|
Leitverse:
1. Korinther 11,6.15
1Kor 11,6.15: Denn wenn eine Frau nicht
bedeckt ist, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber für eine Frau
schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten [keiro] oder sie geschoren
[xuaro] werde, so
lass sie sich bedecken. … wenn aber eine Frau
langes Haar [komä] hat, es eine Ehre für sie ist?
Inhalt
Einleitung
Schöpfungsordnung
Kulturabhängig?
Keinen Millimeter
abschneiden?
Was heißt „abgeschnitten“?
Was heißt „geschoren“?
Ergebnis der Wortstudie
Wörterbuchdefinition
„abgeschnitten“ = keiro
Hesekiel 44,20
Was bedeutet
„langes Haar“ in Vers 15?
Wörterbuchdefinition „langes
Haar“ = komä
Tut alles zur Ehre Gottes!
Die
oben genannte Bibelstelle ist
eine der wenigen, wo wir etwas über das Frauenhaar erfahren.
Oberflächlich gesehen müsste das doch die Thematik einfacher machen, so denkt
man. Und doch hat gerade diese Bibelstelle schon zu ganz unterschiedlichen
Ansichten und Praktiken geführt. Die einen wollen diese Stelle als
kulturabhängig und zeitbedingt abtun; die anderen wollen daraus ein Gebot
machen, dass die Frauen keinen Millimeter vom Haar abschneiden dürfen; und andere
wieder sehen in dem langen Frauenhaar eine von Gott vorgegebene Darstellung der
Schöpfungsordnung, die es zu berücksichtigen gilt. Jedenfalls scheint dieses
Thema nicht ohne Belang zu sein, sonst hätte der Heilige Geist es wohl nicht für
nötig erachtet, uns diese Verse mitzuteilen.
Zuerst müssen wir uns die
Frage stellen, warum Gott dieses Thema so wichtig war, dass Er uns seine Gedanken
mitgeteilt hat. Wir glauben, dass dieses Thema deshalb eine gewisse Bedeutung hat,
weil die Schöpfungsordnung Gottes aufrechterhalten werden sollte. Von jeher war
es nach Gottes Gedanken, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau gesehen
wurde. Das sollte unbedingt zuerst im Verhalten sichtbar werden, wobei natürlich
die Kleidung auch nicht davon ausgeschlossen ist. Ohne jetzt in die Tiefe zu
gehen, hatte Gott auch schon im Alten Testament dem Mann andere Aufgaben
zugedacht als der Frau. So finden wir das auch durchgängig im Neuen Testament.
So zeigt uns 1. Korinther 11, dass dies im rein äußerlichen Verhalten auch
sichtbar werden sollte, wie uns z.B. auch 1. Petrus 3 zeigt, dass dieser
Unterschied auch im Verhalten der Frau dem Mann gegenüber gesehen werden sollte.
Denken wir auch noch daran, dass Gott Mann und Frau schuf, dass Er der Schöpfer
ist. Alles war sehr gut, wie es uns die Bibel mehrfach in 1. Mose 1 berichtet.
Doch der paradiesische Zustand hielt nicht lange an, der Mensch übertrat das
einzige Gebot, das Gott ihm gegeben hatte. Die Frau verließ ihre Position, die Gott ihr
mit auf den Weg gegeben hatte, und ergriff zum falschen Zeitpunkt die Initiative,
indem sie auf den durch die Schlange sprechenden Gegenspieler Gottes hörte, und der
Mann — nicht besser als die Frau! — folgte ihr darin (s. 1Mo 3). Die Sünde
kam in die Welt, und es erfüllte sich genau das, was Gott dem Menschen
vorhergesagt hatte: „Aber von dem Baume der Erkenntnis
des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon
isst, wirst du gewisslich sterben.“ Seitdem ist nicht nur die Sünde und der
Tod in der Welt, sondern auch jegliche Bereitschaft im Menschen, sich den
Anordnungen Gottes zu widersetzen. Der Zustand des Menschen ist so hoffnungslos,
dass es in Römer 8,7 heißt: „… weil die Gesinnung des Fleisches [= des natürlichen
Menschen] Feindschaft ist gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht
untertan, denn sie vermag es auch nicht.“ In unserem Fall bedeutet dies
auch, dass eine Kultur ohne Gott — bewusst oder unbewusst — auch die
Schöpfungsordnung bezüglich Mann und Frau ins Gegenteil verkehren wird (auch hinsichtlich äußerer Dinge wie den Haaren). Der Mensch von seiner
natürlichen Veranlagung steht nicht mit Gott in Verbindung.
Die Bibel sagt
in Epheser 2,1-3:
Eph 2,1-3: … auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und
Sünden, … indem wir den Willen des Fleisches [= des natürlichen Menschen]
und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren, wie auch
die übrigen.
Aber der gleiche Brief zeigt uns die
Lösung und die Rettung vor diesem Eigenwillen und Zorn:
Eph 2,8: Denn durch die Gnade seid ihr errettet,
mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Oder wir denken
an:
Röm 6,23: Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes
aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn. Wenn wir an Christus
glauben und unsere Schuld (= ein
Leben ohne Gott gelebt zu haben) zu Ihm bringen, schenkt Er uns ein neues
Leben, eine neue Natur, mit der es möglich ist, die Anweisungen Gottes zu
verstehen und sie gerne zu unserer und seiner Freude auszuführen. Und dann sind
wir nicht mehr Kinder des Zorns, sondern Kinder Gottes, eines Gottes, der „so
sehr die Welt geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder,
der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh
3,16).
Wir wollen
zuerst sehen, ob das Argument, dieses Thema sei kulturabhängig, wirklich
stichhaltig ist und einer genauen Betrachtung standhält oder ob man bei diesem
Argument am Ende mehr Fragen als Antworten hat.
Der Heilige Geist hat in der Apostelgeschichte darauf hingewiesen, dass die
ersten Christen alles verkauften und auch alles zusammenlegten, und doch hält
man sich heute kaum noch an diese Handhabung. Man argumentiert zu Recht, dass
diese Handhabung zeitbedingt gewesen sei. Selbst der Apostel Paulus scheint den
Unterschied zwischen Reich und Arm völlig respektiert und auch als von
Gott zugelassen angesehen zu haben (1Tim 6,17). Aber kann man dies auch auf das
lange Frauenhaar anwenden? Können wir einfach sagen, dass es in der damaligen
Kultur einfach so war und dass man das heutige Frauenhaar eben auch an dem
entsprechenden Schnitt erkennen kann, wobei es dann möglich ist, dass die Haare
sehr kurz gehalten sind?
Wir
glauben, dass es zu einfach ist, 1. Korinther 11 mit dem Kulturargument aus der
Bibel auszuradieren. Und wir glauben weiter, dass wir dafür einen zu deutlichen
Hinweis gerade in diesem Abschnitt haben. In Vers 10 heißt es, dass die Frau ein
Zeichen der Macht auf Kopf haben sollte „um der Engel
willen“. Sollte die Kopftuchthematik oder auch die Lange-Haare-Thematik
wirklich kulturabhängig gewesen sein, dann würde der Vers 10 („um der Engel
willen“) keinen Sinn ergeben, denn es ist wohl kaum anzunehmen, dass Engel „kulturabhängige Wesen“ sind. Aus diesem eigentlich ganz simplen Grund
werden wir diesen Gedanken nicht weiter verfolgen. Wir haben im
Gegenteil den Eindruck, dass man sich Kapitel 11 oftmals entledigen möchte,
weil sein Inhalt heutzutage für manche Frauen recht problematisch ist.
Jedenfalls möchten wir dem Wort weder etwas wegnehmen noch etwas hinzufügen. Das
ist die heilige Verantwortung eines jeden Bibelauslegers, aber auch
Bibellesers.
Es sei jedoch auch noch auf
einen ganz bemerkenswerten Sachverhalt hingewiesen, der so nur im 1.
Korintherbrief zu beobachten ist, also gerade in dem Brief, der im Laufe der
Geschichte so sehr umstritten war und ist. So heißt es direkt im zweiten Vers: „… den berufenen Heiligen, samt allen, die an
jedem Ort den Namen unseres
Herrn Jesus Christus anrufen …“, und in Kapitel 4,17: „… gleichwie ich überall
in jeder Versammlung lehre …“, und in Kapitel 7,17: „… und also verordne ich
in allen Versammlungen …“, und in Kapitel 14,37 zum Thema „Schweigen der
Frauen“: „… was ich euch schreibe, dass es ein Gebot des Herrn ist …“, und
zuletzt in Kapitel 16,1: „… wie ich den Versammlungen von Galatien verordnet
habe, also tut auch ihr.“ Natürlich ist es wichtig, den jeweiligen
Zusammenhang gut zu beachten, aber will der Heilige Geist uns hier nicht etwas
mitteilen? Kann man nun wirklich dieses 11. Kapitel mit dem Argument „kulturabhängig“
beiseiterücken? Woher sollten wir wissen, dass das Brotbrechen, das ja im gleichen Kapitel von
Paulus bestätigt wird, dann nicht auch bloß „kulturabhängig“ war?
Nun
fordern andere, weil sie auch das Kulturargument ablehnen, die Frau dürfe aber
keinen Millimeter von den Haaren abschneiden. Jede Frau solle also ihr Haar „frei wachsen lassen“. Auch hier wollen wir uns wieder ganz eng an Gottes Wort
binden und nicht weiter gehen, als die Schrift uns sagt. Wir wissen um
Argumente, wo man über bestimmte Schlussfolgerungen zu dem Ergebnis kommen
könnte, dass die Frau wirklich keinen Millimeter vom Haar abschneiden sollte. Ein
Argument ist z.B. die Anwendung des Nasiräers, seine Stellung und Hingabe und
das damit verbundene Gebot, die Haare niemals zu schneiden. Dies ist jedoch
lediglich eine Anwendung, und an anderer Stelle haben wir schon darauf
hingewiesen, dass man Anwendungen niemals auf die gleiche Stufe mit der Lehre der
Schrift setzen darf und deshalb sehr behutsam damit umgehen muss. Dennoch
respektieren wir natürlich jede Frau, die dies so für sich aus der Schrift liest
und es aus Liebe zum Herrn auch so praktiziert. Aber wir wollen uns in der Folge
damit beschäftigen, was nun wirklich in 1. Korinther 11 steht.
Wir kommen
dabei nicht an einer etwas technischen Betrachtungsweise vorbei. Wir müssen
untersuchen, wo die Worte „abgeschnitten“ (griech. keiro) und „geschoren“ (griech. xuaro) noch im Neuen Testament vorkommen, um
ihre Bedeutung zu
erfassen. Jedenfalls könnte man nach der Elberfelder Übersetzung wirklich zu dem
Schluss kommen, dass eine Frau keinen Millimeter vom Haar abschneiden sollte, wenn
man das Wort „geschoren“ gleichsetzt mit „Haare komplett entfernen“ und dann
argumentiert, dass das Wort „abgeschnitten“ dann wohl bedeuten müsse, dass noch
etwas stehen bleibt von den Haaren. Bei einer genaueren Wortstudie wird
diese Schlussfolgerung jedoch eher fragwürdig.
Was
heißt „abgeschnitten“ (griech. keiro) wirklich und wo kommt dieses Wort im
Neuen und Alten Testament vor?
|
Vorkommen im NT |
Bedeutung |
|
Apostelgeschichte 8,32
Die Stelle der Schrift
aber, welche er las, war diese: „Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung
geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer [keiro],
also tut er seinen Mund nicht auf.“ |
scheren, geschoren |
|
Apostelgeschichte 18,18
Nachdem aber Paulus
noch viele Tage geblieben war, nahm er Abschied von den Brüdern und segelte
nach Syrien ab, und mit ihm Priscilla und Aquila, nachdem er zu Kenchreä das
Haupt geschoren [keiro] hatte, denn er hatte ein
Gelübde. |
scheren, geschoren |
|
1. Korinther 11,6 (2x)
Denn wenn eine Frau nicht bedeckt ist, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber
für ein Weib schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten [keiro] oder sie geschoren werde, so
lass sie sich bedecken. |
Mit „abschneiden“
übersetzt (im ersten Fall würde auch sehr gut das deutsche Wort „geschoren“
passen! Das würde den Unwillen des Paulus in dieser Stelle noch
unterstützen). |
Wir sehen
schon, dass eine Argumentation allein aus dem Neuen Testament sehr schwierig
werden würde, da es nur sehr wenige Stellen gibt, wo das gleiche Wort noch
einmal vorkommt. Jedoch halten wir fest, dass in den beiden Stellen — neben 1.
Korinther 11 — die Bedeutung beide Male „geschoren“ ist, was so viel bedeutet
wie „Haare komplett ab“.
Nun wissen
wir, dass das Alte Testament zum größten Teil in hebräischer Sprache geschrieben
wurde, so dass uns auch hier scheinbar keine Bibelstellen weiterhelfen werden.
Doch hatte die sog. Septuaginta [AT-Übersetzung in griechischer Sprache] bei den
Juden einen sehr hohen Stellenwert, so dass sogar der Herr Jesus einige Male
aus der Septuaginta zitiert. Also wollen wir auch einmal dort nachforschen, wo
das Wort keiro in der Septuaginta auftaucht:
|
Vorkommen im AT
(Septuaginta) |
Bedeutung |
|
1. Mose 31,19:
Und Laban war gegangen,
um seine Schafe zu scheren [keiro]; und Rahel stahl die
Teraphim, die ihr Vater hatte. |
scheren |
|
1. Mose 38,12:
Als der Tage viele
geworden, da starb die Tochter Schuas, die Frau Judas. Und als Juda
getröstet war, ging er zu seinen Schafscherern [keiro]
hinauf, er und Hira, sein Freund, der Adullamiter, nach Timna. |
scheren |
|
5. Mose 15,19:
Alles männliche
Erstgeborene, das unter deinen Rindern unter deinem Kleinvieh geboren wird,
sollst du Jahwe, deinem Gott, heiligen. Du sollst mit dem Erstgeborenen
deines Rindes nicht arbeiten, und du sollst das Erstgeborene deines
Kleinviehes nicht scheren [keiro]. |
scheren |
|
Hohelied 4,2:
Deine Zähne sind wie
eine Herde geschorener [keiro] Schafe, die aus
der Schwemme heraufkommen, welche allzumal Zwillinge gebären, und keines
unter ihnen ist unfruchtbar. |
geschoren |
|
Jesaja 53,7
Er wurde misshandelt,
aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamme, welches
zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern
[keiro]; und er tat seinen Mund nicht auf. |
scheren |
|
2. Samuel 14,26
Und wenn er sein
Haupt scheren ließ — es geschah nämlich von Jahr zu Jahr, dass er es
scheren [keiro] ließ, denn es war ihm zu schwer, und so ließ er es
scheren [keiro] —, so wog sein Haupthaar zweihundert Sekel, nach
dem Gewicht des Königs. |
scheren |
|
Hiob 1,20
Da stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und
schor [keiro] sein Haupt; und er fiel
zur Erde nieder und betete an. |
scheren |
|
Micha 1,16 (zweites
Wort; in Verbindung mit Glatze)
Mache dich kahl und schere [keiro] dich um der Kinder deiner Wonne willen, mache
deine Glatze breit wie die des Geiers; denn sie sind von dir hinweggeführt. |
scheren |
Wir sehen
aus dieser Vielzahl von Stellen, dass bei keinem Vorkommen daran gedacht wurde,
dass irgendetwas nur „ein wenig abschnitten“ wurde, sondern es immer
bedeutete, dass „alles abgeschnitten“ wurde. Also halten wir fest, dass man
allein aus dem Wort Gottes (ohne Schlussfolgerung) nicht zu der Erkenntnis kommt,
dass die Frau keinen Millimeter vom Haar abschneiden darf. Wir sagen damit nicht,
dass eine Frau verkehrt handelt, wenn sie keinen Millimeter vom Haar abschneidet.
Aber jedenfalls würde man verkehrt handeln, wenn man von einer Frau dies aufgrund von 1.
Korinther 11,6 verlangen würde. Das würde bedeuten, dem Wort etwas hinzufügen.
Was
heißt „geschoren“ (griech. xuaro) und wo kommt dieses Wort vor (im AT und
NT)?
Um jedoch
unsere Wortstudie zu vervollständigen, wollen wir auch noch sehen, an welchen
Stellen das zweite Wort „geschoren“ (griech. xuaro) sowohl im Neuen
Testament
wie auch in der Septuaginta vorkommt (wiewohl dieses Wort schon in der deutschen
Bedeutung eigentlich klar ist; es bedeutet: „alles ab“).
|
Vorkommen im NT |
Bedeutung |
|
Apostelgeschichte 21,24
Diese nimm zu dir und
reinige dich mit ihnen und trage die Kosten für sie, damit sie das Haupt
scheren [xuaro] lassen; und alle werden erkennen, dass nichts an
dem ist, was ihnen über dich berichtet worden, sondern dass du selbst auch in
der Beobachtung des Gesetzes wandelst. |
scheren; dieselbe
Handlung wie Apg 18,18 (s.o.) |
|
1. Korinther 11,5
Jede Frau aber, die
betet oder weissagt mit unbedecktem Haupte, entehrt ihr Haupt; denn es ist
ein und dasselbe, wie wenn sie geschoren [xuaro] wäre {w. sie ist … wie
die Geschorene}.
|
geschoren |
|
1. Korinther 11,6
Denn wenn eine Frau nicht bedeckt ist, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber
für ein Weib schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten oder sie
geschoren [xuaro] werde, so lass sie sich bedecken. |
geschoren |
|
Vorkommen im AT
(Septuaginta) |
Bedeutung |
|
1. Mose 41,14
Da sandte der Pharao
hin und ließ Joseph rufen; und sie ließen ihn eilends aus dem Kerker gehen.
Und er schor [xuaro] sich und wechselte seine Kleider
und kam zu dem Pharao. |
scheren |
|
3. Mose 13,33
… so soll er sich scheren [xuaro]; aber den Schorf soll er nicht scheren; und der Priester
schließe den, der den Schorf hat, zum zweiten Male sieben Tage ein.
|
scheren |
|
3. Mose 14,8
Und der zu reinigen
ist, soll seine Kleider waschen und all sein Haar scheren [xuaro] und sich im Wasser baden; und er ist rein. Und danach darf er
ins Lager kommen, aber er soll sieben Tage außerhalb seines Zeltes bleiben. |
scheren |
|
3. Mose 21,5 (in
Verbindung mit Glatze; s. Micha 1,16)
Sie sollen keine Glatze
auf ihrem Haupt machen, und den Rand ihres Bartes sollen sie nicht
abscheren [xuaro], und an ihrem Fleische sollen sie keine
Einschnitte machen. |
scheren |
|
4. Mose 6,9.18—19
9 Und wenn jemand
unversehens, plötzlich, bei ihm stirbt, und er das Haupt seiner Weihe
verunreinigt, so soll er sein Haupt an dem Tage seiner Reinigung scheren [xuaro];
am siebten Tage soll er es scheren.
18 Und der Nasir soll
an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft das Haupt seiner Weihe scheren [xuaro] und das Haar des Hauptes seiner Weihe
nehmen und es auf das Feuer legen, das unter dem Friedensopfer ist.
19 Und der Priester
nehme den gekochten Bug von dem Widder und
einen ungesäuerten Kuchen und einen ungesäuerten Fladen aus dem Korbe und
lege sie auf die Hände des Nasirs, nachdem er das Zeichen seiner Weihe geschoren
[xuaro] hat.
|
scheren |
|
5. Mose 21,12
… so sollst du sie in das
Innere deines Hauses führen; und sie soll ihr Haupt scheren [xuaro] und ihre Nägel beschneiden |
scheren |
|
Richter 16,17
Und er tat ihr sein
ganzes Herz kund und sprach zu ihr: Kein Schermesser ist auf mein Haupt
gekommen, denn ein Nasir Gottes bin ich von Mutterleibe an; wenn ich
geschoren [xuaro] würde, so würde meine Stärke von mir
weichen, und ich würde schwach werden und würde sein wie alle Menschen. |
scheren |
|
2. Samuel 10,4
Da nahm Hanun die
Knechte Davids und ließ ihnen die Hälfte des Bartes abscheren [xuaro] und ihre Oberkleider zur Hälfte abschneiden, bis an ihre
Gesäß; und er entließ sie. |
scheren; das Wort „abschneiden“ in diesem Vers ist nicht gleichbedeutend mit dem Wort
„abgeschnitten“ in 1. Korinther 11,6! |
|
1. Chronika 19,4
Da nahm Hanun die
Knechte Davids und ließ sie scheren [xuaro], und ihre
Oberkleider zur Hälfte abschneiden bis ans Gesäß; und er entließ sie.
|
scheren; das Wort „abschneiden“ in diesem Vers ist nicht gleichbedeutend mit dem Wort
„abgeschnitten“ in 1. Korinther 11,6! |
|
Jesaja 7,20
An
jenem Tag wird der Herr durch ein gedungenes Schermesser, auf der anderen
Seite des Stromes, durch den König von Assyrien, das Haupt und das Haar der Beine
abscheren [xuaro]; ja, auch den Bart wird es wegnehmen.
|
scheren |
|
Jeremia 16,6
Und Große und Kleine
werden in diesem Lande sterben, ohne begraben zu werden; und man wird nicht
um sie trauern, und sich nicht ritzen und sich nicht kahl scheren [xuaro] ihretwegen. |
scheren |
|
Hesekiel 44,20
Und sie sollen weder
ihr Haupt kahl scheren [xuaro], noch auch das Haar frei wachsen
lassen; sie sollen ihr Haupthaar schneiden. |
kahl scheren; das Wort „schneiden“ kann in der Septuaginta nicht nachgeschlagen werden, da dieser
Versteil dort ziemlich anders übersetzt ist. |
|
Micha 1,16
Mache dich kahl [xuaro] und schere dich um der Kinder deiner Wonne willen, mache
deine Glatze breit wie die des Geiers; denn sie sind von dir hinweggeführt. |
kahl (erstes Wort; in
Verbindung mit Glatze) |
Bei einer genauen Betrachtung der obigen Tabellen fällt auf, dass die Worte „abgeschnitten“ und
„geschoren“ in 1. Korinther 11,6 dasselbe bedeuten. Sie sind
durchaus austauschbar. Damit stellt sich natürlich die Frage: Warum benutzt der
Heilige Geist hier zwei verschiedene Wörter für ein und dieselbe Sache? Eine mögliche
Antwort wäre, dass der Apostel Paulus hier seine Aussage verstärken möchte, so wie wir
z.B. sagen: „Wir leben in einer argen und bösen Welt“, oder: „Das ist aber
ungeheuerlich schlimm.“ Man könnte auch lesen: „Wenn es aber für eine Frau
schändlich ist, dass ihr das Haar geschoren (keiro) oder rasiert (xurao) wird, so
lass sie sich bedecken.“ Interessanterweise werden diese Ausdrücke (griech.
keiro
und xurao) auch beide so
in Micha 1,16 für ein und dieselbe Sache verwendet. „Mache dich kahl [geschoren
— xuaro] und
schere [abgeschnitten — keiro] dich um der Kinder deiner
Wonne willen, mache deine Glatze breit wie die des Geiers; denn sie sind von
dir hinweggeführt.“ Beide Worte werden in Verbindung mit einer Glatze
gebraucht!
Eine
andere Möglichkeit, warum der Apostel hier verschiedene Wörter gebraucht, könnte
sein, dass er auf die verschiedenen Werkzeuge (in jener Zeit) beim Scheren hinweisen
möchte: auf das (komplette) Abschneiden der Haare mit einer Art Schere und das Kahlscheren/Rasieren mit dem Schermesser.
Im griechischen
Lexikon heißt es über das Wort keiro: scheren, abschneiden, abmähen (stets in
Verbindung mit Schafschur oder in Verbindung mit einem Gelübde, wobei derjenige,
der das Gelübde tat, sich seinen Kopf kahl scheren ließ).
Spricht
Hesekiel 44,20 für die These, dass es sich in 1. Korinther 11,6 darum handelt,
dass eine
Frau keinen Millimeter vom Haar abschneiden sollte?
In
Hesekiel 44,20 werden drei Dinge in Verbindung mit dem Haareschneiden gebracht: „Und sie
[die Priester] sollen weder ihr (1) Haupt kahl scheren noch das (2) Haar
frei wachsen lassen; sie sollen ihr (3) Haupthaar schneiden.“
Man sagt:
Grundsätzlich gibt es folgende drei Möglichkeiten:
- das Haupt kahl scheren
- das Haar frei wachsen lassen
- das Haupthaar schneiden
Nun wird argumentiert, eine Frau dürfe ihr (1) Haupt nicht kahl scheren und (3) ihr Haar nicht schneiden
(siehe 1Kor 11,6: „abschneiden“ und
„geschoren“). Folglich sollen die Frauen (2) ihr Haar
frei wachsen lassen (d.h., man meint: keinen Millimeter schneiden!), denn eine
andere Möglichkeit gäbe es schließlich nicht. Bei dieser Auslegung bleibt aber
zu beweisen, dass das Wort für (3) „Haupthaar schneiden“ das gleiche ist wie in
1. Korinther 11,6 („abschneiden“ oder keiro). Das kann leider nicht anhand der
Septuaginta nachgeprüft werden, da dieser Vers in der griechischen Septuaginta nicht so
enthalten ist. Nach unserem Dafürhalten würde dort jedoch nicht dasselbe Wort
stehen können, da die ganze Schrift (ohne Ausnahme) zeigt, dass das Wort „abgeschnitten“
(keiro) (aus 1Kor 11,6) immer die Bedeutung von „scheren“
hat (siehe oben).
Im Weiteren muss nachgewiesen werden, dass das Wort „frei
wachsen lassen“ (Hes 44,20) wirklich bedeutet: „keinen Millimeter abschneiden“. In der
ersten Bedeutung wird dieses Wort mit „aussenden“ oder „wegschicken“ oder
„ausstrecken“ übersetzt. Nur in Hesekiel 44,20 wird dieses Wort mit „frei
wachsen lassen“ übersetzt.
Bedeutet
„langes Haar“ (griech. komä) „frei wachsendes Haar“ (also keinen Millimeter
schneiden)?
|
Vorkommen im NT |
Bedeutung |
|
1. Korinther 11,14
Oder
lehrt euch nicht auch selbst die Natur, dass, wenn ein Mann langes Haar hat,
es eine Unehre für ihn ist …
|
Elberf.: Langes Haar
Luth: Haare lang wachsen lassen
|
|
1. Korinther 11,15
… wenn
aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? Weil das Haar ihr
anstatt eines Schleiers gegeben ist. |
Elberf.: Langes Haar
Luth: Langes Haar
|
|
Vorkommen im AT (Septuaginta) |
Bedeutung |
|
3. Mose
19,27
Ihr
sollt nicht den Rand eures Haupthaares rund scheren, und den
Rand deines Bartes sollst du nicht zerstören. |
Haupthaar (gemeint ist das geschnittene Haar des Priesters!)
|
|
4. Mose
6,5
Alle die Tage des Gelübdes seiner Absonderung soll kein Schermesser über
sein Haupt gehen; bis die Tage erfüllt sind, die er sich für
Jahwe
absondert, soll er heilig sein; er soll das Haar seines Hauptes frei wachsen
lassen.
|
Haupt
(allgemeine Bedeutung ohne eine Angabe, ob geschnitten oder ungeschnitten)
|
|
Hiob
1,20
Da
stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und schor sein Haupt;
und er fiel zur Erde nieder und betete an. |
Haupt
(Hiob stand auf und schor sein Haupt; er wird sicherlich vorher kein frei
wachsendes Haar gehabt haben!) |
|
Hesekiel 24,23
Und
eure Kopfbunde werden auf euren Häuptern sein, und eure Schuhe
an euren Füßen; ihr werdet nicht klagen und nicht weinen, sondern werdet
hinschwinden in euren Missetaten, und seufzen einer gegen den anderen. |
Häuptern (allgemeine Bedeutung) |
|
Hesekiel 44,20
Und
sie sollen weder ihr Haupt kahl scheren, noch auch das Haar
frei wachsen lassen. |
Haar — in diesem Fall übrigens auf einen Mann bezogen — (wie 4Mo 6,5)
|
Walter
Bauer übersetzt in seinem „Wörterbuch zum Neuen Testament“ (5. Aufl. 1971)
komä mit „Haar v. Frauenhaar“ und komao (nach der
Elberfelder Übersetzung das griechische Wort für „langes Haar haben“) mit „langes Haar haben,
sich das Haar lang wachsen lassen“.
Wir sehen
also auch hier, dass (1) das Wort für „langes Haar“ nicht unbedingt „frei wachsendes
Haar“ (also keinen Millimeter ab!) bedeuten muss, (2) sogar auch die Bedeutung hat von
„überhaupt Haare
(haben)“ im
Gegensatz zu „überhaupt keine Haare (haben)“ (Hiob 1,20) und dass (3) dieses Wort sogar eine
komplett andere Bedeutung haben kann, wie aus Hesekiel 24,23 zu ersehen ist. Der
Zusammenhang muss also jeweils entscheiden, was gemeint ist.
So halten
wir wieder fest: Die Schrift lehrt, dass es für eine Frau eine Schande ist, wenn
sie sich die Haare komplett abschneiden/abrasieren lässt (1Kor 11,6). Im Gegenteil ist es
eine Ehre für die Frau, wenn sie langes Haar hat (1Kor 11,15). Dies stimmt mit der
Schöpfungsordnung Gottes überein (siehe oben). So kann 1. Korinther 11,6 nicht
als Argument für die Theorie herhalten, eine Frau dürfe keinen Millimeter von
ihren Haaren abschneiden, zumal ein deutlicher Hinweis in der Schrift
fehlt, dass selbst eine AT-Frau grundsätzlich unbeschnittenes Haar haben musste.
Auf der anderen Seite dient das kurze Haar der Frau ihr nicht zur Ehre.
Manchmal hört man das Argument: „Es ist ja nicht so schlimm, wenn ich als
Frau kurzes Haar trage, denn Gott hat das ja nicht verboten, es ist mir nur
nicht zur Ehre.“ In allen
Dingen wollen wir uns aber in Erinnerung rufen, dass es auch im ersten Korintherbrief
nur ein Kapitel vorher heißt: „Ob ihr nun esst oder trinke oder irgend etwas
tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1 Kor 10,31). Ist es da wirklich zur Ehre
Gottes, wenn eine gläubige Frau etwas tut (wenn sie sich bewusst entehrt),
wovon Gott sagt, dass es eine Schande für eine Frau ist? Wenn sie zudem ihr
eigenes Haupt entehrt, entehrt sie dann nicht damit auch ihren Mann, der
schließlich „ihr Haupt“ ist und für sich genommen wiederum Christus in der
Schöpfungsordnung Gottes repräsentiert?
Eine
Frau sollte auch in diesen
Dingen treu sein und nicht denken, dass dies ein Bereich ist, wo sie tun und
lassen können, was sie will, sondern eine geistliche Frau wird immer
zuerst nach dem Willen Gottes fragen und nach seiner Ehre Ausschau halten. Dann
fragt sie nicht danach, was Gott verboten hat, sondern was der Vater von ihr
wünscht. Und
wir können es nicht anders sehen, als dass — wenn Gott der Frau das lange Haar zur
Ehre gegeben hat — es nicht zur Ehre und Freude Gottes ist, wenn sie dieses
Geschenk ablehnt. Ist es nicht auch eine Gnade, dass Gott uns sogar über solch
scheinbare Nebensächlichkeiten nicht im Unklaren lässt? Und dass Er uns hierbei
eine weitere Möglichkeit gibt, seinen Willen zu respektieren und aus Liebe zu
Ihm ihn auch zu tun?
Ist es
nicht auch ganz eigenartig, dass im ganzen Tierreich die männliche Seite in der
Regel der schönere Teil ist (z.B. Löwen, Enten usw.) und dass das bei den
Menschen — in der Regel — genau umgekehrt ist? Und ist es da nicht auch schön, zu
sehen, dass Gott diese Schönheit und Herrlichkeit besonders in dem langen Haar
sieht? Liebe Schwestern, liebe Teenies, seid freut euch darüber, dass der Schöpfer euch
das lange Haar gegeben hat.
Noch ein anderes Argument kann man manchmal hören: „Meine langen Haare
haben so viel Spliss und sehen gar nicht gut aus, und das soll eine Ehre für
mich sein? Meine Kurzhaarfrisur dagegen sieht wirklich gut aus, das ist viel
mehr eine Ehre für mich.“ Wir haben menschlich gesprochen natürlich
Verständnis für solch eine Aussage, aber ist einer Frau wirklich klar, was sie
damit sagen würde? Damit kann jede Frau für sich festlegen, was ihr zur Ehre
gereicht und was nicht. Man setzt sich über den Maßstab Gottes hinweg und
bestimmt selbst, welchen moralischen Wert eine Angelegenheit hat. Die Frau, die
so argumentiert, stellt sich damit letztlich über Gott (sicher oft unbewusst).
Es geht ja auch gar nicht um Ehre vor der Welt, da mag eine Kurzhaarfrisur
vielleicht besser ankommen. Es geht um die Ehre vor Gott, den Engeln und den
Mitchristen.
Wenn
Gläubige trotz der oben gegebenen Erläuterungen glauben, dass die Heilige Schrift
lehre,
eine Frau dürfe unter keinen Umständen etwas von ihren Haaren abschneiden, dann
sollte es jedoch darüber keine Streitigkeiten geben, denn „diese Gewohnheit
haben wir nicht, noch die Versammlungen Gottes“ (1Kor 11,16).
|