Die Inkarnation Christi – Gott wird Mensch
Ganz Mensch und ganz Gott

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 23.12.2020, aktualisiert: 23.12.2020

Leitverse: Johannes 1,14; Römer 1,3; Philipper 2,6-8; 1. Timotheus 3,16

Ganz Mensch und ganz Gott

Der Begriff Inkarnation [Fleischwerdung, von lat. incarnare = „zu Fleisch werden“] steht zwar nicht in der Heiligen Schrift, doch die Wahrheit, die er vermittelt, finden wir dort sehr wohl: Der Herr vereinte Menschheit mit seiner [göttlichen] Person und wurde Mensch. Das bedeutet: Er hatte einen menschlichen „Geist“ (Joh 11,33; 13,21), eine menschliche „Seele“ (Mt 26,38; Joh 12,27) und einen menschlichen „Leib“ (Heb 10,5). Doch Er gab bei seiner Menschwerdung seine Göttlichkeit nicht auf. Er war also ganz Mensch und ganz Gott. Diese Einheit von göttlicher und menschlicher Natur kann der menschliche Geist nicht ergründen: „Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem irgend der Sohn ihn offenbaren will“ (Mt 11,27). Wir sind nicht dazu aufgefordert, sie zu verstehen, sondern wir sollen sie einfach im Glauben annehmen.

Wann wurde Christus Mensch?

Christus wurde Mensch, als Maria „schwanger war von dem Heiligen Geist“, und Er wurde in die Welt hineingeboren:

  • Mt 1,18.20: Die Geburt Jesu Christi aber war so: Als Maria, seine Mutter, mit Joseph verlobt war, fand es sich, ehe sie zusammengekommen waren, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. … Das in Maria Gezeugte ist von dem Heiligen Geist.

  • Lk 1,35: Der Engel antwortete und sprach zu [Maria]: Der Heilige Geist wird auf dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.

Lesen wir auch folgende Bibelstellen[, die zeigen, dass Christus im Fleisch gekommen ist]:

Joh 1,14: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater) voller Gnade und Wahrheit.

Röm 1,3: Sein Sohn ist aus dem Geschlecht Davids gekommen dem Fleisch nach.

Phil 2,6-8: Christus Jesus …, da er in Gestalt Gottes war, achtete es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst, indem er gehorsam wurde bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.

1Tim 3,16a: Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Er ist offenbart worden im Fleisch.

Die Einheit von göttlicher und menschlicher Natur

Der Herr nahm nicht einfach einen menschlichen Leib als Hülle an und ließ dann seinen göttlichen Geist darin wohnen – das ist der Irrtum des Apollinarianismus. In Wirklichkeit vereinte sich all das, was in Ihm als göttliche Person ist, mit all dem, was einen Menschen ausmacht. Mensch zu werden war eine unfassbare Selbsterniedrigung, denn die göttliche und die menschliche Natur werden für immer vereint sein. Der Herr lebte in dieser Welt als Mensch und gab als Mensch sein Leben in den Tod, und als solcher ging Er ein in den Zwischenzustand (wo seine Seele und sein Geist vorübergehend von seinem Körper getrennt waren). Aber selbst im Tod war Er immer noch ein Mensch: „Du wirst meine Seele nicht im Hades zurücklassen noch zugeben, dass dein Frommer Verwesung sehe“ (Apg 2,27). Als Er auferstand, nahm Er seinen Leib wieder an und stieg in einem verherrlichten Zustand zur rechten Hand Gottes auf (1Tim 3,16b) – und in alle Ewigkeit wird Er Mensch bleiben!

Ein Mensch ohne Sünde

Wenn die Heilige Schrift von der Menschheit Christi spricht, dann wacht sie sorgfältig darüber, dass nicht die Vorstellung aufkommt, Er habe an der gefallenen Sündennatur teilgehabt, die wir Menschen haben. So heißt es beispielsweise in Hebräer 2,14: „Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen.“ Das bedeutet: „Weil“ die Menschen „Blutes und Fleisches teilhaftig sind“ (d.h., weil sie teilhaben an Menschheit, die drei Teile umfasst: einen menschlichen Geist, eine menschliche Seele und einen menschlichen Körper), so hat auch Christus „in gleicher Weise daran teilgenommen“. Mit anderen Worten: Er wurde wahrer Mensch. Doch wenn der Heilige Geist von der Menschheit Christi spricht, verwendet Er ein anderes Wort als das, mit dem Er unsere Menschheit beschreibt. Die „Kinder“, sagt der Schreiber, „sind Blutes und Fleisches teilhaftig“. Das griechische Wort koinoneo, das mit „teilhaftig sein“ übersetzt wird, bezieht sich auf eine gemeinsame gleiche Teilhabe am Menschsein. Das gilt für alle Menschen, denn wir alle haben voll und ganz an Menschheit teil – bis dahin, dass wir alle an der Sündennatur teilhaben.

Wenn der Vers dann jedoch von der Menschwerdung Christi spricht, verwendet der Schreiber ein anderes griechisches Wort. Er sagt, der Herr habe an der Menschheit „teilgenommen“ (metecho). Dieses Wort deutet hin auf ein Teilnehmen an etwas, ohne zu spezifizieren, bis zu welchem Grad dieses Teilnehmen geschieht, und weist somit auf folgende Tatsache hin: Als Christus Mensch wurde, ging seine Menschheit nicht so weit, dass Er an der gefallenen Menschheit teilgehabt hätte.

Auch im Hebräerbrief heißt es von der Menschheit des Herrn: „ausgenommen die Sünde“:

  • Heb 4,15: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.

„Sünde“ (Einzahl) wird in den neutestamentlichen Briefen oft verwendet, um auf die alte, gefallene Sündennatur zu verweisen. Dieser Vers macht daher deutlich: Der Herr hatte keine gefallene menschliche Natur so wie alle Nachkommen des gefallenen Adam (Ps 51,5).

Christus im Alten Testament

Die Menschwerdung unterscheidet sich folglich von den Theophanien im Alten Testament. Bei diesen Gotteserscheinungen nahm Christus menschliche Gestalt an und trat mit Menschen für bestimmte Absichten in direkten Kontakt. Oftmals verwendet die Schrift den Titel „Engel“, um darauf hinzuweisen (1Mo 16,7; 18,1-33; 32,24-32; 2Mo 3,2; 4,24; 14,19; Jos 5,13-15; Ri 6,11-24; 13,3-5; 9-21; 1Chr 21,18-30 usw.). Bei diesen Gelegenheiten erschien der Herr in menschlicher Gestalt, doch damals waren nicht zwei Naturen (göttlich und menschlich) vereint so wie bei seiner Menschwerdung.


Originaltitel: „The Incarnation of Christ“
aus Doctrinal Definitions. A Handbook of Doctrinal Terms & Expressions in the New Testament
Christian Truth Publishing 12016, S. 172–174 
Die Zwischenüberschriften stammen von SoundWords.

Übersetzung: Gabriele Naujoks


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