Was bedeutet das Sabbatgebot für den Christen?
2. Mose 20,8

Clifford Henry Brown

© SoundWords, online seit: 24.03.2002, aktualisiert: 15.02.2017

Leitvers: 2. Mose 20,8

Der Sabbat

In 2. Mose 20,8 haben wir das vierte Gebot:

2Mo 20,8: Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen.

Sofort muss ich zugeben, dass ich absolut nicht imstande bin, irgendetwas hervorzubringen, was diesem Gebot im christlichen Glauben entspricht. Das gibt es nicht. Erinnern wir uns, dass das Wort „Sabbat“, das „Ruhe“ bedeutet, zuerst in 2. Mose 16,23 im Zusammenhang mit den Kindern Israel gebraucht wird, die das Manna sammelten. Am Sabbat, dem siebten Tag, wurde nicht gesammelt. Dieser Tag war deutlich als ein Ruhetag verordnet.

Aber wenn wir zur christlichen „Haushaltung“ – oder wenn man will „Verwaltung“ – übergehen, finden wir keine Anweisungen der Beachtung irgendeines solchen Tages. Es gibt nur eine Erwähnung in allen neutestamentlichen Briefen; das ist Kolosser 2,16: „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder hinsichtlich eines Festes oder Neumondes oder von Sabbaten.“ Aber beachten wir jetzt die erläuternde Erklärung im nächsten Vers: „… die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber ist des Christus.“ Der einzige Grund, den Sabbat hier zu erwähnen, ist offensichtlich, dass er kein Teil der christlichen Offenbarung bildet. Im Gegenteil, er ist nichts anderes als ein Schatten von dem, was folgen sollte. So weit wie es unseren Ruhetag betrifft, lernen wir von Hebräer 4, dass „also eine Sabbatruhe dem Volk Gottes bleibt“ (Heb 4,9). Wir können nicht sagen, dass der Sabbat zum Sonntag geändert wurde. Der Sabbat war immer der siebte Tag der Woche; der Sonntag ist der erste Tag der Woche, so kann dieser unmöglich der Sabbat sein. So erwarten wir unseren Ruhetag, wenn der Herr uns in das Haus seines Vaters holt, damit wir in seiner Liebe ruhen dürfen. Die Ruhe steht am Ende der Reise.

Der Sonntag

Manche mögen hinterfragen: „Was ist mit dem Sonntag, dem ersten Tag der Woche; ist dieser nicht unser Ruhetag?“ Auf dieses müssen wir antworten: „Nein!“ Dann: Welchen Platz erhält er in unserem Leben? Beantwortet der Ausdruck „des Herrn Tag“ [wörtl. „Lord’s Day“ – unter englischsprachigen Gläubigen gebräuchlicher als „Sunday“; Anm. d. Üb.] nicht selbst diese Frage? Der Tag gehört dem Herrn. Er sollte für Ihn verwendet werden. An diesem Tag kommen wir zusammen, um das Brot zu brechen. Die Bezeichnung „des Herrn Tag“ wird nur einmal gefunden, das ist in Offenbarung 1,10. Das Wort im Griechischen hier kann mit „dem Herrn gehörend“ übersetzt werden. Also können wir diesen Vers in Offenbarung 1,10 übersetzen: „Ich war an des Herrn Tag im Geist.“ Wenn wir jetzt in das elfte Kapitel des ersten Korintherbriefes zurückgehen, finden wir dasselbe griechische Wort, das im Zusammenhang mit dem „Mahl des Herrn“ gebraucht wird. Oder es könnte „das dem Herrn gehörende Mahl“ genannt werden? Ist es jetzt nicht von Bedeutung, dass derselbe Gebrauch dieses griechischen Wortes im Neuen Testament im Zusammenhang steht mit dem Mahl und dem Tag? Das Mahl des Herrn wird so an dem Tag des Herrn beachtet.

Der Sonntag wird eindeutig von anderen Tagen durch einige bedeutsame Schriftstellen unterschieden. Unser Herr Jesus Christus stand aus den Toten auf am ersten Tag der Woche; Er erschien seinen Jüngern an diesem Tag; wieder erschien Er ihnen am zweiten Sonntag nach seiner Auferstehung. Wir bemerken, dass der Heilige Geist herniederkam am „Tag der Pfingsten“, der auch der erste Tag der Woche war; die Jünger kamen am ersten Tag der Woche zusammen, um Brot zu brechen; der Apostel sagte den Korinthern, am ersten Tag der Woche ihren Beitrag für die Sammlung für die armen Heiligen zurückzulegen. Alle diese Schriftstellen wollen uns zeigen, dass im christlichen Glauben der erste Tag der Woche vollständig den jüdischen Sabbat ersetzt hat. Wie inkonsequent wäre es für die Kirche Gottes, einen Tag als den ihren zu feiern, an dem ihr Herr und Heiland unter der Macht des Todes im Grab lag. Aber wie herrlich, an dem ersten Tag der Woche, dem Tag seines Sieges über das Grab, zusammenzukommen! Wie schön und wertvoll ist es, Ihm diesen ersten Tag der Woche, seinen Tag, zu schenken!

Ich wünsche, heute etwas zu euch jungen Leuten hier zu sagen. Es bekümmert mich, wenn ich herumgehe und so viele von euch jungem Volk finde, die den Tag des Herrn für ihre gewöhnlichen Lebensaufgaben verwenden. Ihr sagt mir, dass ihr nicht daran denkt, am Sonntag auszugehen oder den Rasen zu mähen, noch würdet Ihr daran denken, eure Wäsche am Sonntag zu machen. Aber lasst uns nun dem Zuhause näherkommen. Ihr sagt, dass Ihr in der Schule seid. Schön und gut; das ist ein richtiger und rechtmäßiger Teil eures Lebens. Ich hoffe, dass ihr eure Schularbeiten gut macht. Aber aufgepasst, sind eure Schularbeiten von solcher Wichtigkeit, dass sie euch daran hindern, den Sonntag dem zu geben, dem er gehört? Vielleicht antwortest du: „Wenn ich nicht am Sonntag lerne, bekomme ich keine gute Note.“ Vielleicht nicht, aber selbst wenn nicht, was hat mehr Bedeutung für dich: eine gute Note oder die Zustimmung des Herrn? Lasst uns durch die Gnade Gottes danach trachten, dem Herrn seinen Tag zu schenken.

Vielleicht sagt irgendeine junge Person: „Nun, wie soll ich denn den Sonntag verbringen?“ Ich weiß zufällig, wie manche von euch jungen Geschwistern ihre Freizeit am Sonntag gebrauchen. Sie finden verschiedene Wege, das Evangelium weiterzugeben. Möglicherweise ist es der Besuch von Anstalten, um Traktate auszuteilen und mit Menschen persönlich über den Herrn zu sprechen. Vielleicht ist es Straßenverkündigung. Bei anderen ist es der Besuch von Kranken und Hoffnungslosen. Manche nutzen einen Teil des Sonntags, um hilfreiche Briefe christlichen Freunden oder unerretteten Verwandten und Freunden zu schreiben. Andere nutzen einen Teil des Tages, um Literatur an solche zu versenden, denen – wie sie denken – durch irgendeinen Artikel oder eine Schrift geholfen werden könnte.

Nein, es gibt keinen Sabbat, keinen Ruhetag im christlichen Glauben, aber es gibt einen Tag, an dem wir frei sein dürfen, um dem Herrn zu dienen. Möge der Herr uns ein zartes Gewissen schenken, dass es wirklich sein Tag sein kann.


Übersetzung: Karsten S. Boerstoel


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