Der Brief an die Hebräer (5)
Kapitel 5

David Willoughby Gooding

© CV Dillenburg, online seit: 04.08.2019, aktualisiert: 06.08.2019

Unser Hoherpriester (1)

Im vorhergehenden Kapitel betrachteten wir die Kapitel 3 und 4 des Hebräerbriefes, wobei wir uns nach Vermögen bemühten, die in ihnen enthaltene Warnung richtig zu verstehen. Wenn wir nun zum Kapitel 5 kommen, stellen wir fest, dass es ausführlich das Thema unseres Hohenpriesters behandelt. Der hier beginnende Abschnitt erstreckt sich über mehrere Kapitel, bis wir schließlich in Hebräer 8,1 lesen: „Die Summe dessen aber, was wir sagen ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester.“

So wollen wir uns schon vorweg merken, dass die Summe der vorliegenden Kapitel die ist, dass wir einen Hohenpriester haben. Was wir daneben auch lernen oder versäumen zu lernen, dieses eine müssen wir mitnehmen: Wir haben einen Hohenpriester.

Wir ziehen durch eine Wüste voller Gefahren, und wenn wir Heil erfahren wollen, dann brauchen wir nicht nur einen Heiland, der sich für unsere Sünden dahingab, sondern wir brauchen genauso einen Hohenpriester, der uns bis zum Äußersten zu erretten vermag.

Ich habe zuweilen den Eindruck, dass wir viel zu kleine Vorstellungen über das Hohepriestertum des Herrn Jesus unterhalten. Wir sprechen von Ihm in dieser Seiner Rolle, als ob Er eine Sinekure (ein kirchliches Amt ohne Funktion) innehätte, das heißt, dass wir auch so errettet würden, ohne Seinen hohenpriesterlichen Dienst für uns. Dem ist aber keineswegs so. Es würde jeder Einzelne von uns hoffnungslos verlorengehen, hätten wir nicht einen Hohenpriester, der sich beständig für uns verwendet. Wir begannen unseren Pilgerpfad mit dem beglückenden Wissen, dass Sein Opfer uns von der Schuld unserer Sünde befreit hat. Mit Freuden blicken wir deshalb immer wieder auf jenes Opfer zurück. Was uns aber durch die Wüste trägt ist nicht nur die Tatsache, dass wir von der Schuld unserer Vergehungen freigesprochen sind, sondern dass unser Hoherpriester sich in unermüdlichem Dienst für uns verwendet und uns in jeder Lage helfend beisteht.

Darum beginnt der Schreiber in diesem Kapitel, zu uns über den Hohenpriester zu sprechen. Leider kann er nicht allzu weit gehen, bis er feststellt, dass die Empfänger des Briefes in Gefahr stehen, ihm bei der Behandlung dieses Themas nicht folgen zu können; und weil sie geistlich noch so zurückgeblieben sind, muss er seine Darlegungen unterbrechen, um andere Bemerkungen einzuflechten, nämlich die Warnungen von Kapitel 6. Dieses Kapitel ist für viele ein besonders schwieriges Kapitel, weshalb wir sorgfältig beachten wollen, wie und weshalb es überhaupt eingefügt wird. Wir sind ja eigentlich dabei, uns mit dem Hohenpriester zu beschäftigen, und zwar schon ab Kapitel 5; und dann begegnen wir Ihm wieder in Kapitel 7. Aber der Gedankengang wird des geistlich schwachen Zustandes der Empfänger wegen unterbrochen.

Der Hohepriester

Verse 1-3

Heb 5,1-3: Denn jeder aus Menschen genommene Hohepriester wird für Menschen bestellt in den Sachen mit Gott, damit er sowohl Gaben als auch Schlachtopfer für Sünden darbringe; der Nachsicht zu haben vermag mit den Unwissenden und Irrenden, da auch er selbst mit Schwachheit behaftet ist; und deswegen muss er, wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern für die Sünden.

Beachtet zunächst, beginnt der Schreiber, was die Pflichten eines jeden Hohenpriesters sind. Ein Hoherpriester wird von Menschen genommen und wird für Menschen bestellt in den Sachen mit Gott, und zwar um zwei Dinge zu tun: Gaben und Schlachtopfer für Sünden darzubringen. Bitte beachte, dass es zwei Dinge sind. Der Mensch braucht als Sünder ein Opfer, das seine Sünden wegnimmt. Aber selbst wenn er kein Sünder wäre, hätte er die Pflicht, Gott Gaben darzubringen. Manchmal denken wir, es genüge, wenn uns die Sünden vergeben sind. Wie engherzig wir sind! und wie unartig! Die bloße Tatsache, dass wir Geschöpfe sind, aus der Hand Gottes hervorgegangen, erlegt uns die Pflicht auf – und sei es nur aus Anstand –, unserem Gott durch alles, was wir sind und haben, zu gefallen. Wie wenig haben wir das begriffen!

Wir haben unsere Gebets- und Zeugnisversammlungen, aber wie freue ich mich auf die Zusammenkunft, die ich in wenigen Tagen besuchen werde, bei der wir nichts anderes tun, als unseren Gott anzubeten. Welch erhebende Tätigkeit! Die Herzen erfüllt von Danksagung, so dass man um nichts mehr bittet; randvoll von Lobpreis um des HERRN selbst willen bringen wir unsere Gaben dar! Und da, wo wir versagen, haben wir einen Hohenpriester, der Seinen Dienst für uns vollkommen tut.

Sodann hat der Hohepriester seine Pflichten seinen Brüdern gegenüber, was mit folgenden Worten umschrieben wird: „… der Nachsicht zu haben vermag mit den Unwissenden, da auch er selbst mit Schwachheit umgeben ist“ (Heb 5,2). Mir gefallen die hier mit „Nachsicht haben“ übersetzten Worte. Wörtlich übersetzt bedeuten sie „jemand gegenüber seine Empfindungen beherrschen und mäßigen“. Wir haben hier einen Hohenpriester vor uns, der dem Volke zugut seinen Dienst tut, und einige in diesem Volk sind sehr unwissend. Er tut sein Bestes, um sie das Wort Gottes zu lehren, was schließlich seine Pflicht ist; aber wie träge sind einige im Hören! Wie oft muss er ihnen die gleichen Dinge erklären, weil sie so schnell vergessen. Sie tun genau das, was er sie gewiesen hat zu unterlassen. Sie kommen dadurch in Schwierigkeiten, und er muss wieder von vorn beginnen und versuchen, ihnen aus der Patsche zu helfen. Das prüft natürlich die Geduld jedes Hohenpriesters hart. Einmal möchte er explodieren, ein andermal seinem Ärger freien Lauf lassen. Aber wenn er Hoherpriester sein will, dann muss er lernen, seine Gefühle zu beherrschen, geduldig zu sein und stets bedenken, wie schwach sie sind, und auch, wie schwach er selbst ist.

Diese Pflicht, die jedem Priester auferlegt war, erfüllt unser Herr Jesus Christus aufs vollkommenste. Wie bewunderswert tut Er Seinen Dienst! Wie oft fordern wir seine Geduld heraus, wie oft muss Er uns die gleichen Dinge wiederholen, und wie träge sind wir im Hören, und wie schnell vergessen wir und geraten dadurch in ganz unnötige Schwierigkeiten. Aber wie groß ist Seine Geduld! Wie wunderbar mäßigt Er Seine Empfindungen uns gegenüber! Ja, wir haben einen Hohenpriester, der Nachsicht zu haben vermag mit unseren Schwachheiten.

Aber beachtet bitte gleich, dass unser Hoherpriester nicht wie die anderen Priester zuerst Sündopfer für sich selbst darbringen musste. Wenn es in Vers 3 heißt, dass der Priester „wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern [muss] für die Sünden“, dann ist das eine für gewöhnliche Priester allgemeingültige Wahrheit. Sie trifft aber auf den Herrn Jesus nicht zu. Er musste nie für seine Sünden opfern, Er war durch und durch sündlos. Und doch vermag Er Mitleid zu haben mit unseren Schwachheiten. Nicht mit den Schwachheiten der Sünde, sondern mit der Schwachheit und Hinfälligkeit, die den Menschen, ganz abgesehen von seiner Sündhaftigkeit, umgibt. Er kannte Hunger und Durst, Müdigkeit und Schlaf. Das hatte mit Sünde nichts zu tun. Es geht um die Schwachheit dieses zerbrechlichen, menschlichen Leibes. Das Wunder aller Wunder ist, dass Er, der der ewige Gott ist, bereit war, in der Gestalt schwachen menschlichen Fleisches zu kommen.

Seine Einsetzung in den Dienst

Verse 4-6

Heb 5,4-6: Und niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron. So hat auch der Christus sich nicht selbst verherrlicht, um Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu ihm gesagt hat: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“ Wie er auch an einer anderen Stelle sagt: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“

Dann stellt der Schreiber fest, dass niemand die Würde des Priestertums eigenmächtig an sich reißen kann. Aaron musste warten, bis Gott ihn dazu berief und einsetzte. Genauso verhält es sich mit Christus. Darum geht es dem Schreiber im Folgenden. Im Umgang mit Juden war die Einsetzung Christi als Hoherpriester eine äußerst wichtige Angelegenheit. Als in den Tagen des Alten Testaments zur Zeit des Aaron ein Korah, Dathan und Abiram (wobei die Letzten beiden nicht einmal zum Stamm Levi gehörten) ihre Hand nach dem Priestertum ausstreckten, tat Gott ein Neues: Der Erdboden öffnete sich und verschlang sie lebendigen Leibes. So bekundete Gott Sein äußerstes Missfallen.

Dieser Jesus aber, den die Christen verehrten und den je als ihren Hohenpriester ansahen, gehörte aber nicht zum Stamm Levi, sondern zu Juda. Es bedurfte schon der zwingendsten Beweise, um einen Juden zu überzeugen, dass das rechtens sei. Darum legt der Schreiber zunächst dar, wie Christus von Gott selbst offiziell bestellt wurde, der zunächst Seine Gottheit proklamierte, indem Er bezeugte: „Du bist mein Sohn, heute habe ich sich gezeugt“, um die Einsetzung zum Hohenpriester mit folgenden Worten zu begleiten: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“

Es genügt aber nicht, dass ein Priester nur rechtmäßig bestellt worden ist; er muss auch die nötigen Qualifikationen mitbringen. Ein Priester würde uns nicht viel nützen, wenn er zwar Gottes Sohn wäre, nicht aber aus Erfahrung Kenntnis von der Notwendigkeit Seines Dienstes hätte. Darum wird uns hier die unsagbare Herzensnot beschrieben, durch die der Sohn Gottes gehen musste. Wohl war Er der starke Held, der Sündlose, der auch dem erbittertsten Widerstand mutig und entschlossen ins Auge sah, der bereit war, tiefstes körperliches und seelisches Leiden durchzumachen; dennoch ging Er hier durch solche unsägliche Not, dass Er mit starkem Geschrei und Tränen zu Seinem Gott rief.

Seine Leiden

Verse 7.8

Heb 5,7.8: Der in den Tagen seines Fleisches, da er sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tod zu erretten vermochte, mit starkem Schreien und Tränen dargebracht hat (und wegen seiner Frömmigkeit erhört worden ist), obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte.

Lasst uns in Gedanken nach Gethsemane gehen, wo unser HERR bat, dass der Kelch, wenn möglich, an Ihm vorbeigehen möchte. Mir ist bewusst, dass wir uns in Gethsemane auf einem von undurchdringlichem Geheimis geprägten Boden befinden: Hier begegnen sich Menschliches und Göttliches. Und doch, als unser Herr betete: „Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir weg!“, da sagte Er, was Er meinte, und meinte Er, was Er sagte. Er war nicht unaufrichtig; Er machte nicht etwas vor. Es war auch nicht Dramaturgie, als ob Er der Bezeugung Seiner Ergebenheit größere Wirkung verleihen wollte, als Er schließlich sagte: „Dein Wille geschehe.“ Er meinte, was Er sagte, als Er unter starkem Geschrei und Tränen bat, dass der Kelch an Ihm vorübergehen möchte. Aber der Pfad des Gehorsams bedeutete, dass Er diesen Kelch trinken musste, und Er lernte, was es heißt, zu gehorchen, an den Dingen, die Er litt. Er sollte später solchen dienen, die ebenfalls zu einem Leben des Gehorsams gerufen werden sollten; zuerst musste Er aber selbst erfahren, was gehorchen heißt.

Wir können uns den Hintergrund dieser Belehrungen des Schreibers nur zu gut ausmalen, wenn wir an die Leute denken, an die er seinen Brief richtet. Einige waren mitsamt ihren Kindern obdachlos geworden, hatten aufgebrochene Häuser, fortgeschaffte Einrichtungen; und geliebte Angehörige wurden in Gefängnisse geschleppt, waren ausgestoßen, gehöhnt, verachtet und arbeitslos. Viele hatten den Verlust all ihrer Güter erlitten, bei anderen waren die Familien in miteinander unversöhnliche Lager gespalten. All das lag ihnen drückend schwer auf Herz und Seele.

Hat euer Gehorsam euch zu bitteren Tränen geführt? Dann denke daran, Gehorsam ließ euren HERRN vor euch weinen. Man braucht sich dessen nicht zu schämen, dass der Glaubenspfad manchmal so hart sein kann, dass man nur noch vor Gott weinen kann. Genau das tat auch unser HERR.

Um Seiner Frömmigkeit willen wurde Er erhört. Er erfuhr, dass Gott zu Seinem Wort steht. Obwohl Er in den Tod ging, wurde Er aus dem Tod, aus einer scheinbar ausweglosen Lage gerettet und bewies so, dass Gott Glauben und Gehorsam immer belohnt und ihn schlussendlich siegreich hervorstrahlen lässt. Indem Er in diesem Sinn vollendet wurde, das heißt, zu Seinem Dienst zugerüstet wurde, ist Er der Urheber ewigen Heils geworden denen, die Ihm gehorchen.

Er ist der Herr

Verse 9.10

Heb 5,9.10: … und, vollendet worden, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, von Gott begrüßt als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

Lasst uns auf die Begriffe achthaben, die der Schreiber verwendet. Er sagt, Er sei der Urheber ewigen Heils geworden denen, die nicht nur an Ihn glauben, sondern die Ihm gehorchen. Wir müssen unsere Vorstellungen über das Christentum hinaufschrauben. Vom Anfang an werden wir aufgerufen, Ihm den Gehorsam des Glaubens zu erweisen. Nicht dass wir eine Reihe von Gesetzen einhalten müssen, um gerettet zu werden; aber wir werden unter der Bedingung gerettet, dass wir Ihn als HERRN aufnehmen. Er ist der Urheber ewigen Heils. Da ist nicht Raum für Ungewissheit oder Zweifel. Er hat uns ein Heil bereitet, das nicht auf halbem Weg abgeschnitten werden kann. Es ist ein ewiges Heil; aber Er fordert alle, die solches ewiges Heil erlangen wollen, auf, sich Ihm rückhaltlos als HERRN so gut wie als Retter auszuliefern. Für alle die das tun, übernimmt Er die volle Verantwortung ihres ewigen Heils. Er wird es tun, und zwar ganz. Er wird sie auf ewig retten, vorausgesetzt, sie sind bereit, alles Ihm zu überlassen.

Du meinst vielleicht, wir machen es uns zu leicht. Wirklich? Bedenke, was es diese Hebräer kostete. Wir reden uns vielleicht ein, dass wir an ihrer Stelle niemals zu einer Religion der Werke zurückkehren würden. Wir wollen nicht vergessen, dass es heute christliche – so nennen sie sich auf alle Fälle – Systeme gibt, die ein Evangelium der Werke zur Erlangung der Seligkeit predigen, und vielen ist es ein unerträgliches Stigma gewesen, nicht im Strom allgemein akzeptierten Christen- oder Kirchentums zu schwimmen. Und diese Juden? Sich dem HERRN in bedingungslosem Gehorsam auszuliefern, hätte den Verlust von allem bedeuten können.

Geistliche Säuglinge

Verse 11-14

Heb 5,11-14: Über diesen haben wir viel zu sagen, und es ist mit Worten schwer auszulegen, weil ihr im Hören träge geworden seid. Denn obwohl ihr der Zeit nach Lehrer sein müsstet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, welches die Elemente des Anfangs der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Denn jeder, der noch Milch genießt, ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein Unmündiger; die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten sowohl als auch des Bösen.

Leider waren diese Hebräer schon einige Zeit gläubig und hätten somit schon in der Lage sein sollen, andere zu lehren, hatten aber wenig geistliche Fortschritte gemacht. Sie waren geistliche Säuglinge geblieben. Sie vertrugen immer noch nur die Milch des Wortes. Es war tragisch, dass sie nicht groß genug waren, um feste Nahrung zu sich zu nehmen, die ihnen gerade in ihrer gegenwärtigen Notlage unverzichtbar gewesen wäre. Jetzt aber waren sie unfähig, die Bedeutung des Hohenpriestertums nach der Ordnung Melchisedeks zu verstehen; es war ihnen zu hoch. (Wir wollen uns nebenbei noch merken, dass es nicht immer ein Zeichen guter Theologie sein muss, wenn man biblische Typologie verwirft; es kann auch der Beweis geistlicher Unterentwicklung sein.) Das Traurigste an der ganzen Sache war, dass ausgerechnet die Wahrheiten über das Hohepriestertum nach der Ordnung Melchisedeks für die Empfänger dieses Briefes in ihrer besonderen Krise lebensnotwendig gewesen wären. Es war eine grausame Sache, dass sie geistlich so zurückgeblieben waren, dass sie sie nicht verstehen konnten.

Wie ihr wisst, befand sich Petrus einmal in einer ähnlichen Situation. Wie wurde sein zerbrochenes Herz getröstet, als er über sein schreckliches Versagen zuerst nur elendiglich weinen konnte, dann aber immer wieder an die gnädige Verheißung des Herrn Jesus denken musste: „Petrus, ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ Und Petrus kehrte wieder um, um den Jüngern, dem HERRN, der Öffentlichkeit mit allem, was das mit sich brachte, nach einer solch blamablen Niederlage entgegenzutreten. Petrus konnte umkehren, und das verdankte er der Tatsache, dass er einen solchen Hohenpriester hatte und es wusste.

Aber die Leute hier wussten das nicht, und ihr geistlicher Zustand war so lange vernachlässigt worden, dass ihnen gerade die Dinge, die sie jetzt am dringendsten hätten wissen müssen, zu hoch waren. Darum wollen wir, solange die Sonne scheint und alles gut geht, das Gemeindeleben blüht und uns den ganzen Tag nach Singen zumute ist, zusehen, dass wir Herz und Sinn mit den Reichtümern des Wortes Gottes anfüllen, so dass wir am bösen Tage zu widerstehen und, nachdem wir alles wohl ausgerichtet haben, zu stehen vermögen.

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Aus dem Buch Ein unerschütterliches Reich, S. 85–93
Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 1987

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