Praktische Tipps, um an Leute zu kommen
Evangelisation: Aber wie?

Klaus Spiecker

© K. Spieker, online seit: 03.12.2001, aktualisiert: 20.11.2017

Einleitung

Diese Überschrift signalisiert einen Katalog. Vielleicht auch viele schlaue Überlegungen. Mit denen man dann direkt etwas anfangen kann. So wie mit den neuen, angeblichen Leicht-Lern-Methoden für Fremdsprachen. Zurückversetzt in die Zeit der ersten Jünger hieße das: Petrus, ich mache dich zum Menschenfischer. Hierzu überreiche ich dir eine kleine Dienstanweisung im Taschenbuchformat. Zusätzlich erinnere dich an deinen alten Beruf: Netze auswerfen

An dieser Stelle sehe ich ein erstes berechtigtes Stirnrunzeln. Der Geist Gottes bewegt Menschen zur Buße. Wir brauchen keine Macher zu werden.

Aber – fällt uns ein – der Herr Jesus hat gewiss nicht als Wortspiel diesen Hinweis aufs Fischen gebraucht. Als ich zum ersten Mal die Überschrift bedachte, geriet ich auch ins „Aufzählen“.

Mancher mag nun eine gut geordnete Tabelle für Aktivitäten erwarten: Dabei hat der Schreiber erstens womöglich die Ehre zu erwarten, was ihm gar so alles eingefallen ist. Ebenso könnte der Leser sich genüsslich ein Menü zusammenstellen. Darüber, was für Ihn wohl von diesem „Ideen-Reichtum“ … zu verwirklichen ist. (Das wäre übrigens noch weit besser, als wenn ich als Leser nur rein akademisch prüfe, ob dieses oder ein anderes Thema wohl ordentlich abgehandelt ist und dabei selbst unberührt bliebe!)

Doch zurück zu Simon Petrus. Das Fischen hat – wie andere berufliche Aufgaben – sein festes Raster: Wissen über Fanggebiete, feste Erfolg versprechende Zeiten, Erfahrungen, Netzreparaturen, Ruhezeiten, Teamarbeit, Austausch über aktuelle Erlebnisse … usw.

Durch den auferstandenen Herrn erhielt der erfahrene Fischer eine tiefgehende Lektion am See Tiberias: völliger Misserfolg bei eigenen Fang-Wegen trotz Erfahrung. Dagegen mit der klaren Wegweisung des Herrn überreiche Ernte.

Der Generalstabsplan zur Evangelisierung von ganz England

Unter dieser Überschrift ist tatsächlich vor etlichen Jahren sehr umfangreich (und zwar von fundierten, hingegeben Christen) ein großes und ins Einzelne gehende Dokument erschienen. „Bis heute ist kaum eine der vielen und guten Ideen ausgeführt worden“, schrieb kürzlich darüber ein begabter Evangelist. Auch deshalb möchte ich keine alten Kataloge abschreiben oder neue erfinden. Was dann? Psychotricks wie Dale Carnegies Wie man Freunde gewinnt? Immerhin sind dessen Bücher und Methoden Renner in der Welt. Doch lernen wir hier heraus, wie einsam die Menschen geworden sind. Wie unsicher in der Kommunikation, im Miteinander. Der abendliche intensive Umgang mit alten, modernen oder schmutzigen Fernsehmärchen, raubt Ihnen den Umgang mit der Realität. Ein normales Gesprächserlebnis mit Nachbarn oder Freunden am Abend. Oder in der beruflichen Pause. Hier setzt unser Nachdenken an:

Die Leute, an die ich kommen möchte, sind also schon da … Sie sind um mich herum.

Ich brauche nicht eine Philippus-Situation zu erbitten, dass der Herr mir einen Kämmerer aus fremdem Land in den Weg stellt. Aber bei Gebetsvorbereitung siehst Du plötzlich die Leute mit anderen Augen. Um Dich herum. Zugegeben: Ohne echtes Interesse an ihnen kommt es nicht zu der Situation, dass ich mich so um den anderen, bereits vom Herrn Vorbereiteten, kümmere: „Verstehst Du auch, was Du da liest?“

Denk nicht lange traurig zurück! Denk an die Leute um Dich herum! Denn Du kommst an sie heran! Zum Beispiel durch Anteilnahme an deren Sorgen … Vielleicht bedarf es eines neuen Kontaktens, damit das möglich wird, dass ich ihnen in meinem Wohnzimmer zuhöre. Richtig zuhöre. Plötzlich hat mein Nachbar einen Menschen kennengelernt, der Zeit für ihn hat. Uneigennützig, mitdenkend, beratend, einfühlsam. Und er wird – vielleicht nicht gleich beim ersten Mal – neugierig auf unsere Interessen, Lebens-Stützen, und -Inhalte.

Die richtige Tat …

Ein Bruder aus unserer Versammlung nutzte die handwerkliche Hilflosigkeit eines benachbarten jungen Vaters und bastelte mit ihm Weihnachtsspielzeug in seinem Keller. Als Nebenprodukt kamen an den verschiedenen Abenden unter vier Augen gute, zielgerichtete Gespräche zustande. Statt weiterer Beispiele möchte ich gern unseren Blick für das angemessene Werkzeug schärfen (kein Zahnarzt wird, wenn leichtes Abschleifen ausreicht, zur Zange greifen) und für die angemessene Speise (biete keinem echt Hungrigen den süßlichen Pudding an).

… in der richtigen Situation …

Eine jüngere Schwester, die nach Heirat und Mutterschaft nicht mehr berufstätig war, hielt bewusst Kontakt mit einer ehemaligen Kollegin. Die durfte immer zu Besuch kommen. Mit ihr besprach sie deren Probleme … und konnte schließlich ganz natürlich bezeugen, bei welchem Herrn sie selbst Problemlösung gefunden hat. Aber entscheidend war eigentlich die nächste Phase ihrer Beziehung: Sie blieb der Suchenden eine echte Freundin. So war es dieser möglich, weiterhin Gastfreundschaft zu genießen, Geborgenheit zu finden … das Alltagsleben der jungen Familie zu beobachten. Sie hat sich bekehrt. Sie ist eine ebenso … zuverlässige Schwester geworden, wie sie es als Vorbild gesehen hatte.

Jetzt wird uns bewusst, dass es nicht reicht, eine Information über die Bibel zu streuen. Es geht um echte Anteilnahme am Leben dieses Nächsten. Unser Herr wählte am Jakobsbrunnen das beziehungsreiche Wort vom „Wasser des Lebens“. Und wie lebensdurstig war diese Frau! – Die religiösen Menschen damals wie heute sind in der Hilfsbereitschaft völlig blind. Immer wenn der Heiland sich den Verstrickten zuwandte, sagten jene: „Er kehrt bei Sündern ein und isst mit ihnen!“

… das richtige Wort …

Versuchen wir einmal, die Dinge mit den Augen des anderen zu sehen. Zum Beispiel rein pädagogisch: Während ein guter Lehrer unterrichtet, berücksichtigt er das Vorwissen oder Unwissen der Schüler. Also geht es auch bei unserem Plan nicht darum, ob ich endlich einmal ein sogenanntes Zeugnis aufgeregt herunterplappere. Denn er hätte es vielleicht echt nicht begreifen können. Wie tragisch, wenn ich dann noch meine, ihn ernsthaft ins Licht Gottes gestellt zu haben. Eher komisch, wenn ich selbstzufrieden auf meine Selbstüberwindung nach so einem Gespräch zurückblicke: Weil ich wieder mal im Mittelpunkt stehe und nicht die „Behandlung“ des anderen Menschen, für den der Herr Jesus auch gestorben ist, auf den Er wartet. Um seine unsterbliche Seele zu retten. Wir erkennen nachdenklich, wie heute die Menschen stark verweltlicht (säkularisiert) sind. Ohne Kenntnis, daher ohne Interesse an göttlichen Werten. Viele umherirrend auf der Suche nach Ewigkeit in fernöstlichen Religionen, in Ideologien. Hier müssen wir neu überdenken: Wie kann ich das Evangelium für den Hörer verständlich und von packendem Lebensbezug für ihn weitersagen!

Nein, ich rede nicht von guten oder besseren Veranstaltungen, sondern von Deiner und meiner Gesprächsanwendung. Hierzu sind seit einigen Monaten an verschiedenen Orten Brüder zusammengetroffen, die mit Hilfe von passendem Arbeitsmaterial (BSK, Kurs „Evangelisation und Jüngerschaft“) nicht nur lesen, ihre Gedanken niederschreiben, sondern sich auch ca. alle drei Wochen zu Gebet und Erfahrungsaustausch treffen. Denn alle Teilnehmer haben sich als praktische Aufgabe vorgenommen, zwei Menschen aus ihrer erreichbaren Umgebung gezielt nachzugehen. Heute kann schon gesagt werden, dass es nicht nur eine Fülle von Erlebnissen gab. Sondern auch Frucht. Und Teilnehmer, deren Blick für das verlorene Schaf auch ihren Lebensstil froh machend verändert hat.


Aus der Zeitschrift Wegweisung (heute: Perspektive)
www.cv-dillenburg.de


Hinweis der Redaktion:

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