Frage: Was bedeutet es für uns, dass die Gläubigen in Korinth nicht an Opfermahlzeiten teilnehmen durften?
1. Korinther 10,14ff.

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 30.05.2001, aktualisiert: 13.09.2018

Leitverse: 1. Korinther 10,21.25

1Kor 10,21.25: Ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein und des Dämonen-Tisches. … Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne zu untersuchen um des Gewissens willen.

Fragenbeantwortung zum Artikel
Gemeindebau „heute“ (1985) – 2. Timotheus 2

Frage 4

Wir haben gesehen, dass die Gläubigen von dem Fleischmarkt kaufen durften, ohne sich Sorgen zu machen, aber nicht am Altar an den Götzenmahlzeiten teilnehmen durften. Was ist die Bedeutung für uns?

Antwort

Ich habe schon gesagt, dass wir das nicht buchstäblich anwenden können, weil wir mit solchen Götzenmahlzeiten nichts zu tun haben. Aber es zeigt uns in der moralischen Bedeutung, dass auch wir, indem wir uns mit gewissen Dingen, die an sich unschuldig erscheinen, einsmachen, mit bösen Dingen, die dahinterstecken, in Verbindung kommen. Dieses Beispiel zeigt uns ganz klar den Unterschied. Paulus sagt uns, wenn wir versuchen würden, überhaupt nicht mit irgendeiner Unreinigkeit oder unreinen Personen in Berührung zu kommen, dann können wir besser diese Welt verlassen (1Kor 5,9.10).

Wenn man Fleisch essen will – Gott hat es uns erlaubt –, konnte man es damals in diesen heidnischen Städten nur auf dem Fleischmarkt kaufen. Kein Problem. Der Unterschied liegt im Essen vom Fleischmarkt und der Teilnahme an solch einer Opfermahlzeit. Ich wüsste heute keine praktischen Beispiele dafür zu nennen, obwohl wir, wenn wir das ganz buchstäblich in der Dämonie auf viele okkulte Dinge anwenden, die wir heute haben, dann haben wir beide Extreme. Manche meinen: „Okkulte Dinge machen uns nichts aus. Wir sind doch Gläubige. Uns kann nichts passieren.“ Ich weiß von solch einem Christen, der mit dieser Ansicht in einen asiatischen Götzentempel hineinging, weil er zeigen wollte, wie viel Kraft er hatte. Er hat aber keine Kraft in sich selbst. Nur im Herrn hat er Kraft, aber der Herr war bestimmt nicht mit ihm. Er hat schreckliche Folgen erlitten, indem er sich so hochmütig der Kraft des Feindes ausgesetzt hat. Das ist die eine Gefahr, dass Christen diese Kräfte unterschätzen.

Die andere Gefahr ist, dass sie ins andere Extrem verfallen, überall Dämonen sehen und kaum noch einen Fuß außerhalb des Hauses setzen wollen. Die Gefahr ist, dass wir vergessen, dass wir ohne Sorge auf dem Fleischmarkt kaufen dürfen, wie es in 1. Korinther 10 heißt. Das gilt auch für andere Dinge, die man heute kaufen kann. Manche meinen, das kann gefährlich sein, man weiß nicht, was dahintersteckt. Paulus zieht hier eine gerade Linie. Wir haben in Holland gewisse Kuchen, die Abbildungen sind. Man hat mir erzählt, dass diese Abbildungen auf Götzen in ganz früher Zeit zurückgehen. Es sind ganz alte Abbildungen. Das Gift ist schon längst weg. Man kann die Kuchen ruhig essen, ohne dass man Angst haben muss, okkult zu werden. Manche Gläubige gehen so weit, überall okkulte Dinge zu sehen.

Beide Ansichten sind falsch. Satan möchte uns entweder glauben lassen, dass er nicht existiert oder dass er in jeder Ecke steht. In beiden Fällen hat er uns, wo er uns haben will.

Auf das Zusammenkommen angewendet heißt das: Man kann nicht teilnehmen am Tisch des Herrn und zu gleicher Zeit teilnehmen am Tisch, wo Bosheit zugelassen wird, wo man also diese Zucht nicht kennt, wo böse Lehre oder böser Wandel zugelassen wird. Man kann dies nicht vereinbaren. Aber wir dürfen nicht so weit gehen – das ist die Gefahr des Sektierertums –, dass wir so ängstlich sind, dass wir, solange einer nicht genauso denkt wie wir, Angst haben, mit ihm Gemeinschaft zu haben. Das ist die Grundlage jeder Sekte. Eine Sekte ist eine Gruppe von Menschen, die über alles gleich denken, sie benehmen sich gleich. Das ist natürlich angenehm für das Fleisch, aber geistlich ist es nicht. So kann man also diesen Grundsatz in dieser Hinsicht anwenden: Sektierertum ist falsche Ängstlichkeit. Die andere Gefahr ist, in den Götzentempel zu gehen oder, für uns jetzt, zu einem bösen Tisch, wo keine Zucht ist und Bosheit zugelassen wird.

Weitere Fragen

Frage 1a

Die erste Frage ist zu 1. Korinther 10 und Matthäus 18: „Kann es eine genau begrenzte und bekannte Zahl von Versammlungen geben, von der gesagt wird: Dort ist der Tisch des Herrn und nirgendwo sonst?“

Frage 1b

Inwieweit ist die Gegenwart des Herrn nach Matthaus 18 in der Mitte eines Zusammenkommens von Gläubigen von der Anerkennung anderer Geschwister bzw. Versammlungen abhängig?

Frage 2

Apostelgeschichte 2,46: „… und zu Hause das Brot brachen.“ Fand das Brechen des Brotes hier im Hause eines Gläubigen statt und nicht in einem eigens dafür eingerichteten Versammlungsraum? Könnte man sich auch heute noch in den Wohnungen einzelner Gläubiger zum Brechen des Brotes versammeln?

Frage 3

Goldene und silberne Gefäße sind Christen. Besteht ein Unterschied zwischen ihnen? Sind goldene Gefäße besser?

Frage 4

Wir haben gesehen, dass die Gläubigen von dem Fleischmarkt kaufen durften, ohne sich Sorgen zu machen, aber nicht am Altar an den Götzenmahlzeiten teilnehmen durften. Was ist die Bedeutung für uns?

Frage 5

Ich habe kürzlich, mit Berufung auf 2. Korinther 2,6 (Fußnote) gehört, dass für den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Heiligen nur eine Mehrheit, nicht aber alle Gläubigen der örtlichen Gemeinschaft nötig sind. Ist diese Auffassung richtig oder nicht?

Frage 6

Wie sieht praktisch der Maßstab aus, Ungerechtigkeit zu erkennen? Wie darf hierzu die Stelle aus dem Thessalonicherbrief eingeordnet werden (Abwenden von denen, die unordentlich wandeln; 2. Thessalonicher 3,6)?

Frage 7

Noch ganz kurz eine Frage: Es gibt ja viele Kreise, die ineinander keine Abhängigkeit zeigen und deren Mitglieder sich auch nicht um andere kümmern. Wie soll man sich verhalten, wenn zwei Straßen weiter von einer Versammlung eine Baptistengemeinde ist, aber es gibt keinen Kontakt?

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