Die zwei Welten
Die Verbindung des Gläubigen mit dem Himmel und mit der Erde

John Gifford Bellett

© SoundWords, online seit: 27.09.2016, aktualisiert: 20.11.2017

Leitverse: 1. Timotheus 6

Was für ein weltfremdes Kapitel, wenn ich das so sagen darf, ist doch 1. Timotheus 6! Am Anfang dieses Kapitels werden die Gläubigen ermahnt: Sie sollen die Tatsache, dass sie Gläubige oder Brüder in Christus sind, nicht für ihr Verhältnis in der Welt benutzen. So wird der gläu­bige Knecht belehrt, weiterhin als Knecht zu dienen und seinem irdischen Herrn alle Ehre zu erweisen, die er ihm schuldig ist; er soll in keiner Weise Vorteil ziehen aus der Tatsache, dass er und sein Herr beide Brüder in Christus sind. Diese Ermahnung ist wirklich sehr wichtig und „Gottes und seiner Lehre“ angemessen (1Tim 6,1).

Ebenso werden im Laufe des Kapitels die Reichen und die Armen ermahnt, nicht weltlich zu sein, diesen gegenwärtigen Zeitlauf zu verleugnen und nach dem kommenden Zeitlauf oder dem ewigen Leben zu streben. Bei den einen wird das in ihrem Leben erkennbar dadurch, dass sie freigebig sind (1Tim 1,18); bei den anderen dadurch, dass sie völlig zufrieden sind und sich „daran genügen lassen“ (1Tim 6,8). Dies sind gute und passende Worte, Ermahnung und Ermunterung, wenn es darum geht, dass wir uns von der Welt getrennt halten.

Außerdem aber gibt es eine treffende Erklärung über die beiden Welten – die gegenwärtige Welt oder die Welt des Menschen; und die zukünftige Welt oder die Welt Christi –, und dies zugleich in Verbindung mit dem Herrn Jesus selbst.

In der gegenwärtigen Welt wird Timotheus ermahnt, „den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen“ (1Tim 6,12), die Begierde nach Reich­tum zu „fliehen“ (1Tim 6,11) und die Gnaden und Neigungen des christlichen Charakters (der himmlisch ist) zu pflegen. Er wird ernstlich ermahnt, dieses Gebot zu bewahren als im Angesicht Gottes, „der alles am Leben erhält“, und Jesu Christi, der vor Pontius Pilatus „das gute Bekenntnis bezeugt“ hat (1Tim 6,13).

Diese Ermahnung erinnert uns daran, dass der Herr Jesus in dieser Welt ein Bekenner war. Er war es in der Gegenwart des römischen Statthalters. Er verleugnete „diese Welt“, indem Er sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Das war ein Teil seines „guten Bekenntnisses“. Er wies alles zurück, was Er in der gegenwär­tigen Welt hätte haben können. Der Fürst dieser Welt hatte nichts in Ihm; aber „Gott, der alles am Leben erhält“, hat eine andere und bessere Welt für Ihn bereitet. Er gab diese gegenwärtige Welt auf, und Gott will Ihn zu seinem Stellvertreter in Kraft und Maje­stät in einer zukünftigen Welt machen. Er selbst, der ein „un­zugängliches Licht bewohnt“ (1Tim 6,16), will diesen guten Bekenner, Christus, her­vorbringen als den Inhaber und Stellvertreter seiner Würden und seiner Autorität, als „den seligen und alleinigen Machthaber, den König der Könige und Herrn der Herren“ (1Tim 6,15). Aber das ist noch nicht jetzt.

Darin liegt etwas sehr Schönes und wirklich Bewunderungs­würdiges. Der gegenwärtige Zeitlauf war der Schauplatz, wo ein armer demütiger Bekenner bei Gefahr seines Lebens Zeug­nis ablegte, der da stand und für sich selbst Antwort gab in der Gegenwart der Kräfte dieses Zeitlaufs. Der zukünftige Zeitlauf aber wird der Schauplatz sein, wo dieser demütige Bekenner scheinen wird als Gottes Abglanz in Majestät und Autorität über alle Welt. Das ist sicherlich eine großartige Aussicht für den Gläubigen. Und darauf werde ich noch zu sprechen kommen.

Dieser Jesus war schon in dem gegenwärtigen Zeitlauf ein Stellvertreter – ein Stellver­treter des Vaters. Er konnte sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater ge­sehen“ (Joh 14,9). Der Herr hat dies schon gesagt, obgleich Er noch nicht geleuchtet hat als das Bild des „Machthabers, des Königs der Könige und des Herrn der Herren“. Er hat bereits Gnade bezeugt, aber nicht Macht – Gnade in Gott, aber nicht Macht auf der Erde. Er hat bereits Gerechtigkeit bezeugt in Demut und Leiden; bald wird Er sie bezeugen in Erhöhung und Autorität. Wenn der Tag von Offenbarung 19 kommt, wird Er dargestellt werden als „König der Könige und Herr der Herren“.

Noch etwas anderes möchte ich bemerken, das von praktischem Nutzen ist. Wenn der Geist von dem Inneren der Kirche spricht oder von der Familie Gottes,  die aus den himmlischen Fremdlingen auf der Erde besteht, sagt Er uns durch einen Apostel: „Der niedrige Bruder rühme sich seiner Hoheit; der reiche aber in seiner Erniedrigung“ (Jak 1,9.10). Aber hier in 1. Timotheus 6,1, will Er – wenn von dem „Namen Gottes“ und der „Lehre“ die Rede ist – durch einen anderen Apostel den Gläubigen davor war­nen, aus seinem Verhältnis auf der Erde von seiner Verbin­dung mit den Heiligen, seinen Brüdern in Christus, Vorteil in der gegenwärtigen Welt zu ziehen. Der Gläubige ist nämlich dazu berufen, als einsamer, himmlischer Fremdling durch sie hindurchzuziehen.

Wie schön ist jede Sache an ihrem Platz! Wie vollkommen – wie siebenmal im Feuer geläutertes Gold – ist jedes Wort, das aus dem Mund unseres Gottes hervorgeht!

Mögen wir diese seine Worte hören, ehrfurchtsvoll beachten und ihnen gehorchen. Sie sind uns gegeben worden, um uns zu belehren und uns in dem gegenwärtigen Zeitlauf die Richtung anzuweisen, damit wir unter den Menschen Zeugen sind sowie Bekenner seines Namens, den wir als Herrn und Christus haben. Ein Weg in Übereinstimmung mit dem göttlichen Muster, wie es uns in vollem Maß in dem Herrn Jesus vorgestellt wird, ist niemals ein beliebter Weg für Menschen der Welt. Auch werden weltlich gesinnte Gläubige meist keinen Gefallen an diesem Weg finden. Sie werden ihn für „Verschwendung“ halten (Mt 26,8).


Originaltitel: „Die zwei Welten“
aus Botschafter des Heils in Christo, Jg. 16, 1868, S. 79–80
Engl. Original aus „Unworldliness: Believers’ Relation to Heaven and Earth“, Notes of an Address by J.G. Bellett, Dublin
in The Believer's Magazine, New Series 25 (1924), S. 14–15,
nach dem Original überarbeitet und ergänzt von Philipp-Richard Schulz


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