Allvernichtung (2)

SoundWords

© Soundwords, online seit: 04.04.2017, aktualisiert: 24.05.2019

Lehrt die Bibel eine Allvernichtung?

Ist mit dem Tod für die ungläubigen Menschen alles aus und hören sie auf zu existieren? Oder existieren sie noch eine Zeitlang und werden sie dann durch das Feuer der Hölle verzehrt?

Dass mit dem Tod für die Ungläubigen nicht alles aus ist, geht so eindeutig aus dem Wort Gottes hervor, dass es daran für einen aufrichtigen und unvoreingenommenen Bibelleser keine Zweifel geben kann. Eine einzige Bibelstelle reicht bereits aus, um zu beweisen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist: „Und ebenso wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“ (Heb 9,27).

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer Bibelstellen, die aussagen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist:

  • Wenn der Herr Jesus in Matthäus 11,22 sagt: „Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch“, dann kann mit dem Tod unmöglich alles aus sein.

  • Wenn nach dem Tod angeblich alles aus ist – warum sagt der Herr Jesus dann in Bezug auf Judas: „Es wäre besser für jenen Menschen, wenn er nicht geboren wäre“ (Mt 26,24)?

  • Wenn nach dem Tod angeblich alles aus ist – wie will man dann die Geschichte des armen Lazarus in Lukas 16 verstehen, wo es von dem reichen Mann heißt: „Und in dem Hades seine Augen aufschlagend, als er in Qualen war …“ (Lk 16,23)?

  • Wenn nach dem Tod angeblich alles aus ist – warum gibt es dann noch ein „gewisses Erwarten“ eines Gerichts und den „Eifer eines Feuers“, wie der Schreiber des Hebräerbriefes sagt: „So bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers“ (Heb 10,26.27)?

  • Wenn nach dem Tod angeblich alles aus ist – warum spricht Judas in seinem Brief von Menschen, „denen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist“ (Jud 13)? Dieser Vers zeigt zudem, dass es auch keine zeitlich begrenzte Strafe geben wird, die irgendwann aufhört.

Der biblische Befund ist damit eindeutig: Nach dem Tod des Ungläubigen ist nicht alles aus.

Andere räumen zwar die Existenz eines Gerichtes und auch einer Hölle ein, behaupten aber, Gericht und Hölle würden nicht ewig andauern, sondern nach einer gewissen Zeit des Gerichtes würde die Seele vom Feuer verzehrt/vernichtet werden.

Wirklich? Der Herr Jesus selbst spricht von „unauslöschlichem Feuer“ (Mt 3,12); vom „ewigen Feuer“ (Mt 18,8.9); von der „ewigen Pein“ (Mt 25,46); von dem Ort, „wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Mt 9,43-49); von dem Zorn Gottes, der auf jemandem bleibt (Joh 3,36). Der Apostel Paulus schreibt von dem „ewigen Verderben vom Angesicht des Herrn“ (2Thes 1,9); und der Apostel Johannes spricht in der Offenbarung von einem Ort, wo man „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ gepeinigt wird (Off 20,10-15). Wie kommt man auf den absurden Gedanken, dass das Wort ewig in diesen Stellen nicht ewig bedeute, zumal die „ewige Pein“ in etlichen Bibelstellen sogar als Gegensatz zum „ewigen Leben“ gebraucht wird? Wir wollen einige Beispiele anführen:

  • Ist in Matthäus 25,46 die „ewige Pein“ zeitlich begrenzt, das „ewige Leben“ jedoch zeitlich unbegrenzt? „Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.“

  • Oder denken wir an 2. Korinther 4,18, wo das Wort „ewig“ dem Zeitlichen unmittelbar gegenübergestellt ist: „Wir schauen nicht das an, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig.“

  • Offenbarung 4,10 sagt von den Ältesten, dass sie „den anbeten, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit“; offenbar ist Gott bzw. der Herr Jesus der Ewige.

  • In Offenbarung 14,11 heißt es: „Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (siehe auch Off 20,10: „Und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit“).

In dem einen Fall soll die Wortkonstruktion „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ tatsächlich „ewig“ bedeuten, und im anderen Fall soll die gleiche Wortkonstruktion als „zeitlich begrenzt“ verstanden werden? Mit welchem exegetischen Schachzug will man diese Auslegung rechtfertigen? Undenkbar!

Wenn wir der Lehre der Allvernichtung Raum geben, ist am Ende nichts mehr sicher. Viele quälende Fragen kommen dann auf: Ist das „ewige Heil“ (Heb 5,9) gar nicht ewig? Müssen wir uns dann auch Sorgen um unsere „ewige Erlösung“ (Heb 9,12) machen? Werden wir wirklich „ewiges Leben“ und „ewigen Trost“ (2Thes 2,16) bekommen? Werden wir doch kein „ewiges Haus in den Himmeln“ (2Kor 5,1) haben? Ist der Heilige Geist doch nicht der „ewige Geist“ (Heb 9,15), und wohnt Er doch nicht „in Ewigkeit“ in uns (Joh 14,16)? Gibt es am Ende gar kein „ewiges Reich“ (2Pet 1,11) und keine „ewige Herrlichkeit“ (2Tim 2,10)? Ist all das nach einer gewissen Zeit zu Ende? Ist die „Macht“ und „Kraft Gottes“ doch nicht ewig (1Tim 6,16; Röm 1,20), und ist auch Gott am Ende gar nicht ewig (Röm 16,26)? Diesen Gedanken drückt die schon erwähnte Bachkantate so aus: „Denn wird sich enden diese Pein, wenn Gott nicht mehr wird ewig sein.“

Merken wir, wohin wir kommen, wenn wir glauben, dass ausgerechnet die „ewige Pein“ nicht ewig wäre? Es gibt im Neuen Testament etwa siebzig Bibelstellen[1], in denen im griechischen Grundtext das Wort aionios (= „ewig“) vorkommt, und immer bedeutet es buchstäblich „zeitlich unbegrenzt“.

Was ist mit dem Wort aionios im Philemonbrief?

In seinem Brief an Philemon schreibt Paulus über den entlaufenen Sklaven Onesimus:

Phlm 15: Denn vielleicht ist er deswegen für eine Zeit von dir getrennt gewesen, damit du ihn für immer [aionios] besitzen mögest.

Nun mag vielleicht jemand einwenden, dass das Wort „immer“ in diesem Vers unmöglich „ewig“ bedeuten könne. Doch gerade diese Stelle ist ein treffender Beweis dafür, dass das Wort aionios auch hier die Bedeutung „ewig“ hat. Vielleicht ist diese Bedeutung sogar einer der Zentralpunkte dieses kurzen Briefes. Paulus will hier gerade sagen: Philemon, überleg einmal, du hattest einen kleinen Verlust erlitten, weil dein Sklave dir für eine gewisse Zeit nicht zur Verfügung stand. Aber – und jetzt müssen wir berücksichtigen, wie der Vers weitergeht: „nicht länger als einen Sklaven, sondern mehr als einen Sklaven, als einen geliebten Bruder“ (Phlm 16) – jetzt hast du einen ungeheuren Gewinn gemacht: Du hast jetzt einen ewigen Besitz bekommen, und dazu noch auf einer viel innigeren Ebene, denn du hast nicht mehr nur einen Sklaven, sondern du hast einen Bruder für die Ewigkeit gewonnen. – Die Beziehungen Sklave/Herr, Mann/Frau usw. gelten nur auf der Erde; die Beziehungen aber, die wir als (Glaubens-)Geschwister haben, sind für die Ewigkeit, sie werden nie aufhören.

Wenn wir sogar bei dieser scheinbaren Ausnahme bei dem Wort „ewig“ an die Bedeutung von „buchstäblich ewig, ohne Ende, zeitlich unbegrenzt“ denken müssen – warum sollte das Wort „ewig“ ausgerechnet in den Bibelstellen nicht „ewig“ bedeuten, wo es in Verbindung steht mit dem ewigen Gericht, dem ewigen Feuer und der ewigen Strafe?

Die „ewige Pein“ in Matthäus 25,46

Mt 25,46: Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.

Manche wollen die „ewige Pein“ in Matthäus 25,46 mit der Dauer des tausendjährigen Friedensreiches in Verbindung bringen und auf diese Zeit beschränken. Dazu hat John Nelson Darby zu Recht bemerkt:

Beachten wir, was in Offenbarung 20 steht, wo wir in Vers 15 lesen: „Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ Das findet nach dem Tausendjährigen Reich statt (Off 20,7-10), wenn alles vorbei ist, wenn es heißt: „Es ist geschehen“ (Off 21,6), und: „Gott wird alles in allem sein“ (1Kor 15,28).[2]

Aus diesen Bibelstellen wird deutlich, dass die „ewige Pein“ erst nach dem Tausendjährigen Reich beginnen wird, nach dem großen Endgericht über alle Gottlosen.

Würde die Seele nach einer bestimmten Zeit der Qual wirklich vernichtet, hätte der Herr Jesus nur ein zeitlich begrenztes Gericht für jene getragen, die Buße getan und Ihn während ihres Lebens angenommen haben; Er hätte sie durch sein Werk am Kreuz nur vor einem zeitlichen Getrenntsein von Gott gerettet. Doch damit schmälert man das Werk des Herrn Jesus. John Nelson Darby schreibt zu diesem Gedanken:

Eine passende zeitlich begrenzte Strafe hätte auch irgendein höheres Geschöpf tragen können. Aber den Zorn und das Gericht Gottes, das eine ewige Strafe beinhaltet, konnte nur jemand, der göttlich (und ewig) ist, wie der Sohn Gottes, ertragen.[3]

Fazit

Eine Allvernichtung, gleichgültig, welcher Art, findet keine Unterstützung im Wort Gottes. Zu diesem Ergebnis sind auch alle jene gekommen, die an dem Gedanken einer Allversöhnung festhalten. Sie haben längst eingesehen, dass eine Allvernichtung nicht mit dem Wort Gottes zu rechtfertigen ist. Dennoch bedrängt die Allversöhner der gleiche Gedanke wie die Anhänger der Allvernichtung: Es könne nicht sein, dass ein Gott der Liebe Menschen für ewig an einen Ort ewiger Qual schickt.

Im nächsten Artikel wird es um die Lehre der Allversöhnung gehen.

Vorheriger Teil Nächster Teil

 

Anmerkungen

[1] Matthäus 18,8; 19,16.29; 25,41.46; Markus 3,29; 10,17.30; Lukas 10,25; 16,9; 18,18.30; Johannes 3,15.16.36; 4,14.36; 5,24.39; 6,27.40.47.54.68; 10,28; 12,25.50; 17,2.3; Apostelgeschichte 13,46.48; Römer 2,7; 5,21; 6,22.23; 16,25; 2. Korinther 4,17.18; 5,1; Galater 6,8; 2. Thessalonicher 1,9; 2,16; 1. Timotheus 1,16; 6,12.16.19; 2. Timotheus 1,9; 2,10; Titus 1,2; 3,7; Philemon 15; Hebräer 5,9; 6,2; 9,12.14.15; 13,20; 1. Petrus 5,10; 2. Petrus 1,11; 1. Johannes 1,2; 2,25; 3,15; 5,11.13.20; Judas 7.21; Offenbarung 14,6.

[2] J.N. Darby, Es gibt eine ewige Verdammnis, Neustadt/Weinstraße (Ernst-Paulus-Verlag), 3. Auflage, S. 16; übersetzt aus The Collected Writings of J.N. Darby, Bd. 7. Siehe auch den Artikel „Ist die ,ewige Verdammnis‘ ewig?“ von J.N. Darby.

[3] Ebd., S. 33.

Weitere Artikel des Autors SoundWords (96)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...