Der eine Leib Christi
Die Gefahr der Selbstgefälligkeit

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 10.01.2005, aktualisiert: 15.01.2018

Für viele Gläubige ist es sehr schwierig, das in 1. Korinther 12 Gesagte zu verwirklichen, erstens, weil sie diese Wahrheit nicht kennen, und zweitens der vielen künstlichen Scheidewände wegen, die sie voneinander trennen.

Für die Gläubigen aber, die durch Gottes Gnade die in unserem Kapitel geoffenbarte Wahrheit kennengelernt haben und die aus den Systemen geführt worden sind, gibt es in dieser Hinsicht keine Entschuldigung, denn sie sind auf einen Boden stellt, auf dem sie ohne Unterschied jeden wahren Christen anerkennen können.

Wie ist es nun aber in der Praxis um uns bestellt, die wir bekennen, auf dem „Boden der Wahrheit“ zu stehen? Finden wir heute noch hinreichend Gelegenheit zur Entfaltung einer Liebe, die alle umschließt, die zu dem „einen Leib“ gehören? Haben wir von Herzen „dieselbe Sorge“ für alle Glieder Christi an dem Ort, wo wir wohnen (vgl. 1Kor 12,25.26)? Es mag uns vielleicht nicht möglich sein, diese immer auf gleiche Weise zu betätigen, aber suchen wir, soweit es an uns liegt, es zu tun?

Ist unsere Liebe zu allen Christen so inbrünstig und ungeheuchelt, dass sie ihnen die Wirklichkeit der Verbundenheit der Glieder des „einen Leibes“ zeigt? Tritt die Wahrheit, die durch unsere Schriften verbreitet wird, auf diese Weise auch in unserem Wandel zutage?

Lasst uns auf der Hut sein vor Satans List! Die Form will er uns wohl lassen, wenn nur die Kraft verleugnet wird (vgl. 2Tim 3,5). Und auch gegen das Verkündigen der Wahrheit hat er nichts, wenn nur die Praxis eine andere ist. Möge er uns nicht verführen, den Namen, unter dem wir, wenigstens teilweise, bekannt sind – „Ihr alle seid Brüder“ – und an den jedes Kind Gottes ien Anrecht hat, in einem ausschließlichen Sinn zu gebrauchen.

Ein weites Herz und ein breiter Weg oder ein enges Herz und ein schmaler Weg: Beides entspricht ebenso sehr unserer menschlichen Natur, aber beides entspricht nicht der Wahrheit Gottes. Was der Herr wünscht und was wir haben müssen, ist ein weites Herz und ein Wandel auf schmalem Weg.

Manche unter uns würden gewiss sehr überrascht sein, wenn sie in diesem Augenblick die Gedanken Gottes über sein Volk sehen könnten. Mit der Selbstgefälligkeit wäre es dann aus.


Originaltitel: „Der eine Leib (1. Korinther 12)“
aus Halte fest, 1977
mit freundlicher Genehmigung des Beröa-Verlages, Zürich

Weitere Artikel des Autors John Nelson Darby (68)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...