Versammelt zum Namen des Herrn Jesus
Matthäus 18,15-20

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 17.01.2001

Leitverse: Matthäus 18,15-20; 2. Mose 20,24; 5. Mose 12,4-14

Mt 18,15-20: Wenn aber dein Bruder wider dich sündigt, so gehe hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, so hast du einen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde. Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Versammlung. Wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei er wie der Heide und der Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde losen werdet, wird im Himmel gelöst sein. Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgend eine Sache, um welche sie auch bitten mögen, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.

2Mo 20,24: Einen Altar von Erde sollst du mir machen und darauf opfern deine Brandopfer und deine Friedensopfer, dein Kleinvieh und deine Rinder; an jedem Orte, wo ich meines Namens werde gedenken lassen, werde ich zu dir kommen und dich segnen.

5Mo 12,4-8.11.13.14: Den HERRN, eurem Gott, sollt ihr nicht also tun; sondern den Ort sollt ihr aufsuchen, welchen Jehova, euer Gott, aus allen euren Stämmen erwählen wird, um seinen Namen dahin zu setzen, dass er dort wohne, und dahin sollst du kommen. Und ihr sollt dahin bringen eure Brandopfer und eure Schlachtopfer, und eure Zehnten, und das Hebopfer eurer Hand, und eure Gelübde und eure freiwilligen Gaben, und die Erstgeborenen eures Rind- und eures Kleinviehs; und daselbst sollt ihr vor den HERRN, eurem Gott, essen und euch erfreuen, ihr und eure Häuser, an allem Geschäft eurer Hand, worin der HERR, dein Gott, dich gesegnet hat. Ihr sollt nicht tun nach allem, was wir heute hier tun, ein jeder was irgend recht ist in seinen Augen. … Der Ort, welchen der HERR, eurer Gott, erwählen wird, seinen Namen daselbst wohnen zu lassen, dahin sollt ihr alles bringen, was ich euch gebiete … Hüte dich, dass du nicht deine Brandopfer an jedem Orte opferst, den du siehst! Sondern an dem 0rte, welchen der HERR in einem deiner Stämme erwählen wird, daselbst sollst du deine Brandopfer opfern und daselbst alles tun, was ich dir gebiete.

Grundsätze des Zusammenkommens der Gläubigen

Es ist an diesen drei Abenden vorgesehen, liebe Freunde, liebe Geschwister, dass wir uns mit einigen Grundsätzen des Zusammenkommens der Gläubigen beschäftigen. Vielleicht ist es gut, dass ich einiges dabei von vornherein ganz deutlich mache.

Was sind „Gläubige“ und was ist die „Versammlung“?

Erstens: Wenn ich über Gläubige rede, dann meine ich damit solche, die den Herrn Jesus als ihren Heiland und ihren Herrn haben kennenlernen dürfen und Ihn angenommen haben. Sie haben den Heiligen Geist und kennen Gott als ihren Vater in dem Herrn Jesus.

Zweitens muss ich etwas sagen über ein Wort, das wir in Matthäus 18 gefunden haben, und das ist das Wort „Versammlung“. In manchen deutschen Übersetzungen finden wir dort „Gemeinde“. Ich möchte klarmachen, dass ich genau das meine. Ob wir nun sprechen über „Gemeinde“, „Kirche“ oder „Versammlung“, in allen drei Fällen handelt es sich um das, was in der Schrift die „Gesamtheit aller wahren Christen“ in der heutigen Zeit ist. Diese heutige Zeit ist die Zeit von den Pfingsten in Apostelgeschichte 2 an bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus Christus. Alle solche, die den Herrn Jesus als Heiland und Herrn kennen dürfen durch den Glauben und ihre Sünden vor Gott bekannt haben, bilden die Versammlung Gottes. Es sind also nicht irgendwelche Gruppen oder Organisationen gemeint. Es gibt viele Gruppen, die viel kleiner sind als die wahre Kirche Gottes, die nur einige Kinder Gottes aus einer Stadt darstellen. Es gibt viele Organisationen, die viel größer sind als die Kirche Gottes, weil darin viele sind, die nur äußerlich an dem Herrn Jesus teilhaben, aber keine innere Lebensbeziehung zu Ihm besitzen. Das ist ganz wichtig, denn wenn wir über das Zusammenkommen der Gläubigen sprechen, müssen wir zuerst verstehen, was nach den Gedanken Gottes Gläubige sind und was die Versammlung ist. Wir werden darauf zurückkommen.

Was hat die Versammlung mit dem Alten Testament zu tun?

Noch eine einführende Bemerkung. Ich habe gesagt, die Versammlung besteht vom Pfingsttag an, als der Heilige Geist ausgegossen wurde auf dieser Erde, und besteht bis zum Wiederkommen des Herrn. Trotzdem habe ich auch aus dem Allen Testament gelesen. Im Alten Testament bestand auch ein Volk Gottes, das Volk Israel. Das ist etwas anderes als die Versammlung des lebendigen Gottes, aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir es noch mit demselben Gott und mit demselben Wort Gottes zu tun haben. Obwohl wir im Alten Testament ganz andere Verhältnisse finden, so haben wir eigentlich dieselben Grundsätze. Das heißt, Gott versammelt sein Volk sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament nach denselben moralischen und geistlichen Grundsätzen, die wir in diesen drei Zusammenkünften betrachten möchten. Dabei werde ich, so Gott will, dreimal einen Abschnitt aus dem Neuen Testament lesen und darüber hinaus auch Abschnitte aus dem Alten Testament, weil das Alte Testament für uns, mit Ehrfurcht gesagt, ein Bilderbuch ist, das uns schöne Zeichnungen, Illustrationen, gibt zu diesen geistlichen Grundsätzen, die wir im Neuen Testament finden.

Im Licht des Neuen Testamentes dürfen wir diese alttestamentlichen Bilder anwenden. Wir werden betrachten, wie das, was der Herr Jesus hier sagt: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, dann bin ich in ihrer Mitte“, anknüpft an Dinge, die diesen jüdischen Jüngern schon längst vertraut waren. Im Neuen Testament ist solch eine Aussage „Versammelt in meinem Namen“ sehr selten. Aber aus dem Alten Testament war das den Jüngern geläufig, dass Gott sein Volk versammeln möchte an einen Ort, von dem Er sagt, dass Er daselbst seinen Namen hat wohnen lassen. Er versammelt sein Volk nicht irgendwo oder irgendwie, sondern dorthin, wo Er selbst in der Mitte seines Volkes ist. Er selbst möchte der Mittelpunkt des Volkes sein. Er möchte, wenn sie zusammenkommen, der Grund ihres Zusammenkommens sein. Nur im Licht der Bilder des Alten Testamentes können wir auch die Gedanken des Neuen Testamentes verstehen.

Wenn Christen sich versammeln, sind sie dann automatisch „versammelt zum Namen des Herrn Jesus“?

Nun, es gibt auch in dieser Stadt Gläubige, die bekennen, sich im Namen Jesu zu versammeln. Oft sagen sie sogar dabei: „nach Matthäus 18,20“. Offensichtlich ist für diese Gläubige dieser Vers überaus wichtig. Darum wollen wir uns zuerst die Frage stellen: Was meinen diese Gläubigen damit genau? Oder noch eingehender: Es ist ganz einfach, zu sagen, dass man sich im Namen Jesu versammelt, aber woran kann man das erkennen? Es ist nicht genug, das nur zu bekennen. Es gibt viele Christen, die sich versammeln, und wenn man ihnen die Frage stellen würde, ob sie sich auch im Namen Jesu versammeln, dann würden sie ganz erstaunt gucken und sagen: Natürlich, in wessen Namen denn sonst! Als Christen nehmen sie als selbstverständlich an, dass sie diese Verheißung aus Matthäus 18,20 für sich in Anspruch nehmen dürfen. Deshalb müssen wir uns die Frage stellen, was die Schrift oder der Herr Jesus hier genau gemeint hat. Um festzustellen, ob wir selbst oder andere Christen sich im Namen Jesu versammeln, müssen wir fragen: Woran kann man das erkennen?

Es ist so, dass viele Christen es als selbstverständlich annehmen, wenn sie sich als zwei oder drei oder mehr zusammenfinden, dass das fast automatisch bedeutet, dass sie dann im Namen Jesu versammelt sind. Wenn wir nur Vers 20 lesen würden: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“, dann kann Ich mir leicht vorstellen, dass viele das so aufrichtig meinen. Aber man kann jeden Vers in der Schrift nur dann verstehen, wenn man den Vers zuerst im Zusammenhang eines Abschnittes betrachtet. Die Schrift lehrt uns in 1. Petrus 1 am Ende des Kapitels, dass keine Schrift (keine Weissagung eigentlich, aber wir dürfen das auf die ganze Schrift anwenden) von eigener Auslegung ist. Man kann nicht irgendeinen Vers auslegen, wie man will, oder getrennt vom Zusammenhang. Deshalb habe ich von Vers 15 an gelesen. Und so wollen wir uns erst mit diesem Abschnitt beschäftigen und dann sehen, wie das, was wir gefunden haben, in den Bildern des Alten Testamentes weiter erläutert wird.

Versammlung des Herrn auf der ganzen Erde

Es ist nicht das einzige Mal, dass der Herr Jesus hier über die Versammlung redet. Das erste Mal, wir wollen ganz kurz anschauen, ist in Matthäus 16, wo der Herr Jesus anknüpft bei dem wunderschönen Glaubensbekenntnis des Petrus, der ja gesagt hatte: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Dann zeigt der Herr Jesus ihm, dass er das nicht aus sich selbst gewusst hat: „Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, d.h. Stein, auf diesen Felsen“ – auf dieser Grundlage, die du eben beschrieben hast, Christus, der Sohn des lebendigen Gottes – „werde ich meine Versammlung bauen.“ Und Petrus selbst würde dabei einer dieser Bausteine werden, so wie er selbst gesagt hat in 1. Petrus 2, dass wir wie lebendige Steine hinzugebracht werden, um zu einem geistlichen Haus zusammengesetzt zu werden.

Der Herr Jesus ist die wunderbare Grundlage. Er, der Sohn des lebendigen Gottes, ist die Grundlage der Versammlung Gottes, und wie es hier heißt: „meiner Versammlung“. Er hat in dieser Welt seine Versammlung. Damals bestand sie noch nicht. Er sprach in der zukünftigen Form: „Ich werde meine Versammlung bauen.“ Dieser Versammlungsbau hat angefangen am Pfingsttag, denn dort Ist der Heilige Geist gekommen und hat die Gläubigen zusammengefügt zu einem Leib. 1. Korinther 12 und 13 zeigen uns, dass die Taufe des Heiligen Geistes am Pfingsttag die Gläubigen zu einem Leib zusammengefügt hat, und an diesem Tag entstand auch die Versammlung als Haus Gottes, als Bau, der vom Pfingsttage an aufgebaut wird „zu einem heiligen Tempel im Herrn“, wie Epheser 2 sagt. Da fing die Geschichte der Versammlung an. Hier spricht der Herr Jesus über die Versammlung nach den ganz wunderbaren ewigen Ratschlüssen Gottes. Gott hat sich diese Versammlung zubereitet, wovon der Herr Jesus jetzt sagt: Ich werde meine Versammlung bauen, auf diesen Felsen, auf dieses Glaubensbekenntnis des Petrus hin. Der Herr Jesus spricht hier also über die Versammlung im weitesten Sinne als die Gesamtheit aller Gläubigen vom Pfingsttage bis zur Wiederkunft des Herrn.

Die örtliche Versammlung

Aber hier in Matthäus 18 spricht Er über die Versammlung auf ganz andere Weise. Er spricht hier über die Versammlung, mit der wir es in unserem praktischen Leben zu tun haben. Denn das Wort „Versammlung“ bedeutet nicht nur „alle Gläubigen vom Pfingsttage an bis zur Wiederkunft“. Es bedeutet auch manchmal „alle Gläubigen, die jetzt auf dieser Erde überall in allen Ländern leben“, sie bilden zusammen die Versammlung Gottes auf Erden. Aber drittens bedeutet die Versammlung auch „die Gläubigen in einer Stadt, in einem Dorf“. Die Versammlung in Augsburg besteht aus allen wahren Kindern Gottes in Augsburg, nichts weniger als das. Die Versammlung Gottes ist nicht irgendeine kleinere Gruppe, sie besteht aus allen wahren Kindern Gottes. Diese örtliche Versammlung ist wie ein Ausdruck der ganzen Versammlung Gottes auf Erden. Es ist diese örtliche Versammlung, mit der ich es im praktischen Leben zu tun habe. Es ist diese örtliche Versammlung, mit der ich zusammenkommen möchte.

Wenn jemand, der in Sünde gefallen ist, nicht auf die Versammlung hört

Wenn ich Probleme habe, dann wende ich mich an diese örtliche Versammlung. Und so spricht der Herr Jesus über sie in Matthäus 18. Er spricht im Großen und Ganzen dieses Kapitels über viele Grundsätze, die mit den Jüngern im Reich der Himmel zu tun haben, Grundsätze, die die Jünger zu beachten haben. Und so spricht Er hier in diesen Versen darüber, wie wir miteinander zu leben haben, wenn einer von uns in Sünde gefallen ist. Es geht hier in erster Linie nicht um die Frage, wie wir zusammenkommen müssen. Der Anlass ist: „Wenn aber dein Bruder wider dich sündigt“. In vielen Handschriften fehlen die Worte „wider dich“, und man kann auch sehr gut in allgemeinem Sinn lesen: „Wenn aber dein Bruder sündigt“. Ich gehe doch nicht nur zu meinem Bruder, wenn er wider mich gesündigt hat, sondern wir beschäftigen uns auch miteinander in der christlichen Liebe, wenn wir bei dem anderen feststellen müssen, dass er in die Sünde gefallen Ist, dass er in der Sünde lebt.

Aber wenn ich das weiß, brauche ich das nicht sofort in der ganzen Stadt herumzusprechen. Ich versuche diese Sache zuerst mit dem Bruder oder mit der Schwester unter vier Augen zu lösen. „Gehe hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein.“ Denn wenn er seine Sünde einsieht, wenn er zum Bekenntnis seiner Sünde kommt und die Sache mit dem Herrn regelt, dann ist alles in Ordnung. Das braucht dann nicht weiter erzählt werden. „Aber wenn er nicht auf dich hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde.“ Auch das ist, beiläufig bemerkt, eine Sache, die in 5. Mose viele Male erwähnt wird. So von Kapitel 13 an bis Kapitel 24 finden wir, wenn ich mich richtig erinnere, neunmal den Ausdruck, dass das Böse aus der Mitte hinweggetan werden muss. Dabei finden wir mehrfach diesen Punkt, dass das Böse festgestellt werden muss auf Grund des Zeugnisses von zwei oder dreien. Hier sehen wir schon, wie der Herr Jesus auf Grundsätze anspielt, die aus dem Alten Testament schon bekannt waren.

Wenn das auch nicht hilft, wenn der Bruder nicht zum Bekenntnis seiner Sünde kommt und die Sache mit dem Herrn in Ordnung bringt, dann steht da: „Wenn er aber auf sie nicht hören wird, so sage es der Versammlung.“ Hier sehen wir ganz klar, das ist nicht die Versammlung Gottes auf der ganzen Erde. Ich wüsste nicht, wohin ich mich wenden müsste. Hier ist die Versammlung, ganz praktisch gesehen, das, was für mich im täglichen Leben die Versammlung ist, die örtliche Versammlung. Um uns eine örtliche Versammlung vorstellen zu können, müssen wir vergessen, in welcher verwirrten Lage wir heute leben. Denn wir sind vertraut damit, dass die Christen verteilt sind über viele Kirchen, Gruppen und Gemeinschaften. Für uns ist das eine schwierige Sache, die örtliche Versammlung. Wohin sollten wir uns wenden? Aber der Herr Jesus hat dieses zuerst ganz einfach gemeint, so wie wir das auch in der Apostelgeschichte noch so schön finden, wo es tatsächlich in vielen Städten und Dörfern diese eine unzerteilte, ungespaltene Versammlung gab. Da war es noch nicht so schwierig. Da durften, da sollten die Gläubigen, wenn sie solche Probleme hatten, sich an die Versammlung wenden. Sie sollten die Sache der Versammlung bekannt machen.

„Wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner.“ Jetzt müssen wir aufpassen, wie der Herr Jesus in Vers 17 über „dir“ spricht und dann in Vers 18: „Wahrlich, ich sage euch, was irgend ihr [Mehrzahl] …“ In Vers 17 kann es sein, dass auch die Versammlung ernst mit der Person gesprochen hat und dass diese Person nicht hören will. Dann ist zuerst eine ganz persönliche Schlussfolgerung zu ziehen. Ich kann dann, nachdem alles gescheitert ist, alle Versuche, um den Bruder oder die Schwester wiederherzustellen, ja ich muss dann mein Verhältnis zu dem Bruder oder zu der Schwester feststellen. Und das Verhältnis ist: Er ist mir oder sie ist mir wie der Heide und der Zöllner. Das heißt ich muss den anderen leider wie einen Ungläubigen behandeln. Das kann uns allen passieren, und das geschieht leider allzu oft. Hier ist es aber nicht nur, dass einer in die Sünde gefallen ist, sondern dass einer in der Sünde lebt und davon nicht zurückkehren will. Das ist jetzt festgestellt, im Versuch des Einzelnen, im Versuch mit zweien oder dreien, und jetzt hat auch die ganze Versammlung nichts daran ändern können. Wenn jemand in diesem Zustand verharrt, dann müssen wir ihn behandeln als einen, der auf dem bösen Weg ist, der letztendlich zum Verderben führt. Was der Herr in seiner Gnade noch tun wird, ist eine andere Sache. So müssen wir ihn behandeln. Aber das ist nicht nur persönlich so. Persönlich kann es sein, dass ich, wenn ich eine Sache weiß, schon längst den anderen als Heiden und Zöllner behandeln muss. Heiden, das waren solche, die außerhalb des Volkes Gottes standen. Die Zöllner sind hier kennzeichnend ein Beispiel aus Israel für solche, die verachtet wurden wegen ihres bösen Wandels.

Die Zucht der Versammlung

Aber es bleibt nicht bei dem persönlichen Verhältnis, auch die Versammlung muss zu einem Beschluss kommen. Und das linden wir in Vers 18. Jetzt spricht der Herr Jesus sie insgesamt an: „Wahrlich, ich sage euch …“ In Vers 15 war es noch dein Bruder: „So hast du deinen Bruder gewonnen.“ Da ging es von Vers 15 bis Vers 17 um meine persönliche Verantwortung meinem Bruder gegenüber. Aber von Vers 18 an spricht der Herr Jesus uns in der Mehrzahl an. Obwohl die Versammlung damals noch gar nicht bestand, gibt Er hier seinen Jüngern Grundsätze, nach denen sie leben sollten von der Zeit an, da die Versammlung tatsächlich auf Erden bestehen sollte. Jetzt ist es keine persönliche Sache mehr, sondern eine gemeinsame Sache. Und Er sagt: „Ich sage euch, was irgend ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und was irgend ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein.“ Hier finden wir zwei schwierige Wörter: „binden“ und „lösen“. Die haben wir auch in Matthäus 16, wenn ich da etwas weiterlese, in Vers 19. Da sagt der Herr Jesus zu Petrus: „Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was irgend du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was irgend du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“ Der Zusammenhang ist hier ganz anders. Hier geht es um Petrus und um den Eingang in das Reich der Himmel. Das ist die ganz besondere Aufgabe des Petrus gewesen, worüber ich jetzt nicht sprechen möchte. Aber wir haben hier dieselben Worte, die hier in Matthäus 18 auf die ganze Versammlung angewandt werden: „binden“ und „lösen“.

Was die Bedeutung dieser Worte ist, kann man nicht einfach aus diesem Zusammenhang schließen. Man muss dazu schon etwas von den Hintergründen verstehen, die für diese Jünger sofort verständlich waren. „Binden“ und „lösen“ waren bekannte Ausdrücke aus der Literatur der Rabbiner jener Zeit. Sie hatten zwei Bedeutungen: „Binden“ hieß zuerst, Vorschriften bindend auferlegen, und „lösen“ hieß, gewisse Vorschriften, Satzungen oder Ordnungen abschaffen. Das ist die erste Bedeutung, und das muss wohl ganz besonders die Bedeutung für Petrus gewesen sein in Kapitel 16. Da geht es ja um die Gebote für die Jünger im Reich der Himmel. Aber das Wort hatte noch eine zweite Bedeutung. „Binden“ hieß dann, jemand unter einen Bann bringen, jemand einen Bann aufbinden. Wir würden heute sagen, jemanden ausschließen aus der Gemeinschaft der Gläubigen, der Versammlung Gottes. Und „lösen“ heißt dann, diesen Bann wieder aufheben, indem nämlich diese Person, die ausgeschlossen wurde, doch noch, dem Herrn sei Dank, zum Bekenntnis seiner Sünden kommt und deshalb auch wieder in die Gemeinschaft zurückgeführt werden kann, wenn sie ihre Sünden nicht nur Gott gegenüber, sondern auch der Versammlung gegenüber bekannt hat. Dann kann der Bann gelöst werden, die Zucht aufgehoben und die Person wiederhergestellt werden.

„Auf der Erde gebunden“

Und jetzt kommen wir zu diesen beiden Versen 19 und 20. Zu Vers 18 wäre noch viel mehr zu sagen. Das Wichtige ist, dass hier gebunden und gelöst wird, nicht nur örtlich. Es gilt für die ganze Erde. Leider gibt es viele Gemeinschaften, die damit gar nicht rechnen. Es wird einer örtlich gebunden, unter einen Bann gebracht, und er kann ruhig zu einer anderen Gemeinschaft hingehen oder zu einem anderen Ort, und da ohne weiteres aufgenommen werden. Aber was hier gebunden wird, wird auf der Erde gebunden. Es hat eine Bedeutung für die ganze Erde. Wenn wir verstehen, dass die Versammlung Gottes tatsächlich keine örtliche Angelegenheit ist, sondern dass wir es mit der Einheit der ganzen Versammlung, des ganzen Leibes Christi auf dieser Erde zu tun haben, dann verstehen wir auch, warum das, was böse ist, von einer örtlichen Versammlung weggetan werden muss, denn es ist für die ganze Versammlung Gottes böse.

„Im Himmel gebunden“

Aber noch wichtiger in Vers 18 ist, was der Herr Jesus sagt: „Es wirf im Himmel gebunden sein.“ Das heißt, dass Gott diese Beschlüsse anerkennt. Das ist ein ganz wichtiger Grundsalz. Es geht hier nicht darum, ob die Versammlung unfehlbar ist. Eine Versammlung kann versagen, kann leider einen falschen Beschluss treffen, aber wir dürfen nie Autorität und Unfehlbarkeit miteinander verwechseln. Es geht hier darum, dass Gott die Autorität der Versammlung anerkennt, obwohl die Versammlung sich irren kann. Wir haben mit der Autorität der Behörden zu tun. Auch wenn unsere Behörden sich irren und einen falschen Beschluss treffen, sind wir nichtsdestoweniger daran gebunden. Die Fehler können sich später herausstellen, aber wir sind an diese Beschlüsse gebunden, denn wir haben es mit der Autorität der Behörde zu tun, nicht mit ihrer möglichen Fehlbarkeit.

Nur die Versammlung hat Autorität

So ist es hier auch. Hier sagt der Herr Jesus ausdrücklich, dass diese örtliche Versammlung göttliche Autorität besitzt. Es ist sogar die einzige Autorität, die wir auf dieser Erde in geistlichen Dingen kennen. Ich meine formelle Autorität, es gibt auch moralische Autorität. Es gibt Männer, die Gott seiner Versammlung gegeben hat, die große moralische Autorität besitzen. Es heißt, dass sie eine ganz besondere Verantwortung haben in der Versammlung. Sie beschließen aber nicht, die Versammlung beschließt. Es ist die Versammlung, die ausschließt, die bindet und die löst, nicht gewisse Männer mit moralischer Autorität. Es ist nur die örtliche Versammlung, die diese formelle Autorität besitzt. Es sind nur Beschlüsse der Versammlung, die von Gott anerkannt werden und die auch auf der ganzen Erde, in der ganzen Versammlung Gottes, anerkannt werden müssen.

Die Autorität der Versammlung ist sehr groß

Ich habe dies erwähnt, um jetzt klarmachen zu können, was wir in Vers 19 und 20 finden, denn dort haben wir einen ganz wichtigen Grund, warum die Versammlung diese Autorität hat. Was ist denn die Versammlung besonderes, dass Gott ihr solch eine Autorität gegeben hat? Und die Autorität ist groß! Stellen wir uns vor, wie das in der Zeit der Apostel aussah, wo es nur diese eine Versammlung gab. Wenn jemand von dieser Versammlung ausgeschlossen wurde (wir haben ein Beispiel davon in 1. Korinther 5: „Tut das Böse aus eurer Mitte weg“), dann stand er gleichsam außerhalb der Christenheit. Dann wurde er tatsächlich auf das Gebiet der Welt und des Satans zurückgeführt. Das war eine gewaltige Autorität der Versammlung. Heute ist das leider nicht mehr so. Wenn jemand ausgeschlossen wird, sind viele Gemeinschaften bereit, manchmal ohne Nachfrage, eine solche Person aufzunehmen. Sie sind manchmal allzu glücklich, dass wieder jemand zu ihnen kommt, um ihre Anzahl zu vermehren. Heute haben wir in dieser Hinsicht große Unordnung. Aber hier haben wir noch die Grundsätze so, wie der Herr sie gegeben hat. Und wenn wir verstehen, wie groß die Folgen solcher Beschlüsse in diesem noch ungeteilten Zustand der Versammlung waren, dann verstehen wir, wie groß die Autorität der Versammlung war. Darum ist es so wichtig, dass wir in Vers 19 und 20 einen Grund dafür haben. Es geht in diesen Versen nicht nur um Beschlüsse. Ich finde das sogar ein wenig schade, dass ich in meinen Erörterungen die Grundsätze des Versammelns so ausführlich von Ausschluss und Wiederzulassung sprechen muss, aber das ist nun einmal der Zusammenhang, in welchem wir diese Verse finden.

Das Beten der Versammlung findet Erhörung

Aber in Vers 19 geht es nicht mehr nur um die Versammlung, die sich versammelt hat, um Fragen der Zucht zu besprechen, sondern der Herr Jesus entfaltet hier das Zusammenkommen, indem Er sagt: „Wiederum sage ich euch, wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden über irgendeine Sache, um weiche sie auch bitten mögen, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist.“ Hier spricht Er nicht mehr nur über das Zusammenkommen, um Zuchtfragen zu besprechen, wo Gläubige sagen: Herr, gibt uns Klarheit, zu welchem Beschluss wir kommen müssen. Nein, in Vers 19 geht es weiter. Die Versammlung Gottes beschäftigt sich nicht nur mit Zucht, das ist negativ. Hier sehen wir die Versammlung in, wie wir es gerne sagen, ihrer Gebetsstunde, wo sie zusammenkommt, um ihre Bitten dem Herrn vorzulegen.

Ich komme direkt auf den Ausdruck „zwei“, das ist ja ein Minimum, zurück, aber hier sehen wir die Versammlung, um ihre Bitten dem Herrn vorzulegen. Wenn ich gerne wissen möchte, wie der eigentliche Gehalt einer Versammlung ist, dann müsste ich eigentlich zur Gebetsstunde gehen. Das ist die erste Zusammenkunft, die hier erwähnt wird. Da kann man den geistlichen Zustand ermessen, denn dort kommen sie zusammen, um zu Gott, ihrem Vater im Himmel zu flehen. Also auch in diesem Vers wird die Sache noch ausgebreitet. Zuerst, in Vers 18, hat die Versammlung Autorität, zu binden oder zu lösen, in Vers 19 lerne ich sogar, dass die Versammlung ihre Bitten an Gott richtet und Erhörung ihrer Bitten bekommt. Das Beten der Versammlung ist etwas ganz Besonderes, das kann man nicht ohne weiteres mit dem Beten der einzelnen Gläubigen vergleichen. Das Beten der Versammlung bringt einen ganz besonderen Segen. Warum? Weil die Versammlung etwas Besonderes ist. Und das folgt dann schließlich in dem Klimax, In dem Höhepunkt in Vers 20.

Warum hat die Versammlung solch eine Autorität und Bedeutung?

Wir müssen gut unterscheiden, wie die Reihenfolge der Gedanken ist. Zuerst, die Versammlung ist so wichtig, hat so große Autorität, dass, welche Beschlüsse sie auch fasst, sie im Himmel anerkannt werden. Weiterhin, was irgend sie von Gott erbittet, es wird ihr geschehen. Wir fragen uns, was ist dann so Besonderes an dieser Versammlung? Das haben wir dann in Vers 20. Er fängt an mit dem Wörtchen „denn“. Das Wort ist die Erklärung, was an dieser Versammlung so besonders ist, dass Gott ihre Bitten erhört. „Denn, wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“ Zuerst spreche ich über den letzten, das ist der große Punkt, die Versammlung. Wenn die Versammlung hier zu Hause bleiben würde in Augsburg, dann gäbe es tatsächlich noch immer eine Versammlung, aber sie würde sich unnatürlich verhalten. Es ist ja ganz wichtig und entscheidend, dass die Versammlung zusammenkommt. Ihre Zusammenkünfte machen erst klar, dass es so etwas wie eine Versammlung in dieser Stadt gibt.

Nun, was ist so kostbar an dieser Versammlung, an ihrer Zusammenkunft, dass der Herr Jesus in ihrer Mitte ist? Er hat das hier gesagt, als Er noch auf dieser Erde war. Aber da bestand die Versammlung noch gar nicht. Er musste erst von dieser Erde zurückkehren zu seinem Gott und Vater und musste den Heiligen Geist senden. Der Heilige Geist wohnt jetzt in der Versammlung. Aber noch immer trifft seine Verheißung zu. Sie kann jetzt erst zutreffen, denn jetzt ist die Versammlung tatsächlich vom Pfingsttag an anwesend auf dieser Erde. Und obwohl der Herr Jesus verherrlicht ist zur Rechten Gottes im Himmel, trifft seine Verheißung noch immer zu. Wenn die Versammlung zusammenkommt, dann ist Er in ihrer Mitte, und das macht sie so wichtig. Wir sind nicht so wichtig, die Gläubigen sind nicht so wichtig. Natürlich, wir sind für Gott seine geliebten Kinder, das dürfen wir nicht vergessen. Insoweit sind wir ganz wichtig für Ihn.

Aber was macht nun eben das Zusammenkommen der Gläubigen so wichtig, wodurch sie als zusammenkommende Gemeinde so viel wichtiger sind, als wenn sie zu Hause blieben? Der Herr Jesus ist in der Mitte der Versammlung. Wenn Gott auf diese Versammlung herniederschaut, dann sieht Er seinen Sohn, den Herrn Jesus, in ihrer Mitte. Wenn die Versammlung ihre Beschlüsse fasst, dann ist der Herr Jesus immer beteiligt. Er identifiziert sich mit dieser Versammlung. Er ist eins mit Ihr, sie ist sein Leib, und Er ist ihr Haupt. Sie bilden eine Einheit, die nicht zerbrochen werden kann. Was die Versammlung beschließt, das beschließt das Haupt. Denn Christus und seine Versammlung sind solch eine Einheit, dass das, was die Versammlung als Beschluss fasst, für Gott wie ein Beschluss des Herrn Jesus ist. Wie könnte Gott sich weigern, einen Beschluss von seinem Sohn anzuerkennen? Ich wiederhole, das heißt nicht, dass die Versammlung Beschlüsse fasst, die immer vollkommen sind, und dass nie Versagen möglich wäre. Leider ist das nicht so, und wir wissen das aus Erfahrung. Aber das Wichtige ist, dass die Versammlung trotzdem Autorität hat.

Was heißt „versammelt zum Namen des Herrn Jesus“?

Aber Vers 19 zeigt uns schon, dass diese Autorität nicht nur da ist, wenn sie zusammenkommen, um Zuchtfragen zu besprechen. Diese Autorität ist auch da, die Gegenwart des Herrn Jesus wird auch dort gefunden, wenn sie zum Gebet versammelt sind. Vers 20 macht es noch deutlicher. Da bezieht es sich nicht mehr nur auf die Gebetsstunde, sondern auf irgendwelches Versammeltsein der örtlichen Versammlung. Denn „wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“.

Nun sagt einer: Ich verstehe das gar nicht mehr. Sie sprechen hier über das Zusammenkommen der Versammlung, das steht gar nicht da. Es steht hier: „Wenn zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen …“ – Wir müssen diesen Vers im ganzen Zusammenhang lesen. Ab Vers 17 geht es um die Versammlung, die, wenn sie versammelt ist, ihre Beschlüsse fasst und ihre Bitten dem Herrn vorlegt. Ihre Bitten und Beschlüsse werden anerkannt, weil der Herr Jesus in ihrer Mitte ist. Warum spricht der Herr Jesus dann über zwei oder drei? Ich wiederhole: Es geht hier um das Zusammenkommen der örtlichen Versammlung. Und ich behaupte, dass der Ausdruck „Versammelt sein in meinem Namen“ deshalb genau das bedeutet. Wenn wir als Versammlung Gottes auf schriftgemäße Weise zusammenkommen, dann sind wir versammelt im Namen des Herrn Jesus, denn Er ist das Haupt seiner Versammlung. In seinem Namen oder, wie die Bemerkung sagt, zu seinem Namen hin, das sind zwei wichtige Gedanken. Beide sind wichtig als Übersetzung. In meinem Namen heißt: Auf meine Autorität hin. Wir kommen nicht zusammen, weil wir das ersonnen haben. Wenn ich im Namen einer anderen Person etwas tue, dann heißt das, dass ich überzeugt bin, dass das, was ich tue, von dem anderen nicht nur genehmigt wird, sondern dass er mich dazu beauftragt hat. Ich kann völlig aus seiner Autorität heraus handeln, als sein Stellvertreter. Wenn wir zusammenkommen im Namen des Herrn Jesus, dann ist das so, weil der Herr Jesus uns selbst beauftragt hat, zusammenzukommen als seine Versammlung, die Ihm angehört, dessen Haupt Er ist. So kommen wir zusammen. Er gibt uns dazu die Autorität, Er gibt uns dazu auch die Grundsätze, nach welchen wir uns versammeln sollten.

Aber es ist mehr da. Die Bemerkung sagt eigentlich: „zu meinem Namen hin“. Das ist ein anderer Gesichtspunkt derselben Sache. „Zu meinem Namen hin“, das heißt, dass es um das Ziel des Zusammenkommens geht. „In meinem Namen“ ist die Grundlage des Versammelns. „Zu meinem Namen hin“ ist das Ziel des Versammelns. Wenn wir zusammenkommen, ist es nicht nur, um einander zu sehen, sondern um Ihn zu sehen, um Ihm zu begegnen, denn wir wissen, dass Er in unserer Mitte ist, und wir kommen zu Ihm hin. Er ist der Anziehungspunkt, der uns zusammenführt. Es ist auch schön, dass es da nicht heißt: „zu mir hin“, sondern: „zu meinem Namen hin“.

Viele Leute wissen gar nicht mehr, was ihr Name bedeutet, und wir geben Namen, weil wir sie schön finden, ohne uns zu fragen, was die Namen bedeuten. In den arabischen Ländern oder unter den Juden ist das noch ganz anders. Sie wissen, was ihr Name bedeutet, und sind stolz darauf, dass der Vater deshalb den Namen ausgesucht hat. Da bedeutet der Name noch etwas. Denn in der Schrift ist der Name ein Ausdruck des Wesens einer Person. Die Namen Gottes bringen zum Ausdruck, wer und was Gott ist. Der Name des Herrn Jesus bringt zum Ausdruck, wer Er ist, er bringt seine Herrlichkeiten zum Ausdruck. In diesem Namen haben wir Ihn selbst in all seiner Herrlichkeit. Wenn wir uns zu seinem Namen hin versammeln, dann ist das, weil Er selbst der herrliche Mittelpunkt unseres Zusammenseins ist. Es geht alles um Ihn.

Der Herr Jesus – der Mittelpunkt der Versammlung

Wenn wir das verstehen, dann haben wir auch die Kriterien verstanden, um feststellen zu können, wo Gläubige sich tatsächlich in seinem Namen oder zu seinem Namen hin versammeln, nicht nur, weil sie selbst das behaupten. Zuerst müssen sie auf der Grundlage, der „einen“ Versammlung zusammenkommen. Was das heißt, darauf komme ich später zurück. Das Zweite ist, wenn sie sich so versammeln, dass der Herr Jesus auch wirklich der Mittelpunkt Ist. Wenn sie sich nicht um gewisse Personen versammeln, die vielleicht eine ganz besondere Gabe haben, wenn sie sich nicht im Namen gewisser Menschen versammeln oder im Namen gewisser Glaubensbekenntnisse oder im Namen gewisser Einrichtungen von Menschen, sondern wo Er der einzige Mittelpunkt ist, wo Er auch tatsächlich das Haupt ihrer Zusammenkunft ist, wo Er durch seinen Geist auch tatsächlich die Leitung hat, wo Er alles in der Hand hat, wo alle auf Ihn warten, was Er wirkt durch seinen Geist, dann ist Er da persönlich anwesend. Er wirkt durch seinen Geist in den Herzen aller Gläubigen. Ich kann nicht sagen, dass ich mich in seinem Namen mit anderen Gläubigen versammle, wenn die Grundsätze unseres Zusammenkommens in Wirklichkeit von Menschen festgelegt sind, so dass die menschlichen Ordnungen die Kriterien werden für das Zusammenkommen. Wo Er in der Praxis nicht das Haupt ist, sondern gewisse Menschen die Leitung der Zusammenkunft in Händen haben, da kann ich nicht sagen, dass wir uns in seinem Namen versammeln.

Wir kommen morgen, so Gott will, darauf zurück, wenn wir über den Tisch des Herrn sprechen und wenn wir sehen werden, wie grundsätzlich es ist, dass es der Tisch „des Herrn“ ist, nicht einfach „des Christus“. Das spricht von seiner Autorität. Das kann man direkt verbinden mit diesem Ausdruck „In seinem Namen“. Wo seine Autorität nicht praktisch anerkannt wird, da kann man schön bekennen, dass man in seinem Namen zusammenkommt, aber das wird durch das praktische Verhalten geleugnet.

Was bedeutet „Wenn zwei oder drei versammelt sind“ im Zusammenhang des Schriftabschnittes?

Aber das Zweite ist schwieriger zu verstehen: auf der Grundlage der einen Versammlung. Aber dann bringe ich wieder in Erinnerung, dass es hier in diesem Abschnitt um die Versammlung geht. Es ist unmöglich, nach Vers 18 plötzlich zu sagen, dass es nicht mehr um die Versammlung geht, sondern dass irgendwelche Gläubige diesen Vers in Anspruch nehmen könnten. Das ist mit diesem Abschnitt vollkommen im Widerspruch. Der Herr Jesus sagt, dass die höchste Autorität auf Erden die Versammlung ist. In Vers 15 und 16 haben wir auch „zwei oder drei“. Da haben wir zwei oder drei aus der örtlichen Versammlung, aber diese zwei oder drei haben keine Autorität. Sie können den Beschluss nicht fassen, eine Person auszuschließen. Sie müssen sich an die Versammlung wenden. Nur die Versammlung hat Autorität. Was die Versammlung bindet oder löst, wird im Himmel anerkannt.

Es ist darum völlig unlogisch, wenn in Vers 19 und 20 einzelne Personen, die sich versammeln, dieselben Verheißungen oder dieselbe Autorität in Anspruch nehmen dürften. Es geht hier um die Versammlung. Aber dann komme ich wieder auf die Frage zurück, denn ich höre schon, wie einer sagt: Aber es steht hier doch zwei oder drei. – Ich gebe zu, dass das verwirrend wirken kann, wo in Vers 16 auch über zwei oder drei gesprochen wird. In Vers 16 haben die zwei oder drei moralische Autorität, sie bilden ein Zeugnis, aber sie haben keine Autorität, zu binden oder zu lösen. Diese Autorität hat nur die Versammlung, und sie übt diese Autorität aus, wenn sie versammelt ist im Namen des Herrn Jesus. Sie hat diese Autorität, weil Er in ihrer Mitte ist.

Warum denn „zwei oder drei“ in Vers 18? Ich glaube, der Herr Jesus hat, wie wir das öfter finden, vorausgesehen, wie die praktische Lage in der Christenheit sein würde. Man kann auch sagen, vielleicht setzt Er hier voraus, dass in der heidnischen Welt solch eine Versammlung örtlich nur aus zwei oder drei Personen besteht. Wenn sie zusammenkommen, wenn sie auch ein Minimum bilden, dann sind sie trotzdem eine Versammlung. Wir können das auch anwenden auf die Zeiten des Verfalls. Darum bin ich so dankbar, dass in diesem Vers nicht steht: „Wenn die Versammlung versammelt ist in meinem Namen“, denn es ist unmöglich, in Augsburg die ganze Versammlung zusammenzubringen. Ich weiß nicht, wie viele Gläubige es in Augsburg gib. Ich hoffe, es sind ein paar Tausend. Wer unter uns glaubt, dass es möglich wäre, alle Gläubigen, alle wahren Kinder Gottes, die zusammen die Versammlung des lebendigen Gottes hier an diesem Ort bilden, an einem Ort zusammenzubringen, aus der katholischen Kirche, aus der evangelischen Kirche, aus den Baptisten, aus den vielen anderen Gemeinschaften, wo sie all ihre unschriftgemäßen Mauern abschaffen und wo sie sich einfach als Gläubige in aller Schlichtheit zum Namen des Herrn Jesus hin versammeln? Keiner von uns glaubt das.

So könnte man denken, es ist unmöglich, diesen Vers in der Praxis zu verwirklichen. Nein, es ist wohl möglich. Denn der Herr Jesus hat es nicht erlaubt, diese Verheißung nur in Anspruch zu nehmen, wenn alle Gläubigen zusammen sind. Er sagt uns in diesem Vers: Wenn zwei oder drei auf der Grundlage dieser Versammlung, nicht irgendwie, zusammenkommen, da bin Ich in der Mitte, ob tausend andere zu Hause bleiben oder woanders hingehen. Es muss ganz klar sein, dass es auf Grund der einen Versammlung ist. Wann ist das der Fall? Wenn sie sich nicht durch sektiererische Mauern abgrenzen von anderen, wenn sie so zusammenkommen, dass alle wahren Kinder Gottes dort auch willkommen sind, dass sie alle Gläubigen willkommen heißen, es sei denn, dass sie in moralischer Bosheit leben; das sind Dinge, die auch in der Schrift ausgeschlossen sind. Wir haben heute viele Kreise, wo Ungläubige willkommen sind. Das ist nicht die Versammlung, wo Ungläubige teilnehmen am Brotbrechen oder wo keine Zucht mehr ausgeübt wird. Umgekehrt, wo sektiererische Mauern errichtet werden, man nur einig sein muss über Kleinigkeiten, die in der Schrift eine sekundäre Rolle spielen, wo man sich abgrenzt durch Kriterien, die nicht schriftgemäß sind – das ist nicht die Versammlung. Auch wo man sich sammelt, ohne die Belange anderer wahrer Christen zu berücksichtigen, ist nicht die Versammlung. Es können sich an einem Ort nicht viele versammeln, die unabhängig voneinander sind und in Anspruch nehmen, auf der Grundlage der Versammlung Gottes versammelt zu sein. Das geht nicht.

Wenn ich wüsste, dass es hier in Augsburg schon Kinder Gottes gäbe, die nach Gottes Gedanken zusammenkommen, auf dieser Grundlage, dann würde ich ungehorsam sein, wenn ich in Unabhängigkeit davon mich mit anderen Gläubigen versammeln würde. Das ist nicht die Versammlung, damit bilde ich eine Sekte. Darum ist, was hier in diesem einen Vers in dem Zusammenhang dieses Kapitels sieht, so wichtig in der Praxis. Wo Gläubige zusammenkommen auf der Grundlage der einen Versammlung Gottes, wo alle Kinder Gottes willkommen sind, wo keiner abgelehnt wird aus Gründen, die nicht schriftgemäß sind, wo keine Unabhängigkeit herrscht, sondern wo man Gemeinschaft sucht mit allen, die dieselbe Gesinnung haben, da sehe ich die Versammlung Gottes heutzutage, wenn es auch nur zwei oder drei sind, die auf dieser Grundlage zusammenkommen. Das ist das Schöne. Der Herr Jesus fordert nicht, dass es alle Gläubigen sein müssen, denn dann könnten wir bis in die Ewigkeit warten; das wird auf dieser Erde nie mehr geschehen. Er sagt: Wenn nur zwei oder drei da sind, die auf dieser Grundlage, das heißt in meinem Namen“, zusammenkommen, wo sie sich von allen anderen Benennungen, von allen anderen Namen, abwenden, um sich nur noch zu Mir zu versammeln, da bekenne Ich Mich zu ihnen, da sagt Er: Da bin Ich in ihrer Mitte, wie schwach sie auch sein mögen.

Die Gedanken Gottes über das Versammeln zu seinem Namen hin sind nicht neu

Ich merke, dass ich nicht viel Zeit habe, um über die alttestamentlichen Bilder zu sprechen, aber ich möchte es euch empfehlen, für euch selbst diese Dinge nachzulesen. Zuerst, wie Gott in 2. Mose 20 diese Verheißung an Israel gegeben hat. Überall, wo sie diesen Altar aus Erde haben würden, da wird Gott seinen Namen wohnen lassen, da wird Er eine Gedächtnisstätte errichten für seinen Namen, oder wie es hier heißt: „Wo ich meines Namens werde gedenken lassen.“

Das ist ein schöner Übergang zu dem Thema von morgen Abend. Denn wenn wir am Tisch des Herrn zusammenkommen, kommen wir geistig an einem Altar zusammen, und wir essen von dem Brot zum Gedächtnis des Herrn Jesus, nach dem schönen Wort aus Jesaja 26: „Nach deinem Namen und nach deinem Gedächtnis ist die Sehnsucht unserer Seele.“ Dort, wo wir zum Gedächtnis des Herrn Jesus, zum Gedächtnis seines Todes und seiner Leiden zusammenkommen, da haben wir ein Denkmal seines herrlichen Namens in unserer Mitte. Das war damals noch in der Wüste, aber Gott sagt: Wenn ihr in das verheißene Land kommen werdet, so werdet ihr suchen müssen nach einem Ort, wo Ich meinen Namen wohnen lassen werde.

Wir haben diesen Ausdruck, wenn ich richtig gezählt habe, achtmal in 5. Mose von Kapitel 12 an: „Der Ort, wo ich meinen Namen wohnen lassen will“. Gott hat Freude daran, einen Ort auszusuchen, wo Er seinen Namen wohnen lässt. Das war der Ort Jerusalem später, wo der Tempel gebaut wurde und wo Er das Volk Gottes versammelt. 5. Mose 12 sagt schon, dass das Volk dort zusammenkommen sollte mit ihren Opfern. Wenn sie sich freuen wollten in der Gegenwart Gottes, sollten sie es dort tun, wo Gott seinen Namen hat wohnen lassen. Wenn es Zuchtfragen gäbe, dann müssten sie sie dort lösen. Wenn sie sich freuten oder wenn sie betrübt waren, wenn es die Feste Israels waren – sie sollten sich versammeln, wo Gott seinen Namen hatte wohnen lassen. Was im Neuen Testament steht, ist ein ganz alter Gedanke aus dem Alten Testament.

Jeder sollte diesen Ort suchen, wo der Herr wohnen will

Ich möchte am Schluss auf ein paar Hinweise eingehen aus 5. Mose. Zuerst: Sie sollten diesen Platz suchen. Viele Gläubige fragten mich: Aber Sie haben geschrieben, wo Gott heute will, dass die Gläubigen zusammenkommen. Geben Sie mir eine Adresse, wo ich solche Gläubige finden kann. Und ich habe gesagt: Suchen Sie diesen Ort zuerst in der Schrift. Sie müssen zuerst in Ihrem eigenen Gewissen überzeugt sein, dass das nach den Gedanken Gottes ist. Sie müssen erst selbst In der Schrift auf die Suche gehen, nach welchen Grundsätzen Gott sein Volk versammeln will, und wenn Sie in Ihrem Gewissen überzeugt sind, dann bin ich sicher, dass Gott Ihnen diesen Weg weisen wird. Wir haben kein Interesse daran, Propaganda zu machen für irgendwelche Gruppen. Wir können nur auf solch einen Platz hinweisen, wenn Sie zuerst in Ihrem eigenen Gewissen aus der Schrift davon überzeugt sind. Und so wollte Gott das auch. Er wollte sein Volk üben. Er gab nicht die Adresse. Er sagte nicht: Das ist in Jerusalem. Er sagte: Ihr müsst diesen Platz suchen. Nun, wir wissen, das hat vierhundert Jahre gedauert. Gott hatte es seinem Volk nicht leicht gemacht, und Er tut es heute auch nicht. Schließlich wurde der Platz von einem einzigen Mann gefunden, von dem wir In Psalm 132 lesen, dass er schon als junger Mann auf seinem Bett diesen Platz gesucht hat, sich danach gesehnt hat, diesen Platz zu finden, wo Gott seinen Namen wohnen lassen wollte. Er ist ganz buchstäblich auf die Suche gegangen, er wollte wissen, wo die Bundeslade eigentlich war. Die Bundeslade, die Gottes Gegenwart vertrat, sollte dort sein, wo Gott seinen Namen wohnen lassen wollte. Es stellt sich heraus: David hat ihn gefunden, das war in Jerusalem auf dem Berge Zion. Ein Mann hat es gefunden. Es war nicht viel Glaube im Volk, um diesen Platz zu finden. Wer hatte denn Interesse daran, wer kümmerte sich noch um das, was Mose in 5. Mose 12 gesagt hatte?

Der (geistliche) Ort des Versammelns ist nicht willkürlich

Zum Schluss möchte ich noch einiges erwähnen aus 5. Mose 12; es ist so wichtig. Mose sagt von zwei Orten, wo sie nicht ihre Opfer bringen sollten und von einem Ort, wo sie es wohl tun sollten. Er sagt zuerst in Vers 2 und 3: Ihr sollt alle die Orte gänzlich zerstören, wo die Nationen, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient haben. Das sind keine Orte für die Gläubigen, um ihre Opfer zu bringen. Das sind die heidnischen Orte, wo die Götzen angebetet werden. Auch heute in der großen Verwirrung wissen wir, wie viele Christen oder sogenannte Christen wieder dort Gott dienen, wo wir es eigentlich mit Götzendienst zu tun haben. Gott hatte gewollt, dass sie nichts damit zu tun haben, dass sie das alles ablehnen sollten, dass ihre Seelen auf keinerlei Weise zu solchen Orten hingezogen würden, wo der Dienst Gottes mit dem Dienst an Götzen vermischt wird. Ich denke, die meisten von uns haben mit diesem Problem nichts zu tun, aber passen wir auf. Es heißt auch in Vers 13: Hüte dich, dass du nicht deine Brandopfer an jedem Ort opferst, den du siehst. Das heißt, etwas freier übersetzt: an jedem willkürlichen Ort. Wir kennen viele liebe Christen heutzutage, die unzufrieden sind in den Kirchen, wo sie ursprünglich waren. Sie fühlen in ihren Herzen, dass das nicht richtig ist, wo sie sind, und sie verlassen diese Kirchen, ohne sich zu fragen, was nach dem Willen des Herrn ist. Sie begnügen sich damit, einige Geistesverwandte zu finden. Sie haben so genug von Kirchen, dass sie sich gar nicht kümmern um „die Kirche“, die Versammlung Gottes auf dieser Erde. Das ist das Zusammenkommen an jedem willkürlichen Ort. Aber Gott sagt: Ich will, dass ihr auf die Suche geht nach dem Ort, wo Ich Meinen Namen wohnen lasse.

Ich wiederhole, das ist der Ort, wo wir uns versammeln auf der Grundlage der ganzen Versammlung, nicht irgendwelcher Gruppen, sondern wo alle Gläubigen willkommen sind, wo man sich nicht unabhängig von anderen Gläubigen versammelt, sondern auf der einen Grundlage der einen Versammlung, und zweitens, wo nur der Herr Jesus der Mittelpunkt ist, wo alles um Ihn geht, nicht um menschliche Führer oder Einrichtungen, sondern um seine Ehre, um seine Anbetung. Er ist der Mittelpunkt, und wo wir uns so zu seinem Namen hin versammeln, da ist Er nach seiner Verheißung in der Mitte.

Letzte Aktualisierung: 08.10.2016

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