Einführung in das Thema „Allversöhnung“ (1)

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© Soundwords, online seit: 02.04.2017, aktualisiert: 16.07.2018

Einleitung

„O Ewigkeit, du Donnerwort“ – so beginnt eine bekannte Kantate (BWV 20) von Johann Sebastian Bach nach dem gleichnamigen Kirchenlied von Johann Rist. Anscheinend hatte der Liederdichter 1642 ein tiefes Verständnis darüber erlangt, was für ein Donnerwort der Begriff Ewigkeit ist – ja was für eine Kraft in diesem Wort steckt.

Über das Wort Ewigkeit sind bereits manche Christen gestolpert, und zwar nicht deshalb, weil sie eine ewige Glückseligkeit im Himmel leugnen oder sich nicht wünschen würden, sondern weil sie eine ewige Verdammnis nicht mit einem Gott der Liebe in Übereinstimmung bringen konnten. Die Vorstellung einer ewigen Verdammnis störte Charles Taze Russell, den Gründer der Zeugen Jehovas, dermaßen, dass er eher eine Vernichtung der Seele für möglich hielt. Auch andere Sekten, wie zum Beispiel die Siebenten-Tags-Adventisten, glauben nicht an eine ewige Verdammnis der Gottlosen, sondern an deren endgültige Vernichtung. In der allgemeinen Christenheit – und sogar in vielen evangelikalen Gemeinden – hat die Lehre der Allversöhnung (alle Menschen werden am Ende mit Gott versöhnt) beziehungsweise die Lehre der Allvernichtung (alle Bösen werden am Ende vernichtet) mehr oder weniger Einzug gehalten.

Doch der biblische Befund ist eindeutig: Weder werden am Ende alle Menschen mit Gott versöhnt noch werden die Bösen vernichtet. Die Bibel spricht klar und deutlich von einer ewigen Verdammnis. Warum also schenkt man den klaren Aussagen der Bibel keinen Glauben und zweifelt die ewige Verdammnis an?

Gründe für Zweifel an der ewigen Verdammnis

Die ewige Verdammnis wird aus unterschiedlichen Gründen angezweifelt:

  • Man erkennt nicht, dass Gott nicht nur ein liebender Gott, sondern auch ein gerechter und heiliger Gott ist, der keine Gemeinschaft mit Sündern haben kann, sondern Sünde richten muss. Aus dem unbiblischen Gedanken, Gott sei nur ein liebender Gott, resultiert ein falsches Gottesbild: Ein liebender Gott könne eine ewige Qual nicht zulassen.

  • Man macht seine Gefühle zum Maßstab der Beurteilung:
    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Gott der Liebe Menschen für ewig im Feuer brennen lässt; ich kann mir nicht vorstellen, dass eine endliche Sünde unendliche Folgen haben könnte.

„Ich kann mir nicht vorstellen“ ist in jedem Fall ein schlechter Lehrmeister bei der Auslegung der Bibel. Wenn wir uns etwas nicht vorstellen können, obwohl das Wort Gottes es eindeutig lehrt, müssen wir nicht die Bibel an unsere Vorstellungen, sondern unsere Vorstellungen an die Bibel anpassen. Wir dürfen nicht unsere Vorstellungen über die Schrift stellen, sondern wir haben anzuerkennen, dass die Heilige Schrift Autorität über alle menschlichen Gedanken hat. Wir werden aufgefordert, „jeden Gedanken [jede menschliche Vorstellung] gefangen zu nehmen unter den Gehorsam des Christus“ (2Kor 10,5). Haben Sie vielleicht an einen lieben Gott geglaubt? Und wie haben Sie reagiert, als Sie festgestellt haben, dass Gott in Wirklichkeit so gar nicht Ihrer Vorstellung vom lieben Gott entspricht, sondern dass Er auch gerecht und heilig ist? Haben Sie das Wort Gottes akzeptiert und sich ihm unterworfen, oder haben Sie es so lange zurechtgebogen, bis es so gesprochen hat, wie Sie sich Gott vorgestellt haben?

Manche Bibellehrer rühmen sich ihrer Griechischkenntnisse und behaupten, man müsse im griechischen Grundtext genau lesen; „ewig“ bedeute nicht immer ewig. Manch ein Christ wurde dadurch verunsichert und geriet ins Zweifeln.

Manche Allversöhner meinen sogar, Gott habe nur aus pädagogischen Gründen von einem ewigen Feuer oder von der ewigen Verdammnis gesprochen. In Wirklichkeit meine Gott nämlich gar keine nie endende ewige Verdammnis, wenn Er von ewiger Verdammnis spricht; Er wolle die Menschen mit der Aussicht auf ewige Strafe nur wachrütteln. Gott lasse die angedrohte ewige Strafe jedoch nach einer gewissen Zeit enden, so dass die Menschen am Ende doch noch errettet werden.

Diese Vorstellung von Allversöhnern zieht Gott jedoch auf eine menschliche Ebene herab. Wir können das mit einem irdischen Vater vergleichen, der seinen Kindern (aus pädagogischen Gründen) für ein bestimmtes Fehlverhalten eine harte Strafe androht, diese Strafe jedoch gar nicht oder viel milder vollstreckt, als er angedroht hatte. Welches Bild von Gott ergibt sich letztendlich aus solch einem Denken? Wir müssten Gott der Unwahrhaftigkeit bezichtigen, denn wir könnten uns eigentlich nicht darauf verlassen, dass Gott meint, was Er sagt, und dass Gott sagt, was Er meint. Außerdem geben wir zu bedenken: Der ganze angeblich pädagogische Nutzen wäre ja dahin, wenn Gott den Menschen eine ewige Verdammnis predigen ließe und hinter vorgehaltener Hand sagte: In Wirklichkeit ist sie gar nicht ewig. – Hat Gott es denn nötig, durch Unwahrhaftigkeit ein pädagogisches Ziel zu erreichen? Wenn Gott bei einem so wichtigen Thema nicht wahrhaftig ist – wie können wir dann davon ausgehen, dass Er in Bezug auf andere Dinge wahrhaftig ist und nicht etwas anderes meint, als Er sagt?

Manchmal wird auch gesagt, die Konsequenzen einer Ablehnung des Herrn seien zwar ewig, die Seele existiere jedoch nicht ewig. Warum meinen wir, es besser zu wissen als die Bibel, und warum wollen wir das Wort ewig seiner Bedeutung entleeren? Müssten wir dann konsequenterweise nicht ebenso fragen, ob Gott vielleicht nur aus erzieherischen Gründen von der ewigen Herrlichkeit und dem ewigen Leben gesprochen hat? Am Ende ist das ewige Leben vielleicht gar nicht ewig? Und so könnte man fortfahren.

Verschiedene Denkmodelle

Zugegeben: Der Gedanke an eine ewige Verdammnis ist – milde ausgedrückt – erschreckend und die Realität einer nie endenden Qual für manche Menschen so wenig zu begreifen, dass sie im Laufe der Geschichte vor allem zwei Lehrgebäude entwickelt haben:

  • Die einen behaupten, am Ende würden alle Menschen gerettet und Gott würde alle versöhnen (Allversöhnung).

  • Die anderen meinen, die Seelen der Ungläubigen beziehungsweise Bösen würden nach dem irdischen Tod vernichtet (Allvernichtung).

Es ist unnötig, zu erwähnen, dass beide Systeme sich gegenseitig ausschließen. Beide Lehrrichtungen haben verschiedene Blüten getrieben:

  • Die katholische Kirche entwickelte die Lehre vom Fegefeuer, dem man jedoch nach einer bestimmten Zeit entkommen könne, weil man durch das Fegefeuer geläutert werde. Aus dieser Sichtweise resultiert die Praxis des Gebets für Verstorbene.

  • Andere sprechen zwar nicht von einem zeitlich begrenzt läuterndem Fegefeuer; ihrer Ansicht nach gebe es ein Gericht und eine Hölle, die aber lediglich eine gewisse Zeit oder möglicherweise ein Zeitalter andauern. Man könne diesem Gericht, dieser Strafe möglicherweise deshalb entfliehen, weil man durch die Qualen zur Einsicht gekommen sei.

  • Wieder andere meinen, die Schriftstelle „Er [Christus] predigte den Geistern, die im Gefängnis sind“ (1Pet 3,19) beweise, dass Christus auch in der Hölle noch predige, so dass Menschen sich auch noch nach ihrem Tod bekehren könnten.

  • Die Anhänger der Allvernichtung halten ein Gericht und eine Verdammnis für möglich, glauben aber, dass das Feuer die Seele nach einer gewissen Zeit der Strafe vernichten werde.

Man könnte noch weitere Theorien aufzählen, die im Laufe der Zeit präsentiert wurden. Aber die Frage ist nicht, welche Theorien wir über dieses Thema entwickeln, sondern was die Bibel zu diesem Thema sagt.

Dies wollen wir in weiteren Artikeln untersuchen.

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