Der Charakter und die Kraft der Auferstehung Christi
Apostelgeschichte 3,13-16; 4,1.2; Philipper 3,7-11

Walter Thomas Turpin

© SoundWords, online seit: 11.04.2003, aktualisiert: 07.09.2018

Leitverse: Apostelgeschichte 3,13-16; 4,1.2; Philipper 3,7-11

Apg 3,13-16: Der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr freilich überliefert und angesichts des Pilatus verleugnet habt, als dieser geurteilt hatte, ihn freizulassen. Ihr aber habt den heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, dass euch ein Mann, der ein Mörder war, geschenkt würde; den Urheber des Lebens aber habt ihn getötet, den Gott aus den toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind. Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn ist, hat ihm vor euch allen diese vollkommene Gesundheit gegeben.

Apg 4,1.2: Während sei aber zu dem Volk redeten, traten die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer auf sie zu, weil es sie verdross, dass sei das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung aus den Toten verkündigten.

Phil 3,7-11: Aber was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die, die durch den Glauben an Christus ist – die Gerechtigkeit aus Gott durch den Glauben; um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tode gleichgestaltet werde, ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Aus-Auferstehung aus den Toten.

Einleitung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Thema „Der Charakter und die Kraft der Auferstehung des Herrn Jesus Christus“. In der Tat finden wir beides im Philipperbrief. Die Auferstehung aus den Toten war nämlich eine Auferstehung in einem ganz bestimmten Charakter. Nun haben wir uns die Tatsache der Auferstehung angesehen und zuletzt die Früchte der Auferstehung, und es ist wirklich sehr wichtig, uns die verschiedenen Aspekte, die mit der Auferstehung verbunden sind, anzuschauen. Es gibt tatsächlich viele verschiedene und schöne Aspekte, die mit der Auferstehung verbunden sind. Aber lasst uns nun den Charakter und die Kraft der Auferstehung betrachten. Es geht um einen ganz speziellen Charakter, der sich – Gott sei Dank – auch mit unserer Auferstehung verbindet, weil das Geschehen und der Charakter der Auferstehung des Herrn Jesus die Tatsache und den Charakter unserer Auferstehung mit beinhaltet. Haben wir das eine, haben wir auch automatisch das andere. Seine Auferstehung in diesen beiden Aspekten bestimmt unsere eigene Auferstehung. Das kann man nicht trennen. Christi Platz bestimmt unseren Platz. Alles, was sich auf Ihn bezieht, bezieht sich auch auf uns. Es ist gut, wenn wir das fest in den Empfindungen unserer Herzen zu haben. Sein Platz bestimmt unseren Platz, seine Auferstehung bestimmt unsere Auferstehung. Und das geht so weit, dass sogar die Art und Weise seiner Auferstehung die Art und Weise unserer Auferstehung bestimmt. Darüber hinaus sind wir sogar noch die Früchte seiner Auferstehung.

Der Mensch in einer neuen Stellung vor Gott

Zu Beginn möchte ich auf einen wichtigen Punkt in Verbindung mit dem Charakter der Auferstehung Christi aus den Toten hinweisen: Gott wollte in dem auferstandenen Christus einen Menschen an einen neuen Platz und in eine neue Stellung bringen, die ganz den Ratschlüssen Gottes entsprachen. Dieser Punkt ist ganz wichtig. Und zwar deswegen, weil alle Prüfungen der Jünger des Herrn und all der Widerstand, den sie seitens ihrer Feinde erfuhren und erfahren, gerade hier seine Wurzel hat. Das werde ich im Folgenden begründen. Gott verband mit der Auferstehung die Aufrichtung einer völlig neuen Ordnung der Dinge. Das Kreuz war moralisch die Beendigung all dessen, was alt war und dabei war zu verschwinden (Heb 8,13). Nun, das rief nicht nur den Widerstand der Feinde hervor, es enttäuschte auch die Hoffnung seiner Freunde.

Ihr wisst, wie sehr die Herzen seiner Jünger mit den Dingen auf der Erde verbunden waren. Und ich nehme an, jeder, der ein wenig ehrlich zu sich selbst ist, weiß sehr gut, wie sehr sein Herz mit den Dingen auf der Erde zu tun hat und wie schwierig es ist, die Verbindungen zu durchtrennen, die uns allein mit dem Sichtbaren verbinden wollen. Die Erde ist eben doch erschreckend attraktiv für uns. Dabei spreche ich überhaupt nicht von den schlechten und weltlichen Dingen, sondern von dem, was gut und richtig ist. Die Attraktivität der Dinge auf der Erde, die uns bindet und uns anzieht an das Irdische, ist gewaltig stark und natürlich und verständlich bei den Jüngern, die jüdisch erzogen wurden mit Hoffnungen auf ein irdisches Reich; sie schauten nach den Dingen dieser Erde aus. Dazu gab es bei ihnen viel mehr Berechtigung als bei uns, die wir nicht diese irdischen Verheißungen haben und die wir kein Volk mit irdischen Verheißungen waren und sind.

Die Jünger mussten aus all diesem herausgenommen werden und auf den Tod Christi schauen als den Tod auch für ihre irdischen Hoffnungen, und das war für sie sehr bitter. Für die Jünger war der Tod Christi der Tod all dessen, was mit den Verheißungen Gottes in Bezug auf sein Reich auf dieser Erde verbunden war. Der Erbe des Weinbergs wurde getötet (Mk 12,7.8). Derjenige, in dem alle diese Dinge noch hätten verwirklicht werden können, der war nicht mehr da. Du wirst vielleicht sagen: Ja, aber sie hätten es doch besser wissen können. – Natürlich hätten sie es besser wissen sollen, und wir sollten es auch, aber was hat das mit der Tatsache zu tun? Es war nun einmal so, dass sie mit den Dingen hier auf der Erde so eng verbunden waren. Und so war es schwierig für sie, die Tatsache zu akzeptieren, dass Gott eine völlig neue Sache anfangen wollte, die himmlisch in ihrem Charakter sein sollte, wogegen die Aufrichtung des Reiches in ihrem Charakter irdisch war. Bei uns ist es auch oft so, dass wir zwar theoretisch eine Sache verstanden haben, aber erst wenn sie sich praktisch bei uns auswirkt – vielleicht hier und da in einschneidender Weise, so dass es vielleicht sogar weh tut –, dann merken wir, wie wenig wir eigentlich vorbereitet sind für die praktische Auswirkung einer Wahrheit.

Noch einmal der erste Punkt: Der Charakter der Auferstehung Christi stellt uns die Wichtigkeit einer neuen Ordnung der Dinge bei Gott vor. Diese neue Ordnung sollte in Christus als dem auferstandenen Menschen entfaltet werden, an einem neuen Platz, gemäß den Ratschlüssen Gottes.

Jetzt möchte ich das eben Gesagte mit der Schrift beweisen. Lesen wir Markus 9,9.10:

  • Mk 9,9.10: Als sie aber von dem Berg herabstiegen, gebot er ihnen, dass sie niemand erzählen sollten, was sie gesehen hatten, außer wenn der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden wäre. Und sie behielten das Wort, indem sie sich untereinander befragten: Was ist das: aus den Toten auferstehen?

Es ging hier nicht um die reine Tatsache der Auferstehung, denn die Auferstehung wurde selbst von den Pharisäern geglaubt. Nur die Sadduzäer lehnten sie ab (Apg 23,8). Aber die Auferstehung aus den Toten heraus (wobei die Toten in den Gräbern blieben) war eine völlig andere Sache, und das ist es, was der Herr hier zeigt. Behaltet das für euch, sagt der Herr hier, bis der Sohn des Menschen auferstanden ist aus den Toten, bis Gott den großen, offenbaren Beweis seines Wohlgefallens an seinem vollkommenen Diener gegeben hat, indem Er Ihn auferweckt hat aus den Toten. So eine Art der Auferstehung kannten die Jünger noch nicht.

Die Wirkung der Auferstehung auf die Jünger Christi

Eine andere Schriftstelle: Matthäus 17,22.23:

  • Mt 17,22.23: Als sie sich aber in Galiläa aufhielten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert werden in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten, und am dritten Tage wird er auferweckt werden. Und sie wurden sehr betrübt.

Warum? Es zerschlug alle ihre irdischen Hoffnungen, es war ein Ende all ihrer irdischen Verheißungen. Nun, hier ist die Schriftstelle, die das beweist, was ich schon gesagt habe: Der Tod Christi war für die Juden der Tod ihres Erbes; der Tod dessen, mit dem alle irdischen Verheißungen verbunden waren, die Gott seinem Volk hier auf Erden gegeben hatte. Und deswegen gab es für die Jünger jetzt nur Trauer und Schmerz.

Illustration in der Geschichte Abrahams

Eine Illustration hiervon gibt uns die Geschichte Abrahams. Als Erstes gab Gott ihm die Verheißung des Landes als Erbteil; dann gab Gott Abraham den Erben, nachdem er lange Zeit kein eigenes Kind gehabt hatte. Doch als er den Erben bekommen hatte und der Erbe nun so weit erwachsen war, dass alle Hoffnungen in seinem Herzen wieder lebendig geworden waren, da sagte Gott zu ihm: Nun nimm deinen Sohn, den einzigen, den Isaak, den du lieb hast, und opfere ihn. Das ist so viel wie: Schneide nun mit deiner eigenen Hand die Kette durch, die dich mit allen göttlichen Verheißungen verbindet. Geh und lass alle Hoffnungen fahren, die mit Isaak verbunden sind. – Genau das war es, was der Tod Jesu für die Jünger war. Er war der wahre Erbe all der irdischen Verheißungen, die Gott den Vätern gegeben hatte. Er war damit das Verbindungsglied für sie zu diesen Verheißungen. Und die Jünger hatten Ihn als solchen erkannt. Sein Tod vernichtete alle ihre Hoffnungen, all ihre Aussichten und ließ sie sozusagen ohne Hilfsquellen in dieser Welt zurück. Kein Wunder, dass sie außergewöhnlich traurig waren.

Beispiel: Emmausjünger

Nun wenden wir uns zu Lukas 24,17. Ihr werdet es da noch stärker finden. Die zwei Jünger gingen nach Emmaus und redeten über die Dinge, die passiert waren. Jesus näherte sich ihnen und ging mit ihnen, obwohl sie Ihn nicht erkannten, und Er sprach zu ihnen: „Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen.“ Ihre Herzen waren traurig. Sie hatten Jerusalem verlassen, sie gingen nach Hause, alles war vorbei auf der Erde. Ich denke, dass Lukas 24 eine der rührendsten Begebenheiten der Schrift ist. Wenn ihr euch für einen Moment nur ein wenig in die Situation der Jünger versetzt! Ihre Rücken waren nach Jerusalem gerichtet, und sie hatten sich überzeugt, dass sein Leib nicht im Grab war. Ihre Angesichter waren nach Emmaus gerichtet. Es war der dritte Tag, und alles war vorbei. Kein Wunder, dass ihre Herzen traurig waren. „Was sind das für Reden“, sagt der Auferstandene zu ihnen, „die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht erfahren hat, was in ihr geschehen ist in diesen Tagen?“ Selbst wenn du nur ein paar Stunden in Jerusalem gewesen bist, wie kann es möglich sein, dass du nichts von der großen Trauer weißt, die über uns gekommen ist als Folge all dessen, was dort passiert ist? – Er antwortet (wie taktvoll kümmert sich seine Liebe um ihre Herzen): „Was denn?“ Und sie sprachen zu ihm: „Das von Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig in Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk; und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten zur Verurteilung zum Tod überlieferten und ihn kreuzigten. Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei all dem ist es heute der dritte Tag“ [Lk 24,17-24].

Dieser Tag, von dem hier in Lukas 24 gesprochen wird, war der schönste Tag, der jemals über diese arme Welt hineingebrochen war, und doch trotz alledem befanden sich ihre Herzen in vollkommenem Gegensatz dazu. Sie waren niedergebeugt, sie waren in ihren Herzen zerbrochen, sie waren enttäuscht. Alles war vorbei, alle ihre Hoffnungen waren mit ans Kreuz geschlagen und mit in seinem Grab begraben. Und warum? Was war das Geheimnis davon? Ich möchte gerne zwei Dinge herausstellen, die das Geheimnis dieses Zustands sind. Und ich möchte das auf mein eigenes Herz und auf euer Herz legen.

In Lukas 24,8 heißt es von den Jüngern (vor der Begebenheit mit den Emmausjüngern): „Und sie erinnerten sich an seine Worte.“ Du sagst vielleicht: Ja, und was ist an diesem Satz Besonderes? Es bedeutet dies: Ihre Herzen waren löcherige Gefäße gewesen für solche Worte. Seine Worte waren durch diese löcherigen Gefäße hindurchgegangen und waren verschwunden. Sie hatten sie einfach vergessen. Der Herr hatte oft davon gesprochen. Das Zeugnis war überaus deutlich in Bezug auf die Tatsache, dass Er durch die Hand sündiger Menschen getötet werden und auferstehen würde am dritten Tag. Aber sie hatten es alles vergessen. Und wie oft ist es so mit dir und mit mir, wir haben seine Worte vergessen!

Glaube ist eine absolute Voraussetzung

Aber jetzt kommt noch eine zweite Sache hinzu. Erinnerung ist nicht Glaube, es liegen Welten dazwischen. Ihre Erinnerung wird aufgeweckt, und diese vergessenen Sätze Jesu kommen alle zurück. Aber es nützt ihnen nichts; obwohl sie sich an seine Worte erinnern, haben sie ihren Rücken weiter Jerusalem zugewandt und gehen weiter nach Emmaus mit gebrochenen Herzen und enttäuscht und gequält und als solche, die die Hoffnung verloren hatten. Alles ist genauso wie vorher! Erinnerung ist eben kein Glaube!

Ich werde euch eine bemerkenswerte Schriftstelle als Beweis dafür geben, und zwar aus Psalm 78,19: „Und sie redeten wider Gott; sie sprachen: Sollte Gott in der Wüste einen Tisch bereiten können? Siehe, den Felsen hat er geschlagen, und Wasser flossen heraus, und Bäche strömten.“ Da ist die Erinnerung! Aber schauen wir uns jetzt den nächsten Satz an: „Wird er auch Brot geben können?“ – Da ist die Abwesenheit des Glaubens! Es war die Erinnerung da, die Erinnerung an das, was vorher geschehen war, aber kein gegenwärtiger Glaube in Bezug auf das, was Er jetzt tun konnte.

Liebe Freunde, das, was wir hier in dieser Geschichte von den Jüngern in Bezug auf die Auferstehung des Herrn lernen, hat eine Belehrung von tiefster Wichtigkeit und großem Segen für uns heute. Denn das, was wir brauchen, ist nicht nur die Erinnerung an frühere Dinge, sondern dass wir im gegenwärtigen Glauben an einen lebendigen Christus vorwärtsgehen können. Ihr erinnert euch vielleicht daran, wie der Herr euch im letzten Jahr geholfen hat oder vor sechs Monaten, aber wenn ihr nicht heute im gegenwärtigen lebendigen Glauben an Gott und an Christus lebt, wird die Erinnerung an die Vergangenheit keine Hilfe für eure Seele bedeuten. Es ist der gegenwärtige lebendige Glaube an das Wort Jesu und nicht nur das In-Erinnerung-Bringen der Worte, die einmal gesprochen wurden. Denn die ganze Kraft und Wirksamkeit dieser Worte sind schon längst aus euren Seelen verschwunden. Nein, es kommt auf den lebendigen Glauben an jene Worte an. Nun, ich habe in meinem eigenen Herzen bemerkt, und vielleicht auch ihr in eurem, dass es viele Wahrheiten gibt; Dinge, von denen wir wissen, dass sie wahr sind, aber wir haben keinen Glauben daran. Was nützt das dann alles?

Eine Anwendung auf heute

Ich werde euch ein Beispiel geben. Es gibt eine Wahrheit, die über alles groß ist für unsere Seelen, sie wird ausgedrückt in den Worten unseres Herrn Jesus Christus: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Jeder von uns weiß, dass das wahr ist. Aber ich fühle in meinem eigenen Herzen, liebe Freunde, und ich habe es bei anderen gesehen: Man weiß, dass es wahr ist, aber man hat keinen Glauben daran. Es reicht nicht aus, zu sagen: Ach ja, so ist das, das ist der Boden, das ist die Stellung. – Seid sicher, es muss Glauben daran geben, und ich meine nicht einfach, etwas für wahr zu halten. Fürwahrhalten ist nicht Glauben. Was ich meine, ist: Wir müssen solch einen Glauben daran entwickeln, dass wir uns ganz der Sache widmen; wir müssen darin aufgehen und genauso viel Glauben hineinstecken, wie wir auch Glauben haben an den Herrn Jesus in Bezug auf die Errettung unserer Seelen. Es ist genau derselbe Grundsatz. Wenn es nicht das ist, dann ist es mehr ein Fürwahrhalten gewisser Wahrheiten, die keine lebendige Wirklichkeit und Kraft für unsere Seelen haben. Und das ist dann genau dasselbe, was die Erinnerung an die Worte Christi hier für die Jünger bedeutete. Sie erinnerten sich nicht an seine Worte, sie hatten sie vergessen. Es wurde in ihrem Gedächtnis aufgeweckt durch die Frauen, die den Bericht von der Auferstehung gaben, aber es war kein Glaube an diese Äußerungen selbst, und so war es alles umsonst.

Irdische Gesinnung

Nun gibt es in Lukas 24 einen weiteren Grund für den Zustand, in dem sie waren: Ihre Augen waren auf die Erde gerichtet, und es gibt nichts, was so abzieht. Gott wünscht in seiner Gnade, dass wir das, was Er uns geschenkt hat, in unseren Herzen haben und es genießen. Auch möchte Gott, dass wir einen Nutzen von all diesen Dingen bekommen, die Er uns geschenkt hat. Aber wenn unsere Augen durch die Dinge dieser Erde gebunden sind, haben wir nichts davon. Du sagst vielleicht: Aber denen ging es doch um das Reich. Oh, aber es kann doch gut etwas anderes bei uns sein. Und was ist der Unterschied? Wenn es irgendetwas ist auf der Erde, dann geht es überhaupt nicht darum, was es ist; das Ergebnis ist dasselbe. Bei ihnen war es das Reich, aber es war ein Reich auf der Erde. Die Örtlichkeit, beachte dies, das ist der Punkt hier! Und das wandte die Jünger ab: Ihre Augen waren in die falsche Richtung gerichtet.

Wie viele von uns haben die Augen auch in die falsche Richtung gerichtet. Ach, wie oft schauen wir dahin, wo der Gegenstand nicht gefunden werden kann. Wenn wir nur zum Himmel schauen und die Gemeinde nach den Gedanken Gottes in ihrem wahren himmlischen Charakter betrachten würden – was würde das alles ändern! Was ist der Grund, dass so viele von uns so niedergedrückt, durcheinander und so entmutigt sind, besonders auch im Bezug auf den praktischen Zustand der Gemeinde Gottes in unseren Tagen, wo wir manchmal den Eindruck haben, dass alles schiefläuft? Aber wenn wir uns mehr mit der göttlichen Seite beschäftigen würden, wie die Versammlung in den Gedanken Gottes aussieht, dann wäre alles so anders. Wenn wir den praktischen Zustand betrachten, dann sehen wir auf Menschen, und dann finden wir Versagen. Wie kann es anders sein, als dass du durcheinander, enttäuscht, entmutigt bist, wenn du hauptsächlich damit beschäftigt bist, wie der Mensch die Dinge lösen kann? Wie anders wäre es, wenn deine Gedanken mehr mit den göttlichen Gedanken darüber beschäftigt wären? Wenn du mit der himmlischen Seite vor Gott beschäftigt wärst, dann würdest du die Kraft bekommen, selbst den Zusammenbruch des Gemeindelebens zu verkraften. Lasst uns doch versuchen, alles aus dem Blickwinkel Gottes zu sehen. Denn das ist immer die Seite der Kraft. Und das ist auch die Kraft, die sich offenbaren sollte, hier auf der menschlichen Seite, wo leider das Versagen hineingekommen ist.

Aber die Jünger schauten nach einem Königreich auf der Erde aus. „Wir haben gedacht, dass er der sein sollte, der Israel erlösen würde.“ Das war das egozentristische Denken des Judaismus, das ihre Herzen erfüllte. Sie hatten es nötig, in die Breite der Gedanken Gottes hineingeführt zu werden, so wie sie in einem auferstandenen Christus offenbart wurden. Der Herr bewahre uns davor, in solche Denkschemata zu verfallen. Es gibt nämlich noch eine große Anzahl von Egozentrismen neben dem Judaismus.

Die Wirkung der Auferstehung auf die Feinde Christi

Lasst uns nun ein wenig betrachten, welche Wirkung die Auferstehung auf die Feinde Christi machte. Dazu werden wir uns einige Abschnitte in der Apostelgeschichte ansehen. Leider müssen wir beobachten, dass gemeindliche Autorität und Hass gegen die Wahrheit oft zusammengehen. Ist das nicht ein schreckliches Bild, wenn ihr einmal darüber nachdenkt? Gemeindliche Autorität verbunden mit dem Hass gegen die Wahrheit. Aber das ist nur die eine Seite davon, die andere Seite ist die Kraft Gottes in einem auferstandenen Christus, die den Nöten der Menschen begegnet. Das brachte den ganzen Hass und Argwohn derer hervor, die damals die Autorität hatten: „Es verdross sie [die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer], dass sie [die Jünger] das Volk lehrten und in Jesus“ – diesem auferstandenen Menschen, der aus den Toten auferstanden war und der aus dem Tod durch die Macht Gottes auferweckt worden war – „die Auferstehung aus den Toten verkündigten“, und zwar nicht bloß die Auferstehung, sondern die Auferstehung in dem besonderen Charakter als aus den Toten (Apg 4,2).

Jetzt waren die Jünger in der Lage, das in der Kraft des Heiligen Geistes zu tun. Es ist schön, zu sehen, wie sie jetzt voll in die Wahrheit eingeführt waren. Wie ganz anders ist es jetzt als in Markus 9, wo sie nicht verstanden, was Er meinte, als Er von der Auferstehung aus den Toten sprach. Nun verstehen sie es nicht nur, sondern sie predigen es auch, und sie predigen durch diesen großartigen Menschen, diesen Jesus, die Auferstehung aus einem toten Volk. Und gerade dadurch luden sie sich Hass und Widerstand auf den Hals.

Die mit der Auferstehung Christi verbundene Auszeichnung

Warum hassten und verachteten die Menschen diese Wahrheit? Was rief so ihre Feindschaft und ihre Gewalt hervor? Die reine Tatsache der Auferstehung selbst hätte so etwas niemals bei den Pharisäern und bei den Juden hervorgebracht. Nein, es ging um etwas anderes: Sie hatten den Fürsten des Lebens getötet. Das ist es, was der Apostel ihnen im dritten Kapitel beibringt: Da lebte dieser Heilige unter euch, dieser Gerechte, den ihr ermordet habt; Gott aber hat Ihn aus den Toten auferweckt. Nun geht es um euch Juden und um Gott. Den Menschen, den ihr ermordet habt, hat Gott geehrt. Den Menschen, den ihr angespuckt und ans Fluchholz genagelt habt, den hat Gott aus einem toten Volk auferweckt. – Das war es, worum es ging. Und beachte: Gott drückt sein Wohlgefallen an Christus in der Auferstehung Christi aus. Die völlige Zufriedenheit Gottes kam darin zum Ausdruck.

Darüber hinaus war es eine auswählende Kraft: Es ging nicht nur darum, dass Er auferweckt wurde, sondern andere wurden in den Gräbern gelassen, und das ist der Punkt. Hier wurde das Wohlgefallen Gottes sichtbar. Hier wurde seine Zufriedenheit ausgedrückt. Jede Eigenschaft Gottes drängt Ihn dazu; die volle Zufriedenheit trieb Ihn – ich sage das mit Ehrfurcht –, diesen vollkommenen Menschen aus einem toten Volk herauszunehmen. Das ist es, was sie nicht ertragen konnten. Sie hatten Ihn gekreuzigt, hatten Ihn gehasst, waren Ihn losgeworden, hatten Ihn ans Kreuz genagelt, und Gott hatte Ihn erhöht und verherrlicht und seine Zufriedenheit über Ihn ausgedrückt. Das ganze Volk wird hier getestet. Und das Ergebnis ist: Sie stehen – was Christus anging – Gott entgegen. Das Handeln des jüdischen Volkes und ihrer Führer mit dem Herrn Jesus Christus machte das völlig deutlich. Und ihr werdet überall finden, dass Christus der Prüfstein ist. Wo immer ihr hingeht, sei es unter die Heiligen oder in die Welt, Christus ist der Prüfstein! Bring Christus hinein, einen gekreuzigten Christus, einen auferstandenen Christus, einen verherrlichten Christus, und du hast den Prüfstein. Alles kommt in seinem wahren Charakter heraus, wenn du Christus hineinbringst.

Lasst mich für einen Moment die drei Punkte zusammenfassen, die ich vor mir habe:

  1. Der Charakter der Auferstehung Christi stellt die Offenbarung einer neuen Ordnung der Dinge dar, die Gott aufbauen wollte in dem auferstandenen Menschen nach seinen Ratschlüssen.
  2. Die Jünger wurden geprüft, was ihre Hoffnung anging, weil sie verbunden waren mit der Erde und mit den Dingen dieser Erde.
  3. Die Feinde der Wahrheit wurden geprüft, weil es offenbarte, dass Gott und das Volk einander entgegenstanden in Bezug auf ihr Verhalten Christus gegenüber.

Paulus und die Kraft der Auferstehung Christi

Nun wollen wir nach Philipper 3 gehen, wo wir die zwei Punkte, Charakter und Kraft der Auferstehung, in dem Fall eines Menschen von Fleisch und Blut zusammengebracht finden. Der Charakter und die Kraft zeigt sich bei dem Apostel Paulus, der einmal Saulus von Tarsus war. Er sagt: Das Verlangen meines Herzens ist, „ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden in dem ich seinem Tod gleichgestaltet werde, ob ich auf irgendeine Weise hingelange zur Aus-Auferstehung aus den Toten“ (Phil 3,10.11).

Hier sind nun die zwei Punkte:

  • „ob ich auf irgendeine Weise hingelange zur Aus-Auferstehung aus den Toten“ – das ist der Charakter der Auferstehung;
  • und „zu erkennen … die Kraft seiner Auferstehung“ – das ist die Kraft der Auferstehung.

Was machte auf die Seele dieses Mannes solch einen Eindruck? Das, was wir hier finden, prägte ihn jetzt genauso, wie er in seinem früheren Leben ein entschiedener Mann in Bezug auf das Gesetz gewesen war. Jetzt verfolgte er diese wunderbaren Dinge mit derselben Entschiedenheit, wie er vorher wütend im Verfolgen der Heiligen Gottes und eines verherrlichten Jesus gewesen war. Woher kam das? Lies Apostelgeschichte 26,8. Hier verteidigt sich Paulus selbst vor Agrippa: „Warum wird es bei euch für etwas Unglaubliches gehalten, wenn Gott Tote auferweckt?“ Achte darauf, wie er hier beginnt. Er sprach zu einem Volk, das dieses leugnete. Ihre Herzen waren gegen Gott gerichtet: „Ich meinte freilich bei mir selbst, gegen den Namen Jesu, des Nazaräers, viel Widriges tun zu müssen, was ich auch in Jerusalem getan habe; und viele der Heiligen habe ich in Gefängnisse eingeschlossen, nachdem ich von den Hohenpriestern die Gewalt empfangen hatte; und wenn sie umgebracht wurden, so gab ich meine Stimme dazu. Und in allen Synagogen sie oftmals strafend, zwang ich sie zu lästern; und über die Maßen gegen sie rasend, verfolgte ich sie sogar bis in die ausländischen Städte“ (Apg 26,9-11).

Bei ihm gab es keine halben Sachen, er führte die Verfolgung nicht nach und nach durch, immer ein bisschen; nein, es war durch und durch sein intensives Verlangen, jede Spur von Christus und den Christen von der Bildfläche verschwinden zu lassen: „Und als ich, damit beschäftigt, mit Gewalt und Vollmacht von den Hohenpriestern nach Damaskus reiste, sah ich mitten am Tage auf dem Weg, o König, vom Himmel her ein Licht, das den Glanz der Sonne übertraf, welches mich und die mit mir reisten, umstrahlte. Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren“ (Apg 26,12.13) – es ist ein wunderbarer Weg, wie Gott uns auf die Knie bringt, damit wir seine Stimme hören. Als ob Er sagte: Jetzt will ich mal gehört werden. Ihr seid so beschäftigt, so eifrig, und euer Wille ist so stark am Wirken, aber ich muss jetzt mal gehört werden: „Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren“ – liebe Freunde, es gibt keinen Platz, der so gesegnet ist, wie vor dem Herrn auf dem Boden zu liegen. Kennt ihr den Punkt, der dem Himmel am nächsten ist? Das ist am Boden auf der Erde vor Gott: „Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren, hörte ich eine Stimme in hebräischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, wider den Stachel auszuschlagen. Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst; aber richte dich auf und stelle dich auf deine Füße“ (Apg 26,14-16).

Denk daran, schau diese zwei Dinge an, die hier zusammenkommen: „auf die Erde gefallen“ und „stehe auf“. Da ist ein Mensch der am Boden liegt, den Gott aufheben kann – unten auf der Erde, unten im Staub, das ist der Mensch, den Gott aufheben kann. Und das wollen wir doch auch von uns, nicht wahr, niedrig genug sein für Gott, dass Er uns aufheben kann, nach den Worten Hannas vorzeiten: „Er hebt aus dem Staub empor den Geringen, aus dem Kot erhöht er den Armen, um sie sitzen zu lassen bei den Edlen; und den Thron der Ehre gib er ihnen als Erbteil“ (1Sam 2,8)? Gott sagt hier: „Aber richte dich auf und stelle dich auf deine Füße; denn hierzu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu verordnen, sowohl dessen, was du gesehen hast, als auch worin ich dir erscheinen werde“ (Apg 26,16) usw. Wisst ihr, was diese Worte so besonders interessant macht? Es geht nicht allein um die Bekehrung des Saulus von Tarsus. Es waren die letzten Worte, die Jesus jemals vom Himmel zu der Erde gesprochen hat. In Apostelgeschichte 1 finden wir seine letzten Worte auf der Erde, in Apostelgeschichte 26 seine letzten Worte vom Himmel zu den Menschen auf der Erde. Und mit letzten Worten ist etwas ganz Besonderes verbunden. Wir erinnern uns besonders gerne daran.

Nun, was passierte? Christus, ein verherrlichter Christus, der auferstandene Mensch – Er drückte seine eigene Person in das Herz dieses armen Verfolgers ein, und dieser auferstandene, verherrlichte Christus wurde ihm offenbart. Wem? Einem Menschen, der einmal Saulus von Tarsus war, den alle fürchteten wegen seiner Verfolgung und seines Hasses. Jetzt plötzlich gab es nichts mehr für das Herz dieses Menschen und für seine Gedanken als Christus allein. Christus hatte sich so eingeprägt in seine Seele, auf seine geistlichen Empfindungen. Gottes Sohn wurde ihm offenbart. Und was der Apostel hier sagt, ist dies: Dieser Sohn Gottes erfüllt so meine Bewunderung, erfüllt so meine Seele, dass alles wegfällt. – Es geht im Philipperbrief nicht um die schlechten Dinge, sondern gerade um die guten Dinge, die Paulus hinter sich lässt. Viele Leute wären froh, von den schlechten Dingen frei zu sein. Aber nur wenige sehnen sich danach, von allen Dingen frei zu sein. Du lässt vielleicht gerne die schlechten Dinge fahren, aber bist du bereit, alles fallen zu lassen? Und darum geht es hier. Paulus sagt nicht: Ich habe die schlechten Dinge für Verlust geachtet wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, sondern: Ich achte alles. Die Dinge, die ihm Gewinn waren, waren nicht die schlechten Dinge. Es waren die guten Dinge, und was steht jetzt vor ihm? „Wenn ich auf irgendeine Weise“, das heißt: Ich werde durch alles hindurchgehen, ich werde durch den Tod gehen, ich will das Märtyrertum akzeptieren, alles, wenn ich nur damit mit diesem Herrn einsgemacht werde in diesem wunderbaren neuen Charakter der Auferstehung, den Er eingeführt hat in seiner eigenen Person – so dass ich auf irgendeine Weise hingelange zur Aus-Auferstehung aus den Toten. – Da sehen wir, wie sich die Herrlichkeit Christi in ihrem ganzen Segen auf die Seele des Apostels gelegt hatte.

Der Wunsch, Christus zu erkennen

Und dann sagt Paulus: Was ich jetzt begehre, ist, Ihn zu erkennen. – Jeder, der etwas von Christus erkannt hat, ist davon beeindruckt, wie wenig er von Ihm weiß, und ich habe nie jemand gefunden, der dachte, dass er Ihn kannte, und auch nur eine Sache über ihn wirklich wusste. Es ist, wie wenn jemand einen Berg besteigt. Anfangs erscheint der Gipfel ziemlich nah, doch je näher er zum Gipfel kommt, desto weiter weg erscheint er ihm. Das ist genau das, was gemein ist mit „ob ich ihn erkenne", das ist das Verlangen der Seele. Er hat etwas geschmeckt von dem Frieden, in Christus zu sein, und so sagt er: „ob ich ihn erkenne und die Kraft seiner Auferstehung“.

Die Kraft seiner Auferstehung

Was bedeutet nun die Kraft seiner Auferstehung? Ich glaube nicht, dass es die Kraft ist, durch die Er auferweckt wurde. Früher habe ich gedacht, es müsste heißen: „damit ich erkenne die Kraft, durch die er auferweckt wurde“; nein, ich glaube, dass du und ich durch Gnade moralisch in unseren Seelen Beispiele derselben Kraft sein sollen, weil wir mitauferweckt, mit lebendig gemacht sind mit Ihm. Und bald werden wir auch wörtlich und als historische Tatsache Beispiele davon sein, denn wir werden in unseren Leibern auferweckt werden; aber die Kraft seiner Auferstehung ist zuerst einmal eine moralische Sache.

In Apostelgeschichte 1 finden wir den auferstandenen Herrn, lebendig auf der Erde, vierzig Tage nach seiner Auferstehung, bevor Er in den Himmel ging. Nun, liebe Geschwister, was hat Er mit der Erde zu tun, was bedeutet die Erde für Ihn? Er hatte alles zurückgelassen, Er war ein auferstandener Mensch hier auf der Erde, und die ganze Sache war für Ihn vorbei. Natürlich bedeuteten die Dinge der Erde niemals in irgendeinem Sinn etwas für den Herrn Jesus, aber ich nehme die Tatsache, um zu illustrieren, was ich meine. Er war hier auf der Erde, sein Handeln mit Israel war vorbei, sein Sichdarstellen den jüdischen Hoffnungen und Verheißungen gegenüber war vorbei, sein Handeln mit diesem Volk überhaupt – alles war vorüber. Das jüdische System war Gottes System bis zum Kreuz, aber das Kreuz war das Ende dieses Systems und das Ende auch des Menschen in moralischer Hinsicht. Aber Er war hier auf der Erde vierzig Tage, und Er redete zu seinen Jüngern über das Reich Gottes. Er ließ sie bei ihren Aussichten für die Zeit, während Er noch auf der Erde war, weil, obwohl das System moralisch aufgegeben war, Gott noch in Gnade Geduld übte.

Aber wenn wir zu Christus gehören, sind wir auferstanden mit Christus. Und die Kraft seiner Auferstehung bedeutet dann, dass sie die Verbindung mit den gegenwärtigen Dingen mit der Welt und all dem hier auf der Erde für uns abschneidet – was haben du und ich damit zu tun? Was für ein wirkliches Interesse haben wir, wenn wir die Kraft seiner Auferstehung in unseren Seelen haben, an den Dingen, die zu dieser Erde gehören? Er hat nicht nicht mehr viel zu tun mit den Dingen, die hier unten sind. Er gehört nicht zu dieser Welt. Er hat keine Interessen daran. Wo befindet Er sich? Der Apostel sagt es uns selbst: Er sagt, unser Bürgertum, der Zustand, zu dem wir gehören, hat seine endgültige Existenz im Himmel, und von daher schauen wir nach dem Herrn Jesus als Heiland aus. Dort sind alle unsere Hoffnungen, dort ist unser Heimatland, dort ist unser Zuhause.

Die Macht der Dinge, die uns von Christus abziehen

Wie herrlich ist diese Erlösung. Die Gläubigen sind Menschen, die herausgezogen worden sind aus allem Elend und allem Ruin, die durch den ersten Menschen gekommen waren. Und jetzt sind sie zu Gott selbst gebracht. Wir sind jetzt durch Gnade in Christus, dem zweiten Menschen, dem letzten Adam; und wir haben als solche – Gott sei Dank – eine neue Stellung. Diese neue Stellung im auferstandenen Christus wurde zuerst durch Ihn selbst offenbart, als Er aus den Toten auferstand. Jetzt ist Er in der Herrlichkeit, ein Mensch in einer neuen Stellung nach den Ratschlüssen Gottes; das ist unsere Position oder, wie es allgemein ausgedrückt wird, das ist unsere Stellung vor Gott. Die Kraft davon ist der Heilige Geist, der am Pfingsttag herniederkam.

Aber wir sollten die Stellung und die Kraft nicht miteinander vermischen. Sie sind nicht dasselbe. Es gibt das neue Leben, es gibt die neue Stellung, es gibt die neue Kraft, und der Heilige Geist ist die Kraft dieser neuen Stellung wie auch die Kraft dieses neuen Lebens. Der Charakter seiner Auferstehung zeigt uns den kompletten Sieg, den Gott in seinem eigenen Sohn offenbart hat, dem auferstandenen Menschen. Und als dann der Heilige Geist am Pfingsttag herabkam, da war die Kraft für den Genuss dessen da. Nun sagt der Apostel: „um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung“ (Phil 3,10). Das allein nimmt uns aus den Dingen hier heraus, und, liebe Freunde, es ist nur in dieser Kraft, dass wir von den Schlingen bewahrt bleiben, die uns überall erwarten. Wir sagen oft, die Gefahr liegt darin, einen anderen Gegenstand als Christus zu haben. Das ist wahr.

Aber es gibt noch eine weitere Gefahr, und ich glaube, es gibt solche, die keinen anderen Gegenstand als Christus haben, aber die trotzdem abgezogen werden. Und das ist genauso schlimm, wie andere Gegenstände zu haben. Erforschen wir uns einmal selbst! Haben wir einen anderen Gegenstand, liebe Geschwister? Gibt es Dinge, die uns abziehen? Ich kenne nichts, was mehr die Kraft aus unseren Seelen zieht wie solche Dinge, die uns abziehen, und ich kenne nichts, was mehr die Kraft und die lebendige Wirklichkeit eines lebenden Christus in der Seele verdunkelt wie diese Dinge. Ihr wisst, was mit den irdischen Dingen los ist. Ein Mann, der dadurch abgezogen wird, kann überhaupt nichts Vernünftiges tun. Er wird hierhin und dorthin getrieben, auf jede Seite. Eins ist sicher: Nichts kann uns durch Gottes Gnade frei von anderen Gegenständen halten und von den Dingen, die uns abziehen, nichts kann uns befreien als nur ein beständiger Blick auf Christus in der Herrlichkeit. Und dazu müssen wir gehörig aufpassen, unsere Herzen den Herrn immer wieder vorzustellen. Der Herr schenke uns eine heilige Eifersucht in unseren Seelen. Es ist die einzige Art von Eifersucht, die wir kultivieren sollten. Ich glaube, es gibt nichts Hassenswürdigeres und Verachtenswerteres in der Welt als Eifersucht. Aber hier ist die richtige Art der Eifersucht, nämlich über das Herz in uns selbst, dass nur Christus und die Dinge Christi dort sein sollten, die uns beschäftigen, und zwar unsere ganzen Zuneigungen, unsere ganzen Kräfte.

Der Herr gebe uns durch seine Gnade, dass wir den Charakter und die Kraft seiner Auferstehung besser erkennen, um seines Namens willen!

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Originaltitel: „The Character and Power of Christ’s Resurrection“
Dritter Vortrag aus der Reihe „The Ressurection of the Lord Jesus from among the Dead“, London 1886

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