Immanuel – Gott ist mit uns
Wenn Hoffnungen sich nicht erfüllen

Gerd Pohl

© G. Pohl, online seit: 19.12.2020

Die Ankündigung und Erwartung des Messiaskönigs

Nur im Matthäusevangelium wird Joseph die Geburt des Sohnes Davids (Mt 1,1), des Messiaskönigs (Mt 1,16.17), mit dem Hinweis angekündigt, dass sich nun Jesaja 7,14 erfüllt (Mt 1,18-25). Als Ahas sich weigerte, ein Zeichen dafür auszuwählen, dass Gott das Volk Israel von seinen Feinden retten würde, lesen wir in Jesaja 7,14, dass „der Herr selbst ein Zeichen geben“ würde. Das Zeichen war ein Kind mit dem Namen Immanuel, was bedeutet: Gott ist mit uns. Schon damals war Gott in seiner Gnade mit seinem Volk, ungeachtet der Tatsache, dass sie ihren Gott immer wieder durch Götzendienst und Fehlverhalten reizten.

Außer in Jesaja kommt dieser Name im Neuen Testament nur einmal vor, und zwar in Matthäus 1,23; dort bezieht er sich auf den Herrn Jesus. „Gott mit uns“ – das sollte das Leben Jesu, des Retters, charakterisieren und die Verheißungen des Alten Testamentes wahr werden lassen. Viele redeten nämlich vom Kommen des Messiaskönigs. Seine Ankunft wird oft mit dem Königreich und der Königsherrschaft verbunden (z.B. 2Sam 7,12-16; Jes 9,1-6; Dan 7,13.14; Lk 1,32.33). Deshalb war die Erwartung der gläubigen Juden zur Zeit des Herrn, dass sie durch den Messias endlich von der Fremdherrschaft der Römer befreit würden und die Zeit des verheißenen Königreichs anbräche (Mk 15,43; Lk 19,11). Der Herr Jesus selbst sprach davon (Mt 4,17; Lk 22,30). Die Jünger erhofften sich sogar besondere Plätze in diesem Reich (Mt 20,21).

Warum sich die Erwartungen nicht erfüllten

Die Hoffnung und Erwartung des Reiches wurde aber vollständig zerstört. Jesus wurde nach drei Jahren öffentlichen Dienstes von den Obersten seines Volkes gefangen genommen und zum Tod verurteilt, obwohl Er unschuldig war. Der römische Statthalter vollzog die Todesstrafe durch Kreuzigung. Die Jünger, die nach Emmaus unterwegs waren, sagten: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle“ (Lk 24,21).

Freilich hatte der Herr es vorher angedeutet. Zuerst indirekt, als Er in Gleichnissen vom Königreich der Himmel[1] zu den Jüngern davon sprach, dass das Reich erst einmal in einer anderen, besonderen Form kommen würde (z.B. Mt 13). Dann auch sehr direkt zum Beispiel in Matthäus 16,21; 17,22.23; 20,17-19. Aber die Jünger hatten die Hoffnung auf das Reich bis zuletzt nicht aufgegeben.

Was war denn nun noch übrig von dem „Gott mit uns“? Wir wissen es, und die Jünger begriffen es nach der Auferstehung so nach und nach: nämlich dass Christus vor seiner Verherrlichung zuerst leiden musste (Lk 24,26; Heb 2,9). Wie hätte der Herr Jesus sonst der Retter für alle Menschen, für Juden und Heiden, werden können (Jes 49,6; Apg 13,47; Eph 2,11-22)? Wie hätte Er dein und mein Erlöser werden können? Wie hätte die Gemeinde, deren Bau der Herr Jesus in Matthäus 16,18 ankündigte, gebildet werden können? „Gott ist mit uns“ in einer viel höheren Weise, als wir das je denken und erahnen können.

Gottes Versprechen erfüllen sich immer

Was ist nun mit dem Königreich? Hat es sich erledigt? Nein, es kommt genau so, wie es angekündigt worden ist. Keine der Verheißungen Gottes geht deshalb verloren. Der Herr kündigte bereits als Gefangener vor dem Synedrium an: „Von jetzt an werdet ihr den Sohn des Menschen zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Mt 26,64). Er wird das Gericht ausführen (Mt 25,31-46) und das Königreich des Friedens kann beginnen. Es wird kein Ende haben, wie Jesaja 9,6 sagt. In der Erfüllung der Verheißungen zeigt sich der „Gott mit uns“.

Wenn sich in unserem Leben Hoffnungen nicht erfüllen

Obwohl man ohne Frage schon sagen muss, dass die allermeisten Erwartungen in unserem Leben tatsächlich auch so wahr werden, kann es manchmal sein, dass sich auf der Erde Ziele, Wünsche, Hoffnungen nicht oder nicht so erfüllen, wie wir uns das vorgestellt haben. Vielleicht müssen wir zum Beispiel Absagen auf Bewerbungen oder nicht bestandene Prüfungen, vielleicht eine Zurückweisung beim Werben um einen Ehepartner in Kauf nehmen. Womöglich treffen uns plötzliche Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Bisweilen kann das sogar hart und traurig sein, wenn es dabei um Leben und Tod geht und man einen geliebten Menschen abgibt. Meistens haben wir sogar eindringlich gebetet und viele andere mit uns. Aber es ist trotzdem anders gekommen. Es ist kein Wunder geschehen, das wir erbeten hatten. Ganz schnell könnten wir jetzt verzweifeln und fragen: Wo war denn Gott? Hört Er uns nicht? Bestraft uns Gott für irgendetwas in unserem Leben? Ist Gott gegen uns?

In solchen Situationen ist der in unsere Welt hineingeborene Immanuel („Gott mit uns“) und sein scheinbar sinnloser Tod ein ganz starker Trost. Wieso? Nicht durch die Geburt, sondern erst durch sein Sterben und Auferstehen konnten wir gerettet werden und ewiges Leben erhalten, das jetzt für uns einen Sinn und ein ewiges Ziel hat. Auch wenn uns Fragen nach dem „Warum“ zermürben wollen, zeigt uns der „Gott mit uns“, dass Gott viel höhere Gedanken hat, als wir je vermuten könnten, und dass alles nur zu unserem Besten dient.

Auf dem Weg zur Herrlichkeit müssen wir manches ertragen und erdulden, aber die Zukunft im Vaterhaus ist uns ganz sicher. Zum anderen hat gerade der Herr Jesus alles selbst durchlebt und kann uns daher besonders gut verstehen (Heb 2,18; 4,15.16) und uns deswegen auch wirklich helfen und trösten. Trost bedeutet ja gerade, dass jemand ganz nah bei uns ist, der uns versteht. Niemals kann Gott in irgendeiner Weise gegen uns sein. Gott ist immer für uns, denn Er hat ja nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern für unsere Rettung hingegeben (Röm 8,31.32).

Nicht von ungefähr endet das Matthäusevangelium mit der Zusicherung unseres Herrn Jesus: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20). Möchten wir gern den Herrn Jesus, den Immanuel„Gott ist mit uns“, als Gottes Versprechen in unserem täglichen Leben kennenlernen, besonders wenn sich Hoffnungen nicht erfüllt haben und es durch schwierige Lebensabschnitte geht, indem wir mit Ihm leben und seine Nähe erfahren?


Veröffentlicht in komm & sieh, 2017/2, Daniel-Verlag

 

Anmerkungen

[1] Dieser Begriff kommt 32-mal im Matthäusevangelium vor, und auch nur hier. Siehe auch Gerd Pohl, „Besonderheiten im Matthäusevangelium, auf http://biblische-lehre-wm.de/wp-content/uploads/2015/06/Matthaeus-Besonderheiten-GPohl.pdf.

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