Das Evangelium der Herrlichkeit
2. Korinther 3

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 22.01.2007, aktualisiert: 21.12.2017

Leitverse: 2. Korinther 3

Eine Decke – nicht auf der Herrlichkeit Gottes, höchstens auf uns

Der Apostel stellt fest, dass nun keine Decke mehr die Herrlichkeit Gottes verdeckt. Wenn jetzt noch eine Decke vorhanden sein sollte, liegt sie auf unseren Herzen. Dies ist eine ernste Wahrheit. Die ganze Herrlichkeit, alles, was Gott ist, leuchtet im Angesicht Jesu und wird von keiner Decke verdeckt. Die Decke liegt auf uns. Dies finden wir im nächsten Kapitel: „Wenn aber auch unser Evangelium verborgen ist, ist es in denen verdeckt, die verloren gehen, in denen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus (denn das ist es wirklich, nicht ein „herrliches Evangelium“), „der das Bild Gottes ist“ (2Kor 4,3). Wenn die Herrlichkeit Christi verborgen ist, dann liegt die Decke liegt auf unseren Herzen. So sagt der Apostel: „Wir alle aber mit aufgedecktem [oder unverschleiertem] Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend.“ Dies ist die Herrlichkeit Gottes, die sich in Christus zeigt.

Ein Brief – graviert durch den Heiligen Geist

Wir werden nun sehen, was der Christ ist, welchen Platz er in der Welt einnimmt und wie er diesen erlangen kann. Der Apostel zeigt uns all dies im Gegensatz zum Gesetz. Die Korinther hatten die Apostelschaft des Paulus in Frage gestellt, da er ja keiner der zwölf Auserwählten sei. Der Apostel hatte im vorherigen Kapitel ein wenig über sich selbst gesprochen, wozu sie ihn gezwungen hatten. Nun hatten die Korinther einen schlechten Lebenswandel, aber nachher ging es besser mit ihnen, und Paulus konnte schreiben, dass sein Mund für sie geöffnet sei und sein Herz sich ihnen gegenüber geweitet habe. Er gab ihnen viele Zeichen seiner Apostelschaft, aber im Grunde war es nicht notwendig. Er brauchte keine Empfehlungsbriefe für sie oder von ihnen, wie andere sie verlangten und wie wir es heute auch tun; denn sie selbst waren sein Brief, der von allen Menschen gekannt und gelesen wurde. Sie waren die Zeugen der Wahrhaftigkeit seines Dienstes; und sie waren offenbar als der Brief Christi bekanntgemacht – geschrieben nicht mit Buchstaben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes; nicht in steinerne Tafeln, sondern in fleischerne Tafeln des Herzens. 

Der Christ ist eine Person, in der die Welt Christus lesen kann, weil Christus in sein Herz eingraviert ist durch den Heiligen Geist. Wir wollen uns daran erinnern, dass nicht gesagt wird, dass dies so sein sollte, sondern dass es so ist, egal, ob er so handelt, dass das auch offenbar wird oder nicht. Ein Kind ist ein Kind, egal ob es der Beziehung gemäß handelt oder nicht. Der Christ ist der Brief Christi, der von allen Menschen gelesen werden soll; dies ist sein Platz – das ist genauso wahr wie die Tatsache, dass das Gesetz auf steinerne Tafeln geschrieben worden war. Er muss es zur Kenntnis nehmen. Und mehr noch: Wenn wir mit unverschleiertem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen, dann werden wir in dasselbe Bild verwandelt; er wächst ebenso darin. Es geht von Herrlichkeit zu Herrlichkeit und durch den Geist; dies ist der Christ im Gegensatz zum Gesetz. Das Gesetz zeigt, was ein Kind Adams sein sollte. Der Christ ist der lebendige Brief Christi. Der Heilige Geist graviert Christus in unsere Herzen und das kommt dann in unserem Leben zum Vorschein.

Das Gesetz – mit Barmherzigkeit, aber ohne Sühnung

Darin besteht der größtmögliche Gegensatz zwischen Gesetz und Evangelium. Paulus nennt das eine den Dienst des Todes und der Verdammnis und das andere den Dienst des Geistes und der Gerechtigkeit. Ich schlage vor, dass wir uns dies nun anschauen.

Als Mose zum ersten Mal die steinernen Tafeln erhalten hatte und vom Berg heruntergestiegen war, hören wir nichts von der Herrlichkeit seines Angesichtes. Diese ersten Tafeln brachte er niemals in das Lager hinein. Er hört, wie das Volk sich verhält und setzt sich bei Gott für es ein um Gottes großen Namens willen, als Gott ihm anbietet, das Volk zu vertilgen und aus ihm selbst eine große Nation zu machen. Als Mose jedoch unten angekommen war und den Tanz um das Kalb sah, warf er die Tafeln zu Boden und zerbrach sie am Fuß des Berges. Wie konnte er Gottes Gesetz mitten unter das Volk bringen, wo es doch das allererste dieser Gebote schon gebrochen hatte? Als Mose den Herrn hinsichtlich seiner momentanen Regierung bittet, vergibt der Herr die Sünde des Volkes. Mose konnte keine Sühne erwirken und so wurden sie zurück unter das Gesetz gestellt – die Seele, die sündigte, sollte sterben.

Dann nahm Mose zwei andere Tafeln, die genauso waren wie die ersten, und ermutigt von Gottes Güte fragt er Gott, ob er seine Herrlichkeit sehen dürfte. Dies durfte nicht sein, aber Er lässt seine Güte an Mose vorüberziehen und seinen gnädigen Namen vor ihm ausrufen und stellt sie zurück unter das Gesetz. Mose hatte vorgeschlagen, sich selbst für sie als Sühne zu geben, aber er konnte es nicht; und Gott selbst proklamiert sich als der Eine, der keinesfalls den Schuldigen für schuldlos erklären würde. Danach, als Mose heruntergekommen war, hatte der Umgang mit Gott sein Gesicht zum Leuchten gebracht. Das Volk konnte die Widerspiegelung der Herrlichkeit Gottes nicht ertragen, so dass Mose sein Angesicht mit einer Decke verhüllte. Hier lernen wir, dass Gott mit seinem Volk zwar in Barmherzigkeit handelt, aber dass es keine vollkommene Sühnung gab. Die Verheißung eines Erlösers kam von Anfang an, sogar schon im Garten Eden; aber es gab nur Einen, der diese Sühnung bewirken konnte. In all der Offenbarung der Güte fehlte ein wichtiger Punkt und das ist die Reinigung des Schuldigen. Das schuldige Israel wollte, dass eine Decke auf Moses Gesicht liegt, und bis zum heutigen Tag liegt eine Decke auf ihren Herzen; aber wenn sie zum Herrn zurückkehren werden, wird die Decke hinweggenommen. Das Gesetz konnte in vielen Opfern nur auf das eine vollkommene Lamm hinweisen und Israel konnte durch die Bilder nicht hindurchsehen zu dem Gegenstand, der dargestellt werden sollte; aber in Christus ist die Decke hinweggetan. Nun liegt keine Decke mehr über den Gedanken Gottes, die uns betreffen, obwohl der Gott dieser Welt sie immer noch auf den Herzen der Menschen festhalten kann. Der Grund dafür, dass das Evangelium das Evangelium der Herrlichkeit genannt wird, ist, dass die Decke weggetan ist.

Das Gesetz – der Dienst des Todes

Wir sehen, dass Gott den zwei großen Grundsätzen entsprechend handelt – Gesetz und Gnade. Durch das Gesetz fordert Gott, was der Mensch sein sollte. Es betrifft alle Beziehungen, die Gott zwischen Gott und Mensch gestaltet hat. Die Pflichten waren schon da, bevor das Gesetz gegeben wurde, aber das Gesetz gab den Pflichten die Richtschnur, den Grundsatz, und verknüpfte Gottes ausdrückliche Zustimmung damit. Das Gesetz kam und forderte den Gehorsam des Menschen. Unser Herr fasste das ganze Gesetz in zwei Sätzen zusammen: „Du sollst den Herrn deinen Gott von ganzen Herzen lieben“, etc. und: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das Gesetz kam und forderte vom Menschen, was er sein sollte. Es gab kein Leben, keine Kraft, keine Erlösung oder einen Gegenstand, der ein Beweggrund sein könnte; weder konnte es den Schuldigen reinigen, noch war es Hilfe oder Kraft, obwohl Gott seinem Volk zu allen Zeiten hilft. Aber das Gesetz selbst konnte nichts anderes als Gehorsam verlangen; und da der Mensch ein Sünder war und unfähig, einem heiligem Gesetz zu gehorchen, war es der Dienst des Todes und der Verdammnis. 

Im Gesetz liegt keine Gnade (Gnade und Gesetz sind einander entgegengesetzt), aber Gottes Gnade handelte mit Einzelnen. Das Gesetz war der Dienst des Todes und der Verdammnis, weil es von Gott her vorgab, was der Mensch sein sollte und was der Mensch nicht ist. Wenn das Herz eines Menschen nicht auf Gott ausgerichtet ist, beunruhigt ihn das Gesetz nicht besonders. Er denkt, dass er nichts besonders Schlimmes getan hat; er ist nicht schlechter als seine Nachbarn; er hat keine schweren Sünden begangen. Außerdem sagt er sich, dass Gott barmherzig ist; ein bisschen Barmherzigkeit werde schon übrig sein, um seiner Not zu begegnen; denn tief im Herzen empfindet jeder Mensch, dass er gesündigt hat. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung und es ist alles ganz gut, solange es eine Frage des natürlichen Gewissens ist und Gottes Augen nicht Herz und Gedanken treffen. Wenn das Gesetz sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, sind wir uns sofort der Sünde bewusst; wir wissen, dass wir es nicht tun. Wer fühlt Kummer über den Verlust des Nachbarn, so als wäre es sein eigener Verlust?

Die Offenbarung Gottes – furchtbarer noch als das Gesetz

Aber wenn wir zu dem Gesetz eine wenn auch noch so kleine Offenbarung Gottes bekommen, sind wir sofort völlig verdammt, denn kein Fleisch kann vor seinen Augen bestehen. Nun wird eins von zwei Dingen geschehen: Entweder wird man versuchen, sich vor Gott zu verstecken, wie Adam es im Garten Eden tat, oder man wird versuchen, Gott vor sich zu verbergen. Genau dies tat Israel, als sie Mose anflehten, sein Angesicht zu verhüllen: Denn wenn ein Mensch nur einen Blick auf Gott wirft, kann er mit Hiob sagen: „Wenn ich mich mit Schnee wüsche und meine Hände mit Lauge reinigte, dann würdest du mich in die Grube tauchen, und meinen eigenen Kleidern würde vor mir ekeln.“ Was immer ich auch vorher über mich selbst gedacht haben mag, ich erkenne, dass ich in Gottes Augen nur wie jemand bin, der aus einem Graben gezogen worden ist: völlig verdreckt. Unter dem Gesetz mag die Seele fühlen, dass alles in Ordnung ist, wenn sie nicht geübt ist, auf Gott ausgerichtet zu sein; aber in seiner Gegenwart kann niemand bestehen. Im Herzen ist Begierde.

Das Gesetz – in seiner subtilen Form

Der Grundsatz des Gesetzes ist: Das, was Gott für mich ist, hängt davon ab, was ich für Ihn bin. Aber Gott hat ans Licht gebracht, dass ich ein Sünder bin; denn durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde. Es ist eine Offenbarung des Todes und der Verdammnis und nichts anderes. Das Gesetz wird mir keinen Frieden geben. Es ist nicht Gnade. Es sieht nicht darauf, was der Herr für mich tut, sondern auf das, was ich in mir selbst für Ihn finde; und ich kann sogar unter dem Gesetz sein, wenn ich auf das Kreuz selbst schaue. Am Kreuz sehe ich eine Demonstration der vollkommenen Liebe zu mir, und wenn ich in mein Herz schaue, sehe ich eine klägliche Antwort auf seine Liebe, so dass ich zu zweifeln beginne, ob ich Ihn überhaupt liebe. Es ist völlig richtig, dass ich den Wunsch haben sollte, Ihn zu lieben; aber das ist nicht das Evangelium, und man kann auf diesem Weg niemals Frieden finden. Ich stelle dann meine Kindesbeziehung aufgrund meines Verhaltens in Frage; und zu welcher Verwirrung würde es führen, wenn die Kinder anfangen würden zu fragen, ob sie Kinder ihres Vaters sind oder nicht. 

Ich darf fragen: Gehe ich den Weg, der meiner Beziehung entspricht? Aber ich darf nicht fragen, ob ich ein Kind bin oder nicht. Dies ist alles Gesetz, wenn auch in einer subtilen Form. Dann versuche ich, Frieden zu finden in dem, was ich für Gott bin, und nicht in dem, was Er für mich ist. Dies ist der Zustand eines Christen, der keinen Frieden gefunden hat; wie der verlorene Sohn, der, weit entfernt vom Vater, fragt, ob er bezahlter Knecht werden darf. Wenn er dann in die Gegenwart des Vaters kommt, ist davon keine Rede mehr: Er kannte seine Beziehung. Vorher hatte er nur daran gedacht, was er für seinen Vater war, und nicht, was der Vater für ihn war. In den ersten zwei Gleichnissen in Lukas 15 sehen wir, wie die Gnade hinausgeht, um zu suchen, was verloren war, danach sehen wir die Aufnahme bei der Rückkehr; und der Herr zeigt, wie das Werk im Herzen weitergeht, wie die Seele oft auf dem Grundsatz des Gesetzes verharrt: Sie behauptet, nicht das zu sein, was sie sein möchte. Sie schauen in sich hinein, um zu sehen, ob sie Gott lieben, und wenn dafür keine Anzeichen zu sehen sind, beginnen sie zu zweifeln, ob Er sie liebt. Dies ist eine subtilere Form des Gesetzes; aber es ist immer noch der gleiche Grundsatz – ich schaue darauf, was ich für Gott bin, und nicht, was Er für mich ist.

Der Höhepunkt der Sünde – die Ablehnung der Güte Gottes in der Person Jesu

Nun wende ich mich dem Evangelium der Herrlichkeit zu. Mitten in eine Welt, die das Gesetz bricht, erscheint Gott in Gnade. Bevor Jesus kam, war Gott nicht zu den Menschen gekommen, und die Menschen konnten nicht zu Gott kommen. Er gab den Menschen Gesetz und Verheißungen, aber Er kam nicht selbst zu den Menschen. Aber die große Tatsache, die wir nun vor uns haben, ist, dass Gott gekommen ist: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“ und der Mensch ist hineingegangen – direkt in die Gegenwart Gottes. Wenn ich sage „Mensch“, dann meine ich Christus selbst, der als Vorläufer für uns hinter den Vorhang gegangen ist. Ich entdecke, dass Gott in vollkommener Güte und nicht in einer Offenbarung seiner Herrlichkeit kam. Er kam, als wir Sünder und Gesetzesbrecher waren, als wir weit entfernt waren. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.“ Wir sehen eine Erscheinung der reinsten Liebe im Leben unseres Herrn auf der Erde. Seine Wunder waren nicht nur Macht, sondern Macht in Liebe, um jedem Mangel in jedem Menschen zu begegnen. Er beseitigte jede Auswirkung der Sünde; Er war der Ausdruck von Gottes vollkommener Güte; und die Folge war, dass der Mensch in sein Gesicht spuckte und Ihn zurückwies. 

Möge der Herr uns alle immer wieder daran erinnern, dass wir in einer Welt leben, die Ihn zurückgewiesen hat, als Er in Gnade kam! Die Welt ist jetzt genauso schlecht, wie sie damals war; sie ist nicht enger in Verbindung mit Gott als damals; die Seelen sind von Natur nicht näher bei Gott, als sie es waren. Wenn wir uns umschauen, sehen wir, dass die Zustände tatsächlich schlechter sind, als sie waren. Die Sünde hat ihren Höhepunkt erreicht. Es ist nicht nur so, dass Gott den Menschen aus dem Garten Eden hinausgeworfen hat, sondern als Gott in diese Welt kam, warf der Mensch Ihn hinaus. Wie Jesus selbst sagt: „Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie gesehen und doch gehasst sowohl mich als auch meinen Vater“ (Joh 15,24). Er ging in Güte durch diese Welt, heilte alle, die vom Teufel unterdrückt wurden; denn Gott war mit Ihm. Der Sohn Gottes war in der Welt und wurde von der Welt abgelehnt. Gott offenbarte sich selbst in der Person seines Sohnes, als wir Sünder waren. Er zeigte seine vollkommene Heiligkeit in seinem Leben. Dies zeigt sich in beeindruckender und bewegender Weise, als der arme Aussätzige zu Ihm kommt. Er war mit Sündern zusammen, unbefleckt von ihnen, aber in vollkommener Liebe. Hier war einer, der seine Macht anerkennt, aber an seiner Liebe zweifelt. Und was ist seine Antwort? Macht Er ihm Vorwürfe? Nein, seine Antwort ist: „Ich will, sei gereinigt“, und Er berührt ihn mit seiner Hand. Wer einen Aussätzigen berührte, wurde unrein wie dieser; aber Christus wird beim Kontakt mit den Menschen nicht unrein, sondern reinigt sie in Gnade. Es war göttliche Macht, die die Sünde berührt und vertreibt: ein schöner Ausdruck dessen, was Gnade ist. Aber so wie Er war, lehnten sie Ihn ab, und in dieser Tat offenbarte sich die Sünde vollkommen, denn es war die Ablehnung der Güte Gottes.

Die höchste Sünde offenbart die höchste Gnade

Aber Gott nutzt den höchsten Akt der Sünde des Menschen für seine Rettung; Christus war das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt hinwegnimmt: Und hier kommen wir nun zum Kreuz. Das Werk war Ausdruck und Ausführung der verdammungswürdigsten Tat aufseiten des Menschen; aber es zeigte die höchste Gnade aufseiten Gottes. Mir wird Gottes Gerechtigkeit gegen die Sünde aufgezeigt, aber noch mehr als das: Gott ist vollkommen verherrlicht. Die ganze Macht Satans ist weggenommen und bringt dem verlorenen Sünder Gottes vollkommene Liebe. Dort, wo die Sünde überfließend war, wurde die Gnade noch überfließender; wie gesagt ist: „Wenn einer für alle stirbt, dann sind alle tot.“ Wenn du nicht zu Christus kommen willst, dann ziehst du andere Dinge Ihm vor. Doch solltest du ernsthaft bedenken und dir die Frage beantworten: Wo wirst du die Ewigkeit verbringen? Diese Frage muss in diesem Leben entschieden werden. Der Mensch schreckt vor dem Gedanken an die Ewigkeit zurück; und wo es ungläubige Gedanken über Gott gibt, leugnen sie eben einfach die Ewigkeit oder hoffen wenigstens, dass es keine gibt.

Das Evangelium der Herrlichkeit – mein Sündenträger ist in der Herrlichkeit

Wenn ich zum Kreuz komme und weiß, dass meine Sünden Christus hierhergebracht haben – finde ich Ihn dort am Kreuz? Nein; wenn ich zum Kreuz gehe, ist Er nicht da. Und weiß mein Glaube, wo Er ist? Ich weiß, dass meine Sünden Ihn hierhergebracht haben, aber mein Glaube sieht Ihn zur Rechten Gottes. Aus diesem Grund wird es das Evangelium der Herrlichkeit genannt, denn Er ist für mich hier hineingegangen. Nun sitzt Er zur Rechten Gottes, aber meine Sünden sind nicht mehr auf Ihm. Er sitzt dort, weil meine Sünden für immer bereinigt sind. Mit einem Opfer hat Er eine vollkommene Rettung geschaffen. Wenn ich einmal Rechenschaft ablegen muss, wen finde ich dann als Richter? Den Einen, der selbst meine Sünden hinweggetan hat. Für eine Seele, die vollkommen in der Gnade gegründet ist, gibt es keinen glücklicheren Gedanken als den an den Richterstuhl Christi: Wenn ich vor Ihm erscheine, wird es in einem verherrlichten Leib sein, der dem des Herrn selbst gleich sein wird. Er sagte, dass das Werk vollendet ist, und die Person, die mich richtet, ist der Eine, der für mich alle meine Sünden fortgetragen hat. 

Das Evangelium der Herrlichkeit bedeutet, dass der Eine, der für meine Sünden gestorben ist, dort in der Herrlichkeit ist und meine Sünden für immer weggetan sind; und dort ist es, wo das Evangelium in seiner Fülle beginnt. Erst nachdem Christus sich zur Rechten Gottes gesetzt hatte, kam der Heilige Geist herab. Erst dann konnten die Jünger in der Kraft des Heiligen Geistes hinausgehen. Gerechtigkeit hat den Einen, der meine Sünden trug, zur Rechten Gottes gesetzt, und Er ist dort, ohne dass meine Sünden auf Ihm liegen. Und indem Er sie getragen hat, hat Er Gott verherrlicht. Es ist der Dienst des Geistes – der Heilige Geist bezeugt im Evangelium, dass der Eine, der all dies getan hat, nun einen erhabenen Platz zur Rechten Gottes hat. Ich sehe einen Menschen in der Herrlichkeit, der als Vorläufer für mich dort hineingegangen ist. Wir hatten keinen Anteil an diesem wundervollem Werk, außer unseren Sünden und dem Hass, der Ihn zu Tode gebracht hat. Er starb und Gott versetzte Ihn in die Herrlichkeit, weil Er ein Werk getan hatte, das Gott vollkommen zufriedenstellte. In Johannes wird vom Heiligen Geist gesagt: Er wird die Welt von Gerechtigkeit überzeugen, „weil ich zu meinem Vater gehe“. Er sitzt dort in der Herrlichkeit, weil das Werk vollkommen getan ist – die Sünden derer, die glauben, sind für immer hinweggetan. Es bringt auch die Sünde zum Bewusstsein, weil es meine Sünde war, welche Ihn an das Kreuz gebracht hat, wo Er alles trug und die Gerechtigkeit Gottes vollkommen zufriedenstellte.

Eine Gerechtigkeit, die mich in die Herrlichkeit bringt

Das Gesetz kann kein Leben geben; es kann nur von der Sünde überzeugen. Das Werk geschah zwischen Gott und Christus. Die ganze Frage der Sünde war damit entschieden und beseitigt. Er ist meine Gerechtigkeit vor Gott. Gottes Gerechtigkeit zeigt sich, indem Er den Menschen, der meine Sünden trug, zu seiner Rechten in die Herrlichkeit setzte. Der Heilige Geist kommt zur mir und sagt: Du hast keine Gerechtigkeit vor Gott. – Dann versuche ich, heiliger zu werden. Es ist natürlich richtig, dass ich mich nach Heiligkeit sehne; aber Heiligkeit als Mittel, um Frieden zu erlangen – das geht nicht. Jedoch habe ich hier in Christus eine göttliche Gerechtigkeit, die geeignet ist, mich in die Herrlichkeit zu bringen. Die, die vom Heiligen Geist Gottes geleitet werden, sie sind Söhne Gottes. Das Kreuz Christi bedeutet nicht nur, dass meine Schuld bezahlt ist. Das wäre zwar schon etwas, aber wenn das alles wäre, hätte ich nichts, aufgrund dessen ich leben könnte. Aber Gott hat mich zu einem Miterben mit Christus gemacht; und solange ich nun noch hier unten auf der Erde lebe, warte ich darauf, dass Er mich zu sich nimmt, damit ich für immer bei Ihm in der Herrlichkeit bin, wo Er ist.


Originaltitel: „The Gospel of the Glory“
aus The Collected Writings of J.N. Darby, Bd. 34: Miscellaneous 3, S. 430–436

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