Einige Worte zu Elia
1. Könige 17–20

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 16.08.2006, aktualisiert: 19.12.2017

Leitverse: 1. Könige 17–20

Diese Kapitel zeigen uns einige wichtige Grundsätze; wir haben hier einige sehr unterschiedliche Charaktere vor uns; in ihnen lernen wir auch die Wege Gottes.

Ahab und Isebel erscheinen auf der Bühne; Elia prophezeit; Obadja ist zu sehen und die siebentausend Männer Gottes, die in 1. Könige 19,18 erwähnt werden.

Der Charakter Ahabs wird uns in 1. Könige 16,29-33 gezeigt. Ahab, Isebel und die vierhundertfünfzig Propheten standen dem Abfall Israels vor, der zu der Zeit in der Baals-Verehrung bestand. Und Obadja und die Siebentausend waren mit dem Volk vermischt (1Kön 18); nicht, dass sie den Götzen dienten, sie waren aber Freunde Ahabs. Elia dagegen war der Freund Gottes und hielt sich vollständig vom Abfall fern. Er war der einzige Zeuge der Wahrheit inmitten all des Bösen.

Lasst uns diese drei verschiedenen Personenklassen unterscheiden: Ahab und Israel, Abtrünnige auf der einen Seite; Elia, der treue Diener Gottes auf der anderen Seite; und außerdem Obadja und die Siebentausend, die immer noch mit dem Bösen verbunden waren. Lasst uns nun die verschiedenen Charaktere dieser Personen untersuchen.

Was waren die Umstände Elias? Dieser schwache und arme Mann hatte keine Kraft und Stärke außer dem, was er im Herrn, seiner einzigen Hilfe fand (1Kön 17,1-9). Er war ein Mann des Glaubens und des Gebets, und während er so vor dem Herrn blieb, konnte er kühn gegen den Abfall Israels zeugen und das Gericht Gottes ankündigen.

Ihm wurde gesagt: „Gehe von hinnen und wende dich nach Osten, und verbirg dich am Bach Krith, der vor dem Jordan ist“ (1Kön 17,3). Danach lesen wir in Vers 5, dass er dem Befehl gehorchte. Wir sehen bereits hier, dass Elia keine Kraft, dafür aber Glauben hatte und wusste, dass im Gehorsam jede Segnung zu finden ist. Auch von dem Moment an, als ihm das Wort gesagt wurde, fügte er sich und ging zum Bach Krith, wo er lernte, von Gott abhängig zu sein.

Ahab und ganz Israel waren Feinde Elias (1Kön 18,10); aber Gott war sein Freund, und bei jedem Schritt, den er im Vertrauen auf den Herrn tat, lernte er das Vertrauen des Herrn zu ihm. Auf diese Weise wurde er mehr und mehr für die Mission gestärkt, die er durchführen sollte (1Kön 18,1). Gott sandte ihn zu einer armen Witwe, die ihn während der Hungersnot unterhalten sollte, nachdem er durch die Raben am Bach Krith versorgt worden war. Während dieser ganzen Zeit, in der er von den Raben am Bach und von der Witwe aus Zarepta versorgt wurde, lernte er den Reichtum der Liebe und Gnade Gottes kennen. Genau dort, in den Umständen, in die wir durch den Herrn gebracht werden, lernen wir uns auch selbst kennen.

Wir sehen dann in 1. Könige 17 den einfachen und ganzen Gehorsam Elias. Ob der Herr ihn zum Bach sandte, um von den Raben ernährt zu werden; ob er während der Hungersnot zur Witwe gesandt wurde; ob er zu seinem echten Feind Ahab gesandt wurde (1Kön 18): Er machte keine Einwände, sondern, auf den Herrn rechnend, tat er, was ihm befohlen wurde. Er war nichtsdestoweniger ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir (Jak 5,17,18). Aber er hatte viel von dem Glauben und der unendlichen Kraft. Hierdurch konnte er sagen, dass es keinen Regen geben würde, und es gab keinen; hierdurch konnte er den Sohn der Witwe auferstehen lassen und Ahab und die vierhundertfünfzig Baals-Priester überwinden. Diese Umstände zeigen deutlich, dass Elia an dem Platz war, an dem man gesegnet wird, nämlich an dem des Gehorsams. Menschen waren seine Feinde; Ahab hat überall hin Personen gesandt, ihn zu finden; aber der Herr war sein Bergungsort und er hat gelernt, auf Ihn zu vertrauen.

Lasst uns jetzt das, was Obadja betrifft, untersuchen (1Kön 18,3-16). Er fürchtete den Herrn sehr, war aber dennoch im Dienst des Hauses Ahabs und brachte kein Zeugnis gegen dessen Böses. Er trug nicht die Schmach des Christus. Er wurde nicht wie Elia von Land zu Land verfolgt und gejagt. Er wusste nicht, was es bedeutete, von den Raben und der Witwe versorgt zu werden, d.h., er lebte wenig im Glauben und wusste nur wenig über die Wege Gottes. Er lebte in Bequemlichkeit inmitten der Welt. Ahab war sein Herr (vgl. 1Kön 18,10.15). Was für ein Unterschied! Obadja kannte die guten Dinge der Erde, Elia die guten Dinge des Himmels.

Lasst uns jetzt 1. Könige 18,7-11 lesen. Alle Gedanken Obadjas drehten sich um seinen irdischen Herrn, vor dem er sich fürchtete; aber alle Gedanken Elias konzentrierten sich auf den Herrn, seinem einzigen Herrn. Seine überragende Stellung gegenüber der des Obadja wird außerdem durch diese Umstände angezeigt, indem Letzterer vor Elia auf sein Angesicht fällt, als sie sich treffen (1Kön 18,7). Und als Elia ihm sagt, zu Ahab zu gehen und ihn anzumelden, ist Obadja völlig verängstigt. Obadja war zwar ein Kind Gottes – er hatte ja die Propheten versteckt –, hatte aber keine Kraft, ein Zeugnis für den Herrn abzulegen, weil er mit dem Bösen verbunden war. Elia dagegen konnte furchtlos zu Ahab und dem ganzen Volk sagen: „Wenn der Herr Gott ist, so wandelt ihm nach“ (1Kön 18,21). Woher kam hierfür die Kühnheit und Kraft, die wir in Elia, einem armen und schwachen Mann sehen, der darauf beschränkt war, für seine Nahrung von Raben und einer Witwe abhängig zu sein? Von der Tatsache, dass er abseits des Abfalls stand, dass er durch Glauben lebte und sein Auge einfach auf seinen Gott gerichtet hatte. Wie viel besser war doch sein Standpunkt als der des Obadja!

In diesen Dingen ist eine Anwendung für uns selbst zu machen. Lasst uns von ihnen diese Lektion mitnehmen, dass, wenn der Herr Gott ist, Er es ist, dem wir dienen müssen. Um Ihm treu zu sein, müssen wir uns von allen Prinzipien des Abfalls, von denen wir umgeben sind, distanzieren.

Wir wissen, wie Elia über seine Feinde triumphierte. Daher gibt es keine Notwendigkeit, die Angelegenheit des Ereignisses auf dem Karmel zu wiederholen. Aber lasst uns beobachten, dass, wenn Elia den Herrn um den Sieg bittet, er fragt, ob es bekannt werden würde, dass der Herr Gott ist (1Kön 18,37). Alle Wünsche seines Herzens enthielten diese zwei Dinge, dass der Herr verherrlicht werden und das Volk Ihn kennenlernen würde. In ihm war nicht der geringste Wunsch, selbst erhöht zu werden, sich selbst zu preisen; es machte ihm nichts aus, nichts zu sein, sofern Gott verherrlicht würde und das Volk dazu gebracht würde, Ihn zu kennen. Dieser gleiche Wunsch sollte in uns vorhanden sein und jeder Dünkel weit, weit verworfen werden.

Lasst uns jetzt 1 Könige 19 lesen. Armer Elia! Er hatte eine Lektion zu lernen, die wir selbst, schwach und arm wie Elia war, auch lernen müssen. Als Elia vor dem Herrn stand, konnte er durch die Kraft des Herrn den Regen stoppen oder zur Erde senden, den Sohn der Witwe auferstehen lassen usw. Aber als er nicht mehr vor dem Herrn stand, sondern vor Isebel, war er ohne Stärke, und diese ungöttliche Frau konnte ihm Furcht einflößen. Entmutigt geht Elia in die Wüste, setzt sich unter einen Ginsterstrauch und bittet den Herrn, sein Leben wegzunehmen (1Kön 19,4). Wie anders ist er hier als in dem vorhergehenden Kapitel! Wie wenig erinnert er sich an das, was der Herr für ihn getan hat; wie wenig erkennt er Gottes Gedanken und erwartet den Wagen von Feuer, der ihn in Kürze in den Himmel bringen würde (2Kön 2,11).

So ist es auch mit uns. Wir sind niedergedrückt, entmutigt und schwach in uns selbst, sobald wir aufhören, im Glauben und im Gebet zu leben, und können nicht wie Elia in Kapitel 18 sagen: „Der Herr, vor dessen Angesicht ich stehe.“

In 1. Könige 17 konnte Elia durch Glauben das Öl und Mehl der Witwe verlängern; aber hier ist er schwach und benötigt einen Engel, der ihn stärkt und ihm zu Essen gibt. (Lies 1Könige 19,5-8.) Er isst, trinkt, und wie ein Mann ohne Kraft legt er sich hin. Aber der Herr sendet den Engel erneut, weil seine Gnade und seine Barmherzigkeit groß ist. Er sieht alle unsere Wege und ernährt unsere Seelen gemäß unserer Bedürfnisse und gemäß unserer Umstände. Deswegen trug der Herr Elia und stand ihm bei, und das ist das, was der Herr auch in Bezug auf uns tut. Weil Er in all dem bedrängt ist, worin sein Volk bedrängt ist, ist Er es auch in unseren Bedrängnissen heute (Jes 63,9).

In Kapitel 17 leitete Gott Elia und sagte ihm, wo er hinzugehen hatte, und Elia gehorchte. Aber in Kapitel 19 flieht Elia aus Furcht vor Isebel und wartet nicht auf den Befehl des Herrn, in die Wüste zu gehen. Siehe dazu, welch traurige Nachricht ihm in Vers 13 gesandt wird: „Was tust du hier, Elia?“ (1Kön 19,13). In Vers 11 und 12 lesen wir, dass ein Wind, ein Erdbeben und ein Feuer geschickt werden (1Kön 19,11.12). Aber Elia findet den Herrn in diesen Dingen nicht und sie konnten seiner Seele keinen Trost und keine Kraft geben. Gott erschien in seiner Größe und Kraft; aber was Elia benötigte, war eine leise Stimme, was er wollte, war der Beweis von Gnade und die Gemeinschaft mit Gott. Daher verhüllte Elia sein Gesicht in seinem Mantel, als er die leise Stimme hörte, und war bereit zu gehorchen. Durch die Kraft und Stärke, die er in dieser Stimme vernahm, war er noch einmal befähigt, dem Befehl des Herrn zu gehorchen.

Was wir zu diesen Kapiteln gesagt haben, ist sehr unvollständig. Aber wir glauben, dass die Hauptsache ist, aus ihnen die Grundsätze hervorzubringen, um die Nachrichten dieser Kapitel anzuzeigen. Lasst uns daher daran denken, die Stellung Obadjas und der Siebentausend zu vermeiden, die es sich inmitten des Abfalls bequem gemacht haben und ohne Kraft waren, eine Zeugnis gegen das Böse zu sein. Lasst uns auch bedenken, dass Elia, obwohl er ein verachteter und verworfener Mann war, dennoch am Ort des Segens war. Und wenn wir genau wie er dahin gebracht werden, unsere Schwachheit zu erkennen, dann lasst uns daran denken, dass nur die Gemeinschaft mit dem Herrn uns von neuem sowohl Eifer als auch Hingabe und Freude geben kann.


Originaltitel: „A Few Words on Elijah“
aus The Bible Treasury, Nr. 243, Sept. 1876

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