Über die Menschheit Christi

John Nelson Darby

© EPV, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 17.12.2017

Liebe Schwester!

… Auf spitzfindige Fragen über die Person Jesu einzugehen, führt dahin, dass die Seele dahinwelkt und dass sie in Verwirrung gerät; es führt dahin, dass der Geist der Anbetung und der Hingebung zerstört und durch dornenvolle Untersuchungen ersetzt wird, als ob der Geist des Menschen die Frage lösen könnte, auf welche Weise die Menschheit und die Gottheit in Jesus vereinigt wären. In diesem Sinne heißt es: „Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater.“ […] Unser teurer Heiland war durchaus und wirklich ein Mensch, wie ich es bin, wenn es sich um den einfachen und von allem anderen absehenden Gedanken an die Menschheit handelt, doch ohne Sünde, auf wunderbare Weise durch göttliche Kraft geboren, und mehr noch: Er war „Gott geoffenbart im Fleisch“.

Indem ich aber dieses sage, möchte ich Sie dringend bitten, liebe Schwester, die Person unseres geliebten Heilandes nicht zergliedern oder ihr Geheimnis zum Gegenstand von Erörterungen machen zu wollen. Das würde den Wohlgeruch Christi für Sie zerstören, und an seine Stelle würden nur fruchtlose, menschliche Gedanken treten, welche die Liebe zu Ihm im Herzen nicht fördern. Für den Menschen, weil er nur mit seinen eigenen Hilfsquellen arbeiten kann, ist dieser Gegenstand ein Labyrinth. Es ist, wie wenn man den Körper seines Freundes zergliedern wollte, anstatt sich seiner Liebe und seiner Vortrefflichkeit zu erfreuen. Es ist eines der schlimmsten Symptome, die sich in der Kirche Christi zeigen können, und es ist sehr traurig, wenn Heilige in solche Dinge hineingeraten; sehr traurig, dass man überhaupt vor ihnen warnen muss. Ich habe eine so tiefe Überzeugung davon, dass der Mensch ganz unfähig ist, in dieses Geheimnis einzudringen und dass es nicht nach dem Sinn des Geistes ist, uns über die Art der Vereinigung von Gottheit und Menschheit in der Person Jesu zu belehren, dass ich gern annehme, selber schon im Sprechen darüber zu weit gegangen zu sein, so ernstlich ich auch wünsche, dies zu vermeiden.

Dass Er wahrhaft Mensch, der Sohn des Menschen, und als solcher abhängig von Gott war und dass Er ohne Sünde in dieser abhängigen Stellung verharrte und zugleich wahrhaft Gott war in all Seiner unaussprechlichen Vollkommenheit, diese Überzeugung ist mir teurer als mein Leben. Doch Ihn und Sein Wesen weiter zu erklären, maße ich mir nicht an. „Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater.“ Und ich würde irgendetwas, was die eine oder die andere dieser Wahrheiten schwächen oder Ihn, welcher der Gegenstand dieser Wahrheiten ist, verunehren könnte, mit aller Wucht bekämpfen, so wie Gott mich dazu berufen mag.

Möge Gott Ihnen schenken, alles das zu glauben, was das Wort in Bezug auf den Herrn Jesus lehrt! Unser Friede und unsere Speise ist es, alles zu erfassen, was der Geist uns von Ihm zu verstehen gibt. Aber suchen wir nie zu erklären, was Gott uns nicht zum Zergliedern gegeben hat, sondern zu einem Gegenstand der Anbetung einerseits; andererseits zu einem Gegenstand, von dem wir uns nähren und den wir in unserem Leben darstellen sollen nach der Gnade und der Wirksamkeit des Heiligen Geistes.

Ihr verbundener J.N.D.


Originaltitel: „Über die Menschheit Christi“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1975, S. 219–220
Engl. Originaltitel: „On the Humanity of Christ“
aus The Bible Treasury, Nov. 1861, S. 218

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