Saat und Ernte
Galater 6,7-9

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 02.05.2020, aktualisiert: 05.05.2020

Leitverse: Galater 6,7-9

Gal 6,7-9: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten; wer aber für den Geist sät, wird von dem Geist ewiges Leben ernten. Lasst uns aber nicht müde werden, Gutes zu tun; denn zu seiner Zeit werden wir ernten.

In den Versen 7 und 8 führt Paulus das Prinzip der Regierung Gottes ein, um die Galater zu ermutigen, den Dienern des Herrn „mitzuteilen“ (Gal 6,6), d.h. Gutes zu tun. Er zeigt, dass es in Gottes Regierungswegen so etwas wie Säen und Ernten gibt. Gott hat nicht nur erzieherische Maßnahmen, um sein Volk zurechtzuweisen, sondern Er übt (in einem praktischen Sinn) auch regierungsmäßige Gunst aus, wenn die Gläubigen Gutes tun. Daher haben Säen und Ernten sowohl ein positives als auch ein negatives Ergebnis.

Diese Verse werden gewöhnlich als Warnung verstanden, aber Paulus spricht von Gottes Regierung in einem positiven Sinn. Er ermutigt uns, für den Geist zu säen, denn wir werden gewiss auf eine positive Weise ernten. Es ist wahr, dass wir, wenn wir für das Fleisch säen, „Verderben ernten“ werden, aber es ist auch wahr, dass wir, wenn wir für den Geist säen, „ewiges Leben ernten“ werden. Da dies so ist, lautet die Schlussfolgerung des Paulus: „Lasst uns aber nicht müde werden, Gutes zu tun; denn zu seiner Zeit werden wir ernten.“ Dies war eine notwendige Ermahnung für die Galater, denn das gesetzliche Denken, das die wahre christliche Freiheit nicht versteht, geht mit materiellem Besitz normalerweise knauserig um.

Paulus hatte einen weiteren Grund, das Thema der Regierung Gottes hineinzubringen. Die Gegner der Gnade argumentierten: Wenn das Gesetz keine Rolle im Leben des Gläubigen spielte, würde eine sündige Lebensweise nicht gebremst werden. Jemand könnte an den Herrn Jesus glauben, um errettet zu werden, und dann hingehen und ein sündiges Leben führen, und trotzdem würde er von Gott angenommen werden. Paulus zeigt hier, dass der Gläubige zwar immer angenommen ist (Eph 1,6), dass er aber nicht davonkommt, [wenn er sündigt]. Wenn ein Kind Gottes es vorzieht, nach dem Fleisch zu leben, dann gibt es so etwas wie die Regierung des Vaters im Leben seiner Kinder: Er wird diejenigen züchtigen, die auf dem Weg vorsätzlich sündigen. Ein Gläubiger kann nicht damit fortfahren, in seinem Leben weiterzusündigen, ohne einen Preis zu zahlen: Er wird unter der Hand des Vaters Leid erfahren.

Die Furcht davor, Gottes regierungsmäßiges Urteil in unserem Leben zu erleiden, sollte eine starke Motivation sein, das Fleisch zu richten und im Geist zu wandeln (1Pet 1,16.17). Unser Problem ist, dass wir für das Fleisch säen und dann um eine schlechte Ernte beten! Doch dem Auge Gottes entgeht nichts; Er zieht alles in Betracht und handelt mit uns nach seiner großen Liebe und vollkommenen Weisheit. In einem unserer Loblieder heißt es zu Recht: „His every act toward us is pure love.“ (Jede seiner Handlungen uns gegenüber ist reine Liebe.)

Wenn wir für das Fleisch gesät haben, sollten wir nicht verzweifelt aufgeben und denken, es gebe keine Hoffnung, weiterzugehen. Es ist wichtig, zu erkennen, dass es zwar ein regierungsmäßiges Urteil wegen unserer falschen Taten gibt, dass es aber auch die regierungsmäßige Vergebung denen gegenüber gibt, die Buße tun und sich selbst richten (1Joh 1,9; Jak 5,15). Wenn Gott in uns einen demütigen und reuigen Geist sieht, hebt Er vielleicht das Zuchtgericht, das Er uns auferlegt hat, auf (Er vergibt uns). Wir alle haben diese Barmherzigkeit auf die eine oder andere Weise erfahren. F.W. Grant sagte:

Daraus folgt nicht, dass Gott nicht hineinkommen und uns nicht von dem befreien kann, was sonst die notwendige Frucht einer solchen Saat wäre, wenn es in der Seele nur das wahre Selbstgericht darüber gibt; denn für einen Christen ist das Ernten davon nur zum Selbstgericht, und wenn wir es [die Sünde in unserem Leben] zuerst richten würden, gäbe es vielleicht gar keine Notwendigkeit, zu ernten.[1]

Wenn wir versagt haben, lasst uns daher uns selbst beurteilen, damit wir wiederhergestellt werden und Gottes regierungsmäßige Vergebung erfahren können; vielleicht müssen wir dann nicht ernten, was wir gesät haben. Es gibt Barmherzigkeit bei dem Herrn.

 

Anmerkungen

[1] F.W. Grant, „Galater 6:6-10. The reaping as the sowing“ aus The Notes from the Numerical Bible. The Epistle to the Galatians.


Aus „Chapter 6:6-9—Communicate to Those Who Minister the Word“ in The Epistle of Paul to the Galatians. The Peril of Legalism in Christianity, Surrey, BC, Kanada (Christian Truth Publishing) 2009


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