Prüfungen im Leben eines Christen

Gerd Pohl

© Daniel-Verlag, online seit: 09.04.2019, aktualisiert: 19.04.2019

Einleitung

Jeder von uns hat im Leben schon mit Prüfungen zu tun gehabt. Ich denke beispielsweise an die vielen schriftlichen, mündlichen oder praktischen Prüfungen im Bildungsbereich. Wikipedia definiert den Begriff Prüfung wie folgt: „Eine Prüfung ist ein Verfahren, bei dem Kenntnisse oder Fertigkeiten, allgemein eine Leistung durch bestimmte Aufgabenstellungen oder Fragen festgestellt werden.“ Oder wer erinnert sich nicht gern an die Fahrschulprüfung, vor der du wahrscheinlich genauso großen Bammel hattest wie ich. Doch als du den Führerschein in der Hand hieltest, war alle Aufregung vergessen. Auch in unserem alltäglichen Leben haben wir es mit jeder Menge Prüfungen zu tun. Das fängt an mit banalen Dingen im Haushalt, beim Einkaufen usw. und setzt sich fort mit schwierigen Entscheidungen, Versuchungen aller Art, kritischen Lebenssituationen, negativen Krankheitsprognosen, Arbeitslosigkeit und vielem anderen mehr. Wikipedia definiert weiter: „Im übertragenen Sinne bedeutet Prüfung auch schweres Leid.“

Die Bibel sagt uns einiges über Prüfungen, und zwar aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. Wir wollen uns das in diesem Artikel ein wenig genauer ansehen.

Unterscheidungsmöglichkeiten von Prüfungen

Prüfungen in der Bibel kann man folgendermaßen einteilen:

a) nach dem Prüfer

  • Gott prüft ‒ immer im positiven Sinn, zum Guten, zur Bewährung
  • Satan prüft (versucht) ‒ nur negativ, zum Bösen, als Fallstrick
  • Menschen prüfen oder versuchen ‒ positiv oder negativ

b) nach dem Ziel 

  • im guten Sinn ‒ mit dem Ziel bewährt, erprobt, echt zu erscheinen; gute Leistungen zu bestätigen
  • im schlechten Sinn – mit der Absicht unbewährt, unbrauchbar dazustehen; jemanden herausfordern, auf die Probe stellen, zu Fall zu bringen, zur Sünde verleiten

c) nach der Richtung 

  • wir werden geprüft ‒ von Gott, von Satan und von Menschen
  • wir prüfen ‒ Gott, Menschen, Dinge

d) nach der Art und Weise

  • Prüfung, prüfen ‒ im Sinn von erproben, untersuchen, beurteilen, etwas prüfen mit der Erwartung eines positiven Ergebnisses, das dann als echt, bewährt und erprobt vorliegt und wert ist, angenommen zu werden.

Beispiel in biblischer Zeit: prüfen, ob Metalle oder Münzgeld echt sind (1Kor 3,13; 1Pet 1,7)

Beispiel heute: Kraftfahrzeughauptuntersuchung; prüfen, ob Kuchen oder Fleisch gar ist; jede Prüfung im Bildungsbereich[1]

  • Prüfung, prüfen ‒ im Sinn von versuchen, ausprobieren, experimentieren; etwas prüfen, um herauszufinden, wie es wirklich ist; um Gutes und Schlechtes festzustellen; jemanden auf die Probe stellen; im negativen Sinn jemand versuchen, ihn zu Fall bringen, zum Sündigen verführen

Beispiel in biblischer Zeit: Medikamente in ihrer Wirkung gegen Krankheiten testen

Beispiel heute: Testfahrten von neuen Fahrzeugen; Ausprobieren eines neuen Smartphones; wissenschaftliche Experimente, Versuche, Tests.[2]

Für das Prüfen werden dafür im Griechischen und im Hebräischen auch jeweils zwei verschiedene Wörter und Wortfamilien gebraucht.[3] Prüfungen im ersteren Sinn werden nie für Satan gebraucht, weil Satan nicht zum Guten prüft, jedoch häufiger für Gott. Nur die Wörter im zweiten Sinn werden für Satan (Versucher) oder auch für Menschen gebraucht, selten für Gott.[4]

Wenn Gott uns prüft

1Mo 22,1: Und es geschah nach diesen Dingen, dass Gott Abraham prüfte.

1Thes 2,4: Gott prüft unsere Herzen.

2Kor 10,18: Nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt.

Dass Gott Menschen wie Abraham prüft, begreifen wir noch gut. Nur verstehen wir oft nicht so richtig, warum Er das tut. Was hat Gott überhaupt davon, wenn Er uns prüft? Er weiß doch ohnehin alles, auch, wie wir beschaffen sind, welche Fehler wir haben und wie wir uns verhalten. Wozu also Prüfungen?

Jede Klausur in der Schule, der Ausbildung oder dem Studium und sogar die unbeliebte Fahrschulprüfung läuft bei uns in etwa so ab: Man ärgert sich darüber, dass es diese blöden Prüfungen gibt. Man ist in der Prüfungsvorbereitung und während einer Prüfung wahnsinnig aufgeregt, nervös und gestresst. Man wartet nach einer Prüfung ängstlich und mit Bangen auf das Ergebnis. Das eigentliche Ziel der Prüfung ist jedoch immer das positive Ergebnis. Wenn der Beweis der Eignung vorliegt, fällt alle Last ab, die Aufregung ist vergessen und riesige Freude angesagt. Außerdem weiß jeder, dass Prüfungen nicht für den Lehrer, sondern für den Schüler und seine Bestätigung sind.

Möglicherweise bringst du dein etwas älteres Auto nur widerwillig zur TÜV-Prüfung, weil du befürchtest, dass etwas defekt sein könnte und mit hohen Kosten instandgesetzt werden muss. Aber sieh es mal von dieser Seite: Erst wenn das Auto durchgecheckt ist und die Plakette klebt, kannst du dir auch sicher sein, dass das Fahrzeug verkehrssicher ist und aus technischer Sicht kein schlimmer Unfall befürchtet werden muss. Prüfungen müssen also sein. Prüfungen dienen der Erprobung. Prüfungen weisen das Gute, weisen Fähigkeiten nach.

So prüft auch Gott uns:

  1. Er prüft immer zum Guten. Er erprobt uns jedes Mal mit dem Ziel eines positiven Ergebnisses. Als Resultat solcher Glaubensprüfungen steht immer die Bewährung, die Echtheit (z.B. Röm 5,4; 1Thes 2,4; Jak 1.3.12; 1Pet 1,7). Niemals versucht uns Gott zum Bösen (Jak 1,13).

  2. Gott prüft nicht aus Freude daran, uns das Leben schwer zu machen, sondern um uns selbst und anderen echten Glauben, Brauchbarkeit und Befähigungen offenbar zu machen (z.B. Röm 14,18; 16,10; 1Kor 11,19; 16,3; 2Kor 8,22; 10,18; Phil 2,22; 2Tim 2,15).

  3. Gott prüft uns, damit wir uns selbst kennenlernen und uns gegebenenfalls korrigieren lassen (z.B. 5Mo 8,2; 13,4; 1Chr 29,17; Jer 17,10; 1Thes 2,4). David wünschte sich ausdrücklich solch ein Prüfen und bat Gott darum (Ps 26,2; 139,23).

  4. Gott prüft uns, damit wir uns bewähren, Erfahrungen sammeln und unser Glaube gestärkt wird. Deswegen werden wir sogar aufgefordert, uns über Prüfungen zu freuen, zu rühmen, darüber glücklich zu sein (Röm 5,3; Jak 1,2; 1Pet 1,7). Sicher nicht über die Prüfung selbst, denn sie ist oft Grund für Traurigkeit (1Pet 1,6), sondern über die Tatsache, dass Gott uns prüft, damit sich unser Glaube bewährt und positive Ergebnisse in unserem Leben bewirkt werden (Röm 5,3-5; Jak 1,3; 1Pet 1,7).

  5. Gott erlaubt niemals, dass wir über unsere Kräfte hinaus auf die Probe gestellt werden (1Kor 10,13). Ein Beispiel dafür ist Hiob (Jak 5,11).

  6. Nur von Gottlosen wird gesagt, dass sie einem Test nicht standhalten (unbewährt sind) oder nach einer Prüfung verworfen werden (wörtlich: hin-weg-geprüft); z.B. Jannes und Jambres (2Tim 3,8); Ungläubige (Tit 1,16); Esau (Heb 12,17; Ps 11,5). Darüber brauchen wir also keinerlei Furcht zu haben.

Alles in allem darf es uns zuversichtlich, ja sogar dankbar machen, dass Gott uns prüft, denn Er hat nur Gutes für uns im Sinn (Röm 8,28). Jede kleine und jede noch so schwere Prüfung dient nach seinem Vorsatz und Plan dem großen Ziel, damit wir unerem Herrn Jesus ähnlicher werden (Röm 8,29). Ist das auch dein Wunsch? Bist du für Prüfungen Gottes sogar dankbar?

Wenn Satan uns versucht

Mk 1,13: Jesus wurde von dem Satan versucht.

1Thes 3,5: … ob nicht etwa der Versucher euch versucht habe und unsere Arbeit vergeblich gewesen sei.

Satan, auch Versucher genannt (Mt 4,3; 1Thes 3,5), hat immer nur Böses im Sinn. Er will uns verführen, um uns durch allerlei Arten von Versuchungen zu Fall zu bringen. Er ist ein Meister darin, uns durch äußere Reize zum Sündigen anzulocken und anzustacheln (1Kor 7,5; 1Tim 6,9). Davon war sogar unser Herr Jesus als Mensch auf der Erde nicht ausgenommen (Lk 4,2-13). Satan fand aber in Ihm keinen Anknüpfungspunkt. Im Gegensatz dazu werden wir auch mit unserem sündigen Ich ganz schnell von unseren inneren Begierden und Lüsten provoziert und zum Sündigen verleitet (Jak 1,14). Glücklicherweise versteht unser Herr das und hilft uns in solchen Anfechtungen (Heb 2,18; 4,15). Wir dürfen darum beten, vor und in solchen Versuchungen bewahrt zu bleiben (Lk 11,4; 22,40; 22,46).

In ähnlicher Weise können wir auch von Menschen versucht werden (Apg 20,19; 26,21; Heb 11,36.37; 1Pet 4,12; 2Pet 2,9).

Wir sollten die Angriffe und Versuchungen Satans, die mit unserem eigenen Ich den idealen Komplizen finden, niemals auf die leichte Schulter nehmen. Satan kann uns sehr offen und direkt angreifen (1Pet 5,8). Er will aber auch mit raffinierter List verführen (2Kor 11,14). Deshalb heißt es: „Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr zu bestehen vermögt gegen die Listen des Teufels“ (Eph 6,11). Gott hat uns neues Leben, seine sündlose Natur, geschenkt, so dass wir nicht mehr sündigen müssen. „Wir wissen, dass jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt; sondern der aus Gott Geborene bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an“ (1 Joh 5,18). Kennst du die Kraft des neuen Lebens und kann sie in dir wirken? 

Wenn wir Gott prüfen (versuchen)

2MO 17,2: Was versucht ihr den Herrn?

Apg 15,10: Versucht ihr Gott?

1Kor 10,9: Lasst uns auch den Christus nicht versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht wurden.

Weniger bekannt ist uns vielleicht, dass wir Gott im negativen Sinn prüfen können, indem wir Ihn auf die Probe stellen. Obwohl wir oft die Größe Gottes erlebt haben, sind wir manchmal mit seiner Führung unzufrieden. Somit fordern wir Gott heraus. Es gibt erstaunlich viele Stellen im Alten Testament, in denen Gott beklagt, dass das Volk Israel gegen Ihn murrte, Ihm Vorwürfe für seine Führung machte und Ihn somit herausforderte.

Das gilt beispielsweise für die Situation in der Wüste beim Felsen, als kein Trinkwasser vorhanden war. Daran wird immer wieder als ein negatives Beispiel erinnert. Der Ort wurde deswegen Meriba (Herausforderung) und Massa (Versuchung) genannt (2Mo 17,7; 5Mo 6,16; 9,22; 33,8; Ps 95,8). Insgesamt waren es sogar zehn verschiedene Gelegenheiten, bei denen das Volk Israel Gott durch Unglauben und Zweifel herausforderte (4Mo 14,22; Ps 78,18.41.56; Ps 95,9; 106,14). Wenn wir Gott auf die Weise prüfen, ist das nichts anderes als Rebellion gegen Gott. Deshalb werden wir auch im Neuen Testament aufgefordert, unseren Herrn nicht in dieser Weise auf die Probe zu stellen (1Kor 10,9; Heb 3,8.9). Welche Konsequenz das haben kann, sehen wir zum Beispiel bei Ananias und Sapphira (Apg 5,9). Ebenso deutete Petrus die Streitfrage unter den ersten Christen, ob die Heidenchristen auch das Gesetz halten müssten, als ein Versuchen Gottes (Apg 15,10). Das wäre letztlich für die Christen nur zum Schaden gewesen, konnte aber glücklicherweise abgewendet werden.

Erschreckend ist auch, wie die Menschen, insbesondere die Pharisäer und Schriftgelehrten, bei dem Herrn Jesus als dem einzig fehlerlosen Menschen immer wieder Anläufe unternahmen, etwas von Ihm herauszubekommen, womit sie Ihn zu Fall bringen konnten (Mt 16,1; 19,3; 22,18.35; Lk 10,25; 11,16; Joh 8,6). Die Bibel stellt mehrere Male fest, dass wir Menschen Christus als den lebendigen Stein im Grunde geprüft und dann verworfen (wörtlich hin-weg-geprüft) haben (siehe Lk 9,22; 17,25; 20,17; 1Pet 2,4.7).

Was bedeutet dir der Herr Jesus? Akzeptierst du die Führung Gottes in deinem Leben und bist du damit zufrieden?

Wenn wir Gott prüfen

Mal 3,10: Prüft mich doch.

Eph 5,10: Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist.

Wir dürfen Gott aber auf eine andere Weise prüfen. Gott freut sich sehr darüber, wenn wir testend erforschen und herausfinden, was Gottes Wille für unser Leben ist. Das heißt, nach den Gedanken und Vorstellungen zu leben, die Er uns in der Bibel mitgeteilt hat, und Gott zutrauen, dass Er unser Leben gestaltet. Mehrere Male werden wir im Neuen Testament aufgefordert, das zu prüfen, was dem Herrn gefällt und was das Gute, das Beste, für uns ist. Wir sollen beurteilen können, worauf es im Leben ankommt und woran Gott Freude hat (Röm 12,2; Eph 5,10; Phil 1,10). In jedem Fall können wir sicher sein, dass dieses Prüfen nur positiv für uns ausgeht. Die Folge ist ein erfülltes und gesegnetes Leben. Schon im Alten Testament forderte Gott dazu auf, Ihn zu prüfen, damit Er Segen geben würde (Mal 3,10). Wir können auf dieses Prüfen allerdings auch ganz einfach verzichten, indem wir Regeln und Vorschriften folgen, die wir selbst oder andere für uns aufgestellt haben. Das ist bequem, bedeutet aber Einseitigkeit und Verlust für unser Leben. Hast du Gott schon mal in dieser Weise geprüft und erlebt, wie erfüllend dann ein Leben mit Gott sein kann?

Wenn wir uns selbst prüfen

2Kor 13,5: So prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid, untersucht euch selbst; oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?

In einigen Fällen werden wir aufgefordert, uns selbst zu prüfen, zum Beispiel unseren Glauben (2Kor 13,5). Es geht dabei aber nicht darum, ständig in uns hineinzuhorchen, zu prüfen, ob wir errettet sind, und womöglich die Errettung anzuzweifeln, sondern uns immer wieder zu vergewissern, was die Grundlage unseres Glaubens ist: der Herr Jesus und sein Rettungswerk am Kreuz. Unser Leben ist nicht durch die Schwachheit, die wir haben, gekennzeichnet, sondern durch Gottes Kraft in der Lebensbeziehung mit unserem Herrn (2Kor 13,4).

Des Weiteren sollen wir unser eigenes Werk, unsere Handlungen prüfen und uns nicht mit anderen vergleichen (Gal 6,4). Denn dann kann es geschehen, dass wir uns gegenüber anderen für etwas Besseres halten und uns damit selbst betrügen. Wir müssen unsere eigene Last, das heißt unsere Verantwortung, allein tragen. Niemand nimmt sie uns ab, und Gott fordert dafür Rechenschaft (Gal 6,5). Nur mit solch einer Einstellung können wir erst anderen in der richtigen Weise helfen, ohne selbst zu Fall zu kommen (Gal 6,1-3).

In Gewissensfragen müssen wir prüfen, um zu eigenen klaren Überzeugungen zu gelangen. Wir sollen uns nicht ständig kritisieren müssen für das, was wir gutheißen (wörtlich: geprüft, bewährt), für uns als richtig ausgewählt haben oder was sich für uns bewährt hat (Röm 14,22).

Zuletzt sollen wir uns selbst prüfen, wenn wir das Mahl des Herrn zu uns nehmen (1Kor 11,28). Es ist immer gut, uns zu fragen, ob unser Leben mit dem Herrn in Ordnung ist. Das sollte zu jeder Zeit unser Anliegen sein. Deshalb geht es bei diesem Prüfen hier darum, ob es uns bewusst ist, was die Symbole, das Brot und der Kelch, sowie die Handlung, Essen und Trinken, bedeuten. Auch wenn es nur äußere Zeichen und eine rein äußere Handlung ist, muss klar sein, dass es viel mehr ist als nur eine normale Mahlzeit. Es steht für nicht weniger als für die Person unseres Herrn Jesus, der seinen Leib am Kreuz für uns in den Tod gab, was zu unserer Rettung nötig war. Zudem bezeugt es unsere Verbindung mit dem Herrn Jesus, der jetzt auferstanden und verherrlicht ist. Außerdem drückt es die Gemeinschaft und Verbindung der Glaubenden miteinander aus, weshalb Streitigkeiten dem eigentlichen Anliegen klar widersprechen (1Kor 1,11; 11,17ff.). Niemals dürfen wir daher das Mahl des Herrn in unangemessener Weise feiern. Das sollten wir immer wieder überprüfen. Kennst du diese Selbstprüfungen und Korrekturbereitschaft in deinem Leben?

Wenn wir andere prüfen

1Thes 5,21: Prüft aber alles, das Gute haltet fest.

1Joh 4,1: Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.

Wenn wir einmal von der Tatsache absehen, dass wir manche Dinge beurteilen[5] müssen, wird das Prüfen in Bezug auf andere Menschen ganz selten erwähnt.

An zwei Stellen finden wir dieses Prüfen: Wenn Menschen Worte von Gott bzw. durch den Geist Gottes zu uns reden (1Thes 5,21; 1Joh 4,1), müssen wir prüfen, was die Person über den Herrn Jesus sagt (1Joh 4,2.3) und ob das Gesagte mit dem offenbarten Wort Gottes übereinstimmt (1Joh 4,6). Das gilt sowohl im positiven Sinn („das Gute haltet fest“) als auch im negativen Sinn (es gibt „falsche Propheten“). Einerseits dürfen wir sehr dankbar für jedes Wort Gottes sein, das zu uns geredet wird („Weissagungen verachtet nicht“; 1Thes 5,20), andererseits müssen wir aber auch vorsichtig sein, nicht Gedanken in uns aufzunehmen, die nur scheinbar Gottes Wort sind. Da sind wir aufgefordert: „Von jeder Art des Bösen haltet euch fern“ (1Thes 5,22).

Für bestimmte Dienste unter Christen ist es manchmal unerlässlich, dass jemand vorher sozusagen geprüft wird und sich bewährt. Als eine Geldsammlung für die Christen in Jerusalem auf der Missionsreise weiterbefördert wurde, wählte man einen Bruder mit der Qualifikation „erprobt“ aus (2Kor 8,22), damit er mit Titus nach Korinth reisen würde. Auch für die Arbeit eines Diakons wird grundsätzlich diese Anforderung genannt (1Tim 3,10).

Wenn das Prüfen in dieser Weise sonst kaum erwähnt wird, bedeutet das natürlich auch, dass uns in vielen anderen Fällen ein Prüfen gar nicht erlaubt wäre und nicht zustünde. Doch es ist in der Regel Gottes Angelegenheit. Ist uns das immer bewusst?

Bestandene Prüfungen in unserem Leben

Röm 16,10: Grüßt Apelles, den Bewährten in Christus.

2Tim 2,15: Befleißige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen.

Jak 1,12: Glückselig der Mann, der die Prüfung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die er denen verheißen hat, die ihn lieben.

Sicher gibt es über die hier genannten Punkte hinaus noch weitere Aspekte zum Thema Prüfungen. Vielleicht hilft diese Betrachtung, positiver über Prüfungen und die entsprechenden Ergebnisse zu denken. Sicherlich sind Prüfungen strapaziös, bedeuten eine Drucksituation und sind mit Anstrengung und Belastung verbunden. Bestanden ist aber bestanden. Wie wertvoll es ist, Leistungen schwarz auf weiß durch ein Prüfungsergebnis nachweisen zu können, weiß spätestens jeder, der sich bewerben muss.

So ist es ist auch erfreulich, wenn etwaige Mängel an neuen Kraftfahrzeugen noch rechtzeitig bei Versuchsfahrten entdeckt werden und nicht, wie manchmal leider heutzutage, erst der Kunde zum Testfahrer wird. Genauso dürfen wir uns freuen, wenn Prüfungen bei uns zu einer erfolgreichen Korrektur führen. Und selbst wenn wir mal von Satan geprüft werden und versagen, lernen wir tatsächlich viel aus unseren Fehlern. Natürlich sollte es uns nicht gleichgültig sein, wenn wir sündigen. Männer wie Petrus oder Markus wurden gerade nach Fehltritten besonders brauchbare Werkzeuge für Gott. Jeder aufrichtige Christ möchte Gottes Willen für das eigene Leben erkennen und umsetzen, ohne Gott dabei herauszufordern. Hoffentlich können wir das immer richtig unterscheiden. Gott möchte uns vor allem als erprobt und bewährt erscheinen lassen. In unserem Leben sollen das Gute, unsere Qualifikationen und Fähigkeiten sichtbar werden, die Gottes Gnade in uns wirken konnte.

Es ist ein sehr schönes Ziel, zu lernen, aus den Prüfungen der verschiedenen Art auch bei veränderlichen Lebenssituationen in Familie, Gemeinde, Beruf und Freizeit als erprobt und bewährt hervorzugehen und somit brauchbarer für unseren Herrn und andere zu werden. Dann haben die vielfältigen Prüfungen im Leben ihr Ziel erreicht, und Gott wird durch unser Leben geehrt. Wäre das nicht ein sehr schönes Ergebnis? Wenn es solche großartigen gewinnbringenden Folgen für unser Leben hat, ist das dann auch eine Gelegenheit und Chance für dich? Schenkst du Gott darin dein ganzes Vertrauen?

 

Anmerkungen

[1] Vorkommen dieser Wortfamilie im Neuen Testament: Mt 21,42; Mk 8,31; 12,10; Lk 9,22; 12,56; 14,19; 17,25; 20,17; Röm 1,28; 2,18; 5,4; 12,2; 14,18.22; 16,10; 1Kor 3,13; 9,27; 11,19.28; 16,3; 2Kor 2,9; 8,2.8.22; 9,13; 10,18; 13,3.5-7; Gal 6,4; Eph 5,10; Phil 1,10; 2,22; 1Thes 2,4; 5,21; 1Tim 3,10; 2Tim 2,15; 3,8; Tit 1,16; Heb 3,9; 6,8; 12,17; Jak 1,3.12; 1Pet 1,7; 2,4.7; 1Joh 4,1.

[2] Vorkommen dieser Wortfamilie im Neuen Testament: Mt 4,1.3.7; 6,13; 16,1; 19,3; 22,18.35; 26,41; Mk 1,13; 8,11; 10,2; 12,15; 14,38; Lk 4,2.12.13; 8,13; 10,25; 11,4.16; 20,23; 22,28.40.46; Joh 6,6; 8,6; Apg 5,9; 9,26; 15,10; 16,7; 20,19; 24,6; 26,21; 1Kor 7,5; 10,9.13; 2Kor 13,5; Gal 4,14; 6,1; 1Thes 3,5; 1Tim 6,9; Heb 2,18; 3,8.9; 4,15; 11,17.29.36.37; Jak 1,2.12-14; 1Pet 1,6; 4,12; 2Pet 2,9; Off 2,2.10; 3,10.

[3] In 2Kor 13,5; Heb 3,9; Jak 1,1.2; Jak 1,12; 1Pet 1,6.7 kommen Wörter aus beiden Wortfamilien gleichzeitig vor.

[4] Alle Vorkommen zusammen fast 200-mal, davon etwa 125-mal im Neuen Testament und 70-mal im Alten Testament.

[5] Dafür werden andere griechische Wörter gebraucht.


Aus komm & sieh, 2018/4, Daniel-Verlag


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