Der Brief an die Römer (5)
Römer 5,12-21

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 28.01.2010, aktualisiert: 22.09.2018

Leitverse: Römer 5,12-21

Die Segnungen der Gläubigen in Christus (Röm 5,12-21)

Im ersten Teil des Römerbriefes werden diejenigen Segnungen beschrieben, die den Gläubigen durch Christus gesichert worden sind. Dieser zweite Abschnitt beschreibt nun jene Segnungen, die den Gläubigen in Christus gehören. Er stellt uns unsere neue Stellung in Christus vor, im Gegensatz zu unserer alten Stellung in Adam. Als natürliche Menschen sind wir mit Adam, dem Sündenfall und seinen Konsequenzen verbunden. Als Gläubige sind wir mit Christus verbunden und teilen die Segnungen, die zu dieser Verbindung gehören.

Im ersten Abschnitt des Briefes werden die Fragen unserer Sünden und unserer Schuld behandelt; in diesem zweiten Teil wird die Frage nach unserer Stellung aufgegriffen. Der Apostel spricht nicht mehr von dem, was wir getan haben, sondern davon, was wir sind; nicht von der schlechten Frucht, sondern vom schlechten Baum, der die Frucht hervorbrachte, ist die Rede.

Die ersten Bemühungen einer wachgerüttelten Seele sind meistens den zuvor begangenen Sünden und ihrer Bestrafung gewidmet. Sobald diese Dinge geklärt sind, taucht eine andere Sorge in der Seele auf, die wir zu Beginn unseres christlichen Lebens kaum – wenn überhaupt – erwartet hätten: Wir entdecken nämlich, dass in uns noch immer die alte Natur vorhanden ist, beherrscht von dem bösen Prinzip, das Gott Sünde nennt – und das, obwohl wir doch eine neue Natur mit dem Verlangen nach Christus und göttlichen Dingen empfangen haben. Schlimmer noch: Wir stellen fest, dass diese alte Natur im Widerstand gegen Gottes Willen ihre Gelüste behaupten will. Zudem erkennen wir, dass diese alte Natur mit ihren Lüsten für uns zu stark ist. In diesem neuen Abschnitt des Briefes wird uns daher der Weg der praktischen Befreiung von der Herrschaft der Sünde und allem, was die Sünde umfasst, vorgestellt, damit wir in der Kraft des Heiligen Geistes die Segnungen der befreiten Seele genießen können.

Diese Wahrheit wird in uns in der folgenden Reihenfolge präsentiert:

  1. Christus wird uns vorgestellt als Haupt eines neuen Geschlechts, mit allen Segnungen derer, die zu Ihm gehören (Röm 5,12-21).
  2. Uns wird der Weg zur Befreiung von der Macht der Sünde gezeigt (Röm 6).
  3. Wir erfahren von der Befreiung vom Gesetz (Röm 7).
  4. Wir lernen die Befreiung vom Fleisch kennen und welche Segensgaben wir in der Kraft des Heiligen Geistes genießen können (Röm 8).

Wenn wir sehen, wie in diesem neuen Briefabschnitt die Stellung und Segnung weiterentwickelt werden, die den Gläubigen in Gottes Nähe „in Christus“ gehören, dann ist es nur allzu verständlich, dass er damit beginnt, uns Christus als das Haupt eines neuen Geschlechts vorzustellen. Diese Stelle macht uns klar: So wie wir mit Adam und allen leidvollen Konsequenzen, die sich aus dieser Abstammung ergeben, gleichgestellt waren, so werden wir als Gläubige mit Christus gleichgestellt und teilen die Segnungen, die das Teil derjenigen sind, die von Ihm abstammen. Wir sollen verstehen, dass wir mit Christus durch seinen Tod einsgeworden sind, um unsere Verbindungen zu Adam und seinem Geschlecht zu beenden; und dass wir mit Christus einsgeworden sind in der Auferstehung, um alle Segnungen zu teilen, die zu seinem Geschlecht gehören.

Vers 12

Röm 5,12: Darum, so wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben …

Die Passage wird eröffnet, indem all den Nöten nachgespürt wird, die durch einen Menschen – Adam – in diese Welt gekommen sind. Durch Adams Ungehorsam kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und so wurde der Tod an alle von Adams Geschlecht weitergegeben. Das Ergebnis von „Sünde“ können nur Sünden sein, aber Paulus spricht hier im Besonderen von „Sünde“. In Römer 1–5,11 taucht das Wort Sünde nur zweimal auf; in unserem Abschnitt dagegen 34-mal (Röm 5,12–8).

„Sünde“ ist das böse Prinzip der „Gesetzlosigkeit“, d.h., das Geschöpf folgt seinem eigenen Willen. Dieses böse Prinzip kam durch Adams einmaligen Akt des Ungehorsams in die Welt. Der Tod folgte als Strafe für die Sünde. Sünden können vergeben werden, aber „Sünde“ – das widergöttliche Prinzip, das zu Sünden führt – kann nur durch den Tod besiegt werden, der ein sündenbeherrschtes Leben zu Ende bringt. Daher ist der Tod der Sünde Lohn (Röm 6,23). Darum kommt die Todesstrafe auf alle, die von Adam abstammen. Dass alle dem bösen Prinzip der Sünde unterworfen sind, zeigt sich daran, dass alle tatsächlich gesündigt haben. Die schlechte Frucht zeigt den Charakter des Baums. Deshalb sagt Paulus: „Der Tod ist zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“ (Röm 5,12).

In Römer 5,18 setzt Paulus seine Lehre fort, indem er die Segnungen aufzeigt, die den Menschen in Christus zukommen. Vorher aber werden in Römer 5,13-17 drei wichtige Wahrheiten eingeschoben:

  1. Das sündige Prinzip existierte völlig unabhängig vom Gesetz.
  2. Adam war ein Bild für Christus als Haupt eines neuen Geschlechts.
  3. Wie Adams Sünde sein ganzes Geschlecht betraf, so – und um wie viel mehr – kommt das, was Christus getan hat, seinem Geschlecht zugute.

Verse 13.14

Röm 5,13.14: … 13 denn bis zu dem Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz da ist. 14 Aber der Tod herrschte von Adam bis auf Mose, selbst über die, die nicht gesündigt hatten in der Gleichheit der Übertretung Adams, der ein Vorbild des Zukünftigen ist.

Zunächst eine Bemerkung zum Gesetz: Es ist offensichtlich, dass Adam unter dem Gesetz stand – in seinem Fall unter dem sehr einfachen Gesetz, das ihm verbot, von einem bestimmten Baum zu essen. 2500 Jahre später wurde dem Volk Israel durch Mose das Gesetz gegeben. In der Zeit zwischen Adam und Mose gab es aber kein bestimmtes Gesetz, das dieses oder jenes verboten hätte. Die folgende Frage stellt sich also: Kann der Mensch für etwas bestraft werden, was nicht verboten ist? Die Antwort hierauf lautet, dass Sünde einem Menschen nicht zur Last gelegt wird als tatsächliche Übertretung eines ihm bekannten Gesetzes, wenn kein Gesetz existiert. Trotzdem – obwohl er nicht der Übertretung beschuldigt wird, da es ja kein Gesetz gibt – ist es offensichtlich, dass der Mensch seinem eigenen Willen folgt und als Konsequenz die Strafe des Todes erleidet. Dies wird durch die Tatsache untermauert, dass der Tod auch in der Zeit von Adam bis Mose herrschte. Daraus folgt, dass Adams Geschlecht unter der Herrschaft der Sünde stand und der Tod als Strafe unabhängig vom Gesetz und seiner Übertretung bestand.

Zum Zweiten erfahren wir in diesem eingeschobenen Abschnitt, dass es ein anderes Haupt eines anderen Geschlechts gibt, von dem Adam lediglich „ein Bild“ war. Christus wird als Haupt eines neuen Geschlechts vorgestellt. Wenn wir betrachten, was alles durch Adam in die Welt kam, können wir die Segnungen besser verstehen, die durch Christus geworden sind.

Verse 15-17

Röm 5,15-17: 15 Ist nicht aber wie die Übertretung so auch die Gnadengabe? Denn wenn durch die Übertretung des einen die vielen gestorben sind, so ist viel mehr die Gnade Gottes und die Gabe in Gnade, die durch den einen Menschen, Jesus Christus, ist, zu den vielen überströmend geworden. 16 Und ist nicht wie durch einen, der gesündigt hat, so auch die Gabe? Denn das Urteil war von einem zur Verdammnis, die Gnadengabe aber von vielen Übertretungen zur Gerechtigkeit. 17 Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche die Überfülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus).

Zum Dritten: Die Auswirkungen der Gnade durch Christus übertreffen bei Weitem die Auswirkungen der Sünde durch Adam. Die überragende Wirkung seiner Gnade zeigt sich auf dreifache Weise:

  1. Römer 5,15 zeigt uns, dass Gottes Gnade die Übertretung Adams übertrifft. Wenn die Übertretung eines Menschen – Adams – sein Geschlecht dem Tod unterwirft, umso mehr bringt uns Gottes Gnade das Geschenk des Lebens, aus Gnade, durch einen Menschen, Jesus Christus, für seine Kinder.

  2. In Römer 5,16 können wir sehen, dass Gottes Rechtfertigung (des Sünders) mächtiger ist als sein Gericht. Die Strafe des Gerichts, die auf den Menschen lag, bestand aufgrund einer Sünde, die allen Menschen zugerechnet wurde; jetzt trägt Gott „den vielen Vergehen“ Rechnung – nicht mit Gericht, sondern mit Rechtfertigung.

  3. Römer 5,17 sagt uns, dass das Leben über den Tod siegt. Der Apostel schreibt: „Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden vielmehr die, welche die Überfülle der Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.“ Wir hätten vielleicht erwartet, dass das Gegenteil der „Herrschaft des Todes“ die „Herrschaft des Lebens“ sein müsse. Es ist aber noch mehr als das. Denn es heißt, dass sie „im Leben herrschen [werden] durch den einen, Jesus Christus“. Dies eröffnet dem Gläubigen eine herrliche Aussicht der Segnungen. Es wird eine Zeit kommen, wenn die Heiligen mit Christus herrschen werden; doch schon jetzt ermöglicht die Gnade den Heiligen, durch Christus im Leben zu herrschen. Es ist Gottes Absicht, dass wir durch Christus die Mächte der Sünde (Gesetzlosigkeit und Eigensinn) vollständig überwinden sollen. In der Kraft eines Lebens, das durch Christus getragen wird, sollen wir alles Böse im Fleisch oder in der Welt überwinden.

Welch ein siegreiches Leben eröffnet sich dem Gläubigen auf diese Weise! Anstatt immer wieder von jenem bösen Prinzip „Sünde“ überwunden zu werden, sodass diese über uns herrscht, wird uns hier die gesegnete Möglichkeit vor Augen geführt, dass der Gläubige durch Jesus Christus über die Sünde herrschen kann. Wie dies ganz praktisch funktionieren kann, wird uns in den Kapiteln 6, 7 und 8 enthüllt, in welchen uns Gottes Weg der Befreiung von Sünde, Gesetz und Fleisch dargelegt wird. Doch bevor es um die Erfahrung geht und um die Wahrheit, die zur Befreiung führt, stellt Gott uns das gesegnete Ende vor Augen, zu dem sie uns führt. In der Zukunft werden die Gläubigen in einer Segens-Welt mit Christus herrschen; heute, in einer Welt voller Sünde und Tod, können sie im Leben herrschen durch Christus, sodass der Gläubige, anstatt von der Sünde überwunden zu werden, zu ihrem Überwinder wird.

Vers 18

Röm 5,18: … also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.

Nachdem Paulus in diesem Einschub Christus als das Haupt seines Geschlechts eingeführt hat, setzt er nunmehr seinen Gedankengang aus Vers 12 fort. Dort hatte er gezeigt, wie durch die Sünde des Einen die Sünde in die Welt gekommen war und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist. Jetzt beschreibt er, dass die Tragweite von Christi Gerechtigkeit ebenso groß ist wie die von Adams Ungehorsam. Hatte Adams Tat zur Verdammnis aller Menschen geführt, so war die Folge von Christi Tat die Rechtfertigung aller Menschen, welche zum Leben führt.

Der Unglaube mag leider verhindern, dass die große Tat für alle Menschen wirksam wird, dennoch ist der Segen dieser Tat für alle Menschen bestimmt. Die Rechtfertigung, die zum Leben führt, ist das Gegenteil der Verdammnis zum Tode. Der Gläubige, nicht mehr der Verdammnis zum Tod als Folge der Sünde unterworfen, wird gerechtfertigt zum Leben, das völlig frei von Sünde ist. Anstelle eines Lebens, das von der Sünde beherrscht wird und unter der Verdammnis des Todes steht, lebt er jetzt ein Leben, das gerechtfertigt oder bereinigt ist von der Kraft der Sünde und der Strafe des Todes.

Vers 19

Röm 5,19: Denn so wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen in die Stellung von Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden.

Während uns der vorige Vers verdeutlicht, dass die Trageweite von Christi Tat für alle Menschen gilt, so beschreibt dieser Vers, dass die praktische Auswirkung nur auf diejenigen beschränkt ist, die eine Beziehung zu Christus haben. Durch Adams Ungehorsam wurden die Vielen (das heißt: alle Menschen) mit ihm zu Sündern verbunden, während durch Christi Gehorsam am Kreuz die Vielen, die mit Ihm verbundenen sind (alle Gläubigen), zu Gerechten wurden.

Verse 20.21

Röm 5,20.21: 20 Das Gesetz aber kam daneben ein, damit die Übertretung überströmend würde. Wo aber die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade noch überreichlicher geworden, 21 damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Darüber hinaus wurde die Sünde durch das Gesetz mächtiger. Indem es die Sünde verbot, brachte es sie an die Oberfläche und verschlimmerte das Übel der Sünde, indem es sie zur Gesetzesübertretung machte. Aber dennoch: Wo die Sünde mächtig geworden war, war die Gnade noch viel mächtiger. Die Sünde führt durch ihre Herrschaft der Gesetzlosigkeit zum Tod; die Gnade, die durch Gerechtigkeit herrscht oder Gottes Willen tut, führt zum ewigen Leben. An dieser Stelle wird das ewige Leben in seiner vollen Herrlichkeit als das Ende eines Weges der Gerechtigkeit gesehen – im Gegensatz zum Tod, der am Ende des Weges der Sünde oder Gesetzlosigkeit liegt.

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Aus dem Buch The Epistle to the Romans. An Expositry Outline, 1935

Übersetzung: Dr. Andreas Blings


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