Worte über das Sterben
Hebräer 9,27.28

George Vicesimus Wigram

© CSV, online seit: 11.01.2006, aktualisiert: 22.02.2018

Leitverse: Hebräer 9,27.28

Heb 9,27.28: Und ebenso wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, also wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Male denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Seligkeit.

Werde ich einmal sterben? „Natürlich wirst du das früher oder später“, werden die meisten Menschen antworten. „Ich weiß es nicht“, ist die Antwort, die die meisten Bibelleser geben sollten. Unter den Gläubigen hätten nur solche, die eine besondere Offenbarung darüber erhalten haben, dass sie sterben werden, wie Petrus (Joh 21,19; 2Pet 1,14) und Paulus (2Tim 4,6), das Recht, zu sagen: „Mit Sicherheit werde ich sterben.“ Petrus konnte so sprechen, denn der Herr Jesus hatte ihm ausdrücklich die Märtyrerkrone verheißen. Paulus wusste von sich das Gleiche. Ich aber bin nur ein ganz „gewöhnlicher“ Christ und gebe nicht vor, Petrus oder Paulus zu sein. Ich gebe nicht vor, irgendwelche Offenbarungen direkt vom Herrn selbst über mein eigenes persönliches Leben erhalten zu haben. Daher muss und darf ich mit dem allgemeinen Licht über diesen Gegenstand zufrieden sein, so wie Gott es in Seinem Wort Seiner Familie gibt. Es ist ein klares und helles Licht, das auf Sein Volk scheint.

Ich muss daher mit solchen Aussagen wie der folgenden zufrieden sein: „Und ebenso wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht [bis jetzt lesen wir, was den gefallenen Menschen erwartet: Tod und das Gericht; dann folgt das, was nur für den Gläubigen gilt], also wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Male denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Seligkeit“ (Heb 9,27.28). 

So wie der natürliche Mensch ein Sünder ist und es ihm deshalb gesetzt ist, einmal zu sterben, so hat Christus die Strafe für die Sünden der Seinen getragen. Nun wartet der Gläubige auf Ihn. „Zum zweiten Male wird er denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Seligkeit“ (Heb 9,28).

An anderer Stelle heißt es: „Wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn“ (1Thes 1,9.10).

Und wieder: „Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden“ (1Kor 15,51).

Und wieder: „Denn dieses sagen wir euch im Worte des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten“ (1Thes 4,15-18).

Der Herr sagt zu Johannes und auch zu uns: „Ich komme bald“ (Off 3,11), und: „Siehe, ich komme bald“ (Off 22,7). Wenn der Geist und die Braut den Herrn einladen zu kommen („Der Geist und die Braut sagen: Komm!“), antwortet Er: „Ja, ich komme bald“, worauf Johannes erwidert: „Amen; komm, Herr Jesus!“ (Off 22,17.20).

Diese Schriftstellen und viele andere zeigen, dass der Weg des Gläubigen, wie er hier beschrieben wird, nicht zum Grab hinabführt, sondern nach oben zum Herrn, dem er bei Seinem Kommen in der Luft begegnen wird. Sie machen auch klar, dass die Gläubigen in den Tagen der Apostel die Rückkehr des Herrn erwarteten. Dies war ihre Hoffnung, wie es sich für solche geziemt, deren „Bürgertum in den Himmeln“ ist, „von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten“ (Phil 3,20).

Zu den Jüngern, die unverwandt zum Himmel schauten (als eine Wolke Jesus von ihren Augen hinweggenommen hatte), wurde gesagt: „Was stehet ihr und sehet hinauf gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird also kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel“ (Apg 1,10.11). Genauso verlasse ich mich auf das Wort der zwei Männer im weißen Kleid, da ich keine besondere Mitteilung bezüglich meines Todes habe.

Da ich nur einer von der Herde bin, weder Führer noch Hirte, sind die Verheißungen für die Herde auch meine Verheißungen, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe keine besondere mich als Einzelnen betreffende Mitteilung, auf die ich besonders achten müsste. Daher muss ich bei der Hoffnung bleiben, die für alle Christen besteht: den Herrn vom Himmel her zu erwarten, „der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ (Phil 3,21).

Noch hat der Herr die Verheißung Seines Wiederkommens, wovon Er in Johannes 14,1-3 zu den Jüngern geredet hat, nicht eingelöst: „Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubet an Gott, glaubet auch an mich. In dem Hause meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, würde ich es euch gesagt haben; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seiet.“ Ja, das ist unsere Hoffnung, und auch, dass, „wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird“, wir „mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit“ (Kol 3,4).

Vielleicht sagt jemand: „Wenn diese Dinge so in der Schrift geschrieben stehen, wie kommt es dann, dass viele christliche Menschen unserer Tage sie nicht kennen?“ Auf diese Frage antworte ich, dass die ersten Christen zu Pfingsten (Apg 2) durch den Glauben und den Heiligen Geist mit dem zum Himmel aufgefahrenen Herrn beschäftigt waren, der sie durch Seinen Tod von aller Schuld befreit hatte. Sie dachten daran, dass Er nun im Himmel war, sich um alle ihre himmlischen und geistlichen Belange kümmerte und im Begriff stand wiederzukommen, um sie zu sich zu nehmen. Heutzutage scheinen nur wenige der christlichen Menschen zu wissen, welchen Wert Sein Tod und Seine Auferstehung für sie haben. Daher können sie Seine Herrlichkeit im Himmel nicht betrachten. Sie sehnen sich nicht nach seiner Rückkehr und wünschen sich nicht einmal, dass sie es täten.

Man wird vielleicht sagen: „Bist du der Einzige, der recht hat, und alle anderen haben unrecht?“ Ich antworte: Gott sei Dank, ich bin nicht der Einzige, der das glaubt. Aber selbst wenn ich der Einzige wäre, würde ich lieber als Einziger die Wahrheit glauben, als mit der Masse übereinzustimmen und im Irrtum zu sein.

„Aber bist du dir sicher, dass du recht hast?“ Ich bin mir sicher. Erstens stehe ich aufseiten des Wortes Gottes. Zweitens wird Gott die nicht zuschanden werden lassen, die unter Gebet Sein Wort erforschen und sich nicht auf ihr eigenes Verständnis stützen. Er wird es nicht zulassen, dass sie sich in ihrem Glauben und in ihrer Hoffnung täuschen.

Mit Sicherheit war die Wiederkunft Christi und nicht der Tod die Hoffnung der ersten Christen. Mit der gleichen Sicherheit steht am Ende der Offenbarung geschrieben (und es erfreut mein Herz, das zu lesen, um anderer wie auch um meiner selbst willen): „Der Geist und die Braut sagen: Komm! … Ja, ich komme bald. – Amen; komm, Herr Jesus!“


Originaltitel: „Worte eines alten Bruders über das Sterben“
aus Ermunterung und Ermahnung, 1995, S. 269–273


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