Was sind unsere ersten Gedanken bei Problemen?

Walter Thomas Turpin

© SoundWords, online seit: 07.05.2001, aktualisiert: 01.06.2017

Als Nebukadnezar den Befehl ergehen ließ, die intellektuelle Elite Babylons umzubringen (Dan 2), weil sie ihm seinen Traum nicht wieder ins Gedächtnis zurückholen konnte – was war da das Erste, was Daniel und seine Freunde taten? Sie brachten die Sache vor Gott!

Was ist das Erste, was ihr tun würdet? Ich möchte jetzt ganz praktisch werden und das einmal in unsere alltäglichen Umstände hineinbringen. Was ist das Erste, was du tust, wenn Schwierigkeiten kommen? Gehst du damit zu Gott? Lasst uns einmal ganz ehrlich vor dem Herrn sein. Wenn du eine Schwierigkeit hast – ist dann nicht dein erster Gedanke, ob es wohl jemand gibt, der Erfahrung in dieser Sache hat, der genug Ahnung hat und dir in dieser Sache helfen kann? Und wenn du jemand kennen würdest – eine fähige Person oder irgendeinen Fachmann, selbst wenn er am Ende der Stadt wohnen würde –, würdest du nicht hinfahren und versuchen, alles aus ihm herauszuholen, was du bekommen kannst? Genau! Und ist das nicht genau das, was jetzt in die Versammlung Gottes hineinschleicht?

Nehmen wir ein Beispiel: Es entsteht irgendeine Schwierigkeit unter den Geschwistern. Gehen sie jetzt auf ihre Knie und demütigen sich vor Gott? Zuerst einmal deswegen, weil es diese Schwierigkeit gibt, und dann auch, weil sie nicht genügend Verständnis haben, dieser Schwierigkeit zu begegnen? Belastet diese Sache sie überhaupt? Ist nicht der erste Gedanke, der ihnen in den Sinn kommt, ob sie nicht irgendjemand bekommen könnten, der ihnen helfen kann, vielleicht irgendein Bruder, der einen Namen hat, der mit dieser Schwierigkeit umgehen kann? Ich rede von ganz praktischen Dingen. Und ihr und ich, wir wissen, dass das, was ich gesagt habe, genau das ist, was immer wieder geschieht.

Schauen wir uns Daniel an. In dem Moment, in dem sein Leben in Gefahr war, in dem Augenblick, als diese Schwierigkeit ihm und seinen Genossen bekannt wird, da sagt er: „Gib mir Zeit.“ Zeit wozu? Damit sie zu dem Gott des Himmels beten könnten! Sie sind abhängig, sie gehen damit zu Gott. […]

Bei uns ist es viel öfter so wie bei Jakob, der alles sorgfältig vorbereitete und arrangierte und dann hinging und betete. Als glänzender Stratege und Taktiker hatte er jede Vorsichtsmaßnahme durchgeführt, hatte erst einmal für seine vollständige Sicherheit gesorgt – so dachte er zumindest –, und dann ging er hin und betete! Das ist genau das, was auch wir tun. Ganz anders der kleine Überrest des Volkes Gottes in jenen Tagen eines Daniel: Sie kommen und beten zu dem Gott des Himmels; sie fühlen sich völlig abhängig und wissen, was es bedeutet, auf ihren Gott als ihre Hilfsquelle geworfen zu sein – ihre einzige Hilfsquelle, aber zur selben Zeit auch ihre allgenugsame Hilfsquelle.

Oft denke ich – und ich habe es auch schon selbst oft gesagt und genauso oft von anderen gehört –: „Jetzt können wir nur noch zu Gott gehen; wir haben nur noch den Herrn.“ Als wenn Er nicht genug wäre! Und gerade dieser Satz – ich fühle das in meinem Herzen – zeigt genau, wohin wir gekommen sind: „Jetzt haben wir niemand mehr als den Herrn.“ Glaubst du, dass wir deswegen schlechter dran sind? Sind wir nicht gerade besser dran deswegen? Sind wir nicht zehntausendmal besser dran, dass wir niemand haben als nur Gott? Brauchen wir noch irgendjemand anders, wenn Gott unter seinem Volk ist? Genügt Er uns? Reicht Er für jede Not? Hat Christus das vergessen, was Ihm so teuer und wertvoll ist? Glaubst du, dass das Haupt im Himmel gleichgültig ist gegenüber den Bedürfnissen seiner Glieder auf der Erde? Glaubst du, dass das Ohr Gottes taub ist gegenüber dem Rufen seines Volkes? Aber unser Zeugnis dem Segen des Gebets gegenüber ist so arm, dass man kaum glauben will, dass es ein Ohr gibt, das sich für unser Gebet interessiert. Man glaubt kaum, dass es Herzen auf der Erde gibt, die wirklich die Not der Dinge um uns herum fühlen. Man glaubt kaum, dass es einen Wunder tuenden Gott gibt, der sich herabneigt, um auf das Flüstern eines armen Herzens zu lauschen, das nichts als Bitten vor Ihm auszubreiten hat. Und doch ist es genau das, wonach Er Ausschau hält und worauf Er wartet.

Seht, wie schön das hier in dieser Geschichte gezeigt wird, was das Ergebnis ist von diesem Warten auf Gott! Natürlich war das Ergebnis, dass der Traum dem Daniel sofort bekannt gemacht wurde. Hier gab es sofort einen Weg aus der Schwierigkeit heraus. Natürlich war das so! Ich denke oft an den Abschnitt im Hebräerbrief über Abraham: „Denn als Gott dem Abraham Verheißung gab, schwur er, weil er bei keinem Größeren zu schwören hatte, bei sich selbst.“ Und der Heilige Geist sagt, indem Er das kommentiert: „Nachdem Abraham so ausgeharrt hatte, erlangte er die Verheißung“ (Heb 6,15). Glaubst du, dass jemals jemand in Einfalt und Wirklichkeit auf Gott gewartet hat, ohne festzustellen, dass Gott eintrat und gezeigt hat, dass Er davon Kenntnis genommen hat?

In einem können wir sicher sein: Je mehr wir das Empfinden haben, dass Gott sich wirklich für uns interessiert, desto ernster wird unser Gebet werden. Vielleicht geht es uns nur um eine einzige Sache. Doch es kommt nur darauf an, ob wir sie in Gottes Ohr bringen.

Der Herr gebe uns mehr wahre Abhängigkeit und mehr echtes Gebet! Ich glaube, dass wir nicht so abhängig sind, wie wir sein könnten, und dass wir nicht die Leute des Gebets sind, die wir sein könnten. Und ich glaube, dass wir in unseren Schwierigkeiten, in unseren Übungen und in unseren Problemen hierhin und dahin laufen und an jeder Ecke nach Hilfe suchen – außer bei Gott.


Aus dem Vortrag Separation, Dependence, Suffering aus dem Jahr 1876


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