Bibelstudium und Parallelstellen

William Kelly

© EPV, online seit: 19.04.2005, aktualisiert: 08.08.2016

Zweimal benutzt der Heilige Geist in den Briefen des Paulus den Ausdruck „ein wenig Sauerteig“ (1Kor 5,6; Gal 5,9); aber wir würden nicht gut daran tun, daraus den Schluss zu ziehen, dass es sich hierbei um Parallelstellen handelt. Obwohl die beiden Stellen gemeinsame Charakterzüge aufweisen, hat doch jede ihre eigene Bedeutung. Ich möchte generell sehr davor warnen, solche und ähnliche Stellen einfach als Parallelstellen zusammenzuwerfen, anstatt zu versuchen, die darin enthaltenen Unterschiede festzustellen. Wahre Weisheit offenbart sich bekanntlich nicht darin, dass man sich bemüht, in verschiedenartigen Dingen Ähnlichkeiten zu entdecken, sondern in der Auffindung ihrer wesentlichen Unterschiede bei äußerlicher Ähnlichkeit. Was wir brauchen, ist die Förderung eines gesunden Urteilsvermögens. Das bekommen wir jedoch nie, wenn wir immer sogenannte Parallelstellen aufspüren wollen. Diese Gewohnheit wirkt sich im Gegenteil negativ auf das Verständnis des Wortes Gottes aus. Ich glaube daher, dass es viel besser wäre, wenn solche Angaben und Hinweise in den Bibeln fortgelassen würden und die Leser gezwungen würden, das Wort für sich allein gründlich zu lesen und kennenzulernen. Ich sage damit nicht, dass eine Konkordanz oder ähnliche Hilfen abzulehnen sind. Aber der Bibeltext sollte ohne Zusätze gedruckt werden. Er ist dann viel reicher als mit solchen Hinzufügungen, die gewöhnlich irreführend sind, weil sie die tieferliegenden Unterschiede von mehr oder weniger gleichlautenden Ausdrücken verwischen. Die Kapitel- und Spaltenüberschriften sind oft weniger als wertlos. Sie bringen bestenfalls bloße menschliche Ansichten und sind eine Belastung für die Seiten des Buches, die nur das enthalten sollten, was göttlich ist.


Originaltitel: „Bibelstudium und Parallelstellen“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1985, S. 20–21
übersetzt aus The Bible Treasury, Jg. 16, 1886–87, S. 50


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