Kindererziehung
Epheser 6,4; 5. Mose 6,6.7

Raymond Kenneth Campbell

© CSV, online seit: 11.02.2001, aktualisiert: 13.10.2017

Leitverse: Epheser 6,4; 5. Mose 6,6.7

Eph 6,4: Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.

Wenn wir uns nun dem zweiten Teil der in Epheser 6,4 an die Väter gerichteten Ermahnungen zuwenden, finden wir den ernsten Auftrag, die Kinder „in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ aufzuziehen. Die Kinder von gläubigen Eltern nehmen einen Platz besonderen Segens ein, denn sie sind bereits grundsätzlich getrennt von dem System der Welt, wo Satan regiert. Ein gläubiger Vater sollte sich dieser bevorzugten Position seiner Kinder bewusst sein und sie in der Gesinnung und in der Zucht und Ermahnung des Herrn aufziehen. Die christliche Stellung muss ihn in der Erziehung der Kinder leiten. Er behandelt sie als Kinder, die er für den Herrn aufzieht, und er erzieht sie, wie der Herr selbst sie erziehen würde. Wir können unsere Kinder zwar nicht für den Himmel passend machen oder sie dorthin bringen, aber im Glauben können wir sie für den Himmel erziehen, und Gott wird in Gnaden seinen Segen zu einer treuen Erziehung schenken.

Das mit „Zucht“ übersetzte Wort bedeutet im Urtext: „Pflege, Unterweisung, Züchtigung“, es weist uns in die Richtung von „nähren, aufziehen, Zucht üben, ausbilden.“ Alle diese Begriffe sind in dem Wort enthalten, und somit werden die Väter (wobei die Mütter eingeschlossen sind) ermahnt, ihren Kindern die rechte Nahrung, Erziehung, Zucht und Ermahnung des Herrn zuteilwerden zu lassen.

Während Epheser 6,4a zunächst die Väter vor zu großer Härte und Strenge warnt, stellt der zweite Teil des Verses ihnen ihre Verantwortlichkeit vor Augen, ihre Kinder in der Zucht, der ernsten Ermahnung und Unterweisung des Herrn aufzuziehen. Dadurch wird dem anderen Extrem vorgebeugt, den Kindern alles durchgehen zu lassen und sie tun zu lassen, was sie wollen. Die Väter sind verantwortlich, ihre Kinder in den Wegen des Herrn aufzuziehen, ihre Herzen mit dem Wert des Wortes Gottes bekannt zu machen und die Zucht und die Ermahnungen des Herrn ihrem Gewissen einzuprägen. Dazu gehört, dass sie die Kinder die Wege lehren, die der Herr uns für unseren Wandel vorgezeichnet hat, und dass sie sie auch erziehen, wenn sie den Geboten des Herrn und der Eltern nicht gehorchen.

Was Kinder brauchen …

Es ist gut, die Herzen und Sinne der Kinder mit den Wahrheiten des Wortes Gottes anzufüllen! Es ist immer gut, selbst unbekehrte Kinder in den Schriften zu unterweisen und ihnen eine gründliche Kenntnis des Wortes Gottes zu vermitteln. Es ist wie das Zusammentragen von brennbarem Material, wo dann ein Funke genügt, um das Feuer zu entfachen. „Auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre, welcher du genau gefolgt bist“ (1Tim 4,6), konnte Paulus dem jungen Timotheus schreiben. Von Kind auf hatte er die heiligen Schriften gekannt, die vermögend sind, weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christus Jesus ist (2Tim 3,15). Sein Vater war ein Grieche und vielleicht nicht errettet. Aber seine treue Großmutter und die Mutter hatten ihn die Wahrheiten der Heiligen Schrift von Kindheit an gelehrt. Mütter spielen bei der Unterweisung der Kleinen in den Schriften eine wichtige Rolle. Doch beschäftigen wir uns in diesem Abschnitt mit der Verantwortlichkeit der Väter für das gesunde geistliche Wachstum ihrer Kinder.

Den Vätern in Israel wurden zu diesem Zweck ernste und umfassende Anordnungen gegeben (5Mo 6,6-9; 11,18-21):

5Mo 6,6-9: Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest und wenn du auf dem Wege gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern sein zwischen deinen Augen; und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.

Dies ist ein schönes Bild von einem Haus, das dem Herrn dienen möchte! Der Vater bewahrt die Aussprüche Gottes in seinem Herzen und hat sie stets vor Augen. Er schärft sie seinen Kindern ein und macht das Wort zum Gegenstand der Unterhaltung in seinem Hause, während es zum öffentlichen Zeugnis auch an den „Toren“ zu finden ist. Sollen die Kinder Gottes Wort schätzen, so muss es zunächst von dem Vater und der Mutter geschätzt werden und einen Platz in ihren Herzen haben, so dass die Kinder sehen, dass den Eltern die Bibel einfach wichtig ist. Es ist wohl gut, die Kinder in die Sonntagsschule zu schicken, um etwas aus der Bibel zu lernen, doch enthebt dies die Eltern nicht ihrer Verantwortung, die Kinder zu Hause in der Schrift zu lehren.

Geistliche Dinge stehen an erster Stelle

Manche Väter und Mütter lassen sich durch geschäftliche und materielle Dinge so in Anspruch nehmen, dass sie wenig oder gar keine Zeit darauf verwenden, das Wort zu lesen und darüber nachzudenken zu ihrem eigenen geistlichen Nutzen und dem ihrer Kinder. Dadurch wird bei ihren Kindern der Eindruck erweckt, dass den materiellen Dingen der Vorrang gebührt und die geistlichen Dinge keinen allzu großen Wert haben. Ist es dann zu verwundern, wenn solche Kinder in weltlicher Gesinnung aufwachsen und wenig Geschmack am Worte Gottes haben? Wir können von den materiellen Bedürfnissen unserer Kinder und unserem Vorwärtskommen in der Welt so in Anspruch genommen sein, dass wir die weitaus wichtigsten Bedürfnisse der Kinderseelen vergessen und wenig oder keine Zeit haben, mit ihnen über geistliche Dinge zu reden. Das ist aber keine Kindererziehung in der „Zucht und Ermahnung des Herrn“.

Die Kinder im Wort Gottes zu belehren und ihre geistlichen Bedürfnisse im Auge zu haben, gehört zu den allerwichtigsten Aufgaben eines Vaters, und doch ist dies der Punkt, in dem er häufig am meisten versagt. Wie traurig! Wir müssen uns die Zeit nehmen, das Wort Gottes mit unseren Kindern zu lesen, mit ihnen zu beten, ihnen geistliche Anwendungen aus den Begegnungen des täglichen Lebens zu zeigen. Wir müssen bereit sein, ihnen „die Speise zur rechten Zeit“ zu geben. Wenn es unser Wunsch ist, dass sie errettet werden und in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus wachsen, so müssen wir unser Teil tun und sie mit dem Wort Gottes vertraut machen, wo immer es geht: „Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest und wenn du auf dem Wege gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“ (5Mo 6,7).

Es kann auch sein, dass ein Vater anderen oft das Wort Gottes verkündigt und sich, wie er es nennt, im „Dienst Christi“ eifrig betätigt, darüber aber seine erste Pflicht vernachlässigt, seine Frau und seine Kinder mit dem Worte Gottes vertraut zu machen. Der Dienst des Herrn beginnt zu Hause im Familienkreis. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Hüter fremder Weinberge sein wollen und dabei die Hut unseres eigenen Weinbergs vernachlässigen (Hld 1,6).

Die Familienandacht

Jeder Vater, der bewusst Christ ist, sollte eine „Familienandacht“ in seinem Haus einrichten und seine Familie und sonstige Hausbewohner täglich zum Lesen der Bibel und zum Gebet versammeln, wenn möglich auch zum Singen von christlichen Liedern. Es ist dies die Verantwortlichkeit des Vaters als Priester in seinem Hause. Ist der Vater abwesend, so sollte die Mutter den Dienst übernehmen. Väter, vernachlässigt nicht die überaus wichtige Familienandacht; lasst euch durch nichts davon abhalten! Ihr könnt eure Kinder nicht für den Herrn erziehen ohne eine Familienandacht. Es genügt nicht, dass ihr allein betet und die Bibel lest und die Kinder für sich das gleiche tun. Ihr müsst das Wort mit eurer Familie gemeinsam lesen und mit ihr gemeinsam beten. Möchten die Kinder euch im Gebet sehen und eure Stimme im Flehen für sie vor Gott hören, damit sie wissen, was euer Herzenswunsch für sie ist! „Die Erinnerung an das Gebet des Vaters ist ein fester Anker für manches angefochtene Kind“ hat jemand mit Recht geschrieben.

Geht zusammen auf eure Knie und bittet um den Segen des Herrn für eure Familie, sowohl wie auch für jedes einzelne Familienmitglied, und dankt Ihm für die Segnungen und die Güte, die ihr in der Familie erleben dürft. In Jeremia 10,25 finden wir ein bemerkenswertes Bibelwort, das beweist, dass Gott nicht nur von Einzelnen, sondern auch von Familien erwartet, dass sie seinen Namen anrufen. Der Prophet sagt: „Ergieße deinen Grimm über die Nationen, die dich nicht kennen, und über die Familien (engl. Übers.), die deinen Namen nicht anrufen!“ Lieber gläubiger Vater, spricht dieses Wort auch ernst zu dir? Rufst du mit deiner Familie zusammen den Namen des Herrn an? Ein alter Bruder sagte: „Eine Familie ohne Gebet ist wie ein Haus ohne Dach, schutzlos den Stürmen preisgegeben.“ Und: „Das Familiengebet verriegelt nachts die Tür gegen alle Gefahren, und öffnet sie morgens, um der Barmherzigkeit des Herrn Eintritt zu verschaffen.“

Ein Gefängnisgeistlicher sagte einmal: „Was sich aus dem Gedächtnis eines leichtsinnigen, gefallenen Sohnes am schwersten auslöschen lässt, sind das Gebet, die Bibelverse und die Lieder, die er früher im Elternhaus gelernt hat.“

Einen „verlorenen Sohn“ zurückgewinnen

Ein Vater hatte einen widerspenstigen, schwer zu lenkenden Sohn, der sogar zu einer Gefahr für das Leben der Familienmitglieder wurde. Nachdem alle Versuche, durch Liebe, Belohnungen, Strafe und Zwang seinen Sinn zu ändern, fehlgeschlagen waren, beschloss der Vater, seinen Sohn in eine Besserungsanstalt zu schicken. Er suchte den Schulvorsteher, einen freundlichen Christen, auf und klagte ihm seine Not. Der war bereit, den Jungen aufzunehmen, doch wollte er vor der endgültigen Entscheidung noch eine Frage stellen.

„Sie sagen, Sie hätten alle Möglichkeiten erschöpft“, sagte er, „und kein Weg hätte einen Erfolg gebracht. Nun möchte ich doch wissen, ob Sie den Versuch gemacht haben, mit ihm gemeinsam zu beten!“

„Nein“, antwortete der Vater erstaunt, „daran habe ich noch nicht gedacht!“

„Nun, dann müssen Sie zunächst nach Hause gehen“, sagte der Schulvorsteher, „und mit ihm zusammen beten. Mein Empfinden ist, dass ich ihn nicht bei mir aufnehmen oder irgendetwas in der Sache unternehmen kann, ehe nicht die Macht des Gebets zu Hause, und zwar in seiner Gegenwart, erprobt worden ist.“

Der Vater sagte daraufhin, er könne nicht vor seiner Familie beten und bringe nicht den Mut auf zur Einrichtung einer Familienandacht. Der Schulvorsteher gab ihm den Rat, nach Hause zu gehen, um 9 Uhr abends seine Familie zu versammeln, ihnen ein Kapitel aus der Bibel vorzulesen und mit ihnen zu beten. Er versprach, dass er selbst und seine Frau zur gleichen Stunde für sie alle, und besonders für Lane, den widerspenstigen Sohn, beten würden.

Nach seiner Rückkehr erzählte der Vater seiner Frau alles, was der Schulvorsteher gesagt hatte. Sie antwortete, dass sie schon lange unter dem Eindruck stände, sie seien ihrer Pflicht in dieser Beziehung aus dem Wege gegangen. Sie drängte ihren Mann, nicht länger zu zögern, sondern am gleichen Abend mit der Familienandacht zu beginnen; sie versprach, alles Nötige zu veranlassen.

Nach dem Abendbrot schlug die Mutter den Kindern vor, Röstmaiskugeln zu machen und übertrug Lane die Leitung. Dies war ein sehr beliebter Zeitvertreib des Jungen; die Mutter wollte auf diese Weise erreichen, dass er sich nicht wie üblich am Abend hinausstehlen konnte. Anschließend trug die Mutter den Kindern auf, sich zu waschen und um 9 Uhr im Wohnzimmer zu sein zu einer besonderen Überraschung.

Eine große Familienbibel wurde herbeigebracht und auf den Tisch gelegt. Der Vater konnte ein Zittern nicht verbergen. Er sagte seiner Familie, er sei betrübt darüber, dass er seine Verpflichtung um das geistliche Wohl seiner Kinder in beschämender Weise außer Acht gelassen habe. Er sagte dann, dass heute Abend ein neuer Anfang gemacht werden solle, und er wolle sehen, ob sie am nächsten Tag nicht alle froher und glücklicher sein würden. Dann las er ein Kapitel aus der Schrift und kniete nieder zum Gebet.

Seine Frau und die Kinder knieten mit ihm hin, mit Ausnahme von Lane. Dieser saß aufrecht da mit einem finsteren, blassen Gesicht und einem verstörten Ausdruck. Ab und zu blickte er nach der Tür, als ob er überlegte, wie er am schnellsten entwischen könne. Der arme Vater fand zunächst keine Worte, um seine erregten Gedanken und Gefühle auszudrücken. Da erinnerte er sich an den Schulvorsteher und seine Frau, die zur gleichen Stunde im Gebet für sie eintraten, und seine stammelnde Zunge wurde gelöst zu inbrünstigem Gebet. Zum Schluss flehte er noch in zarter und ergreifender Weise für Lane, seinen verirrten Sohn, sowie dass doch alle ihren Eigenwillen dem sanften Joch Christi unterordnen möchten. Da stand Lane von seinem Stuhl auf, ging zu seinem Vater, kniete neben ihm hin, warf die Arme um seinen Hals und schluchzte: „Bete weiter, Vater, bete weiter! Ich habe versucht, Gott darum zu bitten, mein böses Herz rein zu machen, aber ich kann Ihn allein nicht erreichen. Aber ich weiß, dass Er mich jetzt hören wird, wenn du bereit bist, mit mir zu beten!“

Die ganze Familie erhob sich von den Knien, erschüttert und mit tränenüberströmten Gesichtern. Die beiden ältesten Töchter erzählten dem Vater, sie hätten bereits zusammen gebetet, diese aber sei die glücklichste Stunde in ihrem Leben. Lane war völlig umgewandelt. Er übergab seinem Vater das geladene Gewehr, mit dem er noch am gleichen Tag die Familie in Schrecken versetzt hatte, und sagte, er hätte sein Tun eingesehen und werde ihnen keinen weiteren Kummer bereiten. „Vergebt, o vergebt mir, mein Vater, meine Mutter, meine Brüder und Schwestern“, rief er, „so wie ich auf die Vergebung Jesu Christi vertraue!“

Welch ein eindrucksvolles Zeugnis für die Wirksamkeit und umgestaltende Macht des Familiengebets! Möge diese wahre Begebenheit jedem Vater zum Segen sein!

Bestrafung des Ungehorsams

Heb 12,6.7: Wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott handelt mit euch als mit Söhnen; denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?

2Sam 7,14: Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein, so dass, wenn er verkehrt handelt, ich ihn züchtigen werde mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder.

Gal 6,7.8: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten; wer aber für den Geist sät, wird von dem Geist ewiges Leben ernten.

Das ist die Weise unseres himmlischen Vaters mit uns, seinen Kindern, zu handeln. Er „geißelt jeden Sohn, den er aufnimmt“. Er geht seine sittlichen Regierungswege mit uns, und was wir säen, müssen wir ernten.

Sind wir Ihm ungehorsam, so müssen wir dafür leiden und lernen dadurch, dass der Ungehorsam bittere Früchte trägt. Sind wir gehorsam, so ernten wir die gesegneten Früchte des Gehorsams und erfahren, dass das stets der beste Weg ist. Wir erfahren jedoch nicht nur die Regierungswege Gottes in unserem Ungehorsam, sondern auch sein Handeln an uns in Gnade, Barmherzigkeit und Langmut, besonders wenn wir uns beugen. Er erzeigt uns seine Liebe zur rechten Zeit und seine Zucht zur rechten Zeit.

Aus dem Handeln unseres himmlischen Vaters mit uns, seinen Kindern, lernen wir, wie wir mit unseren Kindern umgehen sollen. Wir sollten sie für ihren Ungehorsam züchtigen und durch die Strafe zeigen, dass das Kind unser Sohn ist, denn „wenn ihr … ohne Züchtigung seid, welcher alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne“ (Heb 12,8). Als Väter müssen wir unseren Kindern gegenüber Zucht, aber auch Gnade und Barmherzigkeit üben. So werden sie den Segen des Gehorsams lernen, aber auch den Kummer und Schmerz, den der Ungehorsam mit sich bringt.

Züchtigung oder Strafe brauchen nicht immer mit dem Stock ausgeführt zu werden, obwohl diese Form der Bestrafung manchmal notwendig sein wird. Es gibt viele andere Möglichkeiten, Ungehorsam zu bestrafen. Den Kindern können besondere Aktivitäten für eine Zeit lang versagt werden, sie können zu einer ihnen unangenehmen Arbeit herangezogen werden usw. Die Eltern werden bald feststellen, auf welche Weise sie den Gehorsam des einzelnen Kindes am besten fördern können. Kinder reagieren verschieden; man kann sie nicht alle gleich behandeln. Jede Veranlagung und jedes Temperament erfordert eine entsprechende Behandlung. Manche Kinder lassen sich mit Milde erziehen, bei anderen mag ein strenger Blick oder eine strenges Wort genügen, während wieder andere von Zeit zu Zeit eine schärfere Strafe brauchen. Sollte jemand meinen, der Gebrauch des „altmodischen“ Stockes sei unchristlich und mit der Gnade, in der wir stehen, unvereinbar, so wird es für uns alle gut sein, folgende Stellen aus Salomos inspiriertem Buch der Weisheit zu lesen und zu überdenken:

Spr 13,24: Wer seine Rute spart, hasst seinen Sohn; aber wer ihn lieb hat, sucht ihn frühe heim mit Züchtigung.

Spr 19,18:
Züchtige deinen Sohn, weil noch Hoffnung da ist, und lass deine Seele ihn nicht schonen wegen seines Weinens (engl. Übersetzung).

Spr 22,15:
Narrheit ist gekettet an das Herz des Knaben; die Rute der Zucht wird sie davon entfernen.

Spr 23,13.14:
Entziehe dem Knaben nicht die Züchtigung; wenn du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben. Du schlägst ihn mit der Rute, und du errettest seine Seele von dem Scheol.

Spr 29,15.17:
Rute und Zucht geben Weisheit … Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Ruhe verschaffen und Wonne gewähren deiner Seele.

Das sind gesunde, beachtenswerte Worte der Weisheit für Eltern aller Zeitalter; werden sie missachtet, so kann das nur Kummer zur Folge haben.

Die Rute von der Liebe geführt

Jemand hat richtig gesagt: „Das Kind muss selbst unter den Schlägen der Rute verspüren, dass es die Liebe ist, die die Rute anwendet. Kinder merken sehr schnell und empfinden in ihren jungen Herzen sehr scharf, ob Liebe oder Ärger und Zorn des Vaters die Rute führt. Im letzteren Fall wird die Bestrafung alles andere als eine Besserung zur Folge haben. Zorn ruft Zorn hervor. „Ihr Väter, ärgert eure Kinder nicht, auf dass sie nicht mutlos werden.“ In solch einem Fall wird jeder Schlag der Rute das arme Herz des Kindes seinen Eltern entfremden, anstatt es inniger mit ihnen zu verbinden.

Wie wichtig ist es daher für den Vater oder die Mutter, vor dem Schlagen mit einem demütigen, gebeugten Herzen zu Gott aufzublicken und Ihn um die nötige Gnade und Weisheit zu bitten. Er, „der allen willig gibt und nichts vorwirft“, kann durch seinen Geist der Liebe und Besonnenheit die Hand des Vaters leiten bei der Anwendung der bitteren Zuchtrute.

Das Versagen Davids

Wir finden eine Warnung an alle Väter in der kurzen Bemerkung des Geistes Gottes bezüglich Davids Versagen in der Erziehung seines Sohnes Adonija. In 1. Könige 1,6 lesen wir: „Und sein Vater (David) hatte ihn (Adonija), solange er lebte, nicht betrübt, dass er gesagt hätte: Warum tust du also?“ Dieses Versagen Davids, seinen Sohn nicht zu ermahnen und in Zucht zu halten, wird von Gott erwähnt im Zusammenhang mit Adonijas Aufbegehren gegen den geoffenbarten Plan und Willen Gottes, indem er sprach: „Ich will König werden!“, als der Tod seines Vaters herannahte. Gott hatte bereits früher seine Absicht erklärt, dass Salomo seinem Vater David als König nachfolgen sollte. Adonijas Schritt, sich jetzt selber zum König zu machen, war ein ernster Schritt der Auflehnung gegen den HERRN.

Gott hat diese beiden Tatsachen zusammengestellt: Adonijas Erhebung und Empörung gegen Gottes Vorsatz und Davids Versäumnis, Adonija in seiner Kindheit und Jugend in Zucht zu halten. Will Gott uns damit nicht das demütigende Ergebnis der Gleichgültigkeit Davids in der Erziehung seines Sohnes vor Augen stellen? Die Empörung des Sohnes war die Folge von Davids Versagen als Vater.

Dieser Sohn scheint ein besonderer Liebling im Elternhaus gewesen zu sein – eine Gefahr für Vater sowohl wie für Kind. (Beachte auch den Unsegen in Isaaks Familie aus dem gleichen Grund; 1Mo 25,28; 27.) David war zu zart und weich mit seinem Sohn umgegangen und hatte ihm seinen eigenen Willen gelassen. Er hatte Adonija „nie betrübt“, und nun musste er die bitteren Früchte seines Versäumens ernten und selber die Betrübnis kosten. Der Sohn wird stets den Vater betrüben, wenn der Vater den Sohn nie betrübt hat. Auf Davids Seite war große Schuld in seiner ichbezogenen Liebe zu seinem Sohn. Denn hätte er seinen Sohn zu dessen eigenem Nutzen betrübt, so hätte er ihm damit im Grund eine tiefere Liebe bezeugt als dadurch, dass er ständig mild und zärtlich zu ihm war und seinen Eigenwillen duldete. Das langjährige Versagen zu Hause tritt nun zutage und zeigt sich in der Öffentlichkeit. Und dies alles wird uns zu unserer Belehrung und unserem Nutzen mitgeteilt.

Jemand hat treffend bemerkt, dass Eltern, die ihre Kinder nicht zu lenken verstehen, im Lauf der Zeit von ihren Kindern gelenkt werden, denn einer muss die Führung ja haben.

„Ein Nachlassen oder gar die Aufgabe der Zucht“, schreibt jemand, „seitens der Eltern führt unweigerlich zum Ungehorsam der Kinder. Angesichts dieser verbreiteten Gefahr sind alle anderen Erziehungsmittel nur ein schwacher Versuch, das herannahende Unheil aufzuhalten.“

„Es ist eine bekannte Tatsache, dass diejenigen Eltern, die ihren Kindern gegenüber nicht immer nur gütig sind, sondern sie auch zum strikten Gehorsam und in Unterordnung unter die elterliche Autorität erziehen, stets von ihren Kindern am meisten geliebt und geschätzt werden. Übermäßig nachsichtige Eltern dagegen ernten von ihren Kindern in der Regel alles andere als Dankbarkeit, Achtung und Anhänglichkeit.“ So schreibt ein maßgeblicher Beobachter sehr zu Recht.

Es sei noch bemerkt, dass unsere Ausführungen über die „Bestrafung des Ungehorsams“ sich zwar an die Väter richten, auf denen die größere Verantwortung im Haus ruht, jedoch auch für die Mütter Gültigkeit haben, die ja in Übereinstimmung mit den Vätern handeln und die Zucht aufrecht erhalten müssen.


Aus Das christliche Familienleben von R.K. Campbell,
erschienen bei CSV, Hückeswagen


Hinweis der Redaktion:

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