Fortdauernde Liebe
Eheratschläge aus dem Leben Hoseas und Gomers (Hos 1–3)

Philip Nunn

© SoundWords, online seit: 19.04.2011, aktualisiert: 10.09.2018

Leitverse: Hosea 1–3

Wenn wir die Liste der Könige betrachten, die im Eröffnungsvers (Hos 1,1) erwähnt werden, dann können wir daraus schließen, dass Hosea über einen Zeitraum von mindestens dreißig Jahren tätig war, wobei sein Dienst irgendwann zwischen 785 und 750 v.Chr. begann. In jener Zeit war das Volk Israel in zwei Königreiche geteilt – Juda und Israel –, die beide den Herrn nicht beachteten. Die Worte des HERRN durch Hosea zeichnen ein trauriges Bild dieser Zeit: „Denn es ist keine Wahrheit und keine Güte und keine Erkenntnis Gottes im Land. Schwören und Lügen und Morden und Stehlen und Ehebrechen; sie brechen ein, und Blutschuld reiht sich an Blutschuld. …; sie haben es aufgegeben, auf den HERRN zu achten. Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg. … Der Geist der Hurerei hat es [mein Volk] irregeführt, und durch Hurerei verlassen sie ihren Gott“ (Hos 4,2.10-12). Und doch, selbst unter diesen Bedingungen, fuhr der HERR fort, sein Volk innig zu lieben.

Die ersten drei Kapitel des Buches Hosea enthalten eine Biographie des Lebens Hoseas, unter besonderer Berücksichtigung seiner häuslichen Erfahrungen. „Als der HERR anfing, mit Hosea zu reden, da sprach der HERR zu Hosea: Geh hin, nimm dir ein Hurenweib und Hurenkinder. … Und er ging hin und nahm Gomer“ (Hos 1,2.3). War das vielleicht eine Prüfung seines Gehorsams? Würde der HERR wirklich von einem Mann Gottes verlangen, eine solche Frau zu heiraten? Manche Bibelausleger zweifeln daran, dass dies wirklich passiert ist. Sie fühlen sich wohler bei dem Gedanken, dass es sich bei der Heirat des Propheten wohl eher um eine Vision oder einen Traum gehandelt habe oder dass diese Heirat allegorisch oder als Gleichnis zu verstehen sei. Ist diese Abschwächung des Textes nötig? Oder lässt sie nur die wohlbehütete Existenz dieser Ausleger erkennen? Prostituierte sind wirkliche Menschen. Sie träumen auch, weinen auch, können auch lieben. Ist es so ungöttlich, Gomer die Möglichkeit einer stabilen Beziehung anzubieten? Auch die Kinder von Prostituierten brauchen Sicherheit und ein Zuhause. Ich sehe persönlich keinen Grund, weshalb die Beschreibung der Ehe von Hosea und Gomer nicht wörtlich genommen werden sollte als Beschreibung dessen, was wirklich passiert ist. Diese schmerzliche Liebesgeschichte liefert uns einige sehr hilfreiche Einsichten als Hilfe für unsere eigenen Ehen, unsere Häuser und zu unserer geistlichen Entwicklung.

Hosea wird für einen Propheten des nördlichen Königreichs gehalten, das vom HERRN durch Götzendienst abgefallen war. Doch die Botschaft des HERRN durch Hosea stellte eine vollständige Wiederherstellung in Aussicht: „Und die Kinder Juda und die Kinder Israel werden sich miteinander versammeln und sich ein Haupt setzen“ (Hos 2,2). Die Freude und das Leid, die Hosea und Gomer miteinander durchlebten, finden eine deutliche Parallele in der Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel. Zuweilen benutzt Gott Hoseas häusliche Schwierigkeiten, um ihm zu helfen, zu verstehen, wie Er bezüglich Israels fühlt; und manchmal geschieht es genau umgekehrt: Hosea lernt seine eigensinnige Frau zu verstehen und mit ihr umzugehen, indem er erkennt, wie der HERR das eigensinnige Israel liebt und behandelt. Gelegentlich fällt es schwer, zu erkennen, ob der Text gerade von Gomer oder von Israel handelt, von Hosea oder vom HERRN selbst. Häufig lassen sich die Worte und Ausdrücke für beide Fälle passend anwenden. Der Gebrauch von Themen wie Liebe, Ehe, Kinder, Untreue, Schmerz und Wiederherstellung bekräftigen den Aufruf des HERRN zu Buße und Umkehr. Göttliche Liebe gibt niemals auf.

1. Jede Ehe hat ihre Probleme

Man muss kein professioneller Eheberater sein, um in der Verbindung zwischen Hosea und Gomer Schwierigkeiten voraussagen zu können. Ihre Herkunft ist einfach zu unterschiedlich; und doch: Es war der Wille des HERRN, dass sie heiraten sollten. Vielleicht erlebst du manches Frustrierende in deiner Ehe. Es kann sein, dass du anfängst, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass du und dein Partner zu unterschiedlich seid, dass du die falsche Person geheiratet hast. Halte einen Moment inne, und lass uns zusammen die ersten drei Kapitel des Buches Hosea untersuchen. Die Verbindung zwischen Gomer und Hosea kann uns eine ganze Menge über die Ehe lehren.

Ihre Hochzeit

Versuche dir einmal bildlich die Hochzeit einer Prostituierten und eines unterwürfigen Propheten vorzustellen. Wer würde sich bei einer solchen Feier wohl fühlen? Wenn sich vielleicht einige wenige der Freunde Gomers und Hoseas entschlossen haben, dort aufzutauchen, so werden sie sich doch nicht durcheinandergesetzt haben. Von Anfang an stehen sie im Zentrum sozialer Gegensätze. Kannst du dir die Kommentare von Hoseas Familie und seiner gottesfürchtigen Freunde vorstellen? Kannst du dir ein Bild machen vom spöttischen Grinsen in den Gesichtern von Gomers Arbeitskolleginnen? Selbst heute noch können Außenstehende gegenüber verheirateten Paaren sehr verletzend sein und sie auseinandertreiben, indem sie unaufgefordert ihre persönliche Meinung zum Ausdruck bringen.

Ihr Heim

Und nun versuche, dir ihr häusliches Leben vorzustellen. Gomer war keine junge Anfängerin. Als Hosea sie heiratete, zog sie mit ihren „Hurenkindern“ bei ihm ein. Die Anpassung an das gemeinsame Leben muss sehr schwierig gewesen sein. Hoseas ruhiges und durch Hingabe an Gott geprägtes Leben wurde schnell von Lärm, Ansprüchen und Verpflichtungen geradezu überschwemmt. Mein lieber Leser, wenn Gott Pläne für diese außergewöhnliche und schwierige Verbindung hatte, dann bin ich sicher, dass Er auch für deine Ehe einen einzigartigen Plan hat – auch wenn du das im Augenblick nicht erkennst.

Ihre Nachkommenschaft

Nach der Hochzeit gebar Gomer Hoseas ersten Sohn. Er wurde Jisreel genannt. Damals und in manchen Kulturen auch heute noch hatte der Name einen Zweck und eine Bedeutung. Hosea (wie seine Varianten Hoshea, Joshua, Jesus) bedeutet „Retter“ oder „Rettung“. Im Falle Hoseas trifft der Name sehr genau seine Rolle und untermauert die Botschaft, dass Hosea ein Bild des HERRN ist. Die Namen von Hoseas drei Kindern haben wohl eine Doppelbedeutung, indem sie einmal den Zustand des Volkes Israel widerspiegeln, andererseits aber wahrscheinlich auch von der Entwicklung in seinem eigenen Haus berichten. Jisreel bedeutet „Gott sät“. Hier wird die Hand des HERRN in der Verbindung zwischen Hosea und Gomer anerkannt. Dann kam eine Tochter, Lo-Ruhama, was „nicht geliebt“ oder „nicht begünstigt“ bedeutet. Muss ein Verliebtsein nach dem ersten Kind sterben? Dieser Name lässt darauf schließen, dass irgendetwas in dieser Ehe nicht gut lief. Dann gebar Gomer einen Sohn, Lo-Ammi, was „nicht von mir“ bedeutet. Nahm Hosea vielleicht an, dass Gomer wieder zu ihren unaufrichtigen Tricks gegriffen hatte? Keine Ehe hat die Glückseligkeit gepachtet. Selbst Verbindungen, die unter der Leitung des HERRN stehen, haben ihre kritischen Momente und – wenn man nicht aufmerksam ist – sehr große Probleme. Passt du gut auf deinen Partner auf? Mangelnde Zuneigung, vielleicht Untreue, sind wirklich auch in deiner Ehe möglich!

Bevor wir fortfahren, uns mit Gomers Untreue zu beschäftigen, lohnt es sich, darauf zu achten, wie Hosea seine Kinder nennt. War es ihr Fehler, in die Schule gehen zu müssen und „nicht geliebt“ oder „nicht von mir“ gerufen zu werden? In Hosea 2,3.25 erfahren wir, dass Hosea die Vorsilbe „Lo“ (die „nein“ oder „nicht“ bedeutet) bei ihren Namen weglässt, indem er sie Ruhama (das bedeutet „Liebe“, „Gnade“, „Zuneigung“) und Ammi (was „mein“, „mein Volk“, „Landsmann“, „Verwandter“ bedeutet) nennt. Es ist schlimm genug, wenn Kinder an den Folgen der Konflikte zwischen ihren Eltern leiden müssen. Wenn man Wege findet, ihnen zu versichern, dass sie geliebt werden und dazugehören, kann man ihnen die Sicherheit vermitteln, die sie brauchen, während die Eltern ihre Probleme zu lösen versuchen.

2. Schritte zum Ehebruch

Versagen ist selten ein plötzliches Ereignis. Es ist der Höhepunkt einer Entwicklung. Verschiedene Warnsignale werden übersehen, und schließlich kommt der Augenblick der Krise. Die meisten moralischen Sünden, vielleicht alle Sünden, beginnen in Gedanken. Wir fühlen uns zu einem Mitglied des anderen Geschlechts hingezogen, was ganz normal ist; aber wenn wir mit der „entfernten Möglichkeit“ einer außerehelichen Beziehung spielen, befinden wir uns bereits auf einem falschen Weg mit Sturzgefahr. Flirten Christen? Diese wissenden Blicke, die privaten E-Mails, die heimlichen Telefongespräche … wenn es eine wärmende Vorfreude auf das nächste Zusammensein gibt, hat die „ehebrecherische Beziehung“ schon angefangen. Manche meinen irrtümlicherweise, Ehebruch begänne erst, wenn man zusammen ins Bett geht, aber das Jesuswort ist sehr deutlich: „Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, hat schon Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen“ (Mt 5,28). Was passierte nun mit Gomer?

Zuerst bringt jede neue Erfahrung auch Momente der Erregung mit sich. Gomer hatte jetzt die Sicherheit eines liebenden Ehemannes und ein eigenes Heim. Manchmal wird vergessen, dass zu jedem Privileg auch Verantwortung gehört. Das Herrichten eines Heimes erfordert Arbeit und Opfer. Was veranlasste Gomer, ihr Heim zu verlassen?

  • Egoismus: War Gomer nicht gewillt, den Preis zu zahlen? Hörte sie etwa auf, über Hoseas Herz und die Zukunft ihrer Kinder nachzudenken?
  • Vergleiche: Ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit ermöglichten ihr den Vergleich zwischen Hosea und anderen Männern. Sie fand es wohl schwierig, von einem einzigen Mann befriedigt zu werden.
  • Ehrgeiz: Hosea sorgte gut für sie (Hos 2,10); aber vielleicht konnte er ihr nicht alles geben, was sie verlangte.
  • Abenteuer: Vielleicht zog sie die Erregung des Risikos und der Ungewissheit der Vorhersehbarkeit der Sicherheit vor.

Viele Männer und Frauen fühlen sich frustriert wegen des Fehlens einer gewissen Romantik in ihrer Ehe. Sie (Gomer) lernte nicht, das wertzuschätzen, was der HERR ihr mit ihrem Ehemann geschenkt hatte. Eines Tages beschloss Gomer, ihren gut ausgedachten Plan in die Tat umzusetzen: „Sie sprach: Ich will meinen Liebhabern nachgehen, die mir mein Brot und mein Wasser geben, meine Wolle und meinen Flachs, mein Öl und mein Getränk“ (Hos 2,7). Und sie tat es.

Wie sind deine Gefühle gegenüber deinem Ehepartner? Bist du einer von denen, die immer noch meinen, dass ein gelegentlicher Flirt ein unschuldiges Vergnügen ist und dass sexuelle Phantasien ja niemandem schaden? Sexuelle Sünde kann das Gewissen betäuben. Dann sind wir anfällig für Versteckspiele, Leugnen und rationale Erklärungsversuche. „So ist der Weg einer ehebrecherischen Frau: Sie isst und wischt ihren Mund und spricht: Ich habe kein Unrecht gegangen“ (Spr 30,20). Wenn wir uns einmal entscheiden, mit verborgener Sünde zu leben, zwingen wir uns selbst zur Heuchelei: „Ehebrechen und Wandel in der Lüge“ (Jer 23,14). Glückliche Ehepartner schützen ihre Ausschließlichkeit. Das erfordert Selbstdisziplin und Opfer.

3. Der Herr hasst außereheliche Affären

Indem sie einen verletzten Ehemann und weinende Kinder zurücklässt, kehrt Gomer zu ihrem promisken, freien Lebensstil zurück. Manche alten Freunde werden ihr vermutlich dazu gratuliert haben, dass sie genug Mut hatte, sich aus einer solchen restriktiven, altmodischen, monogamen Beziehung zu lösen. In Ihrer Ichbezogenheit hatte Gomer möglicherweise vergessen, dass sie Teil eines Hauses war, mit dem der HERR ganz spezielle Pläne hatte. Wie sieht Gott solche, die ihr Eheversprechen ignorieren, um sich in ein aufregenderes Abenteuer zu stürzen? Als Antwort auf Gomers Entscheidung sagt der HERR: „Ihre Mutter hat gehurt … Darum siehe, ich will deinen Weg mit Dornen verzäunen, und ich will ihr eine Mauer errichten, dass sie ihre Pfade nicht finden soll. Und sie wird ihren Liebhabern nachlaufen und sie nicht erreichen“ (Hos 2,7.8). Wir können nicht mit Gottes segnender Hand rechnen, wenn wir uns auf einem Weg des Ungehorsams befinden. Innerhalb der Ehe segnet Gott die Sexualität, außerhalb der Ehe steht Er ihr ablehnend gegenüber.

In den Zehn Geboten wird eheliche Untreue zwei Mal verurteilt (2Mo 20,14.17). Unter dem Gesetz war Untreue ein schweres Verbrechen: „Wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau eines Mannes, wenn er Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, so sollen der Ehebrecher und die Ehebrecherin gewiss getötet werden“ (3Mo 20,10). Und so überrascht es nicht, zu sehen, dass der HERR Gomers Vorhaben verhindert. Sie erwartete, dass sie glücklich würde mit ihren Liebhabern, aber ihre Freude verwandelte sich schon bald in Enttäuschung. Sie wurde verwirrt – sie konnte ihren Weg nicht mehr finden (Hos 2,8). Der HERR verminderte ihre sexuelle Anziehungskraft – ihre Liebhaber interessierten sich nicht mehr für sie (Hos 2,9). Man hielt sie für unrein und unmoralisch (Hos 2,12). Er nahm ihr ihre Feste (Hos 2,13) und schwächte ihre finanziellen Möglichkeiten (Hos 2,14). Der HERR verkündete: „Und ich werde an ihr Tage der Baalim heimsuchen, an denen sie ihnen räucherte und sich mit Ohrringen und ihrem Halsgeschmeide schmückte und ihren Liebhabern nachging“ (Hos 2,15). War Gott etwa gemein? Nein! Er brachte sie an den Punkt, wo sie sagte: „Ich will hingehen und zu meinem ersten Mann zurückkehren, denn damals ging es mir besser als jetzt“ (Hos 2,9) Ist dein Partner im Begriff, dich zu verlassen? Bete für ein Wunder – der Heilige Geist ist immer noch wirksam. Der HERR kann im Herzen deines Partners wirken und ebenso durch die Umstände, in denen sich dein Partner gerade befindet.

Wir leben in einer gottlosen Gesellschaft. Eheliche Untreue ruft kein soziales Missfallen mehr hervor. Jeder scheint Verständnis dafür zu haben, wenn Ehen nach vielen Jahren auseinanderbrechen und durch „frische“ Alternativen ersetzt werden. Kann dir das auch passieren? Nachdem der Herr Jesus vor dem außerehelichen Verhältnis gewarnt hat, fügt Er hinzu: „Wenn aber dein rechtes Auge dir Anstoß gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde“ (Mt 5,29). Die Botschaft ist klar: Wenn wir den Segen des HERRN für unsere Ehe wünschen, müssen wir radikal sein in dem, was wir uns anzuschauen und zu berühren erlauben. Ja! Der HERR erwartet von uns, dass wir das „abschneiden“, was uns in Gefahr bringen könnte. Gomer entschied, dass sie genug gelitten habe, und begab sich auf den Weg nach Hause.

4. Die Entscheidung, zu vergeben

Was sollte Hosea mit einer Frau wie Gomer nun anfangen? Sollte er ganz einfach „vergeben und vergessen“ und normal weiterleben? Bei geringeren Vergehen mag das möglich sein, aber bei Ehebruch? Sollte Hosea von Gomer erwarten, dass sie ihre Sünde bekennt und darum bittet, wieder aufgenommen zu werden? Sollte Gomer erst ein bisschen leiden und Schmerz empfinden, bevor ihr Vergebung angeboten würde? Sollte Hosea warten, bis sie sich Vergebung verdient hätte? Die göttlichen Anweisungen sind klar: „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig ergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr!“ (Kol 3,12.13). Ist das zu einfach?

Überraschenderweise löst das Thema Vergebung starke und gegensätzliche Gefühle bei Christen aus. Zum Teil mag das daran liegen, dass es manchen nicht gelingt, zwischen Vergebung und Wiederherstellung zu unterscheiden:

  • Vergebung ist eine Entscheidung. Es handelt sich um einen Akt der Gnade. Das können wir uns nicht verdienen. Niemals haben wir einen Anspruch darauf. Wir müssen Vergebung als großzügiges Geschenk gewähren und empfangen. Wenn etwas vergeben ist, müssen wir vielleicht noch mit den Konsequenzen aus unserem Fehlverhalten leben. Nach der Vergebung kann noch eine Wiedergutmachung notwendig sein.

  • Wiederherstellung ist ein Prozess. Wenn du eine Kränkung erfahren hast, hängt die Bereitschaft zur Vergebung von dir ab  von deiner Bereitschaft, dem HERRN zu gehorchen. Wiederherstellung dagegen erfordert ein konstruktives Zusammenwirken zwischen dir und dem, der falsch gehandelt hat. Völlige Wiederherstellung verlangt nach Buße, Bekenntnis und – wenn möglich – nach Wiedergutmachung. Es kann eine Frage von Tagen sein, bis der HERR eine betrogene Ehefrau dazu bringt, ihrem untreuen Ehemann zu vergeben. Aber die Wiederherstellung eines Vertrauens, das zur Wiederaufnahme einer glücklichen ehelichen Beziehung ausreicht, kann Monate, zuweilen Jahre dauern. Es hängt von beiden Partnern ab.

Versöhnung erfordert Gehorsam. Wenn du daran zweifelst, bring dir die deutlichen Worte des Herrn Jesus in Erinnerung: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben“ (Mt 6,14.15). Bibelgelehrte versuchen immer wieder, diesen Vers auf verschiedenartige Weise auszulegen; aber seine zentrale Botschaft ist klar und kann nicht wegargumentiert werden: Der Vater erwartet von dir und mir, dass wir vergeben, ausnahmslos. Wenn wir uns entschließen, das nicht zu tun, wird uns etwas Schlimmes und Unangenehmes treffen.

Eines Tages kam Hosea nach Hause und sah überrascht, dass seine promiske Frau zurückgekehrt war. Wie mag er sich gefühlt haben: Sollte er weinen, schreien oder gar weglaufen? Sollte er sie einem Verhör unterziehen, um alle Einzelheiten ihrer Affären zu erfahren? Sollte er sie vor den Kindern in Verlegenheit bringen? Hosea tat nicht, wozu ihn seine gefallene Natur treiben wollte. Sie bekam nicht, was sie verdient hatte. Hosea tat etwas Schmerzliches, etwas, was er bei Gott gesehen hatte: Er entschied sich zu vergeben. Indem er seinen natürlichen Wunsch nach Rache unterdrückte, begann er einen Plan für die Zukunft zu machen: „Darum siehe, ich werde sie locken und sie in die Wüste führen und zu ihrem Herzen reden“ (Hos 2,16). Als Hosea vergab, wurde er von Bitterkeit befreit – frei genug, um die Initiative zu ergreifen, seine Hand auszustrecken zu seiner ihm fremd gewordenen Frau, und Versöhnung anzubieten. Wiederherstellung kann nicht ohne Vergebung beginnen.

5. Schritte zur Wiederherstellung

Viele vermuten, dass ein Jahrzehnt oder vielleicht auch zwei zwischen Kapitel 1 und 2 verstrichen sind, weil ihre Kinder alt genug waren, dass Hosea deren Mithilfe suchen konnte, um rechtliche Schritte sowie eine mögliche Scheidung zu vermeiden: „Rechtet mit eurer Mutter, rechtet – denn sie ist nicht meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann –, damit sie ihre Hurerei von ihrem Angesicht wegtue und ihren Ehebruch zwischen ihren Brüsten weg“ (Hos 2,4). Zog Hosea eine Scheidung in Betracht? Als Jesus zu diesem schwierigen Thema befragt wurde, antwortete er: „Mose hat euch wegen eurer Herzenshärtigkeit gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen“ (Mt 19,8). „Ich hasse Entlassung, spricht der Herr“ (Mal 2,16) – aber Er weiß sehr wohl um den Eigensinn unserer gefallenen Natur; Er weiß, dass wir so viel Unordnung in unser Leben bringen können, dass Wiedergutmachung unmöglich wird. Es ist kein Fehler, sondern Rücksichtnahme auf unsere menschlichen Eigenarten, wenn der Herr Jesus die Ausnahmeklausel anfügt: „Ich sage euch aber: Wer irgend seine Frau entlässt, außer wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch“ (Mt 19,9). Ja, unter diesen Voraussetzungen hatte Hosea legale Gründe, sich von Gomer scheiden zu lassen.

Hosea wusste um seine legalen Rechte, aber er entschied sich, weiter um seine Frau zu kämpfen. Weil er liebte, schob er das rechtliche System beiseite. Hosea wählt – wie der HERR selbst – die Liebe, entscheidet sich, den Schmerz zu ertragen, die Initiative zu ergreifen und dem launenhaften Sünder nachzugehen. Kinder haben einen besonderen Platz im Herzen eines Elternteils; und so bittet er sie, bei der Rettung seiner Ehe mit ihm zusammenzuarbeiten – eine Strategie, die es wert ist, beachtet zu werden. Dann richtet er sich darauf ein, sie „zu locken“, das heißt, sie mit Charme zu locken, sie anzulocken. Er will sie zärtlich „in die Wüste führen“, weg von dem Lärm des normalen Lebens, weg von den neugierigen Ohren und Augen anderer – eine Einladung zur Besinnung und zu nochmaligem Nachdenken. Da wird er „zärtlich zu ihr reden“, das heißt „zu ihrem Herzen reden“ (Hos 2,16). Welch ein Unterschied zu der Atmosphäre bei einer rechtlichen Auseinandersetzung. Tat Gomer wirklich Buße? Oder kam sie nur aus materiellen Erwägungen zurück? (Hos 2,9). Hier müssen wir sehr vorsichtig sein. Wir mögen unsere Verdachtsmomente haben, aber der Herr allein kennt die dahinterstehenden Motive. Hosea reagierte auf Gomers Bereitschaft, ihre Liebhaber zu verlassen und heimzukommen. Der Grad ihrer erkennbaren Gewissensbisse und ihrer Reue reichte aus, den Prozess der Versöhnung in Gang zu setzen.

Eine wichtige Frucht echter Buße ist, endgültig mit allen betroffenen Liebhabern Schluss zu machen. Zuweilen ist der Preis für Versöhnung ein Wechsel des Arbeitsplatzes, der Ortsgemeinde oder sogar ein Wegzug in eine andere Stadt. Solange noch irgendeine Art Kontakt erhalten bleibt, ist es eher unwahrscheinlich, dass der schmerzliche und heilende Prozess weitergeht. Das ehebrecherische Verhältnis muss zu Tode gebracht werden, und der Prozess der Trauer muss seine natürlichen Phasen durchlaufen. Der Bruch muss endgültig und auf irgendeine Weise überprüfbar sein. Der kränkende und bereuende Teil muss gewillt sein, sich bis zu einem gewissen Grad der Rechenschaft und der Beaufsichtigung [durch den Partner; Ergänz. d. Übers.] zu unterwerfen. Das mag notwendig sein, um das zerstörte Vertrauen wieder zum Wachsen zu bringen. Um den Prozess der Aussöhnung zu fördern, sollte Gomer die Namen ihrer Liebhaber nicht erwähnen (Hos 2,19).

Hosea ergreift erneut die Initiative: „Ich werde ihr von dort aus ihre Weinberge geben“ – es ist nun genug Vertrauen entstanden, um einige materielle Vereinbarungen zu treffen – „und das Tal Achor zu einer Tür der Hoffnung“ (Hos 2,17). In diesem Tal wurde einst Achan gerichtet und zu Tode gesteinigt. Achor bedeutet „Betrübnis“. Die Furcht vor Strafe, einem gerechten Prozess, vor Scheidung verwandelt sich in einen Weg der Hoffnung. Eine Tür öffnet sich. „Dort wird sie singen wie in den Tagen ihrer Jugend“ (NIV-Übers.; Hos 2,17) – nun beginnen einige natürliche Äußerungen der Freude in die Beziehung zurückzukehren. Aber die Gnade hat immer Überraschendes zu bieten. Es passiert noch Etliches mehr:„Und es wird geschehen an jenem Tag, spricht der Herr; da rufst du: Mein Mann! Und du rufst nicht mehr: Mein Herr!“ (NIV-Übers.; Hos 2,18). Gomer war daran gewöhnt, Herren zu haben. Auch Hosea hatte sie als ihren Eheherrn angesehen. Die Gnade, die durch den Versöhnungsprozess zum Ausdruck kommt, bringt Gomer dazu, Hosea erneut zu lieben. Das ist das Wunder der Gnade Gottes: Wenn Er in einen Versöhnungsprozess einbezogen wird, kann Er eine Beziehung von Grund auf wiederherstellen und sogar zu einer höheren Stufe als vorher führen. Hoseas abschließende Worte an Gomer würden jeden Eheberater zufriedenstellen: „Und ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Gericht und in Güte und in Barmherzigkeit, und ich will mich dir verloben in Treue; und du wirst den HERRN erkennen“ (Hos 2,21.22). Das wäre doch ein sehr glücklicher Ausgang dieser Geschichte. Ist es nicht! Eine grundlegende und glückliche Versöhnung ist das, was Gott für jede zerbrochene Beziehung wünscht, aber Versöhnung ist keine Versicherung gegen zukünftige eheliche Schwierigkeiten.

6. Unangenehme Überraschungen

Kapitel 3 beginnt mit einigen deprimierenden Neuigkeiten: „Und der HERR sprach zu mir: Geh wieder hin, liebe eine Frau, die von ihrem Freund geliebt wird und Ehebruch treibt“ (Hos 3,1). Gomer war zurückgekehrt auf ihre alten, bösen Wege. Schlimmer noch, als Folge ihres schändlichen Lebensstils war sie die Sklavin eines anderen Mannes geworden und konnte nicht wieder zurück, selbst wenn sie gewollt hätte.

Warum finden es manche so schwierig, sich von gewissen Sünden, schlechten Gewohnheiten oder falschen Denkmustern frei zu machen? Zweimal benutzt Hosea einen Ausdruck, der nur in seinem Buch vorkommt: „Geist der Hurerei“. Könnte die besondere Gebundenheit an eine bestimmte Sünde im Einfluss von Dämonen begründet sein? In einer ersten Anspielung predigt Hosea gegen Götzendienst, und dann fügt er hinzu: „Der Geist der Hurerei hat es irregeführt“ (Hos 4,12). Irgendetwas, das von außen kam, hatte einen starken Einfluss auf das Volk. Aus anderen Schriftstellen wissen wir, dass es eine direkte Verbindung zwischen Götzen und Dämonen gibt (5Mo 32,16.17; 1Kor 10,20; Off 9,20). Das zweite Mal, als Hosea diesen Ausdruck benutzt, bezieht er sich auf die Unfähigkeit Israels, zu seinem Gott umzukehren. Er sieht dafür zwei Gründe: „ihr Handeln“ – die Gewohnheit des schlechten Verhaltens – und die Tatsache, dass ein „Geist der Hurerei in ihrem Inneren ist, und den Herrn kennen sie nicht“ (Hos 5,4). Wir wissen, dass Dämonen Gedankenmuster beeinflussen können, dass sie für die Wirklichkeit blind machen können, was es sehr schwer macht, richtig zu denken und zu handeln (1Tim 4,1).

Manche sehen in dem Ausdruck „Geist der Hurerei“ den Beweis dafür, dass manche Dämonen sich darauf spezialisiert haben, Menschen an sexuelle Sünden zu binden. Das mag so sein oder auch nicht. Der Begriff „Geist“ kann auch mit „Atem“ oder „Wind“ übersetzt werden, und er kann sich auf ein allgemeines Verhalten beziehen, auf eine starke Neigung oder ein tief verwurzeltes Verlangen. Die Ungewissheit über die genaue Bedeutung von Hoseas Ausdruck sollte uns nicht von der klaren Tatsache ablenken, dass wiederholte Sünde versklavt. Es ist ebenso klar, dass bei bestimmten Arten von Sünde die Anwesenheit von Dämonen zu weiterer Bindung führt. In der seelsorgerlichen Beratung wird die Vorstellung gesunder biblischer Ratschläge unter Gebet in der Regel ausreichen, um mit sündigen Gedankenmustern zu brechen, zur Buße zu ermutigen und Befreiung zu erlangen. Und doch sind manche dermaßen in ihre Sünde, schlechten Gewohnheiten oder falsche Denkmuster verstrickt, dass es nötig sein kann, dass sich Mitgläubige sehr intensiv damit beschäftigen, um sie davon zu befreien. Das trifft nicht nur auf Ehebruch zu, sondern ebenso auf Habgier, Gesetzlichkeit, Hochmut oder die Weigerung, zu vergeben.

An einem gewissen Punkt auf ihrem Weg abwärts hat Gomer ihre Freiheit verloren. Hosea, motiviert durch seine Liebe zum HERRN wie durch seine Liebe zu seiner Frau, richtet sich darauf ein, nach ihr zu suchen und sie zu befreien (erlösen): „Und ich kaufte ich sie mir für fünfzehn Sekel Silber und einen Homer Gerste und einen Letech Gerste“ (Hos 3,2). Das heißt: Er zahlte mit etwa 170 Gramm Silber sowie etwa 500 Körben Gerste. Der Preis für einen Sklaven betrug üblicherweise 30 Schekel Silber (2Mo 21,32). War Gomer so „abgenutzt“, dass sie weniger wert war als den Preis eines gewöhnlichen Sklaven? Die Tatsache, dass Hosea nur den halben Preis in Silber entrichtete und etwas Gerste dazugab, könnte auch ein Hinweis auf seine begrenzten finanziellen Möglichkeiten sein. Sowohl emotional als auch finanziell war die Erlösung seiner Frau eine teure Angelegenheit. War Gomer das wirklich wert? Der HERR verlangte aber von Hosea noch mehr: „Liebe eine Frau, … wie der HERR die Kinder Israel liebt“ (Hos 3,1). Im Neuen Testament lautet das so: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25). Wir sind von uns aus ganz einfach nicht fähig, so zu lieben. Wenn der HERR etwas von uns verlangt, was wir tun sollen, dann versorgt Er uns auch mit der nötigen Kraft, aber wir müssen bereit sein zum Gehorsam, und wir müssen seine Hilfe erbitten.

Wenn es dir so geht wie mir, dann fühlst du jetzt wahrscheinlich Mitleid mit Hosea. Verlangt der HERR zu viel von ihm? Wie oft sollte Hosea einer so schwierigen Frau vergeben und immer wieder nachgehen? Der Apostel Petrus stellte Jesus eben diese Frage: „Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?“ (Mt 18,21). Der Herr erzählte ihm ein Gleichnis von einem König, der einem seiner Knechte vergab. Dieser aber, dem vergeben worden war, konnte sich nicht dazu entschließen, einem Mitknecht zu vergeben. Lieber gekränkter Ehemann, liebe gekränkte Ehefrau: Habt ihr jemals den Herrn gekränkt? Habt ihr einmal in Ruhe über das Ausmaß und die Schwere eigener Sünde nachgedacht? Hat der Herr in seiner Gnade nicht alles vergeben? Der König bestrafte den Knecht, der sich entschied, nicht zu vergeben. Und dann schließt der Herr mit den Worten: „So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergebt“ (Mt 18,35). Der Herr selbst ist verantwortlich dafür, Gerechtigkeit durchzusetzen, nicht wir. Im christlichen Leben geht es nicht um das Durchsetzen von Gerechtigkeit, sondern um das Erweisen von Gnade – von Gnade, die einen Preis kostet.

Erneut ergriff Hosea die Initiative. Er brachte sie wieder in die Wüste. Erneut sprach er zärtlich zu ihrem Herzen. „Und ich sagte zu ihr: Viele Tage sollst du (bei) mir bleiben, du sollst nicht huren und keinem Mann gehören; und auch ich will mit dir leben“ (NIV-Übers.; Hos 3,3). Es begann ein neuer Prozess der Wiederherstellung. Hosea drückte erneut seine Liebe zu seiner Frau aus. Welch eine Tragödie, dass manche Häuser niemanden haben, der bereit ist, daran zu arbeiten, dass die Familie zusammenbleibt. Willst du es noch einmal probieren? Wahre Liebe hat Ausdauer!

7. Warum lässt der Herr solche Not zu?

Sollte die christliche Lebenserwartung nicht ein Leben der Freude, des Friedens und der Freiheit sein? Haben wir nicht das Recht, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um Schmerz, Opfer und lästige Beschränkungen zu vermeiden? Ich könnte dich jetzt fragen: Hast du Jesus dein Leben übergeben, oder hast du eines dieser religiösen Pakete gekauft, die das Recht auf gute Gesundheit, materiellen Wohlstand und dauerndes Glück beinhalten? War das Leben von Jesus frei von Schmerz und lästiger Beschränkung? Warum erwarten wir dann, dass wir davon frei sein sollten? Was meinst du: Wie würde Jesus wohl mit deinem schwierigen Partner umgehen? Sicher würde Er nicht weniger tun, als was Er von Hosea verlangte! Bist du immer noch gewillt, Jesus überall hin zu folgen? Vielleicht hast du schon bemerkt, dass es, wenn wir Jesus folgen, möglich wird, trotz nicht wünschenswerter Umstände Freude, Frieden und Freiheit zu erfahren.

  • Charakter: Aus dem Leben Hoseas wird klar, dass es nicht immer logische Erklärungen gibt, dass die Familie und die Mitgläubigen nicht immer alles verstehen, dass es nicht immer sehr komfortabel ist, und dass es nicht die angenehmste Möglichkeit darstellt. Jesus hat nicht übertrieben, als Er sagte: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf und folge mir nach“ (Lk 9,23). Und doch ist Schmerz an sich nichts Angenehmes. Der Herr suchte nicht den Schmerz noch freute Er sich gar darüber. Das Wunder ist, dass unser himmlischer Vater Schmerz und Enttäuschung, die wir in dieser gefallenen Welt erleben, dazu benutzt, unseren Charakter zu formen und unsere Fähigkeiten zum Dienst zu verbessern. Hosea und Gomer brauchten einander. Ich bin sicher, dass sie auch ihre glücklichen Zeiten miteinander erlebten. Gott wirkte an ihnen durch diese schwierigen Zeiten. Sie lernten zu gehorchen, auch wenn ihnen gar nicht danach war. Sie lernten Geduld, lernten Vergebung zu gewähren und zu empfangen, sie reiften und wurden durch die Erfahrung der Gnade gestärkt.

  • Dienst: Der HERR liebte sein Volk Israel und wünschte zutiefst seine Wiederherstellung. Wer konnte besser als Hosea nachempfinden, was der HERR über sein widerspenstiges Volk empfand? Da wir seine persönlichen Umstände kennen, können wir fast die Leidenschaft in Hoseas Stimme hören, wenn er Israel im Auftrag Gottes inständig bittet: „Ich aber bin der HERR, dein Gott, … und da ist kein Retter als nur ich. Ich habe dich ja gekannt in der Wüste, im Land der Gluten. Ihrer Weide entsprechend wurden sie satt, sie wurden satt, und ihr Herz erhob sich; darum haben sie mich vergessen“ (Hos 13,4-6). „Kehr um, Israel, bis zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist gestürzt durch deine Schuld! Nehmt Worte mit euch und kehrt zum Herrn um! Sagt zu ihm: ,Vergib alle Schuld und nimm uns in Gnade an!‘“ (NIV-Übers.; Hos 14,2.3). Der HERR brauchte einen solchen Propheten. Durch jene schmerzvollen Ereignisse führte Gott seinen Plan im Leben Hoseas und Gomers aus. Dein himmlischer Vater möchte seine Pläne auch mit dir und durch dich und in deiner Ehe zur Ausführung bringen. Gib nicht auf! Der HERR ist noch nicht fertig!

8. Wahre Liebe hat Ausdauer

Es ist schwierig, über das familiäre Leben von Hosea und Gomer zu lesen und nachzudenken, ohne dass eine Vielzahl an Empfindungen hochkommen. Verrat und Untreue machen mich zornig. Vergebung und Versöhnung machen mich glücklich. Was mich jedoch am meisten berührte, als ich nachdachte über Hoseas fortdauerndes Drama einer Liebe, die durchhält, ist die Erkenntnis, dass sie nur ein unvollkommenes Bild dessen ist, was der Herr bereit ist, für mich zu tun. Ja, wir wissen, dass Christus kam, Verlorene zu suchen, dass Er sich herabließ, in unsere unwürdigen Verhältnisse zu kommen, um uns zu reinigen und in die Familie Gottes zu adoptieren, dass Er einen hohen Preis bezahlt hat, um uns zu erlösen – aber das ist nicht alles. Die Liebe unseres Herrn Jesus, des wahren Hosea, wird uns suchen und uns nachgehen bis zum allerletzten Ende.

Möge es nie geschehen, aber wenn mein Herz dann doch eines Tages erkaltet, wenn ich abgleite, wenn ich untreu werde, ja selbst wenn ich in eine so unwürdige Lage komme wie Gomer oder gar noch schlimmer: Ich habe einen göttlichen Liebhaber, der die Initiative ergreifen und mir nachgehen wird, der nicht nachlässt, egal, was passiert. Er wird mich niemals aufgeben! Dieses Bewusstsein erwärmt mein Herz und lässt mich große Sicherheit spüren. Er liebt mich mit „ewiger Liebe“ und wird mich mit liebender Freundlichkeit [zu sich; Ergänz. d. Übers.] ziehen (Jer 31,3). Mein Gott ist derselbe Gott, der Jona nachging und ihm eine neue Chance gab, der unbeirrt zu David hielt, selbst als er Ehebruch und Mord begangen hatte, der den verlegenen Petrus zu vollem apostolischen Dienst wiederherstellte. Bist du gefallen? Hast du etwas zerstört? Warst du untreu? Bist du der schuldige Teil in deiner Ehe? Wenn du dies liest, ruft dich der Herr gerade jetzt wieder neu. Diese unverdiente Ausdauer ist das untrügliche Kennzeichen göttlicher Liebe. Lass Ihn dich neu lieben!

Schlussbemerkungen

Wenn wir nicht regelmäßig eine positive Rückkopplung erfahren, neigen wir Menschen dazu, den Mut zu verlieren und aufzugeben! Hosea und Gomer unterschieden sich sehr voneinander. Sie erlebten abscheuliche Momente. Wenn der Herr mit dieser komplizierten Ehe einen ganz bestimmten Zweck verfolgte, so wird Er auch für deine Ehe ein besonderes Ziel haben. Gib nicht auf! Gomer war labil, undankbar und wiederholt untreu, und doch ergriff Hosea die Initiative, nach ihr zu suchen, ihr zu vergeben, zu ihrem Herzen zu sprechen und den Prozess der Wiederherstellung in Gang zu setzen. Willst du nicht auch diese die Initiative wieder neu ergreifen? Wahre Liebe gibt nicht auf!


Originaltitel: „Persistent love"
Quelle: www.philipnunn.com

Übersetzung: Hans-Robert Klenke / Frank Schönbach


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