Die Person mit unschätzbarem Wert für Gott
Der „Geliebte Gottes“

Frederick Albert Hughes

© SoundWords, online seit: 18.12.2006, aktualisiert: 17.12.2017

Leitverse: Ruth 4,18-22; 1. Chronika 12,38-40; Lukas 9,28-36; Hohelied 5,9-16

Einleitung

Ich möchte heute über den Geliebten Gottes sprechen. Mir wurde sehr deutlich bewusst, woran unsere Lesezusammenkunft uns so segensreich erinnert: nämlich dass das Maß unserer Annahme bei dem heiligen Gott in seinem Geliebten liegt. Ich möchte darüber sprechen, wie Gott seinen Geliebten erreicht und wie die Heiligen den Geliebten erreichen. Ich möchte darüber sprechen, wenn Gott es schenkt, was die Heiligen in einer vertrauten Beziehung zu Gottes Geliebtem entdecken können; etwas von der Vorzüglichkeit seiner Pracht; und ich möchte sprechen über den Segen, die Stimme des Geliebten zu hören.

Christus ist alles für Gott. Der Vorsatz Gottes; sein gewaltiger Plan; sein Ratschluss; der Ausdruck der tiefen Liebe seines Herzens; die überfließende Herrlichkeit seiner Gnade; die wunderbare Bereitstellung seines Reichtums an Barmherzigkeit; alles ist in seiner Entfaltung und Darstellung abhängig von Christus. Wenn wir im Glauben ein wenig wachsen, beginnen wir zu verstehen, dass, worum es eigentlich geht, nicht bloße Lehre ist, sondern eine großartige Person, und wir verstehen auch, dass diese Person, die uns wertvoll gemacht wurde, von jeher dem Herzen Gottes kostbar war. Einer der schönsten Verse der gesamten Heiligen Schrift ist Johannes 17,24, wo wir lesen, dass dieser einzigartige Mensch seine Augen erhebt und in heiliger Vertrautheit zum Vater spricht: „Du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.“ Und, liebe Geschwister, der Vater hörte nicht auf, den Liebling seines Herzens zu lieben. In der vergangenen Ewigkeit wurde Er geliebt; als Mensch auf der Erde ist Er der Geliebte Gottes; und in der Zukunft ist Er derjenige, und allein derjenige, in dem Gott alles für sich unter einem Haupt zusammenbringen wird.

Wir haben gemeinsam viele Eigenschaften betrachtet, die in ihrer Vollkommenheit aus Christus leuchten. Denken wir daran, wie Gott Adam erschuf und ihm einen so einmaligen Ort unterstellte, nur um danach zu sehen, wie alles durch sein Versagen zusammenbrach. Dann wählte Er sich Abraham, rief ihn heraus mit der mächtigen Stimme des Gottes der Herrlichkeit und gab ihm große Verheißungen, nur um zu sehen, wie der Tod ihn ereilte, bevor die Verheißungen reifen konnten. Er gab die Regierungsgewalt an Noah, und diese Regierungsgewalt versagte bei ihm durch die Entweihung Noahs selbst. Aber in Christus sind all die Eigenschaften einer heiligen Herrschaft gesichert: „Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt, in ihm ist das Ja und deshalb auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre durch uns“ (2Kor 1,20); die Regierungsgewalt ist in seinen gütigen Händen gesichert; die Welt, die kommen soll, wird der herausragendste Beweis für das Universum sein, dass die Herrschaft in den Händen Christi gesichert ist. Wie einmalig ist Christus für Gott!

Wie Gott seinen Geliebten erreicht

Rt 4,18-22: Und dies sind die Geschlechter des Perez: Perez zeugte Hezron, und Hezron zeugte Ram, und Ram zeugte Amminadab, und Amminadab zeugte Nachschon, und Nachschon zeugte Salma, und Salmon zeugte Boas, und Boas zeugte Obed, und Obed zeugte Isai, und Isai zeugte David.

Ich beziehe mich auf die Generationen von Perez, denn sie kamen an einem der dunkelsten Momente in der Geschichte der Menschheit ans Licht, wie es in dem traurigen Kapitel von 1. Mose 38 gezeigt wird. Die Schrecklichkeit des Fleisches, und das im engsten Kreis derer, die in Beziehung zu Gott stehen, wird darin erkennbar, dass es die Gefühle der Menschen beherrscht und sie in Begierden verwandelt. Das führte zur Herrschaft Gottes aufgrund der Schrecklichkeit der Sünde der Menschen. Und inmitten all dieser Dingen kommt ein Riss ans Licht und ein Sonnenaufgang. Perez bedeutet „Riss“ und Serach „Sonnenaufgang“. Dieses Geschlecht wird ins Spiel gebracht, um zu zeigen, dass Gott eine andere Art Mensch im Blick hatte, ein Geschlecht, das sich in Gottes Geliebtem (in David) vollenden sollte (Rt 4,18-22). Sein Name bedeutet, wie ihr wisst, „der Geliebte“, und Gott hat trotz allen menschlichen Versagens, trotz allen Scheiterns, trotz aller Sünde der Menschen sein wunderbares Ziel erreicht; Er bringt David ins Spiel, einen Mann nach seinem Herzen. Ich weiß, dass David persönlich versagte, aber damit möchte ich mich im Moment nicht beschäftigen.

Ich möchte auf die Begebenheit verweisen, als tapfere Männer mit einem anziehenden Äußeren vor Gottes Propheten kamen, um verworfen zu werden; bis einer kam, von dem Gott sagen konnte: „Auf, salbe ihn! Denn dieser ist es.“ – „Dieser ist es.“ Gott hatte seinen Geliebten erreicht. Natürlich hatte Er ihn schon immer in seinem Herzen erreicht, er war schon immer dort. Aber er erreichte ihn hier als Mensch (in der Anwendung des Vorbilds). Er hatte nun einen Menschen vor sich, der nicht nur die Gedanken Gottes in sich bewahrte, sondern der zur Durchführung jedes Gedankens Gottes bereit und befähigt war  Gottes geliebten Sohn. Liebe Geschwister, Gott möchte unsere Herzen heute Abend an Christus festmachen. Der Dienst, den wir in all seinem Reichtum haben, der uns das entfaltet, was von jeher in Gottes Herzen war und was zur Zufriedenstellung des Herzens Gottes am Tag Gottes, während einer unermesslichen Ewigkeit sein wird, basiert alles auf der Tatsache, dass Gott einen gesegneten Mann nach seinem Herzen gefunden hat. Er hat seinen Geliebten gefunden und Er ist hier offenbar gemacht, damit wir Ihn in unserem Herzen erkennen und wertschätzen.

Wie die Heiligen den Geliebten erreichen

1Chr 12,38-40: Alle diese Kriegsleute, die sich in Schlachtreihen ordneten, kamen mit ungeteiltem Herzen nach Hebron, um David zum König über ganz Israel zu machen. Und auch alle Übrigen in Israel waren eines Herzens, David zum König zu machen. Und sie waren daselbst bei David drei Tage und aßen und tranken; denn ihre Brüder hatten für sie zugerichtet. Und auch die ihnen nahe wohnten, bis nach Issaschar und Sebulon und Naphtali hin, brachten Lebensmittel {w. Brot} auf Eseln und auf Kamelen und auf Maultieren und auf Rindern: Mehlspeisen, Feigenkuchen und Rosinenkuchen und Wein und Öl und Rinder und Kleinvieh in Menge; denn es war Freude in Israel.

Es kamen viele Männer zu David. Sie kamen zu ihm nach Ziklag; sie kamen zu ihm in die Wüste; sie kamen zuallererst zu ihm in die Höhle Adullam; wobei jeder dieser Vorfälle ein Vorbild für eine Bewegung unserer Gefühle hin zu Christus ist.

Wunderbare Männer kamen zu David. Lesen wir 1. Chronika 12 sorgfältig. Da wird man streitbare, tapfere Helden finden, zum Kampf gerüstet mit allerlei Waffen; Männer, die in einer Krise standhaft bleiben konnten; Männer, die zu David kamen, bereit, seine Schlachten zu schlagen. Und dann heißt es: Dies sind die Männer, „die zu David nach Hebron kamen“. Sie kamen zu David nach Hebron. Wir lesen: „Hebron aber war erbaut worden sieben Jahre vor Zoan in Ägypten“ (4Mo 13,22). Das lässt mich darauf schließen, dass Gott diesen interessanten Kreis plante, denn Hebron bedeutet „Gemeinschaft“, und Gott plante dies, bevor die Städte dieser Welt gegründet wurden. Er hatte diesen wundersamen Kreis im Blick, dessen Mittelpunkt Christus, der wahre David, sein sollte. [Anm. der Red.: Gott weist speziell darauf hin, dass Er seinen Gemeinschaftskreis mit Christus im Mittelpunkt eine volle Zeitspanne  sieben Jahre  vor der Zeit schon längst geplant hatte, wo der Mensch daran dachte, seine eigenen Kreise, die alle den Menschen im Mittelpunkt haben, einzurichten (Ägypten ist in der Schrift ein Bild von der Welt, wo man ohne Gott auskommt).]

Und, liebe Geschwister, der Punkt ist der: Gott hatte nicht nur beschlossen, dass Christus, der Geliebte, der Mittelpunkt sein sollte, sondern ebenso, dass Er die Herzen zu sich in das Zentrum ziehen sollte. Ich fordere dein Herz heraus, lieber Bruder, liebe Schwester, ich fordere es leidenschaftlich heraus: Hast du den wahren David in Hebron gefunden? Vielleicht haben wir Ihn als unseren Erlöser gefunden  gelobt sei Gott, dem wir unaufhörlich dafür danken wollen! Vielleicht haben wir Ihn beim Zeugnisgeben gefunden, und vielleicht haben wir uns mit den nötigen Waffen ausgerüstet gefunden, um in dem Kampf zu bestehen; aber Ihn als den glorreichen Mittelpunkt aller Gedanken Gottes in Hebron zu finden, wie groß ist das!

Sie waren Männer eines Herzens, und das bedeutet, dass das Innerste des moralischen Wesens von jedem Bruder und von jeder Schwester in diesem Raum sich der Größe Christi in Liebe unterwerfen muss, wenn wir Ihn als Mittelpunkt von Gottes Ratschluss finden wollen. Wenn wir es einem einzigen Element des Eigenwillens erlauben, in unser Herz und in unsere Gefühle zu kommen, einem einzigen Merkmal, das nicht von Gott ist und seinen Gedanken über Christus zuwiderläuft, dann werden wir aus der Formation ausbrechen. Wir werden nicht eines Herzens sein und wir werden Christus nicht in Hebron als Mittelpunkt von Gottes Ratschluss finden können. Gottes Geliebter als absoluter Mittelpunkt jedes ewigen Gedankens Gottes: Möge Gott dies durch seinen Geist ganz tief in unsere Herzen eindringen lassen. Heute Abend geht es darum, dass Gott eure und meine Gefühle zu dem Gesalbten Gottes, seinem Geliebten, ziehen möchte als zu dem Mittelpunkt und Umfang all dessen, das existiert, zur Ehre, zum Preis und zur ewigen Zufriedenheit des Herzens Gottes.

Es könnte viel mehr darüber gesagt werden, was für ein interessanter Ort Hebron ist. Abraham fand ihn, er fand seine Stabilität in den Eichen von Mamre; er fand seine Frucht in den Trauben von Eschkol; er fand seine funkelnde Kostbarkeit in den Wasserfällen von Aner. [Anm. der Red.: Hier geht es um Typologie, die mit Namen zu tun hat, ähnlich wie der Apostel Paulus das in Hebräer 7,2 macht. Mamre bedeutet übersetzt „Stabilität, Stärke“ (verbindet sich gut mit den Terebinthenbäumen), Eskol bedeutet übersetzt „Traube“, und Aner bedeutet übersetzt „Wasserfall“ (auch „junges Mädchen“ oder „Jüngling“), auf jeden Fall aber wohl „Frische“.] Es ist der Ort, von dem aus man am schönsten den Sieg Christi betrachten kann. Als Simson die Flügel des Stadttors von Gaza samt den Riegeln wegnahm, „trug er sie hinauf in die Höhe des Berges vor Hebron“ (Ri 16,3). Wenn man in dieser Nacht in Hebron gestanden hätte, hätte man eine schöne Aussicht auf den vollständigen Sieg Simsons über die Macht des Todes gehabt  ein Vorbild für Christi Sieg. Aber, o Geliebte, was all dies übertrifft, ist, Hebron als den Ort zu erreichen, an dem der Geliebte Gottes als Mittelpunkt jedes Gedankens bewahrt wird, der Gott ewig verherrlichen wird. Ihn so zu erreichen setzt voraus, eines Herzens zu sein und in Reih und Glied zu bleiben. Es setzt voraus, dass unsere Schritte seiner Herrschaft unterworfen sind, dass unsere Gefühle unter dem Einfluss von Ihm als unserem Haupt stehen, dass die Augen unseres Herzens erleuchtet worden sind, um zu verstehen, wer Er in Bezug auf den Ratschluss Gottes ist; und als solchem werden wir zu Ihm hingezogen, zu dem wahren David in Hebron. Und indem wir den Geliebten erreichen, erreichen wir den Einen, der Gottes Herz mit vollkommener Freude füllt.

Der Eine, den Gott vor dich und mich hinstellt als unseren Geliebten

Lk 9,28-36: Es geschah aber bei acht Tagen nach diesen Worten, dass er Petrus und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten. Und indem er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders und sein Gewand weiß, strahlend. Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, welche Mose und Elia waren. Diese erschienen in Herrlichkeit und besprachen seinen Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte {o. zu erfüllen im Begriff stand}. Petrus aber und die mit ihm waren, waren beschwert vom Schlaf; als sie aber völlig aufgewacht waren, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, welche bei ihm standen. Und es geschah, als sie von ihm schieden, sprach Petrus zu Jesu: Meister, es ist gut, dass wir hier sind; und lass uns drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine; und er wusste nicht, was er sagte. Als er aber dies sagte, kam eine Wolke und überschattete {s. die Anm. zu Mt 17,5} sie. Sie fürchteten sich aber, als sie in die Wolke eintraten; und es geschah eine Stimme aus der Wolke, welche sagte: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn höret. Und indem die Stimme geschah, wurde Jesus allein gefunden. Und sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemand etwas von dem, was sie gesehen hatten.

Seht Ihn auf dem Berg der Verklärung; betrachten wir Ihn dort; es gibt keinen herrlicheren Anblick in der ganzen Schrift seit dem des Berges, auf dem der Widder mit seinen Hörnern im Gestrüpp festhing. Was für ein Anblick! Man sagt, es war ein wunderbarer Moment für Abraham und ein Zeugnis seines Glaubens und seines Gehorsams. Ja, aber da ist noch etwas Höheres in dem Kapitel, denn es erforderte von Abraham, „seine Augen aufzuheben“, um den Widder zu sehen, der mit seinen Hörnern im Gestrüpp festhing. Was war es? Ein einzigartiges Vorbild für Christus, der von der Kraft seiner Hingabe an den Willen Gottes in jenem Gestrüpp festgehalten wurde. Damit jeder kostbare Gedanke, der Gott am Herzen lag, ausgeführt werden könnte, sorgte Gott selbst für ein Lamm als Brandopfer durch die unerschütterliche Hingabe Christi an den Willen Gottes. Es wundert mich nicht, dass Gott später den Himmel öffnete und sagte: „Dies ist mein Geliebter.“ Von den Jüngern heißt es: „Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemanden als Jesus allein“ (Mt 17,8). Der Geliebte Gottes ist groß genug, um unseren Blick unter Ausschluss alles anderen zu füllen. Wie schön ist das alles, dass der Eine, der immer das Herz und den Blick Gottes mit unendlicher Freude füllt, derjenige ist, den Gott vor dich und mich stellt als unseren Geliebten.

Was die Heiligen in inniger Vertrautheit mit dem Geliebten entdecken

Hld 5,9-16: Was ist dein Geliebter vor einem anderen Geliebten, du Schönste unter den Frauen? Was ist dein Geliebter vor einem anderen Geliebten, dass du uns also beschwörst?  Mein Geliebter ist weiß und rot, ausgezeichnet vor Zehntausenden. Sein Haupt ist gediegenes, feines Gold, seine Locken sind herabwallend {eig. hügelig, d.h. gewellt}, schwarz wie der Rabe; seine Augen wie Tauben an Wasserbächen, badend in Milch, eingefasste Steine {eig. sitzend in ihrer Einfassung}; seine Wangen wie Beete von Würzkraut, Anhöhen von duftenden Pflanzen {da das mit „Anhöhe“ übersetzte Wort eigentlich „Turm“ bedeutet, so lesen andere: Beete von Würzkraut, duftende Pflanzen tragend}; seine Lippen Lilien, träufelnd von fließender Myrrhe; seine Hände {nämlich die einzelnen Finger} goldene Rollen, mit Topasen besetzt; sein Leib ein Kunstwerk von Elfenbein, bedeckt mit Saphiren; seine Schenkel Säulen von weißem Marmor, gegründet auf Untersätze von feinem Golde; seine Gestalt wie der Libanon, auserlesen wie die Zedern; sein Gaumen ist {d.h., seine Worte sind; vgl. Hld 4,11} lauter Süßigkeit, und alles an ihm ist lieblich. Das ist mein Geliebter, und das mein Freund, ihr Töchter Jerusalems!

„Mein Geliebter“, so drückt es die Sprache der Zuneigung im Hohelied aus. „Mein Geliebter.“ Die Braut spricht von ihrem Geliebten und wird gefragt: „Was hat dein Geliebter allen anderen Geliebten voraus?“ Und ich möchte euch heute Abend sagen, liebe Geschwister, dass sie die Antwort, die sie gab, nicht hätte geben können  (ich weiß, dass sie wie wir alle fehlerhaft ist) , sie hätte die Antwort, die sie gab, nicht geben können, wenn sie nicht gewusst hätte, wie es ist, Ihm nahe zu sein in der Umarmung der Liebe. Wie vertraut sie Ihn beschreiben kann, die Heiligkeit seiner herrlichen Person! Die Heiligkeit, die köstliche Herrlichkeit Christi gab es schon immer, und Gott kannte und schätzte sie schon immer. Aber das erstaunliche Wunder ist es, dass Er dich und mich in die Umarmung der Liebe hineinzieht, so dass wir den Wert und die Herrlichkeit Christi in Vertrautheit kennen und schätzen lernen. Wie die Frau Ihn so ansieht, kann sie die Merkmale ihres Geliebten von Kopf bis Fuß beschreiben, und wir sehen durch den Geist etwas von der Beständigkeit und bleibenden Heiligkeit, die seine heilige Person auszeichnen, und wir sehen, wie einzigartig Er alles überragt, was je in dieser Welt zu sehen war. Ihr werdet euch daran erinnern, dass in Nebukadnezars Bild der Kopf aus lauterem Gold war, die Qualität der Materialien aber abwärts abnahm und die Füße nur noch aus einer Eisen-Ton-Mischung waren. Aber in der Schilderung des Geliebten ist der Kopf aus feinstem Gold, und wenn wir der Schrift folgen, lesen wir: „Seine Beine sind wie Marmorsäulen, gegründet auf goldenen Füßen“ (Hld 5,15). Vollkommen in Göttlichkeit  ja, aber ebenfalls vollkommen in heiliger Menschlichkeit! Die Heiligkeit seiner Person, die unserer Erkenntnis und Wertschätzung vorgestellt wird, so dass unsere Herzen als Antwort unserer Gefühle und zum Zeugnis zu Ihm hingezogen werden. Nicht nur, dass sie selbst seine Schönheit bewundert, während sie von seiner heiligen Umarmung umfangen wird, sondern sie kann klar und präzise ohne jede Spur von Unsicherheit anderen, die sie befragen, eine detaillierte Beschreibung seiner Person geben. Was für eine Würde ist uns zuteilgeworden! Gott hat euch und mich heute Abend in diese Welt gesetzt und uns im Geist dazu befähigt (wenn wir dem Geist gestatten, uns so zu lenken), Zeugnis zu geben von der Wertschätzung, die wir Gottes Geliebtem entgegenbringen. Ich weiß von nichts Größerem.

Die Stimme des Geliebten

Dann schließlich heißt es: „Ihn sollt ihr hören.“ Darf ich mich an die Jungen und Alten hier heute Abend wenden und fragen: „Wessen Stimme hört ihr zu?“  „Ihn höret.“ Es gibt schrille, durchdringende Stimmen in dieser Welt, aber es gibt eine Stimme, die zu hören ist, es ist die Stimme des Geliebten. Lesen wir die Evangelisten durch und achten wir auf Jesu Rede  den Wert, die Zärtlichkeit, die Freude, die Barmherzigkeit, die wir in Jesu Rede finden! „Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben.“ Was für eine barmherzige Stimme! „Kommt alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“  „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke.“ Auch machtvolle Worte. „Lazarus, komm heraus!“ Und er, der tot war, an dem die Verwesung bereits begonnen hatte, antwortet dieser mächtigen Stimme und kommt aus dem Grab heraus. Die Macht, die Autorität, die Herrlichkeit der Stimme Jesu! Die Stimme, die bald in die Tiefen der Gräber selbst dringen wird, die Stimme des Sohnes Gottes. Die Einzigartigkeit der Stimme Christi, wie sie in unseren Herzen klingt und uns vor allem anderen die Herrlichkeiten des Vaternamens verkündet; die Entfaltung des Vaterherzens; die Wunder des Wortes des Vaters; die besondere Atmosphäre des Vaterhauses. Alle diese Dinge kommen zu uns, wenn wir bereit sind, die Stimme des Geliebten zu hören. Und es gibt niemanden, der mit Genauigkeit, Klarheit und Vollmacht etwas erzählen kann über das, was im Wohnsitz des Vaters besteht, abgesehen von Ihm, der von Ewigkeit her am Herzen des Vaters und in seiner Liebe weilte: Gottes Geliebtem. Jeden Tag besteht die Möglichkeit, dass in unserem Herzen die Stimme des Geliebten erklingt, der Gottes Ohr mit seinen Äußerungen hier auf Erden bezauberte, dessen Stimme solch eine Autorität besitzt, dass ungezählte Myriaden von Engeln Ihm gehorchen und Ihn anbeten. In Klängen reiner Liebe möchte Er uns gern die Geheimnisse der Liebe des Vaters verkündigen und uns sagen: „Mein Vater und euer Vater … mein Gott und euer Gott.“ Mögen wir erfahren, was es heißt, einerseits die Schönheit von Gottes Geliebtem zu begreifen und immer mehr wertzuschätzen, und mögen wir andererseits zufrieden damit sein, still zu sitzen und den Mitteilungen göttlicher, ewiger Liebe zuzuhören, die Er unseren Herzen machen wird, indem Er unsere Gefühle mitreißen wird und uns zu dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus führen wird, dem Ursprung alles Segens.

August 1959


Originaltitel: „God’s Beloved“
aus Precious Things, August 1959
Quelle: www.stempublishing.com

Übersetzung: S. Bauer

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