätigkeit handelt.
Beim Beten wenden wir uns zu Gott hin und beim Weissagen wenden wir uns von
Gott zu den Menschen hin. Somit ist der Gedanke nicht von der Hand zu weisen,
dass alle die Handlungen, die irgendwo dazwischen liegen, dann sicher auch
mit eingeschlossen sind. Dazu würde dann auch der Besuch der Zusammenkünfte,
das Brotbrechen, das Singen geistlicher Lieder usw. gehören.
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Ein weiteres Argument könnte sein,
dass das Haupt des Mannes schließlich
Christus ist (V. 3), weswegen der Mann sein Haupt nicht
bedecken sollte [übrigens im Gegensatz zu den Juden, wo die
Männer bei religiösen Verpflichtungen stets eine Kopfbedeckung tragen mussten,
was wohl daran lag, dass Christus noch nicht offenbart war!], und dass das Haupt der
Frau der Mann ist. Doch sollte eben in der
Gemeinde, wo Christus ja das Haupt ist, nicht das Haupt der Frau, also der
Mann, gesehen werden, deshalb die Schlussfolgerung "so lass sie sich bedecken".
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Auch — an das vorige Argument anknüpfend
— ist die Frau des Mannes
Herrlichkeit (V. 7), und es soll in der Gemeinde eben nicht des Mannes
Herrlichkeit gesehen werden, sondern allein die Herrlichkeit des Herrn Jesus.
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Auch werden die langen Haare der Frau ihre
"Ehre" genannt (V. 15). Hier
wird für "Ehre" das gleiche griechische Wort benutzt wie weiter oben für
"Herrlichkeit". Also könnte man auch sagen, dass die langen Haare
die "Herrlichkeit" der Frau ist. So könnte man auch hier argumentieren, es sollte in der
Gemeinde nicht die Herrlichkeit der Frau gesehen werden, sondern allein die
"Herrlichkeit" des Herrn. Ihm allein gebührt alle "Ehre".
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Die Frau ist zudem stets das Bild der Gemeinde. Der Herr Jesus hat die
Gemeinde geliebt und Sich Selbst für sie hingegeben, lesen wir in Epheser 5.
Dort heißt es, dass der Mann seine Frau lieben sollte wie Christus die
Gemeinde. Es ist also deutlich, dass die Frau ein Bild der Gemeinde darstellt.
Und weil die Gemeinde stets ihre Unterwürfigkeit gegenüber ihrem Haupt
deutlich machen sollte, so schlagen manche vor, zeigt die Frau auch — besonders wenn wir als Gemeinde zusammenkommen
— ihre Unterwürfigkeit, indem
sie ihr Haupt bedeckt.
Diese Argumente sind natürlich in erster Linie Schlussfolgerungen, und das
müssen wir einfach fairerweise dazu sagen. Nach unserem Dafürhalten sind diese
Schlussfolgerungen jedoch alle völlig harmonisch mit anderen Bibelstellen und
sind sicherlich eher zur Ehre des Herrn als zu Seiner Unehre.
Eines steht jedenfalls fest: Wenn die Frau sich in der Gemeinde bedeckt, kann
sie nichts falsch machen und steht auf der sicheren Seite, den Herrn nicht zu
betrüben.
Auch die Argumentation, dass sich Ungläubige eventuell abgestoßen fühlen
könnten, wird durch manche Erweckungsbewegungen widerlegt, wo Menschen
reihenweise zum Glauben kamen, obwohl man in diesen Gemeinden an der
Kopfbedeckung der Frau festhielt (und das auch in unser Zeit!).
Manche Ausleger glauben, dass es sich in diesem Abschnitt nur um öffentliches
Beten handelt und dass diese Vorschrift keine Anwendung findet, wenn eine Frau
ganz allein persönlich vor ihrem Gott steht und betet. Hauptargumente dafür
sind, dass erstens das Weissagen eigentlich nur öffentlich geschehen kann und dass
es zweitens dem Apostel Paulus darum ging, jene Begebenheiten anzusprechen, wo die Frau
die Stellung des Mannes einnimmt (wo sie also öffentlich betet oder weissagt,
was in erster Linie die Aufgabe des Mannes ist — siehe 1. Timotheus 2,8). Und das ist
ja im persönlichen Gebet ausgeschlossen.
Andere halten das für eine nicht beweisbare und nicht akzeptable
Einschränkung. Auch solche, die im Beten und Weissagen der Frau, wie oben
bereits erwähnt, die Eckpunkte unserer christlichen Tätigkeit sehen, glauben,
dass die Frau sich bei jeglichem Beten oder Weissagen — persönlich oder
öffentlich — bedecken sollte.
Unser Wunsch war es, einige Punkte, die uns in diesem Zusammenhang wichtig
waren, einmal vorzustellen. Jede gläubige Frau sollte ernstlich vor dem Herrn
erwägen, wie sie den eingangs zitierten Versen aus 1. Korinther 11 am besten gerecht
wird. Dazu sollten die oben untersuchten Argumente eine Hilfestellung bieten.
Unser Ziel ist es nicht, Forderungen zu stellen oder Gesetze anzuordnen, die wir
nicht eindeutig aus der Schrift erkennen können. Dennoch halten wir jede
Leichtfertigkeit in dieser Frage, die die Schöpfungsordnung Gottes berührt, für
fahrlässig und wollen Mut machen, den Gedanken Gottes zu entsprechen, anstatt
dieses Thema mit wenigen und unseres Erachtens eher fragwürdigen Argumenten vom
Tisch zu fegen.
Es ist noch zu bedenken, dass es in der ganzen Kirchengeschichte bis zum 20.
Jahrhundert hierüber anscheinend überhaupt keine Frage gab, dass sich eine
christliche Frau in der Gemeinde bedeckte. Noch heute sieht man ältere Frauen
zur Kirche gehen und den Hut nicht an der Garderobe abgeben. Die älteren
Männer hingegen geben ihren Hut an der Garderobe ab — die jüngere männliche
Generation lässt die in Mode gekommenen Schlägerkappen beim Beten oftmals auf.
Diese Eigenart sollte auch einmal in paralleler Weise überdacht werden, wo es
doch heißt, dass der Mann sein Haupt beim Beten nicht bedecken sollte.
Wir
wünschen uns und jedem Leser, dass er sich durch Gottes Geist und nicht durch den
Zeitgeist in diesen Fragen leiten lässt.
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