Frage: Was ist mit dem Problem, dass es viele „Gemeinden“ an einem Ort gibt?
Epheser 4,3

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 30.05.2001, aktualisiert: 13.09.2018

Leitvers: Epheser 4,3

Eph 4,3: … euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens.

Fragenbeantwortung zum Artikel
Gemeindebau „heute“ (1985) – 2. Timotheus 2

Frage 7

Noch ganz kurz eine Frage: Es gibt ja viele Kreise, die ineinander keine Abhängigkeit zeigen, und deren Mitglieder sich auch nicht um andere kümmern. Wie soll man sich verhalten, wenn zwei Straßen weiter von einer „Versammlung“ eine Baptistengemeinde ist, aber es gibt keinen Kontakt?

Antwort

Als ich die erste Hälfte der Frage las, dachte ich, dass die Frage ganz anders aussehen würde. Wir haben mit der Lage zu tun, dass es viele gibt, die zwar gesehen haben, dass sie nicht in den großen Kirchen bleiben können wegen vieler Dinge, die mit der Schrift nicht in Übereinstimmung sind. Sie haben eigentlich von allem, was „Kirche“ heißt, so genug, dass sie, wenn sie weggehen, sich damit begnügen, mit einigen Gläubigen zusammenzukommen. Überall, wo sie solche Gruppen finden, freuen sie sich, haben aber untereinander keine Verbindung. Sie sind von einem Extrem ins andere gefallen. Sie haben die Gemeinde Gottes, die „Kirche“ Gottes, in schriftgemäßem Sinn aus dem Auge verloren. Sie versammeln sich also nicht auf der Grundlage der „Einheit des Leibes“, sie versammeln sich auf der Grundlage des Lebens, das Kinder Gottes gemeinsam haben.

Was bedeutet das nun praktisch? Wenn ich solchen Gläubigen begegne, kann ich die Gemeinschaft des neuen Lebens immer genießen. Ich frage nicht nach der Benennung der Gemeinschaft, zu der jemand gehört, wenn ich ihm im Zug oder anderswo begegne. Wenn ich merke, das ist ein Christ, dann freue ich mich in dem, was wir gemeinsam haben, in dem Herrn Jesus. Da brauche ich ihn nicht zu fragen, wo er hingeht. Es ist vielleicht jemand, den ich nie wiedersehen werde. Ich freue mich in dem gemeinschaftlichen Leben.

Aber Leben ist nicht die Grundlage für das Zusammenkommen. Es ist nicht die Einheit des Lebens, sondern wie in Epheser 4, die Einheit des Geistes. Das setzt voraus, dass die Dinge des Fleisches verurteilt werden. Dann müssen wir schon andere Dinge betrachten. Wenn sich jetzt herausstellt, dass dieser Mann im Zug und ich in der gleichen Stadt wohnen, und er fragt mich, warum wir sonntags nicht denselben Weg gehen, dann müssen mehrere Dinge besprochen werden als das eine, dass wir dasselbe Leben aus Gott haben. Wenn wir uns näher kennengelernt haben, dann kann es so sein, dass der andere zu einem Ort geht, an dem man diese Einheit des Leibes nicht sieht. Wenn er darauf beharrt, dann werden wir immer stärker empfinden, was wir nicht gemeinsam haben, und das ist dieselbe Liebe zur Einheit des ganzen Leibes.

Die Einheit des Leibes ist etwas ganz anderes als die Einheit der Kinder Gottes. Die Einheit der Kinder Gottes erlebe ich überall, wo ich Gläubigen begegne, aber die Einheit des Leibes wird nicht in solchen persönlichen Begegnungen zum Ausdruck gebracht, sondern am Tisch des Herrn. Das ist das Einzige, das ich aus der Schrift kenne: Die Gemeinschaft des Leibes Christi wird zum Ausdruck gebracht in dem gemeinsamen Brotbrechen am Tisch des Herrn. Wenn einer die Einheit der Kinder Gottes kennt, aber nicht die Einheit des Leibes, können wir nicht zusammen den gleichen Weg gehen. Wir haben zwar die Gemeinschaft der Kinder Gottes, aber es fehlt etwas Wesentliches. Je mehr wir einander kennenlernen, um so wichtiger wird das werden, worin wir voneinander verschieden sind. Auch wenn nur ein paar Straßen dazwischen sind, werden wir jeden Sonntag zu verschiedenen Orten gehen, und immer deutlicher wird, dass wir denselben Weg nicht gehen wollen, obwohl wir die Einheit als Kinder Gottes kennen. Wenn der andere nicht sieht, was die Einheit des Leibes bedeutet, bleiben wir getrennt voneinander. Die praktische Einheit als Kinder Gottes wird dadurch, denke ich, auch getrübt. Man steht einander nicht mehr so frei gegenüber wie bei der ersten Begegnung. Wir haben es nicht nur mit der Einheit der Familie Gottes zu tun, sondern auch mit der Einheit des Leibes und mit der praktischen Bewahrung der Einheit des Geistes.

Weitere Fragen

Frage 1a

Die erste Frage ist zu 1. Korinther 10 und Matthäus 18: „Kann es eine genau begrenzte und bekannte Zahl von Versammlungen geben, von der gesagt wird: Dort ist der Tisch des Herrn und nirgendwo sonst?“

Frage 1b

Inwieweit ist die Gegenwart des Herrn nach Matthaus 18 in der Mitte eines Zusammenkommens von Gläubigen von der Anerkennung anderer Geschwister bzw. Versammlungen abhängig?

Frage 2

Apostelgeschichte 2,46: „… und zu Hause das Brot brachen.“ Fand das Brechen des Brotes hier im Hause eines Gläubigen statt und nicht in einem eigens dafür eingerichteten Versammlungsraum? Könnte man sich auch heute noch in den Wohnungen einzelner Gläubiger zum Brechen des Brotes versammeln?

Frage 3

Goldene und silberne Gefäße sind Christen. Besteht ein Unterschied zwischen ihnen? Sind goldene Gefäße besser?

Frage 4

Wir haben gesehen, dass die Gläubigen von dem Fleischmarkt kaufen durften, ohne sich Sorgen zu machen, aber nicht am Altar an den Götzenmahlzeiten teilnehmen durften. Was ist die Bedeutung für uns?

Frage 5

Ich habe kürzlich, mit Berufung auf 2. Korinther 2,6 (Fußnote) gehört, dass für den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Heiligen nur eine Mehrheit, nicht aber alle Gläubigen der örtlichen Gemeinschaft nötig sind. Ist diese Auffassung richtig oder nicht?

Frage 6

Wie sieht praktisch der Maßstab aus, Ungerechtigkeit zu erkennen? Wie darf hierzu die Stelle aus dem Thessalonicherbrief eingeordnet werden (Abwenden von denen, die unordentlich wandeln; 2. Thessalonicher 3,6)?

Frage 7

Noch ganz kurz eine Frage: Es gibt ja viele Kreise, die ineinander keine Abhängigkeit zeigen und deren Mitglieder sich auch nicht um andere kümmern. Wie soll man sich verhalten, wenn zwei Straßen weiter von einer Versammlung eine Baptistengemeinde ist, aber es gibt keinen Kontakt?

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