Älteste in der Gemeinde

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Einleitung

Es ist viel angenehmer, die Reichtümer der Gnade Gottes und die Liebe Christi zu betrachten, als über die Frage von Ämtern und Satzungen zu streiten. Es ist jedoch manchmal nötig, davon zu reden, weil man bereits davon spricht, um die Ruhe der Christen zu stören und ihre Geister zu erregen, als ob ihr Christentum mangelhaft sei, als ob sie in Unordnung wandelten und ihnen vor Gott etwas fehlte. Deshalb, um diese Streitpunkte zu erklären und die Geister der Christen zu beruhigen, werden wir einige Zeilen über die Ämter und Gaben schreiben. Wir wünschen aber von ganzem Herzen, dass ein jeglicher, welcher hierüber wirklich klargeworden ist, sich von diesen Fragen abwende und sie ganz und gar verlasse, um sich mit Christus, mit seiner unerschöpflichen Liebe und seiner unermesslichen Gnade zu beschäftigen. Dieses ernährt und erbaut; durch solche Fragen aber verdorrt die Seele (J.N. Darby aus „Gaben und Ämter“, Botschafter des Heils in Christo, 1856).

Zwei Gefahren

Fehlende Autorität

Übt niemand Autorität, dann ist keine Führung in der Gemeinde, und dann wird eine Gemeinde leicht ziellos. Zudem wird sie zu einem freien Tummelfeld für allerlei eigensinnige Geschäfte und private Ambitionen. Es leidet der Missionsauftrag, es leidet der Dienst an den Gemeindegliedern. Unordnung und Zank, Rivalität und Gerangel können überhandnehmen:

  • Wo keine Führung ist, verfällt ein Volk (Spr 11,14; bgl. Mt 9,36).
  • Das ganze Buch der Richter ist uns als lebendiger Anschauungsunterricht dafür gegeben, dass ein führerloses Volk verfällt (Ri 17,6; 21,25).
  • Fehlende Führung bringt Verlust.

Übermaß an Autorität

Zu autoritäre Führung unterdrückt den Geist. Wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit (2Kor 3,17); denn der Geist Gottes vergreift sich nie an der Mündigkeit der Glaubenden (vgl. 2Kor 1,24). Am Übel des Übermaßes [besser „Missbrauchs“; Anm. d. Hrsg.] an Autorität hat die christliche Kirche sicher mindestens so sehr gelitten wie am erstgenannten. Stramme äußerliche Disziplin ersetzt in solchem Fall geistliche innerliche Zucht. Aktivismus und Rührigkeit täuschen geistliche Kraft vor. Auf diesem Weg kann Chaos vermieden werden, aber an dessen Stelle tritt äußerer Schein, und statt Anarchie regiert Pharisäertum. Es mag dann wohl Einigkeit bestehen, wie sie von der römisch-katholischen Kirche gern demonstriert wird, aber Beugung unter einen starken menschlichen Willen, nicht unter Gottes Willen, Gleichschaltung durch eine mächtige Zentrale und nicht geistgewirkte Überzeugungen hat sie geschaffen. Damit ist überhaupt nichts gewonnen, im Gegenteil: Die Gemeinde wird auf diesem Weg zu einem Zerrspiegel, der Gott und sein Wesen in verzogener Weise darstellt. So traurig kein Zeugnis ist, es ist immer noch weniger schlimm als ein falsches Zeugnis.

Bei autoritärer menschlicher Führung ersetzen

  • menschliche Einrichtungen das Wort Gottes
  • menschliche Maßregeln die Zucht des Geistes
  • menschliche Führer den Sohn Gottes selbst (3Joh 9).

Missbrauch von autoritärer Führung bringt Tod.
(B. Peters Weder Diktatur noch Demokratie, CLV-Verlag [leicht geändert; Anm. d. Red.].)

Worin besteht der Unterschied zwischen Gaben und Ämtern?

Gaben

Der auferstandene Herr im Himmel ist der Geber der Gaben. Gaben sind besondere Befähigungen (neben den natürlichen Befähigungen), die der Herr den Gläubigen gibt. Gaben sind nach Epheser 4 aber auch bestimmte Personen, die vom Herrn dem Leib als Gabe gegeben wurden (Hirten, Lehrer, Propheten, Apostel). Das Betätigungsfeld dieser Gaben ist der ganze Leib Christi und sie werden durch keine Örtlichkeit begrenzt oder in ihrem Dienst eingeschränkt.

Also hat der Herr Jesus diese Gaben in seiner Menschheit empfangen und sie den Menschen gegeben, um das Werk des Evangeliums und der Kirche Gottes zu vollbringen; und diejenigen, welche diese Gaben empfangen, sind verpflichtet, Gott gemäß damit zu handeln, die Seelen zu gewinnen, die Christen zu erbauen, den Herrn und ihren himmlischen Meister zu verehren (J.N. Darby).

Ämter

Worin unterscheiden sich nun die Ämter von den Gaben? Der Herr Jesus hat allen Gläubigen eine ganz bestimmte Aufgabe (Gabe) gegeben (1Pet 4,10). Von einem Amt kann man dies nicht sagen, da nicht jeder Gläubige ein Amt empfangen hat. Ein Amt ist dadurch gekennzeichnet, dass es ganz bestimmten Gläubigen (siehe Qualifikationen z.B. für einen Ältesten) einer örtlichen Versammlung/Gemeinde anvertraut wurde und auch nur auf diesen Ort begrenzt ist (Tit 1,5; Apg 20,17; 14,23; 1Thes 5,12).

Weil man den Unterschied zwischen Gabe und Amt in der Christenheit nicht verstanden hat, gibt es heute zum Beispiel Pastoren. Diese Leute sind in der Regel nur Pastor (Hirte) für eine ganz bestimmte Gemeinde an einem speziellen Ort, obwohl nach der Schrift die Gabe des Hirten immer für den ganzen Leib ist. Die Person, die ein Amt bekleidet, unterliegt bestimmten moralischen Qualifikationen. Eine Gabe ist daran nicht direkt gebunden. In ein Amt wird jemand angestellt, ernannt (oder ausgewählt). Eine Gabe bekommt man von Christus durch den Heiligen Geist.

Es gibt nur zwei unterschiedliche Ämter: das des Diakons und das des Aufsehers (oder Ältesten).

Was sind die typischen Dienste von „Gaben“ und wo betätigen sich diese?

Eph 4,7.8: Jedem Einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem Maße der Gabe des Christus. Darum sagt er: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er die Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben“ {Ps 68,18}.

Eph 4,11.12: Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi {o. des Christus}.

Röm 12,6-8: Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade: es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maße des Glaubens; es sei Dienst, so lasst uns bleiben im Dienst; es sei, der da lehrt, in der Lehre; es sei, der da ermahnt, in der Ermahnung; der da mitteilt, in Einfalt {o. Bereitwilligkeit, Freigebigkeit}; der da vorsteht, mit Fleiß; der da Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.

1Kor 12,8-11: Denn einem wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geiste; einem anderen aber Glauben in {d.h. in der Kraft des} demselben Geiste, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in {d.h. in der Kraft des} demselben Geiste, einem anderen aber Wunderwirkungen, einem anderen aber Prophezeiung {o. Weissagung; so auch später}, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen aber Arten von Sprachen {o. Zungen; so auch Vers 28 und 30}, einem anderen aber Auslegung der Sprachen {o. Zungen; so auch Vers 28 und 30}. Alles dieses aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere austeilend, wie er will.

1Kor 12,28: Und Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, sodann Wunderkräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Regierungen, Arten von Sprachen.

1Pet 4,10: Je nachdem ein jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dienet einander damit als gute Verwalter der mancherlei Gnade Gottes.

Die Gaben auf dieser langen Liste sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht auf einen Ort begrenzt sind, sondern für den ganzen Leib gelten. Ein weiteres sehr wichtiges Kennzeichen finden wir in 1. Korinther 12,11, wo es heißt, dass der Geist einem jedem insbesondere austeilt, wie Er will.

Wer kann ein Ältester (oder Aufseher) sein?

Aufseher und Älteste sind zwei Bezeichnungen für dasselbe Amt, wovon die eine mehr die Aufgabe, die andere mehr den moralischen Charakter des Amtes betont.

Hier eine Liste von Eigenschaften und Qualifikationen für einen Ältesten:

  • Er muss untadelig sein (1Tim 3,2).
  • Er muss der Mann einer Frau sein (1Tim 3,2).
  • Er muss nüchtern und besonnen sein (1Tim 3,2).
  • Er muss sittsam, gastfrei und lehrfähig sein (1Tim 3,3).
  • Er darf kein Schläger oder Weinsäufer sein (1Tim 3,3)
  • Er muss milde und darf nicht streitsüchtig sein (1Tim 3,3).
  • Er darf nicht geldliebend sein (1Tim 3,3).
  • Er muss seinem eigenen Haus wohl vorstehen (1Tim 3,4).
  • Er hält seine Kinder in Unterwürfigkeit mit würdigem Ernst (1Tim 3,4).
  • Er darf kein Neuling sein (1Tim 3,6).
  • Er muss ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind (1Tim 3,7).
  • Er muss gläubige Kinder haben (Tit 1,6).
  • Er darf nicht eigenmächtig handeln (Tit 1,7).
  • Er darf nicht zornmütig sein (Tit 1,7).
  • Er liebt das Gute (Tit 1,8).
  • Er ist gerecht, fromm und enthaltsam (Tit 1,9).
  • Er hängt der gesunden Lehre des Wortes an (Tit 1,9).
  • Er ist fähig, mit der gesunden Lehre zu ermahnen und die Widersprechenden zu überführen (Tit 1,9).
  • Er stopft den Schwätzern und Betrügern den Mund (Tit 1,11).
  • Älteste geben acht auf sich selbst und auf die Herde (Apg 20,28).

Zu Ältesten konnten naturgemäß nicht junge oder neubekehrte Leute bestellt werden: „… nicht ein Neuling, auf dass er nicht, aufgebläht, ins Gericht des Teufels verfalle“ (1Tim 3,6). Ein Ältester musste verheiratet sein, und zwar einer Frau Mann, untadelig in seinem persönlichen Leben, ein guter Gatte und Vater, der dem eigenen Hause wohl vorstand, von gelindem, friedfertigem Charakter, gastfrei, besonnen, enthaltsam, lehrfähig, von gutem Zeugnis bei der Welt usw. (vgl. 1Tim 3,1-7; Tit 1,6-9). Lämmer der Herde Christi, sie zu hüten vor allen Gefahren, von Haus zu Haus, von Familie zu Familie zu gehen, zu weinen mit den Weinenden, sich zu freuen mit den sich Freuenden, die Alten zu ermuntern, die Jungen zu ermahnen, die erschlafften Hände aufzurichten und die gelähmten Knie zu befestigen, auf jeden Einzelnen das Licht des Wortes leuchten zu lassen und mit aufrichtiger Liebe und väterlichem Verständnis an den Schwierigkeiten aller teilzunehmen. Er musste „fähig sein, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen, als auch die Widerspenstigen zu überführen“. Denn es gab schon damals „zügellose Schwätzer und Betrüger“, welche um schändlichen Gewinnes willen böse, ungeziemende Dinge lehrten und ganze Häuser umkehrten (Tit 1,9.10). Solchen mussten sie rücksichtslos „den Mund stopfen“. Es ist offenbar, dass zu solch gesegnetem, vielseitigem Dienst nur treue, erprobte Männer fähig waren und dass es einer sorgfältigen Auswahl bei ihrer Bestellung bedurfte. Es war ein großes Vorrecht, in solcher Weise tätig sein zu dürfen. Darum sagt der Apostel auch: „Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk“ (1Tim 3,1). Nur durchaus unbescholtene Männer, die persönlich in den verschiedenen Lebensverhältnissen, als Jüngling, Mann, Gatte, Vater, Erfahrungen gemacht hatten, konnten den Anforderungen eines solchen Dienstes genügen. Sollten ihre Ermunterungen, Ermahnungen und Zurechtweisungen Kraft haben, so musste ihr Leben und ihr ganzes Verhalten beweisen, dass sie zunächst auf sich selbst achthatten und unter der Zucht des Geistes standen (Apg 20,28).

Betrachten wir einige der von dem Apostel genannten Vorbedingungen noch etwas näher. Sie alle beweisen die Richtigkeit unserer Behauptung, dass es sich zunächst gar nicht um Begabung handelte – obwohl diese, wie bemerkt, vorhanden sein konnte, denn die, „welche wohl vorstehen, sollen doppelter Ehre würdig geachtet werden, sonderlich die da arbeiten in Wort und Lehre“ (1Tim 5,17) –, sondern nur um sittliche Eigenschaften und geistliche Fähigkeiten. So durfte z.B. ein Ältester, wie wir hörten, nicht unverheiratet sein, aus Gründen, die leicht zu erraten sind. Auch musste er einer Frau Mann sein, d.h., er durfte nicht, wie es in jenen Tagen unter Juden und Heiden vielfach gebräuchlich war, mehrere Frauen haben. Das war ein Verstoß gegen Gottes ursprüngliche Ordnung. Solchen Männern konnte die Gemeinschaft am Tische des Herrn nicht verweigert werden, wenn sie bekehrt wurden, aber zu Aufsehern, zu heiligen Wächtern über die Ordnung Gottes unter den Gläubigen, waren sie nicht tauglich.

Ferner musste der persönliche Charakter des Ältesten untadelig, er selbst vor der Welt unbescholten sein. Es hat Gott oft gefallen, Leute, deren Vorleben in sittlicher Beziehung höchst traurig war, als gesegnete Evangelisten zu benutzen und sie vielen zu Wegweisern aus Schmutz und Gewalttat heraus dienen zu lassen; aber zu einem Aufseherdienst würden sie nicht geschickt gewesen sein. Auch war zu einem solchen Dienst ein besonderes Maß von Bescheidenheit, würdigem Ernst, Sittsamkeit und Enthaltsamkeit notwendig. Wie hätten sonst die Ermahnungen Gewicht, die Bitten und Vorstellungen Einfluss haben können? Die Möglichkeit eines Hinweises auf eigenes Verfehlen und Zukurzkommen würde unter Umständen jeden guten Eindruck von vornherein ausgeschlossen haben.

Weiterhin musste ein Aufseher „lehrfähig“ sein, oder, wie Paulus an Titus schreibt, „dem zuverlässigen Worte nach der Lehre zu ermahnen, als auch die Widersprechenden zu überführen“ (Tit 1,9). Es war nicht erforderlich, dass er ein „Lehrer“ im eigentlichen Sinne des Wortes war, aber er musste die gute, zuverlässige Lehre kennen und imstande sein, das Wort im persönlichen Verkehr mit den Seelen richtig anwenden, den Schwachen und Kleinmütigen zum Trost, den Irrenden und Unordentlichen zur Zurechtweisung, den Verkehrten und Widerstrebenden zur Überführung; nicht eigenmächtig, zornmütig oder streitsüchtig, sondern als „Gottes Verwalter“ sanft und gelinde, aber bestimmt und ernst. Denn „eine gelinde Antwort wendet den Grimm ab, aber ein kränkendes Wort erregt den Zorn“; und „ein weiser Mann versöhnt den Grimm“, „eine gelinde Zunge zerbricht Knochen“ (Spr 15,1; 16,14; 25,15).

Um allezeit in dieser Verfassung zu sein, durfte ein Aufseher sich nicht dem Weingenuss ergeben. Der Wein „erhitzt“ (Jes 5,11), raubt Nüchternheit und Besonnenheit und trübt das Urteil: Man unterscheidet nicht mehr zwischen dem Heiligen und Unheiligen, zwischen dem Reinen und Unreinen (3Mo 10,9.10).

Einer der Gründe, weshalb ein Ältester verheiratet sein musste, ist wohl auch darin zu suchen, dass sein Haus gastfrei sein sollte, offen für jeden Bruder und jede Schwester. Einem unverheirateten Bruder ist es kaum möglich, ein solches offenes Haus zu haben. Gastfreundschaft ist aber Gott besonders wohlgefällig (vgl. Röm 12,13; 1Tim 5,10; Heb 13,2; 1Pet 4,9). In dieser Hinsicht sollte also der Aufseher den Gläubigen mit gutem Beispiel vorangehen, „ein Vorbild der Herde“ sein. Gajus in Korinth war der Wirt des Apostels Paulus und der ganzen Versammlung. Er war wohl kein angestellter Ältester, denn in Korinth scheinen keine Ältesten gewesen zu sein; aber so steht von ihm geschrieben zur Ermunterung für uns (Röm 16,23). Welch eine liebliche Vorsorge hatte der Herr auf diese Weise für das leibliche Wohl seiner Knechte getroffen, die von Stadt zu Stadt gingen mit dem Worte des Evangeliums oder der Erbauung! Wie ermunternd ist es auch heute noch für einen Diener des Herrn, der sich auf langer, ermüdender Reise oder Fußwanderung befindet, zu wissen: Heute Abend darf ich frei bei dem und dem Bruder einkehren; er ist von dem Herrn unterwiesen, gastfrei zu sein, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig aus dem Besuch zu machen!

Eine wichtige Eigenschaft lautet: „nicht Geld liebend“, oder: „nicht schändlichem Gewinn nachgehend“ (Tit 1,7). Petrus ermahnt die Ältesten, „die Aufsicht nicht aus Zwang zu führen, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig“ (1Pet 5,2). In Apostelgeschichte 20,35 wird den Ältesten empfohlen, mit eigenen Händen zu arbeiten und sich der Schwachen anzunehmen, eingedenk der Worte des Herrn Jesu: „Geben ist seliger als nehmen.“

Besonders ernst war die Bedingung: „… der seinem eigenen Hause wohl vorsteht, der seine Kinder in Unterwürfigkeit hält mit allem würdigen Ernst; denn wenn jemand dem eigenen Hause nicht vorzustehen weiß, wie wird er die Versammlung Gottes besorgen?“ (vgl. Tit 1,6). Es mochte mancherlei Gründe für die in dem Hause eines Gläubigen herrschende Unordnung geben, aber wenn solche vorhanden war, wenn es dem Hausvater an der nötigen Weisheit und Energie mangelte, wenn seine Kinder zügellos oder gar ausschweifend waren, so konnte er nicht mit der Aufsicht über die Versammlung Gottes betraut werden. Selbst der Besitz einer Gabe als Evangelist oder Lehrer änderte hieran nichts.

Dass ein Ältester kein „Neuling“ sein durfte, haben wir bereits erwähnt. Im Alten wie im Neuen Testament wird unter einem „Ältesten“ immer ein Mann in reiferen Jahren verstanden. Es gibt wohl keine einzige Ausnahme von dieser Regel. Das Wort deutet ja schon an und für sich darauf hin, dass ein junger Mann unmöglich für dieses Amt in Aussicht genommen werden konnte. Er würde bald, „aufgebläht, in das Gericht des Teufels verfallen“ sein. Denn abgesehen von den „jugendlichen Lüsten“ sind Selbstgefälligkeit und Überschätzung der eigenen Wichtigkeit besondere Gefahren der Jugend (aus Die Versammlung des lebendigen Gottes, R. Brockhaus, CSV-Verlag).

Was sind die Dienste von Ältesten?

  • Sie gehen den Irrenden nach (Mt 18,12*; Jak 5,19*).
  • Sie weisen die Unordentlichen zurecht (1Thes 5,14*).
  • Sie trösten die Kleinmütigen (1Thes 5,14*).
  • Sie helfen den Schwachen auf (1Thes 5,14*; Apg 20,35).
  • Sie üben Langmut (1Thes 5,14*).
  • Sie üben Sanftmut (Gal 6,1*).
  • Sie ermahnen mit Tränen (Apg 20,31).
  • Sie überführen die Widersprechenden (Tit 1,9).
  • Sie ermuntern (Apg 20,31).
  • Sie warnen (Apg 20,28.31).
  • Sie üben Aufsicht und stehen vor (1Thes 5,12; Apg 20,28).
  • Sie haben acht auf die Herde (Apg 20,28).
  • Sie ermahnen mit der gesunden Lehre (Tit 1,9).
  • Sie stopfen Betrügern und zügellosen Schwätzer den Mund (Tit 1,10.11).
  • Sie hüten die Herde Gottes, die bei ihnen ist (1Pet 5,2).
  • Sie führen Aufsicht (1Pet 5,2).
  • Sie sind Vorbilder der Herde (1Pet 5,3).

* Hier geht es auch ganz allgemein um Brüder, nicht nur um Älteste!

Wie viele Älteste sollte es an einem Ort geben?

Fragen wir jetzt nach der Zahl der Ältesten, so ist im Worte Gottes darüber keine Anordnung getroffen; wir wissen nur, dass es in einer Versammlung niemals nur einen, sondern immer mehrere Älteste gab. Die Zahl richtet sich jedenfalls nach der Größe der örtlichen Gemeinde und nach den vorliegenden Bedürfnissen. In Apostelgeschichte 14,23 heißt es: „Als sie (die Apostel Paulus und Barnabas) ihnen aber in jeder Versammlung Älteste gewählt hatten usw.“ Im nächsten Kapitel wird uns berichtet, dass die Apostel und die Ältesten von Jerusalem sich versammelten (V. 6). Im 20. Kapitel ruft Paulus die Ältesten der Versammlung von Ephesus nach Milet herüber (V. 17). Titus wurde von dem Apostel in Kreta zurückgelassen, damit er „in jeder Stadt Älteste anstellen möchte“ (Tit 1,5). In der Anrede an die Versammlung in Philippi werden außer den Heiligen „Aufseher“ (Älteste) und Diener genannt. In Jakobus 5,14 wird der Kranke angewiesen, die Ältesten der Versammlung zu sich zu rufen (aus Die Versammlung des lebendigen Gottes, R. Brockhaus, CSV-Verlag).

Wer setzt Älteste ein oder wie werden solche gewählt?

Im Neuen Testament sehen wir, dass ausschließlich die Apostel (besonders Paulus) und die von dem Apostel dazu bevollmächtigten Personen (z.B. Timotheus und Titus) Älteste einsetzten oder bestimmten – dies waren somit „offizielle“ Älteste. Eine „Wahl“ von Ältesten durch einzelne Personen oder ganze Versammlungen kennt die Schrift nicht. Daraus wird auch deutlich, dass das Ältestenamt (eine Person wird in ein Amt gestellt) nur in dieser apostolischen Zeit existierte. Auch wenn es das „Amt“ des Ältesten und somit auch keine „offiziellen“ Älteste mehr gibt, so haben wir dennoch den „Dienst“ des Ältesten. Das heißt, offizielle Autorität gibt es heute nicht mehr, wohl aber moralische Autorität. Es gibt auch heute noch solche in den Versammlungen/Gemeinden, die den Irrenden nachgehen, die Unordentlichen zurechtweisen, die Kleinmütigen trösten, den Schwachen aufhelfen – mit einem Wort: die da ermahnen, warnen und Aufsicht üben. Der Heilige Geist (Apg 20,28) setzt diese ein, und die Gläubigen anerkennen jene, die unter ihnen arbeiten, vorstehen und zurechtweisen (1Thes 5,12).

Sollten Älteste finanziell unterstützt werden?

Die Heilige Schrift gibt an einer Stelle Anlass dazu, diese Frage zu stellen.

1Tim 5,17.18: Die Ältesten, welche wohl vorstehen, lass doppelter Ehre würdig geachtet werden, sonderlich die da arbeiten in Wort und Lehre {o. Belehrung}. Denn die Schrift sagt: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“ {5Mo 25,4}, und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert“ {Lk 10,7}.

Offenbar will Paulus, dass gewisse Älteste von der örtlichen Gemeinde finanziell unterstützt werden. Dass „doppelte Ehre“ so gemeint ist, geht aus dem Kontext hervor. Im vorherigen Abschnitt ordnete er die Ehrung von „wirklichen Witwen“ an (Kap. 5,3-10). Die Gemeinde soll die vorbildlichen Witwen verzeichnen und unterhalten, wenn sie nicht mit der Unterstützung ihrer eigenen Kinder rechnen können. Hier ist Paulus’ Verwendung von „Ehre“ ganz im Sinne des sechsten Gebots (2Mo 20,12). Unser Herr Jesus verstand dieses Gebot, die Eltern zu ehren, als Auftrag, unsere eigenen Eltern im Alter finanziell zu unterhalten (Mt 15,4-6). Bleibt diese biblische Verehrung der Mutter aus, treten Gottes Kinder an die Stelle der leiblichen Kinder der Witwe, da sie in ihr ohnehin ihre Mutter zu sehen haben (Kap. 5,2). Weiter begründet Paulus seine Aufforderung mit direkten Zitaten aus dem Gesetz Moses (5Mo 25,4) und des Herrn Jesus (Mt 10,10; Lk 10,7): „Denn die Schrift sagt: Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden, und: Der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Aber was genau ist mit dieser „doppelten Ehre“ gemeint? Manche Ausleger vertreten die Ansicht, dass diese Ältesten den doppelten Betrag erhalten, d.h. das Zweifache der vereinbarten Witwenrente. Mag sein, aber es ist wahrscheinlicher, dass Paulus die Summe nicht bestimmt. Vielleicht denkt er an die Ehre, die den Menschen in Autorität gebührt (Kap. 6,1; Röm 13,7) […] Zu dieser Ehre, die jedem Ältesten entgegenzubringen ist, kommt eine zweite zusätzliche Ehre oder Honorar (lat. honorarium oder Ehre) für den Ältesten hinzu, der sich im Dienst besonders ausgezeichnet hat. Eine andere Erklärung verdient aber auch unsere Beachtung. Wenn der „wirklichen“ Witwe, die sich selbst nicht mehr unterhalten kann, unsere finanzielle Ehre gebührt, wie viel mehr dem vorbildlichen Ältesten, der in Wort und in der Lehre hart arbeitet? Beide Deutungsversuche laufen auf dasselbe hinaus: Es ist nur recht und billig, den Einsatz solcher Ältesten zu honorieren. W. Kelly schreibt zu der Frage, ob Ehre Bezahlung bedeutet in einer Fragenbeantwortung, dass man „Ehre“ nicht unbedingt mit Bezahlung gleichsetzen darf, wenn auch finanzielle Unterstützung inbegriffen sein mag (Bible Treasury 11:240). Keinesfalls sollte man darin ein Gehalt sehen, eher eine Honoration.

Es ist also denkbar, dass ein Ältester von den Geschwistern auch finanziell unterstützt wird. Ältestendienst im Sinne des Betätigungsfeldes, siehe oben, ist mit viel Liebe und Aufwand und Zeit verbunden und es wäre oft wünschenswert, wenn einige, die einen Ältestendienst ausüben, den „Rücken frei“ hätten, um sich noch mehr um die Belange der Geschwister kümmern zu können. Eine Anstellung in Form einer festen regelmäßigen Zahlung birgt die Gefahr des Klerikalismus in sich. Im Weiteren müssen wir hier berücksichtigen, dass eine Bezahlung durch die Gemeinde einer offiziellen Anstellung oder Anerkennung nahekommt. Dieser Eindruck sollte jedoch vermieden werden (F. Colvin in Gemeindegründung).

Wir wollen uns gemeinschaftlich nach neutestamentlichen Grundsätzen versammeln!

Wir haben alle den Wunsch, zu den Anfängen der Versammlung zurückzukehren. Wenn es nach Gottes Willen gewesen wäre, auch heute noch Älteste anzustellen, hätte Er, dem das Wohl seiner Gemeinde so am Herzen liegt, uns dann nicht auch klare Anweisungen dafür gegeben? Und wer sind wir, dass wir ohne ein klares Wort Gottes eine so ernste, bedeutungsvolle Handlung vornehmen sollten, wo es um die Verleihung von Autorität geht?

Eine weitere Sache ist die: Wenn wir nun doch jemand als Ältesten an einem Ort anstellten, dann müssten alle Gläubigen an diesem Ort diese Ältesten doch auch anerkennen, denn der Dienst des Ältesten ist nach der Schrift für die gesamte örtliche Versammlung/Gemeinde bestimmt – also für alle wiedergeborene Heiligen an diesem Ort. Älteste irgendeiner Sondergemeinschaft kennt das Wort nicht.

Wie müssen wir Apostelgeschichte 14,23 verstehen?

Apg 14,23: Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.

Wer behauptet, wegen des in Apostelgeschichte 14,23 verwendeten griechischen Verbums cheirotoneo, wörtlich: „die Hand strecken“, sei die Einsetzung erfolgt, nachdem man die Gemeinde durch Handaufheben habe abstimmen lassen, übersieht, dass es nicht von der Gemeinde heißt, dass sie gewählt habe, sondern dass die Apostel wählten. Dass man überdies trotz des einhelligen und überwältigenden diesbezüglichen Zeugnisses der ganzen Bibel des Alten und Neuen Testaments solch eine heidnische Vorstellung über Gottes in seinem Haus herrschende Grundsätze haben kann, ist fast als skandalös zu bezeichnen. Beschämend ist es allemal“ (aus Weder Diktatur noch Demokratie, B. Peters, CLV-Verlag).

Wie müssen wir Titus 1,5 verstehen?

Tit 1,5: Deswegen ließ ich dich in Kreta, dass du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste anstellen möchtest, wie ich dir geboten hatte.

Diese Stelle wird häufig so interpretiert, dass die Gläubigen in der Jetztzeit auch das, was noch mangelte, in Ordnung zu bringen und so in jeder Stadt Älteste anstellen sollten. Es wird dann darauf hingewiesen, dass solche, die der Heilige Geist dazu benutzt hat, dass sich an jenem Ort Gläubige als Versammlung versammeln, auch für die Anstellung von Ältesten zu sorgen haben. Ein solcher Bruder hat niemals die Autorität wie Titus, der von einem Apostel (in unserem Fall Paulus) dazu bevollmächtigt worden war. Wir lesen in Titus 1,5 am Ende: „… wie ich dir geboten hatte.“ Es muss noch darauf hingewiesen werden, dass weder das Wort „was noch mangelte“ noch das Wort „in Ordnung bringen“ sich auf das Wort „Älteste anstellen“ bezieht. Es geht hier einfach um eine Aufzählung von Dingen. Titus sollte jeglichen Mangel in den Versammlungen in Ordnung bringen und „in jeder Stadt Älteste anstellen“. Der Apostel wollte nicht sagen, dass es in Kreta überall an Ältesten „mangelte“ und Titus deshalb Älteste anstellen sollte.

Wie müssen wir Jakobus 5,14 verstehen?

(Zu dieser Frage erschien 1978 ein Artikel von M.J. Arentsen in Hilfe und Nahrung: Das Gebet des Glaubens“.

Jak 5,14: Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihn beten und ihn mit Öl salben {o. beten, nachdem sie ihn gesalbt haben} im Namen des Herrn.

Dies ist sicherlich eine schwierige Stelle, die schon viel Verwirrung gestiftet hat. Wie wir bereits gesehen haben, gibt es zwar heute nicht mehr das Amt des Ältesten, wohl aber den Dienst des Ältesten. In ein Amt wird man berufen, gewählt oder beamtet, ein Dienst geht hervor aus einer speziellen Not, die einen bestimmten Dienst (Tröstung, Ermahnung, Ermunterung etc.) nötig macht. So sollte der, der krank war, die Ältesten rufen, damit sie mit ihm beten könnten. Diese Stelle wird einfacher, wenn wir die folgenden zwei Verse mit hinzunehmen:

Jak 5,15.16: Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen {o. retten}, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt denn einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; das inbrünstige Gebet {eig. Flehen} eines Gerechten vermag viel.

Ein Kranker ist nicht automatisch dazu verpflichtet, die Ältesten zu holen, sondern nur dann, wenn ihm eine Sünde klargeworden ist, die er gerne vor Gott und Menschen bekennen möchte. Nebenbei bemerkt heißt es hier: „Bekennt einander“ – das muss nicht zwangsläufig ein Ältester sein. Aber Gottes Wort fordert uns auf, „einander“ die Sünden zu bekennen. Die Schrift kennt keine besondere Priesterklasse wie zum Beispiel die katholische Kirche, wo man allein dem Priester seine Sünden bekennen kann. Wie sieht es damit eigentlich bei uns heute aus? Bekennen wir noch einander die Verfehlungen oder spielen wir uns gegenseitig etwas vor? Eine andere Frage ist, ob wir heute noch Öl gebrauchen sollten. Hier müssen wir bedenken, dass es in dieser Stelle nicht um das Öl an sich geht. Das Öl war nach den jüdischen Gebräuchen ein bekanntes Heilungsmittel (Mk 6,13: „Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie“).

Wir lesen in Kapitel 1,1, dass Jakobus seinen Brief an die zwölf Stämme in der Zerstreuung schrieb. Diesen Hintergrund müssen wir unbedingt bedenken.

Letzte Aktualisierung: 12.07.2016

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