Erziehung – Kniearbeit
1. Samuel 1,10; Richter 13,8; 2. Mose 3,3-9; Hiob 1,5

Günther Kausemann

© G. Kausemann, online seit: 23.08.2001, aktualisiert: 18.11.2017

Leitverse: 1. Samuel 1,10; Richter 13,8; 2. Mose 2,2-9; Hiob 1,5

Einleitung

„Rede mehr mit Gott über deine Kinder als mit deinen Kindern über Gott“, hat einmal jemand aufgrund seiner eigenen Erfahrungen allen Eltern geraten. Wir wollen diese Aussage nicht falsch verstehen. Natürlich gehört es zu den wichtigsten Aufgaben an unseren Kindern, sie so früh wie möglich mit den Schönheiten des Wortes Gottes bekannt und vertraut zu machen. Wer jedoch glaubt, das Gebet gehöre in der Erziehung nur als „Anhängsel“ zu unseren Pflichten, verschließt sich und seinen Kindern die lebensnotwendige Quelle der Kraft und des Segens und vernachlässigt ein großes Vorrecht, das Gott uns in Seiner Gnade anbietet.

Die Bibel belehrt uns an manchen Beispielen, dass wir uns an unseren himmlischen Vater wenden dürfen, um mit Ihm unsere Nöte und Sorgen zu besprechen, die uns überfallen, wenn wir an unsere Kinder und ihre rechte Erziehung denken.

Eine Frau betet um das Geschenk, ein Kind haben zu dürfen (1Sam 1,10)

1Sam 1,10: Und sie betete zu dem HERRN und weinte sehr.

Hanna, die Frau Elkanas, war kinderlos. Sie litt sehr unter der für sie bitteren Tatsache, dass Gott ihren Mutterleib verschlossen hatte. Die gottesfürchtige Haltung dieser Frau muss uns betroffen machen angesichts der weitverbreiteten Einstellung heute: „Mein Bauch gehört mir!“, und einer unvorstellbar hohen Zahl von Abtreibungen ungeborener Kinder. Nehmen wir überhaupt unsere Kinder als Gabe Gottes? – Was machte Hanna in ihrer Not? Sie verharrte im Gebet vor Gott und brachte Ihm unter Weinen den Kummer ihres Herzens. Samuel, ein großer Gottesmann in Israel, ist Gottes Antwort auf dieses Gebet.

Ein Ehepaar betet um rechte Ausrüstung zur Erziehung (Ri 13,8)

Ri 13,8: Da flehte Manoah zu dem HERRN und sprach: Bitte, Herr, der Mann Gottes, den du gesandt hast, möge doch wieder zu uns kommen und uns lehren, was wir tun sollen mit dem Knaben, der geboren werden soll.

Wir erinnern uns an Manoah und seine Frau. Gott hatte ihnen die Geburt eines Sohnes angekündigt und besondere Ziele in das Leben dieses Kindes hineingelegt. Noch vor der Geburt war der Vater in Sorge, die Anweisungen Gottes nicht vollständig zu kennen oder verstanden zu haben und dadurch vielleicht Fehler in der Erziehung des Sohnes machen zu können. Er bat Gott um genaue Belehrung darüber, „was wir tun sollen mit dem Jungen, der geboren werden soll“. Gott konnte nicht anders, als auf dieses Flehen zu antworten und Seine Vorstellungen den Eltern Simsons – bekanntlich ist er der Manoah verheißene Sohn – verständlich auseinanderzulegen. – Wir wollen uns Mut machen, schon die ungeborenen Kinder vor unseren HERRN zu bringen, damit sie von uns auf einen bestimmten, gottgewünschten Weg gelenkt werden können.

Eltern beten um den richtigen Weg für ihr Kind (2Mo 2,2-9)

2Mo 2,2.3: Und die Frau … gebar einen Sohn. Und sie sah, dass er schön war, und verbarg ihn drei Monate. Und als sie ihn nicht länger verbergen konnte, nahm sie für ihn ein Kästchen aus Schilfrohr und verpichte es mit Erdharz und mit Pech und legte das Kind hinein und legte es in das Schilf am Ufer des Stromes.

Die Eltern des Mose wussten um die lebensbedrohende Situation ihres Sohnes. Der Befehl des Pharao, dass alle neugeborenen Knaben getötet werden mussten, lag wie ein dunkler Schatten auf ihrem Haus. Wie viel Kniearbeit werden Amram und Jochebed geleistet haben! Welche Angst wird sie Tag um Tag gequält haben, wenn sie an ihr Kind dachten! Sie kannten aber auch die Tatsache, dass ihr Sohn „schön war für Gott“. Das gab ihnen Trost und auch Mut zum Handeln.

Ist auch in uns etwas lebendig von diesem Wissen um den unvergleichlichen Wert unserer Söhne und Töchter für den, der sie uns anvertraut hat? Mit Mose ging Gott einen nicht alltäglichen Weg. Aber die Anweisung der Tochter des Pharao an die Eltern des Mose ist Gottes Auftrag an alle, die Kinder aufziehen sollen: „Nimm dieses Kind mit und stille es für mich, dann werde ich dir deinen Lohn geben!“ Gott will uns ausrüsten für diesen nicht leichten Dienst, an den Er alle Eltern gestellt hat. Das Gebet der Fürbitte ist hier notwendig: täglich und in besonderen Situationen.

Ein Vater verwendet sich für seine Kinder vor Gott (Hiob 1,5)

Hiob 1,5: Und es geschah, wenn die Tage des Gastmahls vorüber waren, so sandte Hiob hin und heiligte sei; und er stand frühmorgens auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob sprach: Vielleicht haben meine Kinder gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt. So tat Hiob allezeit.

Vorbildlich für uns ist das Verhalten Hiobs. Sind wir bereit, von ihm zu lernen? Seine Kinder feierten Feste miteinander. Hiob rang für sie vor Gott im Gebet: „Vielleicht haben sie gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt.“ Der besorgte Vater stellte seine Kinder neu in Gottes Gegenwart, machte sich eins mit ihrer Schuld und lag im Bekenntnis vor Gott, indem er Ihn gnädig stimmte durch das Darbringen von Brandopfern. Hiob empfindet überaus stark seine Verantwortung auch für die schon herangewachsenen Kinder, er weiß um die Grenzen seiner Möglichkeiten der Beeinflussung, er weiß aber auch um die einmalige Chance der Fürbitte um Gottes Barmherzigkeit für seine Kinder. Gottes Gnade ist groß, wenn wir mit oder auch für unsere Kinder Buße tun.

Wir dürfen hier etwas lernen vom Wert des Gebets für unsere Kinder und mit unseren Kindern. Wenn wir das Vorrecht hatten, von gläubigen Eltern betend begleitet worden zu sein, erinnern wir uns sicher mit bewegtem Herzen an die Liebe, mit der wir in den täglichen Hausandachten von ihnen vor den HERRN getragen wurden, wenn sie uns nach dem Vorbild Daniels„dreimal am Tag mit geöffneten Fenstern nach Jerusalem“ der Gnade Gottes anbefohlen haben.

Wer könnte es vergessen, wenn nach bösem Tun der Vater nach einer Aussprache sich mit seinem Kind hinkniete, um unter Tränen Gottes Erbarmen für uns zu erflehen? Wen lässt es gleichgültig, wenn er aus dem Nebenzimmer hört, dass seine Eltern für ihn vor Gott ringen, dass sie Ihn um Hilfe anrufen und ihr eigenes Versagen in der Erziehung bekennen? Das ist vorbildliche Erziehung, ein Führen in eine Richtung, die Gott gefällt. Die Herzen der Kinder werden erreicht und berührt.

Wir alle aber versagen oft

Das wissen wir aus trauriger Erfahrung in unserem Leben. Auch Glaubensmänner in der Bibel versagten in der Erziehung ihrer Kinder.

  • Der Priester Eli sah das böse Handeln seiner Söhne. Er ermahnte sie, jedoch ließ er es an Strenge und Nachdruck fehlen. Er musste den Untergang seines Hauses erleben.
  • David hatte seinen Sohn Adonija, „solange er lebte, nie gekränkt, dass er gesagt hätte: Warum handelst du so?“ Adonija musste schließlich sterben, weil seine Wünsche unerfüllbar wurden und Gottes Gericht ihn treffen musste.
  • Isaak zog seinen Sohn Esau vor, weil Wildbret nach seinem Mund war, und Rebekka liebte den Jakob. Die Katastrophe war vorprogrammiert.

Aber auch das andere gilt: „Gott hat keine Enkel.“ Auch das Kind aus gläubigem Elternhaus muss sich selbst für den Weg der Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her entscheiden und die volle Verantwortung für seine Entscheidung selbst tragen. Mit Gebet und Flehen dürfen wir auch das wichtige Anliegen der Erziehung unserer Kinder in allem als unser dringendes Anliegen vor Gott kundwerden lassen. Wenn wir dieser Seiner Aufforderung nachkommen, wird Er handeln – vielleicht anders, als wir dachten, aber stets als der große souveräne Gott, der weiß, was gut und richtig ist.


Mit freundlicher Genehmigung: Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
aus Die Wegweisung (heute: Perspektive)
www.cv-dillenburg.de


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