Der Himmel, das Paradies und das Vaterhaus
2. Korinther 12,1-10

John Nelson Darby

© Beröa-Verlag, online seit: 08.11.2001, aktualisiert: 20.11.2017

Leitverse: 2. Korinther 12,1-10 

2Kor 12,1-10: Zu rühmen nützt mir wahrlich nicht; denn ich will auf Gesichte und Offenbarungen des Herrn kommen. Ich kenne einen Menschen in Christus, vor vierzehn Jahren (ob im Leib, weiß ich nicht, oder außer dem Leib, weiß ich nicht; Gott weiß es), einen Menschen, der entrückt wurde bis in den dritten Himmel. Und ich kenne einen solchen Menschen (ob im Leib oder außer dem Leib, weiß ich nicht; Gott weiß es), dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, welche der Mensch nicht sagen darf. Über einen solchen werde ich mich rühmen; über mich selbst aber werde ich mich nicht rühmen, es sei denn meiner Schwachheiten. Denn wenn ich mich rühmen will, werde ich nicht töricht sein, denn ich werde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, auf dass nicht jemand höher von mir denke, als was er an mir sieht, oder was er von mir hört. Und auf dass ich mich nicht durch die Überschwänglichkeit der Offenbarungen überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, auf dass er mich mit Fäusten schlage, auf dass ich mich nicht überhebe. Für dieses flehte ich dreimal zum Herrn, auf dass er von mir abstehen möge. Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht. Daher will ich am allerliebsten mich vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, auf dass die Kraft des Christus über mir wohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten für Christus; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Wenn ich mich rühme, sagt der Apostel (2Kor 2,1), so will ich „auf Gesichte und Offenbarungen des Herrn kommen“. Er hatte durch Gesichte und Offenbarungen Mitteilungen des Herrn empfangen, um sie anderen zu übermitteln. Zum Beispiel teilte er Agrippa mit, was der Herr ihm bei seiner Bekehrung gesagt hatte: „Hierzu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu verordnen, sowohl dessen, was du gesehen hast, als auch, worin ich dir erscheinen werde“ (oder auch: „zu deren Offenbarung ich dir erscheinen werde“ – Apg 26,16). Paulus sagt auch in Bezug auf das Abendmahl: „Ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe“ (1Kor 11,23). Das Evangelium, das er verkündigte, hat er durch Offenbarung Jesu Christi empfangen (Gal 1,11.12). Wir wissen nicht, wie viele Male ihm der Herr Offenbarungen bezüglich der Versammlung, der Entrückung der Heiligen usw. gegeben hat.

Was die Gesichte anbelangt, so war er auf dem Wege nach Damaskus durch ein Gesicht des Herrn aufgehalten und bekehrt worden (Apg 9; 22; 26). Der Herr ist ihm auch in Jerusalem erschienen, als er im Tempel betete (Apg 22,17.18; 23,11). Diese Gesichte und Offenbarungen des Herrn waren Wegweisungen für Paulus oder Mitteilungen, die er anderen zu übermitteln hatte. Man muss sie aber von der besonderen Tatsache, die uns in 2. Korinther 12,2-4 vorgestellt wird, unterscheiden.

Seit dem Ereignis seiner Entrückung in den dritten Himmel waren schon vierzehn Jahre vergangen. Der Apostel hatte nie davon geredet; bis dahin hatte er seinen Dorn im Fleische getragen, ohne zu begründen, weshalb er ihm auferlegt war. Er war in den dritten Himmel, ins Paradies entrückt worden und hatte dort unaussprechliche Worte gehört. Diese Worte hatte er verstanden und sich darüber gefreut. Uns wären sie unverständlich, für ihn aber waren sie eine persönliche Mitteilung, dazu bestimmt, ihn in seiner christlichen Laufbahn zu ermutigen und nicht, um sie anderen mitzuteilen. Es wäre ihm auch unmöglich gewesen, dies zu tun, denn der menschliche Geist und die menschliche Sprache können nicht in Worte kleiden, was man im Paradies hört.

Der dritte Himmel und das Paradies sind zwei verschiedene Begriffe. Der dritte Himmel ist der Ort, zu welchem man hinaufsteigt, er ist ein Grad der Erhöhung; das Paradies hingegen bringt mehr das Wesen dieses Ortes zum Ausdruck: Es ist ein Garten der Freude.

Die Stiftshütte war ein Abbild der Himmel: Das Lager um sie herum war die Welt, der Vorhof der erste Himmel, das Heilige der zweite Himmel, das Allerheiligste, in welchem sich die Lade befand, stellte den dritten Himmel mit dem Throne Gottes dar. Der eherne Altar im Vorhof war nicht in der „Welt“, weil Christus „von der Erde erhöht“ wurde. Der Ausdruck „Himmel der Himmel“ hat eine allgemeine Bedeutung; auch der Ausdruck „die Himmel“, dem wir oft begegnen, bezeichnet mehr den Gegensatz zur Erde. Die Stiftshütte hingegen ist eine ausführlichere Bezeichnung der Himmel. Die Juden verwendeten diesen Begriff immer wieder in diesem Sinne und meinten damit die drei Himmel. Es war sehr natürlich, die drei Teile der Stiftshütte mit dem Himmel in Verbindung zu bringen; denn Gott hat Mose geboten, alles nach dem Muster der himmlischen Dinge zu machen (Heb 8,5).

Die Stiftshütte stellt dreierlei dar: zuerst Christus Selbst, sodann die Versammlung, denn Gott wohnt in ihr, und schließlich die Schöpfung oder die geschaffenen Himmel. In erster Linie also Christus Selbst, denn der zerrissene Vorhang ist Sein Fleisch; dann aber auch Christus „als Sohn über sein Haus, dessen Haus wir sind“ (Heb 3,6), und endlich, wie wir gesehen haben, die drei Himmel in Verbindung mit der Schöpfung.

Als Paulus auf das Paradies zu reden kam, sagte er, er habe dort Worte gehört, die der Mensch nicht aussprechen dürfe. Dort ist es, wo die Segnung sich befindet. Das „Paradies Gottes“ und „das Haus meines Vaters“ sind zwei sehr verschiedene Begriffe. Wir finden in der Offenbarung nicht den „Vater“, Kapitel 14 ausgenommen, wo die 144.000 den Namen des Vaters auf ihren Stirnen geschrieben tragen. Man findet in diesem Buch wohl himmlische Freude und Segnung, aber genau genommen nicht die Gemeinschaft mit dem Vater. Es enthält die vollständige Beschreibung der Herrlichkeit und der Segnung, der Schönheit und der Heiligkeit, die Straßen von Gold und Glas und die Schilderung einer Menge von Dingen, die wir zu verstehen imstande sind, wenn wir Schriftwort mit Schriftwort vergleichen. Es wird darin die Hauptstadt der Herrschaft Gottes beschrieben, wo sich der Garten der Freude befindet, aber das ist ein Begriff, der sich vom Begriff der Beziehung des Sohnes zum Vater unterscheidet. Der eine umfasst die in Gott zugesicherte Freude, der andere den Schauplatz der Gemeinschaft mit dem Vater, und dies ist die höchste Segnung.

Die „Stätte“, wovon der Herr in Johannes 14 spricht, ist ein Platz in den Wohnungen des Hauses Seines Vaters. Sie ist nicht nur eine Stätte für den Hohenpriester, sondern auch für die Priester, „für euch“, sagt Jesus zu Seinen Jüngern, und „ich gehe hin, sie für euch zu bereiten“. Nicht von der Ortsangabe des Vaterhauses ist hier die Rede, sondern vom Hause selbst. Wir wissen in Wirklichkeit nichts über den Ort, wo es sich befindet. In einem Sinne gibt es für Gott weder Ort noch Zeit, aber wir reden als Menschen. Gott ist der „Ich bin“, der, welcher in Sich Selbst besteht. Aber alle diese himmlischen Örter sind eine große Wirklichkeit, wenn es um die Frage der sittlichen Beziehung geht. Der Himmel oder die himmlischen Örter sind der Platz, wo sich unsere Segnungen befinden; dies will einfach sagen, dass sie nicht auf der Erde sind. Wir werden zuerst in die Luft entrückt, um mit dem Herrn zusammenzutreffen, und dann werden wir in das Haus des Vaters einziehen. Dann handelt es sich für uns nicht mehr um die Himmel, denn „das Haus des Vaters“ ist der höchste Begriff, den wir davon haben können.


Originaltitel: „Der Himmel, das Paradies und das Vaterhaus“
aus der Monatsschrift Halte fest, 1965, S. 358–361
mit freundlicher Genehmigung des Beröa-Verlages, Zürich

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