Gemeindegründung – heute noch?!
… versammelt auf der Grundlage des einen Leibes!

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 06.02.2014, aktualisiert: 10.09.2018

Leitverse: 1. Korinther 12,13; 1,12.13; 3,9-12; Matthäus 16,18; Epheser 2,19-22

1Kor 12,13: Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.

1Kor 1,12.13: Ich sage aber dies, dass jeder von euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber des Christus. Ist der Christus zerteilt?

Immer wieder hört oder liest man den Begriff „Gemeindegründung“. Ist das eigentlich ein glücklicher Ausdruck? Ich möchte nicht kleinkariert sein, aber impliziert dieser Gedanke nicht einen sehr unschriftgemäßen Gedanken und einen Fehler, der nach der Reformation leider immer wieder begangen wurde? Im Bauwesen wird statt von „Gründung“ auch oft von einem „Fundament“ gesprochen. Bei diesem Begriff würde sofort klarwerden, dass heutzutage keine Gemeinde mehr im wahrsten Sinne des Wortes gegründet werden kann. Das Fundament ist längst gelegt. Durch das Werk des Herrn Jesus am Kreuz konnte die Gemeinde zu Pfingsten gegründet werden. Das ist die einzig schriftgemäße Art und Weise, das Wort „Gemeindegründung“ zu gebrauchen: im Zusammenhang mit dem Pfingstereignis.

Warum ist das so wichtig? Sind das nicht nur Wortspielereien? Nein, das sind keine Wortspielereien. Warum gibt es heute so viele Kirchen und Gemeinden? Die Heilige Schrift kennt lediglich eine Gemeinde/Kirche/Versammlung. Die große Tragik unserer Zeit ist es gerade, dass dieser Gedanke von vielen Christen nicht gesehen wird, oder wenn er gesehen wird, dann hält man diesen Gedanken nur für theoretisch wertvoll, ohne dass er eine praktische Konsequenz hätte – als ob irgendeine biblische Lehre nur etwas für unseren Verstand wäre! Das wäre in der Tat dann lediglich ein Hirngespinst. Vielen Christen kann man es noch nicht einmal verübeln, wenn sie von „Gemeindegründung“ oder mehreren „Kirchen“ sprechen, weil sie mit diesen Begriffen so sehr vertraut sind. Aber auch wenn Millionen von Christen diese Begriffe benutzen, so müssen sie dennoch nicht der Heiligen Schrift entstammen. Als Luther die Rechtfertigung aus Glauben verkündigte, war er damit zuerst auch sehr allein – es hätte ihm fast das Leben gekostet.

Sobald wir unserer „Kirche“, unserer „Gemeinde“ einen Namen geben, haben wir uns praktisch von anderen Christen distanziert. Meist kommt dann noch eine spezielle Mitgliedschaft in der jeweiligen Kirche dazu, und so baut man Mauern auf, die die Heilige Schrift nicht kennt. Dann können Menschen zwar theoretisch Mitglied einer Kirche, aber gar nicht wiedergeboren sein. Andere sind tatsächlich wiedergeboren, sind aber nicht Mitglied dieser oder jener Kirche. Was für ein Durcheinander!

Dabei könnte es von der Bibel her nicht einfacher sein:

1Kor 12,13: Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden).

Der Heilige Geist hat die Gläubigen am Pfingsttag zu einem Leib getauft, und immer wenn jemand zum Glauben an den Herrn Jesus Christus kommt und den Heiligen Geist empfängt, wird er dem Leib Christi, das heißt der Kirche/Gemeinde/Versammlung hinzugefügt – die Auswirkungen von Pfingsten treffen heute jeden, der an Christus glaubt und mit dem Heiligen Geist versiegelt wird (vgl. Eph 1,13).

Es gibt nur einen Leib, nur eine Versammlung, nur ein Haus Gottes, nur eine Braut, nur eine Herde und nur einen Tempel Gottes in der heutigen Zeit.

Sobald wir beginnen, unserer Gruppe einen eigenständigen Namen zu geben oder neben der Gliedschaft am Leib Christi eine eigene Mitgliedschaft einzuführen, bauen wir eine Einheit auf, die entweder kleiner ist als der eine Leib Christi oder gar weiter geht als der Leib Christi, indem auch Ungläubige Mitglied unserer Benennung werden können – sie gehören dann zwar zu dieser oder jener Kirche, weil sie dort Mitglied geworden sind, aber sie gehören tatsächlich nicht zum Leib Christi oder zu dem was Gott Kirche/Gemeinde oder Versammlung nennt. Man unterläuft den Gedanken des einen Leibes und gibt die Einheit, die der Geist zu Pfingsten geschaffen hat, auf, und wenn man sie vielleicht der Lehre nach noch festhält, dann verwässert man sie jedenfalls.

Irgendwie erkennt man das Dilemma dann am Ende doch, und so beginnt man, eine Ökumene- und Allianzbewegung ins Leben zu rufen, wo man versucht, nicht zuerst wiedergeborene Kinder Gottes zu vereinigen, sondern verschiedene Gemeinden und Kirchen – so etwas ist der Heiligen Schrift völlig fremd. Und so ist das Durcheinander perfekt. Es werden hier keine Beweggründe beurteilt, die mögen in vielen Fällen sehr edel und gut sein, aber das ändert nichts daran, dass man sich von der Heiligen Schrift immer weiter wegbewegt.

Was kann uns denn in dieser Situation helfen? Diese Entwicklungen hält man ja schließlich nicht mehr auf. Gibt es denn keine Hilfsmittel? Müssen wir diese Situation einfach in Kauf nehmen und dem Herrn unser Versagen bekennen und dann so weitermachen wie bisher?

Nein, wenn Gott uns in der Bibel einen Weg zeigt, wie Er sich Gemeinde vorgestellt hat, dann wird Er uns auch einen Weg zeigen, den wir gehen können – und sei es auch nur mit den zwei oder drei, die der Herr Jesus um sich versammelt, um in ihrer Mitte zu sein (Mt 18,20). Dazu wird es wichtig sein, dass wir uns darüber klarwerden, was die Gemeinde in Gottes Augen ist und welche Grundlage des Versammelns Gott anerkennt. Das kann in diesem Artikel nicht im Einzelnen besprochen werden, dazu gibt es aber viele Artikel auf dieser Internetpräsenz.

Aber im Prinzip ist das auch gar nicht so schwer, zumindest was die Grundsätze angeht. Wenn wir einmal verstanden haben, dass es nur eine Gemeinde gibt, dann werden wir uns nicht einer Gemeinde anschließen, die nicht auf dem Fundament des einen Leibes steht. Wann steht eine Gemeinde nicht mehr auf dem sicheren Fundament des einen Leibes? Wenn sie eine Mitgliedschaft neben der Gliedschaft am Leib Christi einführt oder wenn sie sich einen speziellen Namen gibt. Manche mögen in ihrem Namen bereits angeben, welche spezielle Lehrmeinung sie vertreten, und diese könnte theoretisch sogar sehr schriftgemäß sein. Aber wenn wir eine bestimmte Lehrmeinung zur Grundlage unseres Versammelns machen, um in der eigenen Gruppe Mitglied zu sein und an allen Vorrechten teilhaben zu können, dann führt man etwas ein, was die Heilige Schrift nicht kennt. Ob man will oder nicht, man „gründet“ wirklich eine neue Gemeinde, nur leider nicht mit dem Segen des Herrn, denn man baut an dem vorbei, was der Herr Jesus baut. Aber selbst wenn wir uns keinen Namen geben und keine Mitgliedschaft einführen, jedoch geliebte Kinder Gottes von den Vorrechten der Christen (z.B. Abendmahl) ausschließen, obwohl sie wiedergeboren sind, außerdem keine fundamentale Irrlehre vertreten, nicht in moralisch Bösem leben und auch keine gleichgültigen Verbindungen mit Irrlehren und mit moralisch Bösem haben – dann haben wir die Grundlage des einen Leibes verlassen.

Oft wird gesagt: Die Mitgliedschaft bei uns hat eigentlich kaum eine Bedeutung. – Hat sie wirklich kaum eine Bedeutung? Um nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht um die Mitgliedschaft an sich, sondern um das, was mit der Mitgliedschaft verbunden wird. Stellen wir uns vor [und mir ist ein ähnlicher Fall bekannt!], dass jemand jahrein jahraus zu einer Gruppe von Christen kommt, wo man Mitglied werden muss, um dazuzugehören. Jener hat offensichtlich eine Gabe vom Herrn empfangen, sorgt sich sogar um die Nöte der Geschwister in dieser Gruppe, möchte aber um des Gewissens willen nicht Mitglied werden. Wir sind hoffentlich alle der Ansicht, dass man keine weitere Mitgliedschaft braucht, um der Gemeinde Gottes zu dienen. Aber dürfte jener einen Predigtdienst übernehmen, am Ältestenkreis, Leitungskreis, an der Brüderstunde oder was auch immer teilnehmen (vielleicht geht es aber auch nur um die Jugend- oder Kinderstunde)? Wenn nein, warum nicht? Vielleicht darf er auch erst dann am Abendmahl teilnehmen, wenn er Mitglied jener Gruppe geworden ist. Warum darf so jemand nicht an diesen Vorrechten der Gemeinde teilnehmen? Weil er nicht Mitglied ist? Wenn das so ist, dann hat die Mitgliedschaft wohl doch eine größere Bedeutung, als man selber wahrhaben will. Immer dann, wenn man die christlichen Vorrechte und Pflichten nur bei einer zusätzlichen örtlichen Mitgliedschaft ausüben oder daran teilhaben darf, wird neben der Gliedschaft am Leib Christi ein weiterer engerer Kreis von Gläubigen eingeführt (ein Kreis, der enger ist als der Leib Christi). Die Gliedschaft am Leib Christi muss reichen, damit ein Gläubiger an allen Vorrechten teilhaben kann. Möglicherweise argumentiert man weiter, dass eine zusätzliche örtliche Mitgliedschaft doch etwas verbindlicher wäre. Wirklich? Ist eine extra Mitgliedschaft wirklich verbindlicher als die Gliedschaft am Leib Christi? Das ist doch alles sehr unverständlich und mit dem Wort Gottes nicht in Übereinstimmung zu bringen. Wir sollten alles vermeiden, was den Eindruck erwecken könnte, dass es mehr als eine Kirche/Gemeinde/Versammlung gibt. Selbst wenn es gut gemeint ist, aber wir wollen bedenken, dass viele unbiblische Dinge in der christlichen Kirche Platz gefunden haben, weil sie im Ursprung „gut gemeint“ waren.

Am Ortseingang stehen oft Hinweisschilder mit Informationen, welche Kirchen und Freikirchen man im Ort besuchen kann. Im Orts- oder Stadtanzeiger gibt es eine Rubrik „Kirchen und Gemeinden“, und jeder unbedarfte Leser geht davon aus, dass es in Gottes Sinn sein könnte, dass es mehr als eine Kirche oder Gemeinde geben könne. Dabei ist dies doch nur ein Zeugnis der Verwirrung, des Durcheinanders und des traurigen Zustandes in der Christenheit. Man könnte natürlich denken: Was macht es schon aus, wir können den Verfall nicht aufhalten, so schreiben wir uns mit „unserer Gemeinde“ auch noch unter diese Rubrik im Stadtanzeiger ein. – Aber ist das wirklich der Wille des Herrn? Ist das „der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes“ (Röm 12,2)? Wollen wir nicht lieber unerkannt bleiben, bevor wir einem falschen Gedanken weiter Raum geben, der im krassen Widerspruch zu Gottes Wort steht?

Es ist erstaunlich, dass es im 19. Jahrhundert eine Bewegung gab (und, nebenbei bemerkt, es geht mir nicht um eine Glorifizierung dieser Bewegung; dafür gibt es wirklich keinen Grund), die genau diese Grundsätze (besonders in ihren Anfängen) verstanden hat. Es waren Menschen, die in ihren Kirchen und Gemeinden wie hinter Mauern saßen und traurig darüber waren, dass sie, obwohl sie treue Kinder Gottes waren, keine christliche Gemeinschaft miteinander haben konnten, jedenfalls nicht, was den Gottesdienst anbelangte und das Teilhaben an allen christlichen Vorrechten als Gemeinde.

Als sie ihre Kirchen und Gemeinden verließen, wollten sie eines auf gar keinen Fall: eine neue Kirche oder Gemeinde gründen. Sie schrieben sich nicht das Wort „Gemeindegründung“ auf die Fahne, sondern sie studierten die Schrift und fanden, dass der Grund längst gelegt war und dass man allein auf der Grundlage des einen Leibes als Christen zusammenkommen müsse. C.H. Mackintosh schrieb damals:

Wo findet sich denn heute der wahre Ausdruck dieser Versammlung Gottes? Wir antworten darauf: Wo zwei oder drei im Namen des Herrn Jesus versammelt sind. Wo Christus der wahre Mittelpunkt des Zusammenkommens ist; wo der eine Leib die Grundlage ist; wo der Heilige Geist die Leitung hat; wo die Heilige Schrift die alleinige Autorität ist und wo Heiligkeit in der Praxis aufrechterhalten wird.

So war es auch bei den ersten Christen. An den verschiedenen Orten entstanden keine neuen Kirchen oder Gemeinden, sondern man versammelte sich auf der Grundlage des einen Leibes, der am Pfingsttag ins Leben gerufen wurde – nicht ein einziges Mal wird uns in der Bibel berichtet, dass eine neue Gemeinde gegründet wurde. Man wollte zu nichts weiterem gehören als zu dieser einen Gemeinde oder Versammlung, die zu Pfingsten entstanden war. So konnte der Apostel Paulus den Korinthern schreiben: „Ihr aber seid Christi Leib“ (1Kor 12,27). Beachten wir es gut, dass vor „Christi Leib“ kein Artikel steht; sie waren eben nicht „der Leib Christi“, sondern einfach „Christi Leib“. Sie bildeten keine neue Einheit, sondern brachten einfach durch ihr ganzes Verhalten zum Ausdruck, dass sie Glieder des einen Leibes Jesu Christi waren (Vgl. 1Kor 12).

Jene Gläubigen im 19. Jahrhundert erkannten weiterhin, dass sie noch lange nicht „die Gemeinde“ am Ort waren – selbst wenn sie sich auf der Grundlage des einen Leibes versammeln würden. Sie waren sich durchaus bewusst, dass es am Ort nur eine Gemeinde gibt, und zwar jene, die aus allen wiedergeborenen Kindern Gottes an dem jeweiligen Ort besteht. Wenn sie dann auf diese sehr einfache Weise zusammenkamen, konnten sie auf dieser Grundlage alle wahren Kinder Gottes mit einem guten Wandel empfangen. Es gab keine selbsterdachten Trennwände mehr, keine sonderbaren und eigenwilligen Namen, keine selbstgemachte Einheit in der Einheit und auch keine Mitgliedschaft, außer jener Gliedschaft am Leib Christi.

Wenn wir das ehrlich anhand des Wortes Gottes überdenken und versuchen, zweitausend Jahre Kirchengeschichte einmal für einen Moment auszublenden und nur Gottes Wort reden zu lassen – müssten wir dann nicht zu dem Ergebnis kommen, dass der Herr diesen Christen im 19. Jahrhundert wirklich etwas wieder geschenkt hat, was bis dahin verschütt gegangen war? Und wenn das so ist und wir merken, dass wir von diesen Grundsätzen abgewichen sind, von Grundsätzen, die nicht auf diese Gruppe Christen aus dem 19. Jahrhundert zurückgehen, sondern bis auf die Zeit der Apostel und Propheten, ja bis auf den Felsen Christus selbst – sollten wir dann nicht unsere eigene Praxis überdenken und der Stimme des Herrn folgen? Vielleicht hat der eine oder andere Leser noch nie so darüber nachgedacht; was ist dann deine Antwort? Vielleicht bist du sogar in einer Gruppe von Christen groß geworden, die auf dem Papier aus dieser Bewegung des 19. Jahrhunderts entstammt, und nun siehst du, dass neue Mauern aufgerichtet wurden, die treue Kinder Gottes voneinander trennen. Vielleicht bist du auch schon auf dem Weg, diese Gedanken aus dem 19. Jahrhundert wieder fahren zu lassen – dann ziehe doch heute die Notbremse und reiße dir nicht das Fundament, auf dem du stehst, unter den Füßen weg.

Meinst du immer noch, dass das Wort „Gemeindegründung“ (so gut es auch gemeint sein sollte) ein guter Ausdruck dafür ist, wenn eine Gruppe von Christen damit beginnt, sich zu versammeln, um in der Gegenwart des Herrn Jesus zu sein? Wird durch dieses Wort nicht ein ganz falscher Eindruck erweckt, nämlich dass es möglich wäre, neben anderen bereits bestehenden Gemeinden eine weitere Gemeinde zu gründen? Geben wir doch nicht dem falschen Gedanken Raum, dass es mehr als eine Gemeinde geben könnte (so wie es in weiten Teilen der Christenheit als normal vorausgesetzt wird)!

Vielleicht wendest du auch ein: Aber der Begriff „Gemeindegründung“ soll doch nur bedeuten, dass man nun auch an diesem oder jenem Ort als Gemeinde zusammenkommt. – Ja, aber warum nennt man es denn dann nicht so? Warum beginnt man dann nicht, an einem Ort das Evangelium zu verkündigen, und versammelt sich dann einfach als Kinder Gottes, wenn Menschen zum Glauben kommen? Warum will man unbedingt etwas gründen, was längst gegründet ist? Gibt es denn keine biblischen Ausdrücke, die man verwenden könnte? Diese gibt es sehr wohl:

Mt 16,18: und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen …

1Kor 3,9-12:
Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; Gottes Ackerfeld, Gottes Bau seid ihr. Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf; ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund baut

Eph 2,19-22: Also seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.

Es geht also weniger um „Gemeindegründung“, sondern vielmehr um „Gemeindebau“. Wir legen keinen neuen Grund, auch örtlich nicht, sondern wir bauen an etwas weiter, was längst vorhanden ist. Die Ortsgemeinde hat im Übrigen keine ewigen Verheißungen. Eine Ortsgemeinde besteht lediglich auf der Erde, im Himmel gibt es keine Ortsgemeinden mehr. Und so versammeln wir uns schon heute, nicht in erster Linie als Ortsgemeinde, sondern im Blick auf den einen Leib, das eine Haus, den einen Tempel, die eine Herde und die eine Braut.

Wenn man dann so schlicht als Kinder Gottes zusammenkommt – warum will man also, neben der Gliedschaft am Leib Christi, noch eine weitere Mitgliedschaft einführen? Warum will man sich einen Namen geben, der einen von anderen unterscheidet? Was ist einzuwenden gegen den einfachen Begriff „Versammlung“ oder „Gemeinde“, wie die Schrift es nennt? Wird der eigene Name deiner Gruppe dich nicht in die Unabhängigkeit von anderen treiben, obwohl die Schrift sagt, dass wir alle Glieder eines Leibes sind?

Wenn wir uns an einem Ort neu versammeln wollen und entdecken, dass andere sich bereits auf der Grundlage des einen Leibes dort versammeln, dann sollte man miteinander reden, ob es nicht einen gemeinsamen Weg als Kinder Gottes gibt – das sind wir der Tatsache des einen Leibes und der einen Gemeinde schuldig. Man kann heute oft beobachten, dass man einfach an einem Ort eine Gemeinde gründet, ohne mit denen gesprochen zu haben, die sich bereits an diesem Ort versammeln. Das zeigt, dass man nicht verstanden hat, dass Gott nur eine Gemeinde kennt und dass Ihm die Einheit der Gemeinde überaus wichtig ist. Es ist ein Missachten dessen, was der Geist Gottes zuvor bereits gewirkt hat, und es ist nichts anderes als Unabhängigkeit, die die Wahrheit von dem einen Leib leugnet. Wenn es irgend geht, sollten wir einen gemeinsamen Weg der Gläubigen an einem Ort anstreben und kein neues Zusammenkommen aufrichten. Wenn sich Fragen über die Gestaltung der Zusammenkünfte ergeben, die unserem Verständnis über die schriftgemäßen Grundsätze des Versammelns widersprechen (z.B. Beteiligung von Frauen, Einschränkung der Freiheit des Geistes), und es nicht möglich ist sie zu klären, dann kann es unumgänglich sein, räumlich unterschiedliche Wege zu gehen, aber dies sollte man zuvor in Gesprächen herausfinden.

In diesem Artikel wurden viele Bibelstellen vorausgesetzt. Wer über die Materie der Bedeutung und das Wesen der Versammlung oder Gemeinde Gottes noch nicht so viel nachgedacht hat, findet auf unserer Internetseite viele weiterführende Artikel. Natürlich kann im Rahmen dieses Artikels nicht darauf eingegangen werden, dass es auch Hindernisse der Gemeinschaft unter Kindern Gottes geben kann; auch zu diesem Thema findet man etliche Artikel auf unserer Webpräsenz. Mit diesem Artikel wollen wir niemand zu nahe treten, der diesen Ausdruck bisher im besten Wissen und Gewissen gebraucht hat – wir kennen viele vorbildliche Christen, die dies tun; aber vielleicht kann dieser Artikel für den einen oder anderen ein Gedankenanstoß sein.

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