Sollten Christen den Sabbat halten?
1. Mose 2,2; 2. Mose 31,12-17; Hesekiel 20,12.20; 2. Mose 16,29; 35,2

Elmo Clair Hadley

© SoundWords, online seit: 12.03.2005, aktualisiert: 08.03.2018

Leitverse: 1. Mose 2,2; 2. Mose 31,12-17; Hesekiel 20,12.20; 2. Mose 16,29; 35,2

1Mo 2,2: Und Gott hatte am siebten Tage sein Werk vollendet {eig. vollendete sein Werk}, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tage von all seinem Werk, das er gemacht hatte.

2Mo 31,12-17: Und der HERR redete zu Mose und sprach: Und du, rede zu den Kindern Israel und sprich: Fürwahr, meine Sabbate sollt ihr beobachten; denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch bei euren Geschlechtern, damit ihr wisset, dass ich, der HERR, es bin, der euch heiligt; und beobachtet den Sabbat, denn heilig ist er euch; wer ihn entweiht, soll gewisslich getötet werden; denn wer irgend an ihm eine Arbeit tut, selbige Seele soll ausgerottet werden aus der Mitte ihrer Völker. Sechs Tage soll man Arbeit tun, aber am siebten Tage ist der Sabbat der Ruhe, heilig dem HERRN; wer irgend am Tage des Sabbats eine Arbeit tut, soll gewisslich getötet werden. Und die Kinder Israel sollen den Sabbat beobachten, um den Sabbat zu feiern bei ihren Geschlechtern: ein ewiger Bund. Er ist ein Zeichen zwischen mir und den Kindern Israel ewiglich; denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, und am siebten Tage hat er geruht und sich erquickt.

Hes 20,12.20: Und auch meine Sabbate gab ich ihnen, damit sie zum Denkzeichen wären zwischen mir und ihnen, auf dass sie wissen möchten, dass ich der HERR bin, der sie heiligt. – … und heiliget meine Sabbate, damit sie zum Denkzeichen seien zwischen mir und euch, auf dass ihr wisset, dass ich der HERR bin, euer Gott.

2Mo 16,29: Sehet, weil der HERR euch den Sabbat gegeben hat, darum gibt er euch am sechsten Tage Brot für zwei Tage; bleibet ein jeder an seiner Stelle, niemand gehe am siebten Tage von seinem Orte heraus.

2Mo 35,2: Sechs Tage soll man Arbeit tun, aber am siebten Tage soll euch ein heiliger Tag sein, ein Sabbat der Ruhe dem HERRN; wer irgend an ihm eine Arbeit tut, soll getötet werden.

Sollten Christen den Sabbat halten?

Erstmals erwähnt wird der Sabbat in 1. Mose 2,2: „Gott … ruhte am siebenten Tage von all seinem Werk.“ Das Wort Sabbat ist von dem hebräischen Wort Shabath abgeleitet, das „ausruhen“ oder „mit der Arbeit aufhören“ bedeutet. Wir lesen in 1. Mose 1,31: „Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Er konnte vollkommene Ruhe und Befriedigung finden in allem, was Er gemacht hatte, einschließlich dem als Haupt der Schöpfung eingesetzten Menschen: Mann und Frau. 

Aber diese Ruhe wurde bald gestört. Satan hatte sich eingeschlichen und die Frau schenkte seiner Täuschung Gehör. Adam aß mit von der verbotenen Frucht, da er lieber auf den Gegenstand seiner Wonne, seine Frau, hörte als auf Gottes ausdrücklichen Willen: „Du sollst nicht … davon essen.“ Nun steht der Mensch, den Gott für sich selbst erschaffen hatte, unter der Macht von Sünde und Gericht. Die Sünde stellt den Willen und die Wünsche des Ich vor Gottes Willen und Wohlgefallen.

Wie konnte Gott in diesem Zustand der Dinge ruhen? Er musste ein neues Werk beginnen, um eine neue Schöpfung einzuführen, die nie von der Sünde verdorben werden könnte, und das kündigte Er der Schlange an: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir [der Schlange] und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er [der Same der Frau, Christus, geboren ohne Beteiligung des Mannes] wird dir den Kopf zermalmen.“

Christus sagt zu den Juden: „Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun“ (Joh 8,44). Durch die natürliche Geburt wird der Mensch mit dieser gefallenen Natur geboren und ist ein Kind des Teufels (s. 1Joh 3,10; 1Pet 1,23). Wir sind alle aus dem verweslichen Samen Adams geboren; Christus ist die einzige Ausnahme. Wenn aber ein Sünder Christus annimmt, wird er wiedergeboren, von oben geboren aus dem unverweslichen Samen Gottes (vgl. Joh 3,1-6 mit dieser Stelle in 1Pet 1). Das ist eine neue Schöpfung – Gottes eigene göttliche Natur und sein Leben, mitgeteilt und eingepflanzt in das Herz durch den Heiligen Geist (s. Joh 1,12; Jak 1,18). Der Gläubige hat folglich zwei Naturen: die Natur des gefallenen Adam, die sich selbst und den Willen des Fleisches liebt, und die göttliche Natur, die er von Gott empfangen hat durch die Wirksamkeit des Geistes als Antwort auf den Glauben an das Wort Gottes.

Doch bevor Gott das tun konnte, musste von dem Vater und dem Sohn ein völlig neues Werk begonnen und vollendet werden. „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke“ (Joh 5,1-18, besonders Joh 5,16.17, wo ausdrücklich berichtet wird, dass es am Tag des Sabbats war, als Er dieses Wunder der Heilung wirkte). Wie konnte Gott, wie konnte der Herr Jesus ruhen auf einem Schauplatz, wo die Sünde herrschte und mit ihr Krankheit und Tod, die Folgen der Sünde?

Der Sabbat wurde Israel gegeben

Warum wurde der Sabbat Israel gegeben? Warum sollte Israel ihn als einen Tag der Ruhe beobachten? (Man nehme bitte die Bibel und lese die folgenden Verse, bevor man weitergeht: 2. Mose 31,12-17; Hesekiel 20,12.20; 2. Mose 16,29; 35,2). Er wurde zu einem Zeichen gegeben zwischen Gott und Israel, seinem auserwählten Volk.

Israel sagte zweimal: „Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun“ (2Mo 24,3.7). Sie gelobten Gehorsam als Grundlage des Segens (s.a. 2Mo 19,5): „Wenn ihr … auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet …“ Das machte den Segen von ihrem Gehorsam abhängig. Dies ist der Grundsatz des Gesetzes: Tue, und du empfängst; tust du es nicht, so bist du verflucht (s. Gal 3, bes. Gal 3,10). Der Sabbat war das besondere Kennzeichen des ersten Bundes.

Auf diesem Boden des Haltens des Gesetzes und der Gebote als Fundament des Segens versagte Israel vollständig. Nachdem die Kinder Israel diese Gebote schon von Gott selbst durch Mose gehört hatten (2Mo 24), noch bevor er mit den Gesetzestafeln herunterkam (eines der Gebote betraf den Sabbat), machten sie ein goldenes Kalb und beteten diesen Götzen an, den sie mit ihren eigenen Händen gemacht hatten. Als Mose das sah, warf er die Steintafeln hin und zerbrach sie – zweifellos war er von Gott geleitet, so zu handeln (2Mo 32,19). Wie hätte er diese Steintafeln in das Lager bringen können, wenn das Volk, nachdem es versprochen hatte: „Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun“, das erste und wichtigste Gebot gebrochen hatte: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“? Es würde den Tod aller bedeutet haben; alle standen unter dem Fluch eines gebrochenen Gesetzes (Gal 3,10; 5Mo 27,26).

Von da an ertrug Er sie in Erbarmen, und all der Segen, den sie empfingen, beruhte nicht auf dem Gesetz oder auf dem Grundsatz des Gesetzes, sondern war reine Gnade – unverdiente Gunst – und Güte einem versagenden Volk gegenüber; und Er ertrug sie, bis Christus kam.

Und was finden wir dann im Neuen Testament? Sie tadelten den Herrn Jesus, weil Er am Sabbat heilte, und übten Kritik an Ihm, weil Er seine hungrigen Jünger am Sabbat Weizenähren pflücken und die Körner essen ließ. Schließlich verwarfen sie Ihn, ließen Ihn kreuzigen und versiegelten die Gruft am Sabbat, dem Zeichen, das Gott ihnen von seinem Bund mit ihnen, d.h. dem ersten Bund, gegeben hatte. Nun ist alles vorbei. Sie gaben vor, den Sabbat zu halten, das Symbol der Ruhe Gottes, während der Herr in einer versiegelten Gruft lag, getötet von ihren eigenen gottlosen Händen! Und Er war doch gekommen, sie zu segnen! Hinfort ist unter dem Alten Bund, von dem der Sabbat das Zeichen ist, kein Segen mehr möglich.

Ein neuer Anfang

Doch dann gibt es einen neuen Anfang am ersten Tag der Woche. Der Vater und der Sohn hatten das Erlösungswerk am Kreuz vollbracht. Der heilige Gott legte unsere Sünden auf den Sohn und ließ Ihn das Verlassensein und den ganzen Zorn treffen, den wir verdienten.

Der erste Bund, von dem der Sabbat ein Zeichen war, wurde von Israel vollständig gebrochen, aber – was noch mehr ist – Gott hat ihn hinweggetan. Er war ein „Dienst des Todes“ und ein „Dienst der Verdammnis“ (2Kor 3,7.9), und Gott hat einen neuen Bund eingeführt, eine neue Schöpfung durch die Auferstehung Christi am ersten Tag der Woche – einen neuen Anfang.

Alle, die an Christus glauben, sind gestorben (Kol 3,3.4). Sie sind „dem Gesetz getötet worden [dem ersten Bund mit seinem siebten Tag, dem Sabbat als Zeichen] durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten“ (Röm 7,4). „Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden“ (2Kor 5,17). Er ist jetzt verbunden mit einem auferstandenen, verherrlichten Christus, der auferstand am ersten Tag der Woche. Der Christ hat nichts mehr zu tun mit dem Gesetz von Geboten, geschrieben und eingraviert in Stein, als Basis seiner Beziehung zu Gott. Alle seine Segnungen stehen mit seiner neuen Beziehung in Verbindung und fließen herab von dem auferstandenen Christus, der verworfen, getötet und den Sabbattag über in der Gruft versiegelt war von denen, die unter jenem ersten Bund standen. Er kam aus dem Grab in der Kraft des Auferstehungslebens am ersten Tag – einem neuen Anfang – und erschien den Seinen und segnete sie an jenem selben Tag und noch einmal am folgenden ersten Tag der Woche, und dann, aufgefahren zur Höhe, sandte Er seinen Heiligen Geist herab wiederum am ersten Tag der Woche. Demgemäß finden wir, dass sich die Jünger am ersten Tag der Woche versammelten, um das Brot zu brechen (Apg 20,7).

Man lese Apostelgeschichte 15 und beachte das Fehlen des Sabbattaggebotes und die Wichtigkeit der Gnade und Wahrheit für die Errettung (Apg 15,9-11). Wir finden kein Gebot, den ersten Tag der Woche zu halten, weil wir nicht unter einem Gesetz von Geboten, sondern unter Gnade stehen. Aber der erste Tag der Woche wurde vom Herrn besonders herausgestellt durch seine Auferstehung und durch die Tatsache, dass Er den Seinen an diesem Tag erschien und dass Er am ersten Tag der Woche den Heiligen Geist herabsandte (s. Apg 2, bes. Apg 2,32.33). Man beachte auch, dass Pfingsten stets am fünfzigsten Tag nach dem Passah war, das ist der erste Tag nach sieben Wochen oder 49 Tagen. Der fünfzigste Tag ist am ersten Tag der Woche.

Warum heißt es dann aber: „Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volke Gottes aufbewahrt“ (Heb 4,9), wenn Christen nicht den Sabbattag halten sollen? Man beachte Vers 8: „Denn wenn Josua sie in die Ruhe gebracht hätte, so würde er danach nicht von einem anderen Tage geredet haben“ (Heb 4,8). Josua brachte Israel in das Land Kanaan, konnte ihnen aber nicht Ruhe geben unter dem ersten Bund, von dem der siebte Tag, der Sabbat, das Zeichen war; deshalb spricht Gott von einem anderen Tag der Ruhe und sagt dann in Vers 10: „Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch zur Ruhe gelangt von seinen Werken, gleichwie Gott von seinen eigenen“ (Heb 4,10) – den Werken, die Er wirkte und am Kreuz vollendete („Es ist vollbracht“, Joh 19,30). Nun sitzt Christus (oder: ist in Ruhe) zur Rechten des Vaters, im Gegensatz zu den alttestamentlichen Priestern, die standen, weil ihre Arbeit nie beendet war (s. Heb 10,11.12).

So tritt jetzt der Gläubige nicht durch Werke in seine Ruhe ein, sondern durch Glauben an das vollbrachte Werk Christi. Beim Kommen des Herrn wird er in jenen ewigen Sabbat – die Ruhe Gottes – eintreten; nicht in die Ruhe, die Gott nach seiner ersten Schöpfung hatte, die durch die Sünde gestört wurde, oder den Sabbat der Zehn Gebote, sondern in jene ewige Ruhe der neuen Schöpfung, die auf dem vollbrachten Werk Christi beruht, die die Sünde niemals stören kann, weil sie für alle Ewigkeit weggetan ist. Das ist die Ruhe des „anderen Tages“, die in Hebräer 4,8 erwähnt ist. Christus, der am ersten Tag der Woche wieder auferweckt wurde, ist das Haupt dieser neuen Schöpfung und ist die Quelle eines neuen Lebens.

Jesus lag am Sabbattag, dem Zeichen des ersten Bundes, im Grab, und auch wir lagen dort im Tod mit Ihm, denn wir sind mit Ihm, unserem Stellvertreter, gestorben; und wir sind mit Ihm auferweckt und in Ihm in die himmlischen Örter versetzt (s. Eph 2,4-7; Kol 3,1-4; 2,12-17). Möge der Herr die Augen unserer Herzen öffnen, damit wir alle diesen herrlichen Platz sehen können, der in dem auferstandenen Christus unser ist! Dann wird der erste Tag der Woche eine besondere Bedeutung für uns haben, so wie es bei den Jüngern in der Apostelgeschichte war, die sich versammelten, um an diesem Tage des Herrn zu gedenken. Der erste Tag der Woche hat besondere Bedeutung nicht durch eine Art fleischlicher Vorschrift, sondern durch die göttliche Bestätigung, die der Herr auf ihn legte durch seine Auferstehung und durch sein Erscheinen in der Mitte der Seinen an diesem Tag, als Er ihnen seine durchbohrten Hände, seine Füße und seine Seite zeigte und ihnen zurief: „Friede euch!“ Diesen Frieden hat Er uns durch sein vollbrachtes Werk am Kreuz erworben. 

Alles Sichabmühen, alle Werke, die dazu dienen sollen, Gottes Gunst zu erlangen, sind vorbei. Ewige Ruhe ist unser Teil in dem auferstandenen Heiland. Friede ist unser Teil, verkündigt an diesem selben ersten Tag der Woche (s. Joh 20,19-21), dem Tag, an dem Er auferstand und Tod und Gericht für immer hinter sich ließ – für sich selbst und für alle, für die Er starb: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch … Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“ (Joh 14,27). Wir erfreuen uns dieses Friedens jetzt durch Glauben; wir werden ihn vollkommen genießen in alle Ewigkeit, wenn unsere sterblichen Leiber bei seinem Kommen auferweckt werden.

„So richte euch nun niemand über Speise oder Trank oder in Ansehung eines Festes oder Neumondes oder von Sabbaten, die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber (der den Schatten warf) ist Christi“ (Kol 2,16.17). Das Essen gewisser Speisen als rein und das Ablehnen anderer als unrein, das Beobachten (auferlegt durch fleischliche Gebote) von Festtagen und des Sabbattages waren sämtlich nur Schatten von Dingen, die kommen sollten. Sie sind lediglich ein vorausgeworfener Schatten (eine Ankündigung) der Hauptsache, des Körpers oder der Wirklichkeit, die wir jetzt in Christus haben. Es ist wirklich traurig, Christen zu sehen, wenigstens Christen dem Bekenntnis nach, die rückwärtsgehen und auf dem Beobachten der Schatten bestehen, während sie sich Christi und all der Segnungen, die uns in Ihm zuteilgeworden sind, erfreuen sollten.


Originaltitel: „Should Christians keep the Sabbath?“
aus Grace & Truth Magazine


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