Gründe, die für eine Ehe sprechen ...
Sexualität ist keine Sünde!

Watchman Nee

© CLV, online seit: 11.03.2001, aktualisiert: 01.10.2016

Um ein Christ zu sein, ist es wichtig, dass wir in einer Glaubenshaltung mit unseren eigentlichen Grundproblemen umgehen. Wenn es in diesen wesentlichen Bereichen – sei es in der Familie oder im Beruf – zu einer bloßen „moralischen“ Haltung kommt, werden früher oder später andere, zusätzliche Probleme auftauchen. Eine unbewältigte Schwierigkeit kann stark genug sein, um geistliches Wachstum und einen gottgefälligen Lebenswandel zu verhindern.

Sexualität – keine Sünde

Wie Menschen sich ihres Hungers bewusst werden, so spüren und erkennen sie auch ihre Sexualität. Wenn Hunger ein natürliches, physisches Bedürfnis ist, dann ist auch die Sexualität ein natürliches Verlangen. Es ist ja ganz normal, wenn jemand Hunger hat, und dies wird ihm auch nicht als Sünde angerechnet. Erst bei der unerlaubten Entwendung von Nahrung wird von Sünde gesprochen, weil diese Handlung den Rahmen des Normalen sprengt. So wird auch die Sexualität erst dann zur Sünde, wenn sie in abwegiger Weise „gebraucht“ wird und zur egoistischen Befriedigung eigener Wünsche dienen soll. Sexualität ist ein Geschenk Gottes. Die Ehe wurde von Gott geschaffen und eingesetzt. Sie wurde vor und nicht nach dem Fall des Menschen verordnet. Das alles geschah vor dem Sündenfall in 1. Mose 3. In der Tat führte sie Gott schon in 1. Mose 2 ein. Somit existierte die Ehe, bevor die Sünde in die Welt kam. Es ist wichtig, dies zu erkennen. Das Wissen um die Sexualität war da, bevor man um die Sünde wusste.

In den dreißig Jahren meines Dienstes und Glaubens hatte ich mit einer nicht geringen Anzahl von jungen Menschen Kontakt. Dabei habe ich junge Leute kennengelernt, denen dieser Bereich keinerlei Not bereitete, während andere von unnötiger Selbstanklage durch ihr Gewissen beunruhigt waren. Durch unnötige Anklage der eigenen Person wurden sie geplagt, weil sie Gottes Absicht mit ihnen nicht kannten und in seinem Wort nicht „zu Hause“ waren. Schon bei dem Gedanken an die Sexualität glaubten sie gesündigt zu haben. Ja, es ist in gewissen Fällen sogar so weit gekommen, dass Menschen Gottes Wirken an ihnen deshalb in Frage stellten. Sexualität als Sünde zu bezeichnen ist eine heidnische Vorstellung. Wie der Hunger, so steht auch die Sexualität zunächst außerhalb dem Bereich der Sünde. Durch seine Apostel lässt Gott uns wissen: „Die Ehe ist von allen in Ehren zu halten“ (Heb 13,4). Sie ist nicht nur eine Sache, die in Ehren gehalten werden soll, sondern sie ist sogar heilig. Für Gott ist die Geschlechtlichkeit zugleich normal und heilig.

Dr. F.B. Meyer schrieb viele Bücher, in denen es ihm darum ging, Christen zu unterweisen und weiterzubringen. Er war der Ansicht, dass nur eine schmutzige Phantasie Sexualität als schmutzig bezeichnen könne. Ich glaube, diese Formulierung ist gut gewählt und trifft die Sache. Der Mensch überträgt seine eigene Verdorbenheit auf die Geschlechtlichkeit. Für den Reinen ist alles rein, genauso wie für den Unreinen alles den Schleier des Unreinen bekommt. Für den Letzteren wird sein Denken immer verdorben sein.

Die Geschlechtlichkeit in der Ehe ist aber in ihrer eigentlichen Bedeutung rein und unverdorben. Paulus zeigt uns, dass in „späteren Zeiten“ Lehren von Dämonen aufgestellt werden, „die verbieten zu heiraten“ (1Tim 4,3). Diese besondere dämonische Lehre hat zunächst den Anschein der Heiligkeit. G.H. Pember bringt es in seinen Schriften besonders zum Ausdruck, dass Menschen gerade in der Überzeugung ihrer Heiligkeit solche Verbote aufstellen können. Sie glauben, dadurch einen Akt der Heiligung zu vollbringen. In dem ersten Brief an Timotheus wird jedoch klar darauf hingewiesen, dass das Heiratsverbot auf dämonische Einflüsse zurückzuführen ist. Gott selbst hat nie ein Verbot bezüglich der Heirat ausgesprochen. Darum braucht sich auch kein Gläubiger von dieser heidnischen Lehre in seinem Gewissen bestimmen und verklagen zu lassen. Wenn er sich vor Augen hält, dass die Geschlechtlichkeit von Gott geschenkt ist, kann er sich auch vergegenwärtigen, dass die Sünde nicht im „Gebrauch“, sondern im „Missbrauch“ liegt.

Drei Gründe, die für die Ehe sprechen

1. Die gegenseitige Hilfe

Wie schon erwähnt – die Ehe ist von Gott eingesetzt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1Mo 2,18). Gott sagt, dass alles, was von Ihm geschaffen ist, gut und nicht verwerflich ist. Gott sah am ersten Tag der Schöpfung das Licht und nannte es gut. Genauso bezeichnete Er an jedem Tag (außer dem zweiten) sein Werk als gut. (Der zweite Tag bildet eine Ausnahme, weil an ihm der Himmel, der Aufenthaltsort Satans, geschaffen wurde.) Am sechsten Tag jedoch, als Gott den Menschen geschaffen hatte, sagte Er: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Diese Aussage sollte nicht andeuten, dass der Mensch etwa nicht gut geraten sei, sondern dass seine „Unvollkommenheit“ in seiner Halbheit begründet lag.

So schuf Gott dem Mann eine Gehilfin und brachte sie am sechsten Tag zu Adam. Sie wurde ausdrücklich dafür geschaffen, ihm als Ehefrau zur Seite zu stehen. Das Wort „Gehilfin“ beinhaltet nicht nur den Aspekt des Helfens, sondern auch den des Zusammenkommens.

Als Gott den Menschen erschuf, schuf er ihn als Mann und Frau. Man könnte meinen, er habe zuerst einen halben Menschen geschaffen und dann die andere Hälfte hinzugefügt, um den „ganzen Menschen“ zu erhalten. Erst als die beiden Hälften zusammenkamen, war der Mensch „vollendet“. Erst dann sagte Gott: „Und siehe, es war sehr gut“ (1Mo 1,31). Als Erstes muss uns klar sein, dass die Ehe von Gott eingesetzt wurde und nicht eine Idee des Menschen selbst war.

Dann ist die schon erwähnte Tatsache, dass sie vor dem Sündenfall da war, für uns von Bedeutung. Der Mensch sündigte nicht am ersten Tag seiner Erschaffung, sondern er heiratete. An dem Tag, an dem Gott Eva erschuf, gab er sie Adam. Das alles weist daraufhin, dass die Ehe von Gott eingesetzt ist. In 1. Mose 2 ist von Gottes Schöpfung die Rede; in Johannes 2 wird von der Hochzeit zu Kana berichtet. Das Letztere besagt, dass Jesus die Ehe nicht nur erlaubt, sondern auch gutgeheißen hat. Er war bei der Hochzeit gegenwärtig und trug auch zu deren gutem Gelingen bei. Gott setzte die Ehe ein und der Herr bestätigte sie. Es liegt in Gottes Absicht, dass der Mann eine Frau hat, die ihm zur Seite stehen kann. Deshalb wird die Frau auch „Gehilfin“ genannt. Er möchte, dass sie in wahrer Gemeinschaft zusammenleben und einander helfen.

2. Vermeidung von Unzucht

Wie wir im AT lesen können, hat Gott die Ehe eingesetzt, noch bevor die Sünde in die Welt kam. Zur Zeit des NT hatte sich Sünde jedoch schon längst eingeschlichen. Paulus zeigt uns in 1. Korinther 7, dass trotz der Sünde die Ehe nicht nur erlaubt, sondern geradezu eine Notwendigkeit geworden ist. Um der Unzucht zu entgehen, so sagt Paulus, soll jeder Mann seine eigene Frau haben und jede Frau ihren eigenen Mann. Er sieht in der Geschlechtlichkeit an sich keine Sünde, sondern empfiehlt vielmehr die Ehe als Schutz gegen die Unzucht.

In Römer 13,14 sagt Paulus: „Pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung von Begierden.“ Das ist eine wundervolle Sache. Ich will es verdeutlichen: Nehmen wir an, ein Mensch lebt in der Sünde des Hochmuts, so kann Paulus nicht zu ihm sagen: „Weil du eine Neigung zum Hochmut hast, ist es gut, wenn du zu Hause hochmütig bist. Solange es nicht in der Öffentlichkeit geschieht, ist es ja nicht schlimm.“ Wenn Gott so reden würde, würde Er den fleischlichen Begierden Vorschub leisten. Deshalb sagt man einem Menschen, der stiehlt, auch nicht, dass er getrost Gegenstände von einer gewissen Person stehlen könne, solange er die Allgemeinheit in Ruhe lässt. Statt dessen wird man ihm sagen: „Ich werde es nicht zulassen, dass Sie stehlen“ – und das in jedem Fall. Stehlen ist schlechthin als Sünde zu bezeichnen und deshalb kann es keine Ausnahme geben. Hochmut ist immer und ohne Ausnahme Sünde. Da aber die Sexualität nicht von vornherein Sünde ist, sollte jeder Mann seine eigene Frau haben und umgekehrt. Wäre Geschlechtlichkeit in der Ehe Sünde, würde Paulus mit seinen Worten das Fleisch pflegen und falsche Begierden wecken. Wir wissen aber, dass er das von vornherein nicht kann, weil er Sexualität ja nicht als Sünde bezeichnet.

Wir wollen festhalten, dass Gott der Sünde keine Zugeständnisse macht, indem er die Ehe einsetzt, sondern die Ehe vielmehr heiligspricht. Paulus sagt in 1. Korinther 7,4 in Bezug auf die Ehe: „Die Frau verfügt nicht selbst über ihren Leib, sondern der Mann; gleicherweise verfügt aber auch der Mann nicht selbst über seinen Leib, sondern die Frau.“ Seine Aussagen in diesem Zusammenhang sind klar und unmissverständlich. In Vers 5 heißt es weiter: „Entziehet euch einander nicht, außer nach Übereinkunft auf einige Zeit, damit der Satan euch nicht versuche um eurer Unenthaltsamkeit willen.“ Um der Unzucht vorzubeugen, sollten die Eheleute also nicht getrennt sein. Auch hier sehen wir wieder, dass Gott das Zusammenleben in der Ehe bejaht. „Heiraten ist besser als in Glut geraten“ (1Kor 7,9). Paulus verwendet hier kräftige Ausdrucksformen. Alle, die ein übergroßes Verlangen nach Ehegemeinschaft haben und sich in ihrer Enthaltsamkeit verzehren würden, sollen heiraten. Er tadelt sie deswegen nicht, weil ja das Verlangen nach Ehegemeinschaft keine Sünde ist. Das Wort Gottes macht hier die klare Aussage, dass weder die Geschlechtlichkeit noch das Verlangen nach sexueller Erfüllung Sünde ist. Auch dafür hat Gott die Ehe eingesetzt. Darum sollten sich die, die danach verlangen, nicht der Ehe enthalten, sonst fallen sie allzu leicht in Sünde.

3. Gemeinsam Gnade empfangen

Zu den Ehemännern sagt Petrus in 1. Petrus 3,7: „Erweiset ihnen (den Frauen) Ehre als solchen, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind.“ So kann man sagen, dass es Gott gefällt, wenn ihm Mann und Frau gemeinsam dienen. Er gebraucht Aquila und Priscilla als Paar, ebenso Petrus und seine Frau. Auch Judas und seine Frau dienten dem Herrn gemeinsam.

Neulinge im Glauben sollten wissen, dass es grundsätzlich drei Gründe für eine christliche Ehe gibt:

  1. um sich gegenseitig zu helfen,
  2. um der Sünde keine Gelegenheit zu geben und
  3. um gemeinsam Gnade von Gott zu erhalten. Eine christliche Ehe geht nie nur einen an, sondern bringt immer beide zugleich in die Gegenwart Gottes. Nicht einer allein, sondern beide sind Miterben der Gnade Gottes.

Aus dem Buch Zur Ehre Gottes leben,1999,  S. 13–20
mit freundlicher Genehmigung vom CLV-Verlag


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