Der Jakobusbrief (1)
Jakobus 1

Hamilton Smith

© bibel-forum.de, online seit: 27.05.2003, aktualisiert: 08.05.2018

Leitverse:  Jakobus 1

Vers 1

Jak 1,1: Jakobus, Knecht {o. Sklave} Gottes und des Herrn Jesus Christus, den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind, seinen Gruß!

Der Schreiber dieses Briefes spricht von sich als von einem „Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“. Wahrscheinlich handelt es sich hier um den Jakobus, der eine führende Rolle unter den jüdischen Gläubigen in Jerusalem einnahm (Apg 12,17; 15,13; 21,18). Durch seine Herkunft und Aufgaben war er besonders geeignet, einen Brief an die zwölf Stämme in der Zerstreuung zu schreiben.

Um den Brief besser verstehen zu können, müssen wir uns die Stellung der jüdischen Gläubigen in Judäa und Jerusalem vergegenwärtigen, wie sie uns in der Apostelgeschichte vorgestellt wird. Es ist offensichtlich, dass es zu jener Zeit eine große Anzahl von Gläubigen gab, die sich noch nicht vollständig vom jüdischen System gelöst hatten. So lesen wir zum Beispiel in Apostelgeschichte 2,46 von den Gläubigen, dass sie „täglich einmütig im Tempel verharrten“. Später finden wir, dass „eine große Menge der Priester dem Glauben gehorsam wurde“ (Apg 6,7). Danach sehen wir in Apostelgeschichte 15,5 „etliche aber derer von der Sekte der Pharisäer, welche glaubten“, die jedoch die Beschneidung auch für Gläubige als notwendig erachteten. Schließlich lesen wir in Apostelgeschichte 21,20 von vielen Tausenden der Juden, die „Eiferer für das Gesetz“ waren und die offensichtlich nicht einmal die Opfer und Opfergaben sowie die jüdischen Gewohnheiten aufgegeben hatten.

Zweifellos war dies ein ungewöhnlicher Zustand. Es handelte sich jedoch um eine Periode des Übergangs vom Judentum ins Christentum, und Gott ertrug diesen Zustand mit Langmut, auch wenn er nicht seinen Gedanken entsprach. Dies erkennen wir deutlich beim Lesen des Hebräerbriefes, der später geschrieben worden ist und dem Hauptzweck diente, die Christen vollständig vom jüdischen System zu trennen. Sie werden dort aufgefordert, aus dem Lager hinauszugehen und ihre Verbindungen zu dieser irdischen Religion abzubrechen. Stattdessen sollten sie ihre himmlische Position verwirklichen, die sie mit Christus verband und einen Platz äußerlicher Schmach bedeutete.

Darüber hinaus scheint es, dass Gott während dieses Übergangs nicht nur die Verbindung mit den Juden akzeptierte, sondern dass Er auch noch die zwölf Stämme als das bekennende Volk Gottes anerkannte, da sich die Christen zum großen Teil unter diesen befanden. Allerdings besaßen auch zu diesem Zeitpunkt nur die Christen den Glauben, der Jesus als Herrn bekannte.

Wir sehen also. dass der Brief weder an eine Versammlung als solche noch ausschließlich an Judenchristen gerichtet ist. Er wendet sich an die zwölf Stämme in der Zerstreuung, wobei er die Christen unter ihnen anerkennt und besonders ermahnt. Der Brief ist von vielen völlig missverstanden worden. Ich fürchte, dass er von wahren Gläubigen vernachlässigt wurde, indem sein besonderer Charakter nicht anerkannt worden ist. Es ist sicher richtig, dass er die erste Phase der Christenheit betrifft, einen Zeitpunkt also, an welchem sich die Gläubigen noch nicht vom Volk Israel abgesondert hatten. Es ist jedoch verkehrt, zu meinen, dass die Gedanken dieses Briefes daher kaum direkten Bezug zu unseren Tagen hätten, in denen das volle Licht der Versammlung mit ihren himmlischen Segnungen offenbart worden ist.

In Wirklichkeit hat sich die Geschichte wiederholt, und wiederum finden sich wahre Christen in der Mitte eines gewaltig-großen Bekenntnisses, das wie die zwölf Stämme nicht heidnisch ist, sondern beansprucht, den wahren Gott zu besitzen. Aus diesem Grund ist dieser Brief, der sich besonders auf die erste Phase des Christentums bezieht, von so besonderem Wert auch für seine letzte Phase.

Wir werden in den fünf Kapiteln weder eine christliche Lehre noch Vorrechte entfaltet finden, die ausschließlich der Versammlung verheißen sind. Alle diese so wichtigen Wahrheiten werden in anderen Briefen behandelt. Der Hauptzweck dieses herzerforschenden Briefes ist, das bekennende Volk Gottes aufzufordern und die Gläubigen zu ermahnen, durch einen praktischen Wandel die Wirklichkeit des Glaubens unter Beweis zu stellen. Das stellt einen Gegensatz zu der Masse der Bekenner dar, in deren Mitte sich die wahren Gläubigen befinden. Gott legt immer ein besonderes Gewicht auf den christlichen Wandel, insbesondere dann, wenn viele lässige Bekenner den äußeren Deckmantel der Christenheit ohne den persönlichen Glauben an den Herrn Jesus angezogen haben. Daher wird unser Glaube und unser Verhalten geprüft.

In Kapitel 1 wird uns das praktische christliche Leben vorgestellt. In Kapitel 2 wird das praktische Leben als Beweis unseres Glaubens an den Herrn Jesus Christus angesehen. In den Kapiteln 3 und 4 werden uns sieben Übel vorgestellt, von denen die bekennende Christenheit gekennzeichnet ist und in welche der Gläubige leicht fallen kann, wenn er nicht von der Gnade des Geistes Gottes bewahrt wird. In Kapitel 5 stellt uns der Apostel den Zustand der bekennenden Masse als Kontrast zu dem leidenden Volk Gottes dar und behandelt das Kommen des Herrn in Verbindung mit beiden Teilen der Menschheit.

Verse 2-4

Jak 1,2-4: Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet, da ihr wisset, dass die Bewährung {o. Erprobung} eures Glaubens Ausharren bewirkt. Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, auf dass ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt.

Das erste Kapitel stellt uns das zentrale Thema des Briefes vor: die Entfaltung eines wirklich christlichen Charakters inmitten eines riesigen und leblosen Bekenntnisses. Der Apostel beginnt, indem er uns ermuntert, uns der Versuchungen zu erfreuen, da diese eine Gelegenheit sind, das praktische Leben der Gottseligkeit zu verwirklichen. Erstens prüfen Versuchungen die Wirklichkeit unseres Glaubens und stellen sie unter Beweis. Zweitens sind sie Mittel in der Hand Gottes, um bei uns Geduld uns Ausharren anzufachen. Drittens werden sie uns, wenn das Ausharren ein vollkommenes Werk in uns vollbringt, zu einem ausgeglichenen Christenleben führen, in dem unser eigener Wille dem Willen Gottes untergeordnet wird. Das Wirken des Ausharrens geht dahin, unser Selbstvertrauen und den Eigenwillen zu zerstören, um uns zu lehren, dass wir ohne Gott überhaupt nichts tun können. Wenn das Ausharren sein vollkommenes Werk ausgeführt hat, dann wird sich die Seele auch in Versuchungen Gott unterwerfen, indem sie alles annimmt, was Gott zulässt und auf den Herrn wartet. „Es ist gut, dass man still warte auf die Rettung des Herrn“ (Klgl 3,26).

Der Apostel beginnt somit, indem er den Weg vorstellt, auf dem Gott in seinen Kindern ein wirklich schönes Leben entfalten möchte, in welchem keine christliche Eigenschaft fehlt. Dieses Leben ist in Vollkommenheit auf dieser Erde in Christum inmitten von Übungen und Leiden offenbart worden; in dem Christus wird es durch Übungen und Leiden bewirkt.

Vers 5

Jak 1,5: Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, der allen willig gibt und nichts {w. nicht} vorwirft, und sie {o. es} wird ihm gegeben werden.

Dennoch wird es bei uns häufig vorkommen, dass es uns in den Übungen an Weisheit mangelt, nach seinem Willen zu handeln, selbst wenn wir unseren Willen dem seinen unterordnen und gleichzeitig seinen Willen suchen. Dann lasst uns Gott bitten, denn unsere Hilfe kommt von Gott. Wir schrecken vielleicht davor zurück, Menschen zu befragen, nicht nur, weil ihr Ratschlag unnütz sein könnte, sondern auch, weil sie uns diesen Rat vielleicht nicht gönnen, uns für Unwissenheit rügen oder unser Vertrauen missbrauchen. Bei Gott brauchen wir solche Befürchtungen nicht zu hegen. Er gibt willig, ohne uns wegen unserer Torheit und Schwachheit anzuklagen.

Verse 6-8

Jak 1,6-8: Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde ist gleich einer Meereswoge, die vom Winde bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde; er ist ein wankelmütiger {o. doppelherziger} Mann, unstet in allen seinen Wegen.

Durch die Not, die uns zu Gott führt, wird unser Glaube gestärkt. Daher werden wir aufgefordert, nicht einfach Gott zu bitten, sondern im Glauben und ohne Zweifel zu beten. Wenn wir auf Gott blicken, dann können wir mit einer Antwort auf unsere Gebete rechnen. Wenn wir dagegen zweifeln, dass Gott unsere Gebete zu seiner Zeit und auf seine Art und Weise erhört, bedeutet dies, wie eine Meereswoge vom Wind hin und her getrieben zu werden. Die Welle ist dem Wind überall ausgesetzt. Wir dürfen unter keinen Umständen erlauben, dass unsere Gebete durch schwierige Lebenssituationen oder durch die Macht des widerstreitenden Bösen beeinflusst werden. Vielmehr sollten wir in einfältigem Glauben auf den Einen sehen, der über allen Widerständen des Bösen steht; auf den Einen, der auf den Wellen zu gehen vermag und den Sturm beruhigen kann. Nur Er kann uns Weisheit geben, nach seinem Willen zu handeln. Leider werden unsere Gebete oft durch unseren Unglauben, der auf die Umstände schaut, behindert. Wenn wir doppelherzig sind, so wandeln wir auf unsteten Wegen, indem wir hin und her getrieben werden, je nachdem ob die Umstände günstig oder ungünstig sind.

Verse 9-11

Jak 1,9-11: Der niedrige Bruder aber rühme sich seiner Hoheit, der reiche aber seiner Erniedrigung; denn wie des Grases Blume wird er vergehen. Denn die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras gedörrt, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verdorben; also wird auch der Reiche in seinen Wegen verwelken.

Der Apostel fährt fort, indem er auf den Reichtum zu sprechen kommt. Vielleicht versuchen wir, den Übungen dadurch zu entkommen, dass wir unsere soziale Stellung verbessern oder Reichtum anhäufen. Als Christen sollten wir uns darin erfreuen, dass unsere Stellung vor Gott in keiner Weise von unserer sozialen Position in dieser Welt abhängt. Daher darf sich ein Bruder, der äußerlich arm ist, darüber freuen, dass sein Glaube ihn in eine geistliche Stellung gebracht hat, die über jeder Ehre steht, die die Welt ihm bieten kann. Er hat schon jetzt Gemeinschaft mit Christus und seinen Erlösten und wird seine Herrlichkeit in der zukünftigen Welt teilen. Lasst uns immer bedenken, dass „Gott die weltlich Armen auserwählt, reich zu sein im Glauben, und zu Erben des Reiches, welches er denen verheißen hat, die ihn lieben“ (Jak 2,5).

Der Reiche dagegen erfreue sich seiner Niedrigkeit, wenn er die Besitztümer und Herrlichkeiten dieser Erde mit dem unschätzbaren Reichtum Christi vergleicht, dessen er teilhaftig geworden ist. Im Vergleich mit Christus und seiner Herrlichkeit sind alle Herrlichkeiten dieser Welt nichts als Blumen, die verwelken und vergehen. Nachdem der Apostel Paulus Christus in der Herrlichkeit gesehen hatte, achtete er die irdischen Vorteile für Verlust, ja sogar für Dreck. Wenn sich ein Christ seiner irdischen Stellung und seiner Abstammung rühmt, dann tut er genau das, was der Apostel für verachtenswert hielt. J.N. Darby hat einmal gesagt: „Diese Welt wird vergehen, und der Geist dieser Welt hat bereits das Herz eines geistlichen Gläubigen verlassen. Derjenige, der den niedrigsten Platz einnimmt, wird im Reich Gottes groß sein.“

Da die Armen und die Reichen in den Banden göttlicher Liebe zusammengebracht worden sind, können sie alle Beschäftigung mit der jeweiligen irdischen Position und den Besitztümern hinter sich lassen, um froh die Dinge zu genießen, die der herrlichen Gemeinschaft angehören, in die beide gebracht worden sind, in die „Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn“.

Vers 12

Jak 1,12: Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet! denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche er denen verheißen hat, die ihn lieben.

Glückselig ist somit der Mann, ob reich oder arm, der diesem Fallstrick Satans entkommt und die Versuchung erduldet, indem er einfach auf den Herrn Jesus schaut, um seine Gedanken zu erkennen und in Gehorsam seinem Willen gegenüber zu wandeln. Jemand, der ein solches praktisches Christenleben führt und den Glaubensweg mit seinen Übungen beendet hat, wird die Krone des Lebens erhalten. Der Herr hat sie denen verheißen, die ihn lieben. Wir lehnen uns gegen Übungen oft auf, da wie uns selbst lieben, uns verteidigen und rechtfertigen wollen. Wenn wir ihn jedoch lieben, dann sollten wir um seinetwillen ausharren.

Verse 13-15

Jak 1,13-15: Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, und selbst versucht er niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.

Der Apostel fährt fort, indem er vor einer anderen Art der Versuchung warnt. Er hat bisher von Glaubensübungen gesprochen, die von außen an uns herangetragen werden (Jak 1,2.3). Nun warnt er uns davor, diese Art der Übung nicht mit den Versuchungen zu verwechseln, die aus unserem Fleisch von innen kommen. Gott kann uns durch äußere Umstände versuchen, aber Gott kann nicht vom Bösen versucht werden, und Er versucht auch niemanden zum Bösen. Wir dagegen können vom Bösen, durch unsere Lust, versucht und dadurch verleitet werden, dieses Böse auch durchzuführen. Judas wurde durch die Geldliebe seines Herzens verführt und fiel in der Versuchung, weil er dieser Lust nicht widerstand, so dass er den Herrn Jesus verriet. Die Lust in ihm führte zur Sünde des Verrats, und diese Sünde endete im Tod.

Verse 16-18

Jak 1,16-18: Irret euch nicht {o. lasst euch nicht irreführen}, meine geliebten Brüder! Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung ist, noch eines Wechsels Schatten. Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, auf dass wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien.

Im Gegensatz zu dem Bösen, das aus dem Fleisch hervorkommt, ist jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk von Gott. Während sich die gute Gabe mehr auf den Akt des „Gebens“ bezieht, wird bei dem vollkommenen Geschenk auf die Sache aufmerksam gemacht, die gegeben wird. Beides, das Gute in Bezug auf die Art und Weise des Gebens als auch hinsichtlich der geschenkten Sache, kommt von Gott und nur von Ihm. Er ist auch der Vater der Lichter. In der natürlichen Welt hatte Er die Lichter an die Ausdehnung des Himmels gesetzt, um auf die Erde zu leuchten (1Mo 1,15). Er ist aber auch die Quelle alles geistlichen Lichts. Keine Finsternis kommt von Ihm. Er selbst ist nicht nur gutes und reines Licht, sondern von Ihm kommt auch alles Gute und jedes Licht. Bei Ihm gibt es auch keine Veränderung, keines Wechsels Schatten. Er verändert sich nicht aufgrund unserer veränderten Umstände oder wechselnden Stimmungen.

Einen wunderbaren Ausdruck seiner Güte dürfen wir darin sehen, dass Er uns die neue Natur geschenkt hat, damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien. Durch den Besitz dieser neuen Natur, die in uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt wurde, wurden wir zu den Erstlingsfrüchten der neuen Schöpfung.

Verse 19-21

Jak 1,19-21: Daher, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Deshalb leget ab alle Unsauberkeit und alles Überfließen von Schlechtigkeit, und empfanget mit Sanftmut das eingepflanzte Wort, das eure Seelen zu erretten vermag.

Der Christ sollte daher, anstatt nach den verderbten Begierden des Fleisches zu handeln, in der Kraft der neuen Natur leben, um ein Zeuge dieser neuen Schöpfung zu sein. Wir werden hier dazu aufgerufen, in praktischer Übereinstimmung mit der neuen Natur zu leben. Wir sollten schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn sein. Das Hören spricht von einer Gesinnung der Abhängigkeit, die Gott zuhört. Sprechen ist der Ausdruck unserer eigenen Gedanken. Wir sollten daher schnell darin sein, Gottes Worten zuzuhören, die seine Gedanken und seinen Willen ausdrücken. Langsam sollten wir dagegen im Aussprechen von Worten sein, die doch so oft nur unsere alte Natur und unseren Willen zum Vorschein bringen. Darüber hinaus sollten wir nicht nur langsam im Hinblick auf das Aussprechen der Gedanken unserer Vorstellungen sein, sondern ebenso langsam beim Ausdrücken des Ärgers, der die Gefühle unserer Herzen offenbart. 

Der Zorn des Menschen bewirkt nicht die Gerechtigkeit Gottes und ist nicht in Übereinstimmung mit einem Wandel in Gottseligkeit. Wir werden daher ermahnt, die Unreinheit des Fleisches und die Verderbtheit unserer Herzen abzulegen, die sich beide in hastigen Worten und ungerechtem Zorn ausdrücken. Wir müssen die Wurzeln des Bösen verurteilen, die hinter den bösartigen Worten und dem Herausbrechen des Ärgers stehen. Ein Gott wohlgefälliges Ergebnis werden wir jedoch nicht erreichen, wenn wir einem äußerlichen Gesetz gehorchen, das nur unser Fleisch erregt, sondern indem wir jede Regung in dieser Hinsicht ablegen, sozusagen ausziehen. Dann sind wir in der Lage, in Sanftmut das eingepflanzte Wort Gottes zu empfangen. Es ist das Wort, das in der Seele nicht mit Hilfe von Überlegungen und Verstand, sondern in Sanftmut aufgenommen wird, indem man sich dem unterwirft, was Gott sagt. Wenn das Wort auf solche Weise in der Seele eingepflanzt ist, wird es uns retten vor allem Bösen des Fleisches und der Welt. Wir sind dann nicht nur durch das Wort gezeugt worden, sondern durch dasselbe Wort hat auch unser praktischer Wandel einen veränderten Charakter und wir wachsen in der Gnade.

Verse 22-24

Jak 1,22-24: Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der ist einem Manne gleich, welcher sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat alsbald vergessen, wie er beschaffen war.

Wir sind bereits ermahnt worden, im Hören dessen schnell zu sein, was Gott uns in seinem Wort zu sagen hat. Nun werden wir dazu aufgefordert, das auch in die Praxis umzusetzen, was wir hören. Wir sollen Täter des Wortes und nicht allein Hörer sein. Ist dies nicht ein Widerhall der eigenen Worte des Herrn in Johannes 13,17: „Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut“? Es hat einmal jemand gesagt: „Dieser Satz mag wie eine Binsenweisheit aussehen. In der Praxis ist die Ermahnung jedoch so nötig, da wir eine bestimmte Tat oder Gewohnheit so gerne anerkennen und sogar bewundern, als ob es dadurch unsere eigene würde. Wir wünschen, dass diese einfachen Worte immer in unseren Ohren nachklingen“ (Bernard). Wenn sich jemand stolz dünkt, das Wort zu kennen, und gehorcht ihm doch nicht, so betrügt er sich selbst im Hinblick auf seinen Zustand vor Gott. Er benutzt das Wort Gottes zwar als Spiegel, aber nur, um diesen alsbald wieder wegzulegen. So werden seine Wege nicht durch das Wort regiert.

Vers 25

Jak 1,25: Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineingeschaut hat {o. hineinschaut} und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, dieser wird glückselig sein in seinem Tun.

Derjenige jedoch, der die neue Natur besitzt und durch das Wort geleitet wird, wird die Bibel als vollkommenes Gesetz der Freiheit schätzen. Das Gesetz vom Sinai war auf steinernen Tafeln geschrieben, nicht aber auf das Herz des Einzelnen. Es zeigte dem Menschen, was er zu tun hatte, gab ihm jedoch nicht das Verlangen und die Kraft, dem Gesetz zu gehorchen. Wenn ich aber aufgefordert werde, etwas zu tun, was ich nicht begehre, so ist es wie Sklaverei, selbst wenn ich gehorche. Durch das Wort Gottes aber haben wir jetzt nicht nur eine vollkommene Offenbarung des Willens Gottes, sondern durch dasselbe Wort ist in uns eine neue Natur gezeugt worden, deren ganzes Verlangen es ist, dem Wort entsprechend zu handeln. Wenn ich aufgefordert werde, etwas zu tun, was ich selbst zu tun wünsche, dann ist das Freiheit. Dadurch wird das Wort Gottes zu einem Gesetz der Freiheit, und derjenige, der sich durch dieses führen lässt, wird in allen seinen Taten gesegnet sein.

Verse 26.27

Jak 1,26.27: Wenn jemand sich dünkt {o. scheint}, er diene Gott {o. er sei religiös}, und zügelt nicht seine Zunge, sondern betrügt sein Herz, dessen Gottesdienst {o. Religion} ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst {o. Religion} vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Witwen in ihrer Drangsal besuchen, sich selbst von der Welt unbefleckt erhalten.

Die abschließenden Verse dieses Kapitels stellen uns das praktische Leben in Gottseligkeit gemäß dem Wort Gottes vor. Auf einem solchen Wandel ruht der Segen Gottes. Das reine Vortäuschen von Religiosität wird durch die Zunge schnell entblößt. Die ungezügelte Zunge wird zeigen, dass hinter ihr ein Herz steht, in dem die Lust und das Böse nicht gerichtet worden sind. Wirkliche Religiosität, d.h. Gottseligkeit, wird sich nicht in Worten, sondern in Taten offenbaren. Sie führt zu einem Leben, das den Bedrängten zur Hilfe eilt und in Absonderung von der Welt geführt wird.

Wir sind in der Gefahr, nach einem Teil dieses Verses zu handeln und dabei den anderen Teil zu vergessen. Wir mögen vielleicht viele dieser guten Werke tun und doch Hand in Hand mit der Welt gehen. Oder wir leben in absoluter Absonderung von der Welt, und doch versagen wir darin, praktisch gute Werke zu vollbringen. Echter und unbefleckter Gottesdienst verlangt Gehorsam beiden Ermahnungen gegenüber. Wer ausgeht, um die Bedürfnisse der Menschen in dieser Welt zu stillen, muss besonders darauf achten, nicht von dem Bösen verunreinigt zu werden. Wie vollkommen sehen wir diesen echten und unbefleckten Gottesdienst in Christus verwirklicht! J.G. Bellett hat einmal gesagt: „Seine Heiligkeit machte ihn zu einem vollkommenen Fremdling in dieser verschmutzten Welt. Aber seine Gnade führte dazu, dass er immer für die bedürftige und bedrängte Welt tätig war, … auch wenn er durch das Ausmaß des Bösen um ihn herum immer der Einsame blieb. Dennoch wurde er durch die Nöte und Leiden der Menschen dazu getrieben, der Tätige zu sein.“

In dieser Weise sehen wir im ersten Kapitel das praktische Christenleben, das durch Versuchungen und die Abhängigkeit von Gott gestärkt und gestählt wird. Der Christ soll in der Kraft der neuen Natur leben, die sich daran erfreut, das Wort Gottes zu hören und zu tun. Sie zeigt ihren Ursprung in der Liebe, die ausgeht zu den Bedürftigen dieser Welt und gleichzeitig in Heiligkeit von dem Bösen dieser Welt abgesondert lebt.

Nächster Teil


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