Christus genügt
Philipper 4,13

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 09.01.2003, aktualisiert: 20.10.2017

Leitvers: Philipper 4,13

Phil 4,13: Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.

Diese Epistel ist das Buch der Erfahrung. Es heißt nicht: „Alles vermag man“, sondern: „Alles vermag ich.“ Christus genügt zu jeder Zeit; dies war die Erfahrung des Apostels. Er hatte sich in allerlei Gefahren begeben müssen, aber Christus genügte allezeit. Jetzt hatte er Überfluss, doch Christus genügte ihm in allen Umständen. Es ist gut zu wissen, dass, obgleich wir oft weit hinter dem Ziel zurückbleiben, wir nie in eine Lage kommen können, welche Er nicht beherrscht, möge es sich um die Gemeinde oder um die Einzelnen handeln. Paulus drohte im Fleisch Gefahr, und deshalb wurde ihm ein Dorn für dasselbe gegeben. Der Dorn war etwas, das ihn gewissermaßen bei seinem öffentlichen Dienst verächtlich machte. Die mächtige Wirkung seiner Predigt rührte somit nicht von ihm selbst her, sondern bewies das Vorhandensein der Macht Christi. Deshalb gab er sich damit zufrieden und sagte: „Ich will mich vielmehr meiner Schwachheiten rühmen.“ Der Dorn war nicht die Kraft, aber er gehörte zur Entfaltung derselben. Das Fleisch wird vollständig vernichtet, damit Christus alles sei. Hätte es einen vierten Himmel gegeben, so wäre das Fleisch umso mehr aufgeblasen worden. Das, was von Natur schlecht ist, kann nicht verbessert werden.

Dieses Kapitel (2Kor 12) hat zwei Seiten. Es zeigt uns einen Menschen in Christus, in welchem das Fleisch vollständig in den Tod gegeben ist, sodann Christus in einem Menschen – was die andere Seite des christlichen Lebens bildet – die Kraft Christi in und mit uns. Sagen wir nicht, ein Christ vermag alles. Es ist im abstrakten Sinne wahr, dennoch will es der Apostel nicht sagen. Er sagt: „Ich vermag alles in dem, der mich kräftigt … Ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen.“ Christus genügte ihm vollständig. Zugleich erfüllten die Erinnerungen an die Philipper sein Herz. „Denn auch in Thessalonich habt ihr mir einmal und zweimal für meine Notdurft gesandt.“

Es ist sehr schön, zu sehen, wie der Apostel immer der Mensch bleibt. Die wahre Überlegenheit besteht darin, dass man durch all die wechselnden Umstände hindurch geht, sie alle fühlt und erwägt und dennoch sie beherrscht. Beachten wir, wie er von Epaphroditus im 2. Kapitel spricht. Paulus wusste, dass, wenn er sterben würde, er gen Himmel ging, aber er fühlte das Kranksein seines Bruders und Mitarbeiters, und sein Herz konnte sich nicht gleichgültig über diese Prüfung hinwegsetzen. Als der Herr die Witwe von Nain sah, wurde Er innerlich bewegt. Er war nicht unempfindlich. Während Er durch die Umstände ging, fühlte Er sie alle, und dennoch beherrschte Er sie. Wir sollten uns nicht von den Umständen bestimmen lassen; wohl sollen wir sie fühlen, aber sie beherrschen. Christus genügt. Werfen wir alle unsere Sorge auf Ihn!

Paulus legt ihrem Dienst den ganzen Wert der göttlichen Gnade bei (Phil 4,18.19). Welch ein Band sehen wir in der Kirche Gottes, selbst wenn es sich um die Gaben handelt! Vielleicht haben arme, alte bettlägerige Frauen für Paulus gebetet. „Mein Gott aber wird alle eure Notdurft erfüllen.“ Es heißt: „mein Gott“. Er kannte Ihn – der Gott, den ich kenne, vor dem ich gewandelt habe, Er wird es tun –, als wenn er dafür einstehen wollte. Wie erhebt sich das Herz des Apostels zu der Quelle von allem! Und was war der Maßstab? Etwa die Notdurft? Ach nein!, sondern „nach seinem Reichtum, in Herrlichkeit in Christus Jesus“. Hieraus ersehen wir, wie der Geist Gottes ihn über die Umstände hinwegsetzte, während er alles fühlte. Einerseits fühlt man hier auf der Erde alles vollkommen und anderseits hat man die Quelle der Kraft in Christus. Was ich zu lernen habe, ist meine eigene Schwachheit.

Wir machen einen großen Fehler in Bezug auf die Apostel. Wir stellen sie uns als solche vor, die gleich den Adlern sich hoch über alles Irdische erheben. Paulus sagt aber: „Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und in vielem Zittern.“ In Korinth waren vornehme Leute. Paulus war ein Gefäß zum Segen, aber man darf nicht etwas aus dem Gefäß machen. Wir müssen lernen, nichts zu sein, damit Christus alles werde. Ist man demütig, so braucht man nicht demütig zu werden. Wenn man es aber nicht ist, so muss man es werden. Sind wir damit zufrieden, nichts zu sein? Begnügen wir uns, im Verborgenen mit Gott zu wandeln? Möge der Herr geben, dass wir einen solchen Wandel durch diese Welt praktisch kennenlernen! Was auch der Zustand der Gemeinde oder der Einzelnen sein möge: Christus genügt. Möge der Herr uns unsere Nichtigkeit erkennen lassen!


Auszug aus „Brief Thoughts on the Philippians“
Collected Writings of J.N. Darby, Bd. 17, S. 405–406

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