Beugung unter den Willen Gottes
5. Mose 2,1

Charles Henry Mackintosh

© CSV, online seit: 27.12.2005, aktualisiert: 19.07.2016

Leitvers: 5. Mose 2,1

5Mo 2,1: Und wir wandten uns und brachen auf nach der Wüste, des Weges zum Schilfmeere, wie der HERR zu mir geredet hatte; und wir umzogen das Gebirge Seir viele Tage.

Es ist sehr schön, zu sehen, wie völlig Mose sich selbst mit dem Volke verbindet. Er sowie Josua und Kaleb mussten mit der ungläubigen Gemeinde in die Wüste zurückkehren. Dies mag der Natur hart erscheinen; aber sicher war es gut und nützlich. In der Beugung unter den Willen Gottes liegen stets tiefe Segnungen verborgen, wenn wir auch nicht immer fähig sein mögen, das Wie und Warum zu verstehen. Wir hören nicht ein einziges murrendes Wort aus dem Munde dieser geehrten Diener Gottes darüber, dass auch sie vierzig Jahre in die Wüste zurückkehren mussten, obwohl sie völlig bereit waren, in das Land einzuziehen. Nein, sie kehrten einfach zurück. Und sie konnten dies wohl tun, wenn der HERR ebenfalls zurückkehrte. Wie hätten sie sich beklagen können, wenn sie sahen, dass auch der Gott Israels Sich nach der Wüste umwandte?

Es ist etwas Großes, sich stets demütig unter die Hand Gottes zu beugen. Tun wir es, können wir immer mit Sicherheit eine reiche Ernte erwarten. Wir nehmen dann wirklich das Joch Christi auf, was, wie Er selbst uns versichert, das wahre Geheimnis der Ruhe ist (vgl. Mt 11,28-30). Worin bestand dieses Joch? In der unbedingten und vollkommenen Unterwerfung unter den Willen des Vaters, der wir im ganzen Leben unseres anbetungswürdigen Herrn und Heilandes begegnen. Er konnte sagen: „Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir.“ Das war die einzige Frage, um die es sich stets bei Ihm handelte. Wurde Sein Zeugnis auch verworfen, schien Er auch umsonst zu arbeiten und „seine Kraft vergeblich und für nichts zu verzehren“, so sagte Er dennoch: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde.“ Was vor dem Vater wohlgefällig war, das gefiel auch Ihm. Er hatte nie einen Gedanken oder einen Wunsch, der nicht in vollkommener Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters gestanden hätte. Daher erfreute Er Sich als Mensch ununterbrochen einer vollkommenen Ruhe. Er ruhte in den Ratschlüssen und Vorsätzen Gottes. Ein ungestörter Friede erfüllte Sein Herz vom Beginn Seines Weges bis zu Seinem Ende.

Das war das Joch Christi, und Er lädt uns in Seiner unendlichen Gnade ein, es auf uns zu nehmen, damit wir Ruhe finden möchten für unsere Seelen. Beachten wir die Worte: „Ihr werdet Ruhe finden.“ Wir dürfen die „Ruhe“, die Er gibt, nicht verwechseln mit der „Ruhe“, die wir finden. Wenn die müde, schuldbeladene Seele in einfältigem Glauben zu dem Herrn Jesus kommt, so gibt Er ihr Ruhe, unerschütterliche Ruhe, gegründet auf die volle Überzeugung, dass alles, was nötig war, getan ist. Er hat die Sünden für immer hinweggetan, eine vollkommene Gerechtigkeit hergestellt und uns zugerechnet, jede Frage göttlich und ewig gelöst. Gott ist verherrlicht, Satan zum Schweigen gebracht und das Gewissen beruhigt.

Das ist die Ruhe, die der Herr Jesus uns gibt, wenn wir zu Ihm kommen. Aber dann haben wir durch die wechselnden Szenen und Umstände des täglichen Lebens hindurchzugehen. Da gibt es Versuchungen, Schwierigkeiten, Übungen, Kämpfe, getäuschte Erwartungen und Widerwärtigkeiten aller Art. Zwar vermögen alle diese Dinge die Ruhe, die der Herr Jesus gibt, nicht zu stören, wohl aber können sie die Ruhe beeinträchtigen, die wir zu finden haben. Sie beunruhigen nicht das Gewissen, wohl aber das Herz. Sie können uns ruhelos, verdrießlich und ungeduldig machen. Ich beabsichtige zum Beispiel, irgendwo das Evangelium zu verkündigen. Ich habe mich bereits dort angemeldet und werde erwartet. Da plötzlich werde ich krank und muss zu Hause bleiben. Dies beunruhigt zwar mein Gewissen nicht, kann aber sehr wohl mein Herz beunruhigen. Ich bin enttäuscht, weiß nicht, was ich tun soll, und werde vielleicht ganz verdrießlich.

Wie kann ich nun einen solchen Zustand überwinden? Wie kommen Herz und Gemüt zur Ruhe? Was benötige ich in diesem Zustande? Ich muss Ruhe finden. Doch wie kann ich sie finden? Indem ich mich niederbeuge und das Joch Christi auf mich nehme, jenes Joch, das Er Selbst in den Tagen Seines Fleisches getragen hat, das Joch der vollkommenen Unterwerfung unter den Willen des Vaters. Es geht darum, rückhaltlos aus der Tiefe meines Herzens sagen zu können: „Dein Wille, o Herr, geschehe!“ Ich bedarf eines so tiefen Gefühls von Seiner unendlichen Liebe und Seiner unergründlichen Weisheit in allen Seinen Handlungen mit mir, dass ich die Umstände nicht zu verändern wünsche, selbst wenn dies in meiner Macht stände.

Das kostbare Geheimnis der Ruhe des Herzens in allen Lagen und Umständen des Lebens liegt also in der Fähigkeit begründet, Gott für alles Geschehen zu danken, sei es auch unseren eigenen Plänen noch so sehr entgegen. Es beschränkt sich nicht auf die bloße Anerkennung der Wahrheit, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind“, sondern wird von der bestimmten Überzeugung getragen, dass alles, was Gott tut, und so, wie Er es tut, am besten für mich ist. Ich ruhe völlig in der Liebe, Weisheit und Treue Dessen, der es übernommen hat, für alles, was mich in Zeit und Ewigkeit betrifft, Sorge zu tragen. Wir wissen, dass die Liebe für ihren Gegenstand immer das Beste zu tun sucht. Was muss es sein, wenn Gott Sein Bestes für uns tut! Welches gläubige Herz möchte nicht zufrieden sein mit dem Besten Gottes?

Abschließend zu diesen Überlegungen sei bemerkt, dass Gläubige dreierlei verschiedene Haltungen im Blick auf die Handlungsweise Gottes einnehmen können: Unterwerfung, Ergebung oder Freude. Wenn der Eigenwille gebrochen ist, so wird sich Unterwerfung zeigen. Ist der Verstand erleuchtet über den Zweck, den Gott verfolgt, so tritt Ergebung hinzu. Und sind die Zuneigungen des Herzens mit Gott Selbst verbunden, so ist wirkliche Freude vorhanden. Daher lesen wir in Lukas 10,21: „In selbiger Stunde frohlockte Jesus im Geiste und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir.“ Unser Herr fand Seine Wonne in dem ganzen Willen Gottes. Es war Seine Speise und Sein Trank, den Willen Gottes um jeden Preis zu tun. Im Dienst oder im Leiden, im Leben oder im Sterben leitete Ihn kein anderer Beweggrund als der Wille Seines Vaters. Er konnte sagen: „Ich tue allezeit das ihm Wohlgefällige.“

„Und der HERR redete zu mir und sprach: Lange genug habt ihr dieses Gebirge umzogen; wendet euch gen Norden.“ Das Wort des Herrn ordnete alles. Es bestimmte, wie lange das Volk an einem Orte bleiben sollte, und gab mit derselben Genauigkeit an, wohin es nachher seine Schritte zu lenken hatte. Das Volk hatte nichts zu tun, als zu gehorchen. Ist das Herz in der richtigen Stellung, so kann es für ein Kind Gottes nichts Köstlicheres als das Bewusstsein geben, in allen seinen Unternehmungen durch das Wort Gottes geleitet zu werden. Es wird bewahrt vor vieler Angst und Unruhe. Für Israel, das berufen war, durch eine „große und schreckliche“ Wüste zu pilgern, wo es keinen Weg gab, war es eine unaussprechliche Gnade, jeden Schritt und jeden Halteplatz von einem unfehlbaren Führer angewiesen zu erhalten. Sie hatten nicht nötig, sich zu beunruhigen und zu überlegen, wie lange sie an einem Ort zu bleiben oder wohin sie sich nachher zu wenden hatten. Der HERR ordnete alles für sie. Sie hatten einfach auf Ihn und Seine Leitung zu warten und zu tun, was ihnen geboten wurde. Wollten sie ihren eigenen Weg gehen, so hatten sie nur Hunger, Verwüstung und Finsternis zu erwarten. Das Wasser aus dem geschlagenen Felsen und das himmlische Manna waren nur auf dem Rade des Gehorsams zu finden.

Wir können aus alledem eine heilsame und wertvolle Belehrung ziehen. Es ist unser Vorrecht, Tag für Tag den Pfad zu gehen, den Gott uns vorzeichnet. Dieses Bewusstsein sollte uns tief durchdringen, und wir sollten uns diese reiche Segnung durch die vernünftelnden Urteile der Ungläubigen nicht rauben lassen. Gott hat verheißen, uns zu leiten, und Seine Verheißungen sind Ja und Amen. An uns ist es, sich diese Verheißungen in der Einfalt des Glaubens zuzueignen. Alles ist so wirklich und wahr, wie Gott es machen kann. Wodurch kannte Israel die Länge seines Aufenthaltes und die Richtung seiner Wege? Durch das Wort Gottes. Besitzen wir weniger? Im Gegenteil. Wir haben zu unserer Leitung nicht nur das Wort, sondern auch den Heiligen Geist, und es ist unser hohes und heiliges Vorrecht, in den Fußstapfen des Sohnes Gottes zu wandeln.

Ist das nicht eine vollkommene Leitung? Ganz gewiss. Der Herr sagt uns: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Beachten wir die Worte „wer mir nachfolgt“. Er hat uns „ein Beispiel hinterlassen, auf dass wir seinen Fußstapfen nachfolgen“. Wie wandelte der Herr Jesus? Allezeit und ausschließlich nach dem Gebot Seines Vaters. Nie handelte, wirkte oder sprach Er ohne Weisung aus Seines Vaters Munde.

Nun, wir sind berufen, Ihm nachzufolgen, und wenn wir das tun, so haben wir die Versicherung Seines eigenen Wortes, dass wir nicht in Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben werden. Köstliche Worte: „das Licht des Lebens“! Wer könnte ihre Tiefe ergründen? Wer könnte ihren Wert gebührend schätzen? „Die Finsternis vergeht, und das wahrhaftige Licht leuchtet schon“, und an uns ist es, im vollen Scheine des Lichtes zu wandeln, das den Pfad des Sohnes Gottes beleuchtete. Da gibt es keine Ungewissheit, keine Unruhe, keinen Grund zu Bedenken irgendwelcher Art.


Originaltitel: „Beugung unter den Willen Gottes“
aus Ermunterung und Ermahnung, 1983, S. 8–14

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