Verwandlung durch Anschauen der Herrlichkeit Christi
2. Korinther 3,18

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 07.01.2003, aktualisiert: 03.10.2016

Leitvers: 2. Korinther 3,18

2Kor 3,18: Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bilde von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.

Die Herrlichkeit des Herrn, wie sie auf dem Angesicht Mose gesehen wurde, erschreckte das Volk; es vermochte diese Herrlichkeit nicht zu ertragen. Aber wir sehen sie jetzt mit offenem, „aufgedecktem Angesicht“ in Christus (2Kor 3,18), und zwar ohne im Geringsten erschreckt zu sein; wir finden vielmehr Freiheit, Trost und Freude in dem Anschauen derselben. Wir schauen sie an, und anstatt uns zu fürchten, freuen wir uns. Woher kommt dieser gewaltige Unterschied? 

Es ist jetzt „der Dienst des Geistes“ und „der Dienst der Gerechtigkeit“ (2Kor 3,8.9). Ich sehe einen lebenden Christus in der Herrlichkeit droben, nicht einen Christus auf der Erde (so groß es ist, Ihn auch als solchen zu betrachten), sondern einen Christus zur Rechten Gottes, mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt. Und obwohl jene Herrlichkeit in den Himmeln ist, so kann ich sie doch unverrückt anschauen. Alle diese Herrlichkeit – und Christus befindet sich inmitten der Herrlichkeit und der Majestät des Thrones Gottes – flößt mir weder Furcht noch Schrecken ein, und zwar infolge der bewunderungswürdigen Tatsache, dass diese Herrlichkeit Gottes mir jetzt von dem Angesicht eines Menschen entgegenstrahlt, der meine Sünden hinweggetan hat und zum Beweise dafür dort ist (Heb 1,3). Einst hätte ich auch alle Ursache gehabt, vor der Stimme Gottes zu erschrecken und mit Israel zu sagen: „Lass Gott nicht mit mir reden!“, oder gleich Adam mit einem schuldigen Gewissen mich vor dem Angesicht Gottes zu verbergen (2Mo 20,19; 1Mo 3,8). Aber ich rede jetzt nicht mehr so. Ich sage im Gegenteil: Lass mich seine Stimme hören! – Und weshalb? Weil ich jetzt die Herrlichkeit Christi nicht betrachten kann, ohne zu wissen, dass ich errettet bin. 

Doch wie ist Christus in jene Herrlichkeit gekommen? Er ist ein Mensch, der sich hier mit Zöllnern und Sündern beschäftigte, der ihr Freund war und sie zu seinen Gefährten machte; Er ist ein Mensch, der den Zorn Gottes wider die Sünde erduldete und meine Sünden an seinem Leib auf dem Holz trug. Er ist dort als der, der inmitten der Umstände und Schwierigkeiten hier seinen Weg ging und dem die Sünde zugerechnet wurde; und doch sehe ich gerade in seinem Angesicht die Herrlichkeit Gottes. Ich sehe Ihn dort, weil Er die Sünde hinweggetan und das Werk der Erlösung vollbracht hat.

Ich könnte Christus unmöglich in der Herrlichkeit sehen, wenn noch ein Flecken von Sünde zurückgeblieben wäre. Je mehr ich von der Herrlichkeit sehe, desto mehr erkenne ich die Vollkommenheit des Werkes, das Christus vollbracht hat, und der Gerechtigkeit, in der ich angenommen bin. Jeder Strahl jener Herrlichkeit wird in dem Angesicht dessen erblickt, der meine Sünden auf sich genommen hat und auf dem Kreuz für dieselben gestorben ist, des Einen, der Gott auf der Erde verherrlicht und das Werk vollendet hat, das der Vater Ihm zu tun gegeben hatte. Die Herrlichkeit, die ich sehe, ist die Herrlichkeit der Erlösung. Nachdem Jesus in Betreff der Sünde Gott vollkommen verherrlicht hatte – Er konnte sagen: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte“ –, hat Gott Ihn bei sich selbst mit der Herrlichkeit verherrlicht, die Er bei Ihm hatte, ehe die Welt war (Joh 17,5). Wenn ich Ihn in jener Herrlichkeit erblicke, so sehe ich, dass alle meine Sünden verschwunden sind. Ich habe meine Sünden auf den Mittler legen und sie gleichsam auf den Kopf Asasels (vgl. 3Mo 16) bekennen sehen, und sie sind weggetragen worden in ein ödes Land, um nie wieder zum Vorschein zu kommen. Gott ist so völlig in Betreff meiner Sünden durch das Werk Christi verherrlicht worden, dass gerade diese Verherrlichung Christi das Anrecht auf einen Platz zur Rechten Gottes gibt. Ich fürchte mich nicht, Christus dort anzuschauen.

Wo sind meine Sünden jetzt? Wo, im Himmel oder auf der Erde, sind sie zu finden? Einst waren sie auf dem Haupt des reinen, fleckenlosen Lammes Gottes, meines Herrn; aber jetzt sind sie verschwunden, um nie wieder gefunden zu werden. Wäre es ein toter Christus, wenn ich so reden darf, den ich dort erblickte, so könnte ich befürchten, dass meine Sünden noch einmal zum Vorschein kommen könnten; aber da ein lebendiger Christus sich in der Herrlichkeit befindet, so ist alles Suchen nach denselben vergeblich. Er, der sie alle getragen hat, ist zu dem Thron Gottes emporgehoben worden, und dort kann es keine Sünde geben. 

Als eine praktische Folge hiervon werde ich in sein Bild verwandelt. „Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist“ (2Kor 3,18). Der Heilige Geist, der von den Dingen Christi nimmt und sie der Seele offenbart, ist die Kraft unsrer gegenwärtigen praktischen Verwandlung in das Bild Christi. Ich erfreue mich an Christus, ich nähre mich von Ihm, und ich liebe Ihn. Der Heilige Geist bildet meine Seele Christi Jesu gemäß gerade dadurch, dass Er mir Ihn offenbart. Ich empfange nicht nur die Herrlichkeit als Gegenstand meiner Liebe; nein, ich liebe Christus selbst, ich bewundere Ihn, ich beschäftige mich mit Ihm und verlange nach Ihm; ich esse sein Fleisch und trinke sein Blut. Kann es da anders sein, als dass ich Ihm gleich werde? Der Christ wird auf diese Weise ein Brief Christi, der von allen Menschen gekannt und gelesen wird. Er redet von Christus, legt Zeugnis für Ihn ab, erkennt Christus als seinen Herrn an und arbeitet für Ihn. Er wünscht nicht, reich zu sein; er besitzt Reichtümer, unermessliche Reichtümer in Christus. Er verlangt nicht nach den Freuden und Vergnügungen dieser Welt; für ihn gibt es Fülle von Freuden und Lieblichkeiten zur Rechten Gottes immerdar.

Sagst du immer noch: Aber ich erblicke in mir diese Darstellung Christi nicht; ich kann nicht sehen, dass ich ein Brief Christi bin? Nun, mein Freund, so möchte ich fragen: Siehst du nicht Christus? Und ist das nicht weit besser, als dich selbst zu sehen? – Nicht das Blicken auf mich selbst, sondern das Anschauen Christi ist das von Gott bestimmte Mittel, um mich zu dem Bild Christi hinwachsen zu lassen. Nehmen wir an, ich hätte das Werk eines großen Künstlers nachzubilden. Wird mir dies wohl gelingen, wenn ich meine Augen stets auf meine Arbeit richte und mich in unaufhörlichen Klagen darüber ergehe, dass meine Versuche immer wieder fehlschlagen? Sicherlich nicht! Nein, wenn ich zum Ziel kommen will, so muss ich unverrückt meine Augen auf das Vorbild heften und Zug um Zug, Linie um Linie studieren und so nach und nach in den Geist des Künstlers und seines Werkes einzudringen suchen. Welch ein Trost liegt darin für uns! Der Heilige Geist hat meiner Seele einen verherrlichten Christus als die sichere Bürgschaft meiner Annahme von Seiten Gottes geoffenbart, und ich kann jetzt ohne Furcht und deshalb unverrückt, mit aufgedecktem Angesicht, jene Herrlichkeit anschauen, die mir von dem Antlitz Christi entgegenstrahlt, und mich ihres Glanzes erfreuen. Und auf diese Weise werde ich verwandelt (nicht: verwandle ich mich) nach demselben Bilde, als durch den Herrn, den Geist.

Werfen wir einen Blick auf Stephanus, als er vor seinen Anklägern stand (Apg 7). Voll des Heiligen Geistes, vermochte er unverwandt gen Himmel zu schauen – in seinem Falle geschah dies ohne Zweifel mit mehr als gewöhnlicher Kraft –, und „er sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus, stehend zur Rechten Gottes“; und sein Angesicht glänzte wie eines Engels Angesicht. Und als man ihn zur Stadt hinausführte, um ihn zu steinigen, da betete er gerade so, wie sein Herr und Meister es getan hatte, für seine Mörder. Er starb, mit den Worten auf seinen Lippen: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ Christus betete, ehe Er seinen Geist in die Hände des Vaters übergab: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ So sehen wir in Stephanus den Ausdruck der Liebe Christi für seine Feinde. Durch den Heiligen Geist wurde er in einer herrlichen und gesegneten Weise in dasselbe Bild verwandelt.

Die Seele, die in vollkommener Freiheit vor Gott ist, schaut voll Glück und Frieden die Herrlichkeit Gottes, wie sie in dem Angesicht Jesu Christi gesehen wird; und weil sie diese Herrlichkeit sieht und ihren Ausdruck kennt, so wandelt sie in heiligem Vertrauen vor Gott. Anstatt mit Satan in dieser Welt glücklich zu sein, fürchtet der Christ Satan, weil er sich selbst kennt. Er fühlt sich nur in der Gegenwart Gottes wirklich wohl, und indem er dort den Geist dessen in sich aufnimmt, was sich für die Gegenwart Gottes geziemt, wird er ein Brief Christi für die Welt, indem er vor allen kundwerden lässt, dass er dort war. Der Herr gebe, dass wir uns mehr und mehr Seiner rühmen, in dessen Antlitz alle diese Herrlichkeit entfaltet ist – des Lammes, das für uns gestorben ist und alle unsre Sünden durch sein kostbares Blut abgewaschen hat!

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