Satan – der Kampf im Himmel (9)
2. Korinther 5,10

Frederick Charles Jennings

© EPV / SoundWords, online seit: 15.02.2005, aktualisiert: 26.07.2016

Leitvers: 2. Korinther 5,10

2Kor 5,10: Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses.

Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn die Lehre von der „Sühnung durch das Blut“ vom Feind aufs Heftigste angegriffen wird. Er lässt dem Menschen gerne seine Religion, das ganze sogenannte Christentum, wenn er daraus nur alles ausmerzen kann, was seine Anklagen vor dem Thron Gottes wertlos macht und ihn schließlich seinen Platz im Himmel wie auch auf dieser Erde endgültig verlieren lässt. Seine Angriffe zeigen sich heute in der modernen Theologie, welche die Rechtfertigung durch den Glauben an das Blut Christi geflissentlich verschweigt. Gottes Gerechtigkeit erweist sich darin, dass Er den Glaubenden rechtfertigt; somit erweist sich Satan durch seine Anklagen gegen die Gläubigen als ein Ungerechter. Für einen Ungerechten kann der Himmel kein bleibender Aufenthaltsort sein; im Himmel können nicht gleichzeitig gerechtfertigte Sünder sein und der, der sie immer verklagt hat; er muss hinausgetan werden. Während für den Glaubenden die Stätte im Himmel schon bereitet ist, hat der Satan alles Anrecht auf eine Stätte im Himmel eingebüßt.

Mit dem Hinauswerfen Satans aus dem Himmel ist ein anderes Ereignis eng verknüpft, das wir daher kurz betrachten wollen. Wir lesen in 2. Korinther 5,10: „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden.“ Es handelt sich hier um eine Aussage von größter Tragweite für die gesamte Menschheit. Kein Gläubiger und kein Sünder ist von diesem Offenbarwerden ausgeschlossen, denn „also wird nun ein jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben“ (Röm 14,12). Beachten wir, dass die Schrift uns weder den Ort noch den Zeitpunkt der Aufrichtung dieses Richterstuhles nennt. Doch verstößt diese Aussage nicht gegen den so kostbaren Grundsatz des Evangeliums des Herrn: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen“ (Joh 5,24)? Wie kann der Gläubige „nicht ins Gericht kommen“ und doch vor dem „Richterstuhl offenbar werden“? Beide Feststellungen beruhen auf der vollen Wahrheit. Wir werden als Gläubige niemals in das furchtbare Gericht kommen, das unser Erlöser am Kreuz als Lohn unserer Sünden getragen hat. Bei unserem Erscheinen vor dem Richterstuhl des Christus wird nicht über unser ewiges Schicksal entschieden – Seligkeit oder Verdammnis –, denn dies ist bereits ein für alle Mal durch den Glauben an Ihn geklärt worden. Doch wir können mindestens drei wichtige Gründe nennen, die unser Offenbarwerden vor seinem Richterstuhl notwendig machen. Zunächst soll der Gedanke an unser Offenbarwerden vor Ihm einen heiligenden Einfluss auf unser Leben hier auf der Erde ausüben, auf jeden Schritt und jedes Problem unserer Wüstenreise. Er soll uns vor jeder Leichtfertigkeit bewahren und uns in Prüfungen und Schwierigkeiten den rechten Weg im Lichte des Richterstuhls weisen.

Sodann befinden wir uns, wie einst Jakob (1Mo 35), auf dem Wege nach „Bethel“ (d.i. dem Hause Gottes), um dort für ewig zu wohnen. Muss dann nicht alles der Heiligkeit unseres „Bethels“, des Hauses des Vaters, angepasst und angemessen sein? Wir müssen, wie einst Jakob, mit unserem ganzen Leben völlig in das göttliche Licht kommen, nichts darf ungeklärt bleiben. Dazu reicht unser eigenes Gedächtnis aber nicht aus. Hierzu haben wir Ihn nötig, der „uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat“; Er wird alles aufdecken. Wenn dies ein ernster Gedanke ist, so ist er doch auch sehr kostbar. Ehe die Ewigkeit für uns beginnt, wird für unsere vollkommene Sicherheit und Glückseligkeit gesorgt, so dass unsere Gemeinschaft mit dem Herrn niemals mehr durch einen Gedanken oder irgendetwas, was übersehen worden wäre, getrübt werden kann.

Ein dritter Grund für das Erscheinen vor dem Richterstuhl liegt darin, „auf dass ein jeder empfange, was er in dem Leibe getan, nachdem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses“ (2Kor 5,10). Vor dem Richterstuhl werden alle im Leibe vollbrachten Handlungen nicht nur nach dem äußeren Schein, sondern nach den innersten Motiven offenbar und beurteilt werden. Das Leben jedes Gläubigen wird zunächst eine dunkle Folge „toter Werke“ aus der Zeit vor seiner Bekehrung aufweisen. Dann wird ein Wechsel offenbar. Die dann folgenden Handlungen sind zwar unvollkommen und bedürfen der Reinigung im Blute des Lammes (Off 7,14), doch strahlt aus ihnen ein neues Leben, neue Motive und neue Kraft. Doch auch hier werden dunkle Flecken zeigen, dass auch der Gläubige hie und da „für das Fleisch gesät“ hat. Alle die „toten“ Werke, sowohl aus unserem Leben vor der Bekehrung als auch aus der Zeit nachher, werden wie „Holz, Heu, Stroh“ verbrennen, (vgl. 1Kor 3,15). Nur das, was Gott in uns wirken konnte, wird ewigen Bestand haben. Es wird also um eine Beurteilung unserer Handlungen im Leibe des Fleisches gehen; dabei wird der Lohn jedes Gläubigen nach dem Maße seiner Treue ausfallen.

Wo wird der Richterstuhl des Christus, vor dem die Gläubigen erscheinen werden, wohl aufgestellt sein? Dass der Schauplatz dieses „Offenbarwerdens“ nicht die Erde vor der Entrückung der Gläubigen sein wird, geht aus der Schrift klar hervor. Ebenso sicher steht fest, dass dieses Ereignis nicht nach dem Erscheinen des Herrn mit seinen Heiligen in Herrlichkeit stattfindet. Sie werden dann mit ihrem Herrn kommen, um die Welt zu richten (1Kor 6), nicht um selbst „gerichtet“ zu werden. Es muss sich also um einen Zeitpunkt zwischen der Entrückung in den Himmel und dem Offenbarwerden vor der Welt handeln. Der Richterstuhl wird sich also auf alle Fälle in den „himmlischen Örtern“ befinden. Welch tröstliche Gewissheit! Die Gläubigen sind bereits im Himmel, wenn sie vor dem Richterstuhl erscheinen, es ist also keine Frage mehr, ob sie dorthin kommen! Brauchen wir noch weiteren Trost? Lasst uns den Richter selbst anschauen! Er trägt manche Kennzeichen, die uns vertraut sind: seine durchgrabenen Hände und Füße, seine durchstochene Seite. Die Strafe für alles Böse, das sich vor seinem Richterstuhl zeigen wird, wurde bereits von Ihm getragen! Welche Lob- und Anbetungslieder werden dort erklingen!

Es scheint, dass in der Zeit zwischen der Entrückung und der Offenbarung in Herrlichkeit somit zwei biblische Ereignisse stattfinden: das Erscheinen vor dem „Richterstuhl des Christus“ und der „Kampf in dem Himmel“ (Off 12).

Welches dieser beiden Ereignisse wird zuerst stattfinden? Wir müssen zwar zugeben, dass die Bibel uns keine Angabe über die Reihenfolge macht, doch dürfen wir folgende Überlegungen anstellen. Es entspricht den Wegen Gottes, seine Kinder niemals in Anwesenheit ihrer Ankläger bloßzustellen; im Gegenteil, Gott rechtfertigte sein Volk in aller Öffentlichkeit im Angesichte Balaks mit den Worten: „Er erblickt keine Ungerechtigkeit in Jakob und sieht kein Unrecht in Israel.“ Ein Tadel ist somit eine persönliche Angelegenheit zwischen Ihm und seinen Kindern. Denken wir etwa daran, wie der Herr Jesus seinen zweifelnden Knecht Johannes den Täufer vor der Volksmenge in Schutz nahm, als dieser zu Ihm sandte (Mt 11). Auch fällte Gott keinen Urteilsspruch über unsere in Sünde gefallenen Voreltern, ehe Er nicht den Fluch über den Versucher und Ankläger ausgesprochen hatte.

Wenn wir diese Handlungsweise unseres Gottes auch hier voraussetzen, dürfen wir mit Sicherheit annehmen, dass zunächst das Urteil über den Teufel gefällt und er aus dem Himmel geworfen wird, ehe die himmlischen Heiligen vor dem Richterstuhl des Christus geoffenbart werden. Wir dürfen das Ende des Kampfes im Himmel und die anschließende Entfernung Satans in der Mitte der 70. Jahrwoche der großen Prophezeiung Daniels ansetzen, dreieinhalb Jahre vor der Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit, um das Gericht über die Erde auszuführen (Off 12). In der Ruhe eines nunmehr gereinigten Himmels, nach dem Hinwegtun des Anklägers, wird es der Braut des Lammes „gegeben“ werden, sich für Ihn zu bereiten (Off 19), „auf dass er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe“ (Eph 5,27).

Gibt es irgendeinen Beweis für die ewige Annahme des Volkes des Herrn? In der Tat, diesen Beweis gibt es. Denn genauso wie die Auferstehung des Herrn Jesus der volle Beweis der göttlichen Annahme sowohl seiner Person selbst als auch seines Werkes war, so ist auch die Auferstehung seines Volkes der volle Beweis ihrer Annahme und Rechtfertigung. Darin erscheint die Herrlichkeit Gottes in einem weit größeren Strahlenkreis – aber doch von derselben Art – wie am Tag, als Lazarus seine Stimme hörte und aus seinem Grabe vorkam. Es scheint so, als ob jener Krieger, Michael der Erzengel, die Heerscharen der Erlösten, die aus dem Grabe hervorkommen, mustert und erkennt, dass diese solch eine Offenbarung der Herrlichkeit Gottes sind, dass nun der Verkläger, der immer noch als der schirmender Cherub posiert, als wenn er die Gerechtigkeit Gottes im Blick hätte, kein Aufenthaltsrecht mehr in den himmlischen Örtern haben kann. Und bevor nun die Gerichte beginnen, fängt der Krieg im Himmel an, mit dem Ergebnis, dass Satan hinausgeworfen wird. Wie tief bedeutsam sind die Namen der Führer in diesem Kampfe. Auf der einen Seite ist der, der von Anfang an so sein wollte wie Gott. Dadurch dass er die Menschheit auf denselben Pfad geführt hat, auf dem er selber war, hat er sie in den Staub des Todes gebracht. Nun ist der Moment gekommen, wo die Herrlichkeit Gottes in der Auferstehung erlöster Menschen aus diesem Staub gezeigt wird; jetzt werden sie aus dem Tod errettet. Ist es da ein Wunder, dass jemand nach vorne springt in unwilligem Protest gegen solch einen Anspruch, dessen eigener Name Michael sein Schlachtruf sein wird: Wer ist wie Gott? „Du beanspruchst, wie Gott zu sein, du der nur die Schuldigen verdammen kannst; während Gott, unser Gott, einen Weg gefunden hat, sie auf eine gerechte Weise zu rechtfertigen! Du als Gott! Keiner aus diesen verherrlichen Heerscharen ist da, der nicht die Sünde kennengelernt hat – dein Werk! Und doch hier und ohne Zögern rufe ich wiederum den Schlachtruf meines Namens aus: Michael = Wer ist wie Gott?“

Der Krieg ist vorbei und Satan ist hinausgeworfen. Aber damit es auch nicht die geringste Frage geben könnte, ob nicht die verschiedenen Namen, die ihm gegeben worden waren, zu verschiedenen Person gehörten, werden alle vier Namen hier gegeben. Der Teufel als Lügner, Satan als Mörder in den himmlischen Örtern, die alte Schlange als Lügner und der Drache als der Mörder auf der Erde. In der Ruhe, die dann diesem Konflikt folgt, wird jeder Gläubige, ohne dass ein Verkläger da ist und ihn verurteilen kann, offenbar – wie eine arme Frau lange zuvor (Joh 8). Nur in ihrem Fall wird jeder in verschiedenem Maße Lobpreis für Gott (1Kor 4) haben, und jeder wird nie mehr mit Sünden zu tun haben.

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Originaltitel: „Der Kampf im Himmel“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1982, S. 243–247
von SoundWords ergänzte Übersetzung aus Satan, His Person, Work, Place and Destiny


Hinweis der Redaktion:

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